Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden
- Journal
- Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden
- Volume
- 10 (1932)
- Issue
- 4 (28.9.1932)
- Date
- 1932-09-28
- Page
- Seite 34 (sequence 34)
- Language
- German
- Belongs to
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— 34 — zuführen. Diese jungen Menschen sind anders für den Lehrerberuf vorbereitet ola solche, die von einer höheren Lehranstalt kommen, an denen nur «in zweistündiger Religionsunterricht er- Kilt wird. In den Etat war bisher nichts für die Unterstützung jüdischer höherer Lehranstalten eingestellt. Der Iawne ist bisher ein Betrag aus dem Etat für Lehrerausbildung bewilligt worden in der Annahme, daß unter den Abiturienten der Iawne auch solche ^Lnd. die einst Lehrer werden wollen. Run haben wir zur 3eit emen Ueberfluß an Lehrern. Dieser hat nach der Meinung der Lehrerschaft dazu geführt, alte Lehrer aus dem Amte zu dringen und für sie jüngere Lehrkräfte, für ein geringeres Sehalt einzustellen. Das ist ein Zustand, der nicht haltbar ist. Me Lehrerausbildung müßte deshalb nach Meinung der Lehrerschaft «ingschränkt werden. Da der in den Etat für Lehrerausbildung eingestellte Betrog nicht aufgebraucht wird, mache ich den Vorschlag, den Rest- Äfür jüdische höhere Lehranstalten, die sich kn einer Rotlage n, zu bewilligen. Me Verteilung bitte ich, dem Rat oder dem Dezernentenkollegium zu überlassen. Abg. Konrektor i. R. Goldschmidt: Mein« Damen und Herren! Es liegt mir fern, auf di« Materie selbst «inzugehen, um für oder gegen Bewilligung dieses Postens zu sprechen. Rur eines veranlaßt mich, hier das Wort zu nehmen. Als vorhin Herr Dr. Horovitz gesprochen hatte und darauf hinwies, wie notwendig und gut es wäre, wenn wir jüdische Schulen hätten und die jüdischen Lehrkr dort Anstellung finden könnten, da wurde von allen Seiten ostentativ Beifall geklatscht, als ob damit gesagt werden sollt«, daß derjenige, der vorher gesprochen und die Bewilligung dieser Position aus güten Gründen abgelehnt hätte, nicht für jüdische Schulen sei. Meine Damen und Herren! Ich möchte nicht, daß hier «ine falsche Auffassung darüber entsteht, und darum habe ich mir das Wort erbeten. Es ist nämlich so: Wir sind gar nicht Herren darüber, ob jüdische Schulen existieren oder nicht. (Zuruf Berger: O doch!) Nicht ganz, Herr Berger, es muß vor allen Mngen das Schülermaterial da sein, um «ine jüdische Schule errichten zu können. Wo das fehlt, ist es nicht möglich, eine jüdische Schule einzurichten. Und wir haben in Westfalen und im Rheinland eine ganze Menge öffentlicher jüdischer Schulen gehabt und auch in Hessen und Hannover, die zum gißten Teil «»gegangen sind, weil es an Schülermaterial fehlte. Und daher mag es gekommen sein, daß jetzt eine ganze Menge Lehrer vorhanden ist, die kein« Positton finden kann. Weil Herr Dr. Gutmann gerade vorher für die Stteichung gewesen ist, möchte ich nicht den Eindruck austommen lassen, als ob wi^ier die bösen Liberalen es seien, die einen Strich durch die Rechnung machen wollen. Dir stehen ebenso gut auf dem Boden der Ausführungen, die Herr Dr. Hoffmann vorgetragen hat, daß man jüdischen Geist in jüdischeu Schulen pflegen soll (Hört, hört!), wie Sie alle miteinander. Aber die Verhältnisse sind gegen uns. Ich erkläre Ihnen hiermit, auch wir sind für die Interessen der jüdischen Schulen überall da, wo die Schulen des Ortes konfessionell gestaltet find, und zwar im Interesse des jüdischen Kindes, im Interesse der jüdischen Lehrer und im Interesse ganz besonders der jüdffchen Gemeinden. (Zuruf Berger: Bravo! Sprechen Sie für die Fraktion?) Berger: Zur Unterrichtung der Herren, die der erfreulichen Meinung des Vorredners sind, der leider nicht ganz genau tnformiert ist, darf ich mitteilen: Mein Vorredner hat gesagt, daß dort, wo jüdische Erziehungsberechttgt«, also die Eltern, den Antrag stellen, daß ihre Kinder in jüdische Schulen ausgenommen werden sollen, daß dort im Interesse vor allem der jüdischen Gemeinden di« jüdische Schul« errichtet werden soll. Demgemäß hat die liberale Mehrheit der jüdischen Gemeinde zu Berlin von 500 Kindern, die von ihren Eltern für die jüdische Schule angemeldet worden sind, 120. ausgenommen und verweigert 380 Kindern den Zutritt zur jüdischen Schule. (Hört, hört! bei der Volkspartei.) Ich bitte also meinen Herrn Vorredner, der in seinem Kreis mehr Einfluß hat als wir, auf die Liberalen mtt seinen Ideen, di« wir unterstützen und von denen wir glauben, daß sie im Interess« der Gemeinde find, in Berlin einzuwirken, damit sie sich diesen Ideen anschließen. Es gibt in Berlin Eltern von 380 Kindern, di« aus den gleichen Gedankengängen, wie er sie ausgeführt hat, ihre Kinder jüdisch erziehen lassen wollen, die noch nicht einsehen, daß es «in so großes Verbrechen ist, wenn man die Kinder in jüdische Schulen schickt, und die sich nicht durchsetzen können, weil die Mehrheit der Berliner Gemeinde anderer Meinung ist als der Herr, der eben gesprochen hat. Abg. Wiener (zu Ziffer 3): Ich habe schon eine Ehasoko zu diesem Gegenstände zu sprechen, weil es schon seit Jahren mein Bemühen ist, den Rat auf die Wichttgkeit dieses Postens hinzu-' wessen. In diesem Jahre hat der Rat die Pofitton von 2500 auf 500 RM. herabgesetzt. Damit wird den Zwerggemeinden geradezu Gewalt angetan. Der Titel Ausbildung von Hklfsvorbetern ist überhaupt Jahre hindurch der Ladenhüter unsere» Etats gewesen. Immer wieder ist er aufgeführt und nie wurde etwas verausgabt. Als ich im vorigen Jahre an den Ratsdezernenten, Herrn Professor Elbogen, meinen Appell richtet«, da hat er mir «ntgegengchalten, daß jetzt der Rot dem Gegenstände seine Aufmerksamkeit zuwendet und das hat sich ja bestätigt, denn im Jahre 1931 ist der Betrag von 2500 RM. ganz verausgabt worden. Warum hat der Rat dies« vernünftige Praxis jetzt wieder unterbrochen? 90it haben uns damit abgefunden, daß Stellen für Bezirkslehrer und Bezirksschächter geschaffen werden, d. h. daß fünf bis sechs kleine Gemeinen auf einen Beamten angewiesen sind, welcher sie in gewissen geitabständen auffucht, daß aber diese Gemeinden nicht der Sitz eines Kultusbeamtrn find. Wir haben uns deshalb darüber Gedanken zu machen, was dort aus dem Gottesdienst an Sab» bathen und Festtagen werden soll. Hier ist di« Position, welche die entstandene Lücke ausfüllen könnte. Geeignet« Leute, die eine gute Stimme haben und etwas Wissen besitzen, können in einem Schnellkursus als Ehason ausgebildet und dort zum Träger des Gemeindegottesdienstes gemacht werden wo ein ständiger Beamter nicht am Orte ist. Das Bedürfnis ist ein so umfassendes, daß ich gar nicht verstehe, wie der Rat auf den Gedanken gekommen rst, den Titel auf den fünften Teil zu reduzieren. Was kann denn mtt 500 RM. im Jahre für die ganze preußische Iudenheit überhaupt angefangen werden? Hätte der Landesverband von Anfang an die 2500 RM. jährlich aufgewendet, so würden schon heute 40 bis 50 derartig ausgünldete Leute zur Verfügung stehen, und das wäre für die Zwerggemeinden ein« große Hilfe. Gestern hat Oskar Cohn darauf hingewiesen: Wir müssen an billigere und doch wirssome Mittel denken, um die religiöse Fürsorge der Gemeinden zu gestalten. Hier ist ein derarttges Mittel. Geben Sie einer solchen Kehilla einen Balbos, der drei Monate hindurch an einem Ausbildungskurs teilgenommen und grundlegende Kenntnisse für dtt Ausübung von Kultusfunkttonen erlangt hat, dann wird dieser Mann auch pessönlich ein Mittelpunkt für die Aufrechterhaltung des Gottesdienstes sein. Me Gemeindemitglieder werden schon aus Freundschaftsbeziehungen zu dem Dorbeter nach Möglichkeit den Gottesdienst besuchen und die Gemeinde wird nicht mehr ganz so verödet sein, wie das jetzt an vielen kleinen Orten leider der Fall ist. Die Pofitton ist so geringfügig, daß sie auch im Rohmen des reduzierten Etats auf die alte Höhe gebracht werden könnte. Nicht immer darf man in Notzeiten Titel herabsetzen; manche müssen in solchen Verhältnissen, wie wir uns gegenwärtig befinden, auf der alten HÄhe erhalten, wenn nicht gar heraufgesetzt werden, und das ist eine solche Positton. Ich appelliere an den Landesverband, den Posten für Ausbildung von Hilfskantoren in alter Höhe von 2500 RM. wieder herzustellen. Abg. RAnw. Dr. S e l i g s o h n: Es ist leicht, nur nicht billig, di« Posten wiederherzustellen. Jever Abstrich tut jedem von uns leid. Dir sind für jedes Werk, das jüdisches Mssen und jüdische Lehre verbreitet, ohne weiteres zu haben. Ich verstehe nicht, wie Herr Berger glauben kann, in diesem Zusammenhänge uns unsere Stellung zur jüdischen Schule vorwerfen zu dürftn. Das ist agitatorisch und demagogisch. Als ob wir irgendwie jemanden verhindern wollten, sich jüdisches Mssen anzueignen! Es fragt sich nur, wo hier die Mittel sein scülen, wenn wir hören, daß die Einnahmen, die in unserem Etat vorgesehen sind, nicht zu erwarten find, ffiit sind ober allerdings ferner dagegen, im Augenblick künstlich weitere jüdssche Lehrer, jüdische Kantoren usw. zu züchten, weil wir nicht glauben, daß wir diese Menschen unterbringen können. Wir wollen die Verbreitung jüdischen Wissens, nicht ober die künstliche berufsmäßige Heranbildung eines geistigen Proletariats. Und nunmehr komme ich zu der Frage der Schächter und Hilfskantoren. Meines Erachtens können wir auch hier Abstrich« machen. Ich habe das Gefühl, daß bei den Hilfskantoren und SchäMern auf dem Lande bei besserer Planwirtschaft mtt aeringeren Mitteln gearbeitet werden könnte. Ich halte es nicht für notwendia, soweit ich die Lage auf dem Lande Überblicken kann, daß wir dort so viel Schächter haben, wie das jetzt der Fall ist. Ich will gewiß niemanden hindern, rituell zu leben. Mr müssen aber in der heutigen Zett den vorhandenen Ausbau des Krastwagennetzes auf dem Lande Mr dies« Aufgabe nutzbar machen, um die kleinen Gemeinde« mit rituellen Lebensmitteln zu versorgen. (Zuruf von der Volkspartei: Am Schabbes kann man nicht sichren.) Dann kann man die LÄensmittel am Tage vorher htnbringen. Wir würden dann auf dem flachen Lande und in den Keinen