Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden
- Journal
- Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden
- Volume
- 10 (1932)
- Issue
- 4 (28.9.1932)
- Date
- 1932-09-28
- Page
- Seite 33 (sequence 33)
- Language
- German
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— 33 — olche Versprechungen hinweggehen und Liesen Betrog kürzen und Kelchen, -mnal auch der Staat die Genehmigung zur Errichtung »er Oderstufe nur erteilt hatte auf Grund dieses SchreLens des Landesverbandes. Ich möchte Sie deshalb bitten, den Posten von 18000 RM stchen zu lassen und dem Rat die Verteilung der Mittel zu überlassen. (Schr richtig! Bravo!) Mittel zu überlassen. (Schr richtig! Bravo!) Abg. Studiendirektor Dr. Gutmann: Wenn der Unterrichtsausschuß den Beschluß gefaßt hat, hat er sich von folgenden Erwägungen leiten la sen. Ls ist im Jahre 1927 am 24. Oktober eine Dorbereitungsanstalt in Berlin gegründet worden, die ich bis zum 1. April diese» Jahres zu leiten die Ehre hatte. Sie ist seit Ostern 1931 abgebaut worden, trotzdem eine Reihe von Lehrern an ihr beschäftigt waren und ein Herr sogar fest angestellt war, weil ein Bedürfnis nach einer solchen Anstalt nicht mehr vorliegt. Es hatten sich 1931 nach Frankfurt a. Ä., der einzigen pädagogischen Akademie, die Juden aufnimmt, soviel ich weiß, 47 junge Menschen gemeldet, die das Abiturientenexamen gemacht hatten und Polksschullehrer werden wollten. Don Liesen wurden 11 aufgenommen. Wir haben eingesehen, daß ein besonderer Anreiz, junge Menschen für den Lehrerberuf zu gewtnnen, nicht notwendig ist. Ich habe darum damals dem Landesverband selber den Borschlag gemacht, di« Anstalt abzubauen, sie hat im ganzen nur 4)4 Jahve bestanden. Was der Dorbereitungsanstalt recht war, muß der Iawne bMg sein. Wo sollen alle Lehrer untergebracht werden? Sie haben gar kein Recht, dem Landesverband Kosten aufzuerlegen zur Schaltung einer Schule, wenn sie nicht dem Zweck dient, Lchrer zu gewinnen. Di« Iawne muß sich gefallen lassen, daß ihr der Zuschuß genommen wich. Sie wissen, in welcher Notlage sich viele Lchrer befinden. Der Fonds, der für ihre Linderung ausgeworfen worden ist, reicht nicht aus. Die nach dem Vorschläge des Rats für die Iawne -bestimmten 6000 RM. sollen, wie wir Vorschlägen, auf folgende Weise verwandt werden: 1000 RM. sollen weiter der Fortbildung der Lehrer dienen, die übrigen 5000 RM. sollen für notleidende Lchrer verwandt wechen. Der Iawne soll gleichfalls, und zwar auf folgende Weise, «ntgegengekommen wechen: Die Schule des Landesverbandes ist aufgelöst und verfügt über erhebliche Bestände an Apparaten und Büchern. Ls ist nichts dagegen einzuwenden, wenn der größte Teil der verfügbaren Bestände der Iawne zugewiesen wird. Diese Bestände habch einen Wert von 5000 bis 6000 RM. und dürsten eine willkommene Unterstützung für die Iawne sein. Nur wirklich triftige Gründe sind für uns maßgebend gewesen, diesen Beschluß zu fassen und dem Rat diese Vorschläge zu madjen. Abg. RAnw. Horovitz: Zu dieser Frage möchte ich ein allgemeines und ein spezielles Wort sagen. Ich bin durchaus nicht der Ansicht, daß es richtig ist, alle diese Ausbildungsstätten für Lehrer, soweit sie vorhanden stnd, welcher Richtung sie auch immer angehörrn, zu schließen. Wir können nicht genug tun, um jüdisches Wissen an die Jugend heranzubringen. Infolgedessen ist es ganz falsch, eine bestehend« Anstalt, welcher Art auch immer, zu schließen und zu zertrümmern. Was die Berufsaussichten anbelangt, kommt dabei in Betracht: Jeder jüdische Vater weiß, daß er bei seinem Kinde, das die Schule verlaßt, vor der Frage steht, was es werden soll. Ls gibt heute Tauseiche jüdischer Väter, die glücklich wären, wenn sie eine Anstalt kennen würden, wo sie den Jungen unterbringen könnten. Ls ist deshalb um so schlimmer, wenn man Anstalten schließt, die bestehen. Ich glaube auch nicht an die allgemeine Aussichtslosigkeit des Lehrerberufes. Wir wissen nicht, wie die Entwicklungsmöglichkeiten und Ausbildungsmöglichkeiten der allgemeinen und der jüdischen Lehrerschaft in Zukunft sein werden. Ob es bei den pädagogischen Akademien bleiben wird, wenn eine andere Regierung kommt, wissen wir nicht. Die pädagogischen Akademien, die im Sturm errichtet worden sind, sind ebenso stürmisch abgebaut worden. Wir müssen mit den heute gegebenen Möglichkeiten rechnen. Die Aussichten der einzelnen jüdischen Lehrer sind nicht so katastrophal, wie es hier ausgesprochen worden ist. Wenn wir mehr jüdische Schulen hätten — und wer weiß, ob uns nicht der Staat dazu zwingt, sie zu haben — könnten wir unsere Lehrer in Hüll« und Füll« unterbvingen, nicht nur auf unsere Kosten, sondern auch auf Kosten der Kommunen, die solche Schulen esirrichten müssen. (Beifall bei der Dolkspartei.) Ls ist älfch zu sagen, daß, weil wir heute eine Reihe von Lehrern als tellenlos kennen, wir auch nicht mehr solche, die sich berufen ühlen, diesen Beruf zu ergreift», unterstützen dürfen. Bei der allgemeinen Berufsverzweiflung müssen wir die Möglichkeiten zur Ausbildung schafft», und zwar vor allen Dingen solche Menschen schafftn, die jüdisch« Menschen in jüdischem Sinn« großziehen und beeinflussen können. Der spezielle Gesichtspunkt ist der: Ls liegt fast eine juristische Verpflichtung gegenüber Iawne vor. Was soll daraus werden, wenn im Icwre 1929 Proftssor Dr. Türk für den Landesverband an Iawne schreibt: „Sie können jetzt jedes Jahr eine Klasse einrichten*, und eines Tages sagt der Landesverband, das sei nicht so gemeint gewesen. Line Streichung der Mittel für Iawne gccht nach meiner Meinung nicht an. Ich weiß genau, daß es hier Abgeordnete gibt, die nach einer Maxime alles akchalstern möchten. Aber die größte Mehrzahl aller Fraktionsmitglieder sind doch Mensd)en, die nach Gerechtigkeit und nach Billigkeit und nach Bedürf. nissen urteilen. Und da sage ich Ihnen: Schafftn Sie nicht durch Streichung von 6000 RM. den Eindruck, der vorhanden ist, daß hier aus Parteigründen ein Betrog gestrichen werden soll, weil man sagt: Weil wir das Geld nicht brauchen, dürfen es auch diese Anstalten nicht bekommen. Stellen Sie sich auf den Standpunkt des Haushaltsausschusses, nachdem dieser Titel in so brutaler Weis« gekürzt und beschnitten worden ist, lassen Sie den Titel zumindest auf der Höhe, wie ihn der Haushaltsausschuß einstimmig bestimmt hat. (Bravo)! Mg. Ralünner Dr. H o f f m a n n: Meine Damen und Herren! Es ist betrüblich zu sehen, daß bei uns zuweilen eine krasse Diskrepanz zwischen Worten und Taten besteht. Wir sprechen so viel von der Bildung des jüdischen Menschen, von der inneren Stärkung des jüdischen Bewußtseins, von der Förderung der jüdischen Kultur, und wenn es dazu kommt, bestehende jüdische Anstalten, die im Aufblühen begriffen sind, zu förvern und ihren Bestand zu ermöglichen, dann versagen wir ihnen die notwendige Hilfe und zwingen sie dazu, ihre Pforten zu schließen. Einer meiner geehrten Vorredner hat das Wort Lieeros zitiert: Unter den Waffen schweigt der Geist. Das Judentum lehrt ein anderes. Das Judentum lehrt, der Geist sei die Waffe. Wir sind das Volk des Buches. Unsere Waffe ist der Geist. Und je schwerer die Röte der Zeit auf uns lasten, desto mehr sind wir auf die Pflege des Geistes angewiesen. Es gcht nicht an, nachträglich weitere Streichungen vörzunehmen, um den wenigen Bildungsanstalten die Möglichkeit ihrer Existenz noch mehr zu erschweren. Wenn hier Verschiedenes gesagt wurde, um diefts Vorgehen zu rechtfertigen, so muß ich sagen, daß die vorgebrachten Argument« nicht schr überzeugend waren. Es besteht ein gewisses System darin, gerade die Bildungsanstalten in Köln zu drosseln. Welche Notwendigkeit lag vor, die 18 000 RM. noch um weitere 6000 RM. im letzten Augenblick für Lehrerausbildung zu verringern? Iawne ist nicht nur für die Lehrerausbildung da. Wir haben nur wenige höhere jüdische Lehranstalten. Warum soll dieser Anstalt die Möglichkeit der Existenz genommen werden? Ls geht auch nicht an, daß wir so Vorgehen wie irgendeine Berufsorganisation. Dir sind nicht eine Berufsorganisation, wir sind eine moralische Körperschaft, eine religiöse Körperschaft. Wenn junge Leute sich jüdisches Wissen anergnen wollen, warum sollen wir ihnen die Quellen jüdischen Wissens verstopfen, wenn geringe Mittel ausreichen, sie vhnen zu erschließen? Es ist, hier bereits unterstrichen worden, daß der Iawne gegenüber eine Verpflichtung des Rates vorliegt. Ich unterstelle, daß diese Verpflichtung juristisch anfechtbar ist, ober moralisch ist sie eine Verpflichtung. Mit welchem Recht wollen wir diese Anstalt mit «in paar Apparaten abfertigen? Damit kann man nicht Lehrergehälter zahlen. Ich appelliere nochmals an di« liberale Fraktion, sie mö« ihren Antrag zurückzkchen und die ursprünglichen 18 000 RM. für Unterrichtszwecke wieder in den Etat einstellen. (Bravo!) Ratsmitglied Dr. G a l l i n e r: Ls ist mir ein Herzensbedürfnis und wohl auch Ihnen, insbesondere den Männern zu Lanken, die bis jetzt in all diesen schweren Jahren an der Lehrerausbildung am meisten beteiligt gewesen find, an erster Stelle Herrn Rabbiner Dr. Horovitz, der neben seiner umfangreichen amtlichen Tätigkeit Zeit gefunden hat, die Lehrerbildung an der pädagogischen Akademie in Frankfurt zu übernehmen. Er hat seine ganze Persönlichkeit dafür eingesetzt, den jungen Leuten eine vertiefte religiöse Ausbildung zu geben und sie so für ihren Beruf aufs beste vorzubereiten. Die Erfolge, die Herr Dr. Horovitz aufzuweiftn hat, sind ungemein groß. Leider ist es bicher nicht allen gelungen, ins Amt zu kommen. Herr Dr. Horovitz hat in diesem Jahr sieben Kandidaten geprüft, fünf haben die Prüfung mit gut bestanden. Zwei sind bereits ins Amt gekommen. Fünf sind noch ohne Amt. Wir sind selbstverständlich bereit, alles zu tun, um auch diesen jungen Menschen zu helfen. An zweiter Stelle ist e» mir ein Herzensbedürfnis, Herrn Direktor Gutmann zu danken für das, was er in der Dorbereitungsanstalt geleistet hat. Wir bedauern, daß es nicht möglich gewesen ist, diese Anstalt weiter-