Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden
- Journal
- Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden
- Volume
- 10 (1932)
- Issue
- 4 (28.9.1932)
- Date
- 1932-09-28
- Page
- Seite 35 (sequence 35)
- Language
- German
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— 36 — Gemeinden den Lehrerberuf vom Schächterderuf trennen können, eine Garbe, die «ns von je am Herzen liegt. Sehnlich liegt die Sache der den Htlfskantoven. Auch hier könnte man planmäßiger voriugehen versuchen. Man sollte auch 5kurse nicht nur für Hilfskantoven errichten, sondern überhaupt die musikalische Ausbildung innerhalb der kleinen Gemeinden heben. Wie man das im einzelnen machen kann, ist «ine Sache für sich. Ich glaube über, daß sich hier mit Verhältnis,näßig geringen Mitteln dei richtiger Planwirtschaft Erhebliche» erreichen ließe. Aba. RAnw. Horovitz: Ich bin ganz der Ansicht des Kol« legen Seliafohn, daß wir vielleicht mit einem Teil dieser auszu. bildenden Lehrer ein jüdisches Proletariat erziehen. Aber, mein« Damen «nd Herren, ich bin weiter der Ansicht, daß wir überhaupt in Zukunft von unserer Jugend mehr im Proletariat schen werden, als unsere Väter es träumten. Und ich meine, daß es besser ist, wir haben ein jüdisches Proletariat mit jüdischem Wissen und Wesen, als wir haben ein Proletariat, das ohne diesen Rückhalt der 4tzttation zum Opfer fällt, die von einer vollkommen unjüdischen Seite heute unter den Berufslosen und Berufsveqweifelnd«, getrieben wird. Deshalb glaube ich den angeführten Gründen noch hinzufügen zu müssen, wir sollten alles tun, bestehende Anstalt«» und bestehende Äusbtldungsmöglichkeiten, wenn dabei auch noch jüdische Werte vermittelt werden, zu fördern, und es ist ganz falsch, allgemein zu sagen, wir dürfen das gar nicht, um nicht falsch« Hoffnungen zu erregen. Damit nehmen wir dieser Jugend den letzten Rest der Hoffnung. Was soll die Jugend noch ansangen? Soll sie ein Proletariat bilden, das nicht einmal als unausgebildete Arbeiter noch irgendwo eine Stellung findet, oder sollen wir nicht dafür sorgen, daß «ine Möglichkeit der Unterbringung vochaniben ist? Und da ist allerdings die stärkste Möglichkeit der Unterbrstmung die Förderung der jüdischen Schule, die wir auch aus liberalen Kreisen, allerdings nur vereinzelt, emp. fehlen hören. Es ist mir inzwischen auch eine kleine Statistik vorgelegt worden, die ich zu Ihrer Kenntnis bringen will, daß nämlich nach dem Stand'vom 15. Februar immerhin dreißig Stellen für jüdische Lehrer ausgeschrieben worden sind. Nun mag es sein, ooß diese Ausschreibungen dazu dienen, solche Lehrkräfte zu gewinnen, die möglichst geringe Forderungen stellen. Aber sehen Sie mal nach, in welchen Berufen überhaupt Stellenausschveibungen zur Zeit zu finden find. Das sollte Ihnen zu denken geben, wenn Sie sogen, wir wollen alles tun, um abzubauen. Die einzige Möglichkeit ist die, daß jedenfalls diese 6000 RM. wieder eingestellt werden. Wie die Verteilung ist, soll der Rat bestimmen auf Grund des vorliegenden Materials. Ich würbe es als eine Kriegsansage an di« jüdische Jugend ansehen, wenn Sie diese 6000 RM. streichen wollten, als «ine Kriegsansoge gegen die bereits bestehenden und segensreich wirkenden Anstalten, wenn Sie ihnen diese letzte Hoffnung nehmen würden. Titel 6 wird angenommen. Viel 7, Position 1 Förderung ritueller Speisehäuser. Abg. Rabbiner Dr. Hoffmann: Bei dieser Position ist eine Aenderung vovgenommen worden. Es ist bekannt, daß der Hamburger Verein zur Förderung ritueller Speisehäuser der Träger dieser Bestrebungen ist. Und es muß anerkannt werden, daß der Hamburger Verein auf diesem Gebiete Gutes und Ersprießliches leistet. Und dennoch ist der Rame dieses Vereins im Etat gestrichen worden. Der zur Förderung ritueller Speischäuser bewilligte Betrag soll also nicht mchr dem genannten Verein überwiesen, sondern durch den Rat selber verausgabt werden. Es ist nicht recht einzusehen, weswegen ein Verein, in de« ehrenwerte Männer uneigennützig einem wichtigen religiösen Zweck Zeit und Kraft opfern, derartig brüskiert we«en soll. Ich rann mir auch nicht denken, daß der Rat diese Arbeit besser machen könnte als der Verein, der auf diesem Gebiete über Sachkenntnis und Erfahrung verfügt. Ich stelle daher den Antrag, diesen Etats- Posten wie bisher zu benennen und den bewilligten Betrag nach wie vor dem Hamburger Verein zur Verfügung zu stellen. Ich bitte ferner um Aufklärung darüber, was den Rat veranlaßt hat, den im vorigen Jahre bewilligten Betrag nicht zur Auszahlung zu bringen. Es ticot kaum Veranlassung vor, diesen Verein schlechter zu behandeln als andere Vereine und Organisationen. Die im vorigen Jahve bewilligten und noch nicht ausbezahlten Gelder sollten nachträglich dem Verein ausgezahlt werden. Ratsmktglied Direktor Kareski: Es ist richtig, -aß eine Auszahlung an den Verein im letzten Jahre nicht stattgefunden hat. Das ist aber keine willkürlich erfolgte Zahlungseinstellung, sondem «» bestehen mit dem Verein seit längerer Zeit Differenzen. (Zuruf von den Konservativen: Welcher Art? Ich bitte, diese Differenzen vorzutragen. Sie find un» verantwortlich.) Der Verein hat sich seit längerer Zeit geweigert, gewisse Wünsch«, die wir im Interesse der Würde des Landesverbandes uns zu stellen für vervflichtet hielten, zu erfüllen. Es scheint, als ob der Derein jetzt geneigt ist, unseren Wünschen nachzukommen. E» ist heute eine Antwort einaetrvffen, die von den Dezernenten aber noch nicht geprüft worden ist. Es besteht aber die Möglichkeit, daß der Konflikt beigelegt wird. Gin« endgültige Antwort kann ich noch nicht geben. ~ Abg. Löwenthal: Meine verehrten Damen und Herren! Ich bade von dieser Stelle schon öfter auf die Dichtigkeit des Vereins zur Förderung ritueller Speisehäuser für das konsewative Judentum hingewiesen. Es gibt heute wirklich keine ander« Sicherbeit für eine rituelle Verpflegung als die Aufsicht des Hamburger sogenannten Speisevereins. Der Verein hat auch die nötigen Organisattonen, die von anderer Seite nicht so leicht zu schaffen find, er hat da» Vertrauen des großen Publrküms, und ganz speziell hat er eine gewisse Machtfüllung den Mrten gegenüber. Gerade diese Machtstellung war es, die den Grund zu den vorliegenden Auseinandersetzungen zwischen dem Preußischen Landesverband und dem Hamburger Speiseverein legte. Ich stelle zunächst ftst, daß das Plenum im Vorjahre dem Derein 2000. RM. Srckwention bewilligt hat. Daß dieselben nicht zur Ausschüttung gelangt find, haben Sie soeben gehört. Der Grund ist der folgende. Der Preußische Landesverband hat an den Hamburger Derein geschrieben, daß er bei der Besetzung der Rabbinerstelle in Ems Einfluß genommen hätte, dahingehend, daß di« Stellung nicht von einem Rabbiner besetzt werden sollte, der aus dem Breslauer Seminar hervorgegangen ist. Diese Behauptung entspricht nicht den Tatsachen. Es nt darauf hingewiesen worden, daß der Derein sich in religiös - politischen Fragen vollständig neutral verhalten hat und verhalten wird. Es ist ferner vom Landesverband dem Hamburger Speiseverein der Vorwurf gemacht worden, daß bei Aufführung der Veranstaltungen von Gottesdiensten in seinem Büchlein die sogenannten separatischen Synagogen zuerst genannt werden und die Gemeindesynagogen in letzter Reihe. Auch diese Behauptung ist vollständig aus der Luft gegriffen. Der Verein hat keinerlei politische Tendenzen bei Ausstellung seines Büchleins gehabt. Um Schwierigkeiten aus dem Wege zu gehen, hat der Derein das Verzeichnis einfach weggelassen. In der Behandlung des Vereins durch den Landesverband liegt ein System, eine gewisse Gehässigkeit. Es ist Jahr für Jahr nötig, von dieser Stelle zu betonen, daß dem Verein mit einem gewissen Widerstreben die Mttel ausgezahlt werden, die ihm das Plenum bewilligt hat. E» ist noch weiteres geschehen, aber es würbe zu weit führendes hier konservativ« Judentum muß auf die Erhaltung und Förderung des Vereins mit allem Nachdruck Hinweisen und bittet Sie, die Mittel zur Auszahlung zu bringen. Wir bitten ferner, die Mittel auch in diesem Jahr nicht zu verringern, da der Verein sonst seiner Aufgabe nicht Nachkommen kann. Das Plenum hat, ich bitte bas genau zu beachten, dem Verein einen Beitrag von 2000 RM. bewilligt. Diesen Beschluß hat der Rat selbständig abgeändert und hat die Worte »Verein jut' weggelassen. Diese Handlung ist nicht ehrenhaft, sie entspricht nicht dem Willen des Plenums. (Zuruf: Das gilt doch für das nächste Jahr.) Rein, fitr das vergangene Jahr. Präsident Stern: Wer oder was ist nicht ehrenhaft? Abg. Löwenthal: Die Abänderung des Beschlusses de» Plenums aus parteipolitischen Gründen. Ich habe mit besonderer Dringlichkeit auf diesen Punkt hingewiesen. Der Rat hat gesagt, die Mittel find bewilligt zur »Föäxruiw ritueller Speischäuser^ und hat den Ramen des »Hamburger Vereins" weggelassen mit dem Hintergedankech, den Verein zur Förderung ritueller Speise- Häuser zu sabotieren. Dagegen müssen wir protestieren. Der Verein ist ein« der wichtigsten Institutionen des konservativen Judentums und bedarf der unbedingten Förderung de» Landesverbände». Ich bitte, zunächst die rückständigen Mittel sofort auszuzahlen und die für das laufende Jahr tunlichst nicht zu verringern. — Präsident Stern: Wenn ich auch anerlenn«, daß es den konservativen Herren um eine Gewissensfrage geht, muß ich Sie doch bitten, dem Rat gegenüber die Formen innezuhalten, die parlamentarisch üblich find. Sie dürfen dem Rot nicht vorwerfen.