Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden
- Journal
- Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden
- Volume
- 10 (1932)
- Issue
- 4 (28.9.1932)
- Date
- 1932-09-28
- Page
- Seite 32 (sequence 32)
- Language
- German
- Belongs to
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— 32 — Titel 4, »Rabbinerbildung", Punkt 1 bis 3, bleibt unverändert. Als Punkt 4 ist ein Zusatzantrag für Rabbinatspraktikanten vorgeschlagen. Abg. Oberrabbiner Dr. A l t m a n n: Meine sehr geehrten Damen und Herren! Zu der jetzt zur Debatte stehenden Position Rabbinerbildung möchte ich mir gestatten, hier einige Worte grundsätzlicher Ratur auszusprechen. Es ist vorher geäußert worden, daß es mit Rücksicht auf die schlechte finanziell Lage, die immer noch schlechter wird, doch angezeigt wäre, wenn die RabbinerausbUÜungsanstalten zusammengelegt würden. Wenn es auch nur in der Idee ausgesprochen wurde, müssen wir von der konservativen Fraktion dagegen Einspruch erheben. Denn wie die Dinge nun einmal liegen, würde sich das auf Kosten der Konservativen auswirken. Ueberhaupt möchte ich bei dieser Gelegenheit nicht versäumen, etwas Grundsätzliches von unserer Weltanschauung aus hier zu sagen. Es gibt ein altes Wort, das lautet: Wenn die Sterne rn der dunklen Rächt um die Wette leuchten, werden durch die großen Sterne die kleinen veiLunkelt. Aber wenn die großen Sterne einander verdunkeln wollen, dann treten um so mächtiger und stärker die kleinen Sterne in Erscheinung. Es Hot hier aus der ganzen Debatte geschienen, als ob die großen Organisationen, di« großen Parteien, die liberale Fraktion und die volksparteiliche Fraktion, miteinander einen Wettstreit ihrer Weltanschauungen ausfechten wollten, und in diesem Kampfe ist keine Richtung mehr bedroht als die konservative, der numerisch kleine Stern zwischen den großen. Wir müssen aber sagen: Aus all dem, was Sie einander zugerufen haben, aus der gegenseitigen Perdunkelung Ihrer Weltanschauungen, geht die Helligkeit unserer Weltanschauung hervor. Denn was Sie, meine Herren der beiden Fraktionen, einerseits gegeneinander auszusetzen haben und anderseits wollen, ist auf der einen Seite die Betonung des jüdischen Volkstums, auf der anderen Seite die Betonung des religiösen Lharakters des Judentums. Das finden Sie in einer Synthese der Wirklichkeit nur im konservativen Lager. Man blickt auf die Vergangenheit des Judentums und versenkt sich in das Gewesene, um aus Geschichte und Literatur die Goldkörner dessen was Judentum ist, herauszuholen und sie der Jugend zu zeigen: seht, so war es einmal. Wer im konservativen, im orthodoxen Lager, findekl Sie es noch wirklich vor, da besteht noch wirkliches, lebendiges Judentum. Sowohl das jüdische Volkstum ist hier ausgeprägt als auch der religiöse Charakter, und zwar in einer Verbundenheit, die zusammen erst das Judentum ist. Wenn es nun aber so gchen soll, daß nur die Majoritäten gelten und es auf Kosten der Minoritäten gehn darf, dann werden die, die die wahrhaften und wirklichen Erhalter des Judentums find, zerrieben und zermalmt werden. Und darum möchte ich gerade bei dieser Position auf das dringlichste bitten, und zwar nicht allein im Interesse der Konservativen, sondern im Interesse aller, im Interesse des Judentums überhaupt, erhalten Sie die Grundquellen des Judentums, feien Sie sich darin einig, baß ein Bestehenbleiben des preußischen und deutschen Judentums nur möglich ist, solange es ein lebendiges, gesetzestreues, korHrvatives Irckrentum gibt. Sie werden von unserer Fraktion von Punkt zu Punkt gebeten werden, gerade auf diesen Spielen, die nach unserer Ueberzeugung im Interesse oer Erhaltung des lebenswarmen Judentums liegen, nichts abzustreichen. Denn was Sie vielfach nur aus der Geschichte, nur etwa aus den Museen kennen, Judentum, wie es gewesen ist und sein soll, wonach die suchende Zeit sich sehnt, das finden Sie, wenigstens noch in einem bestimmten Maße bei den Gesetzestreuen vor. Sie müssen darum schonend mit diesem Lager umgehen. Unsere Fraktion muß im Interesse der Erhaltung der jüdischeu Grundbedingungen auf das kräftigste unterstützt werden. Man hat manchmal das Gefühl, als müßte man hier das klein« Häuflein der Konservativen dauernd gegen ein« stmwige Gefahr der Majorifieruna in Schutz nehmen. Wiewohl es bisher mcht geschehen ist, ich hebe das mit Dankbarkeit hervor, aber die Durchführung mancher hier geäußerten Absichten könnt« dazu führen, daß sich das so auswirkt. Meine Bitte geht dahin, bei allen Punkten, die das konservative Judentum betreffen, es wenigstens so zu belassen, wie es bisher gewesen ist und in allen Belangen, die mit dieser Sache in Zusammenhang stehen, Rücksicht und Gerechtigkeit zu üben. Gedanken wie die, die Rabbinerseminare zusammenzulegen, worunter etwa das Berliner orthodoxe Rabbinerfeminar leiden könnte, sollten bei aller Zeitungunst gar nicht erst aufgeworfen werden. Das geht zu weit und berührt eine Sache der Unmöglich, keit und Undenüarkeit. Ich bchalte mir vor, auf weitere Punkt«, soweit sie unsere Belange berühren, noch im einzelnen zurückkommen. Präsident Stern: Ich möchte bitten, zu Anträgen zu sprechen, die tatsächlich vorliegen, mdg zu solchen, die nicht vorliegen oder gestellt werden könnten. Im übrigen sieht der konser. vative Antrag zu den einzelnen Punkten nachher zur Diskussion. Ratsmitglied Dr. G a l l i n e r: Es ist mir ein Bedürfnis, hier dem Haushaltsausschuß herzlichst zu danken, daß er Mittel im Betrage von 4000 RM. in den Etat zur praktischen Ausbildung der jungen Theologen eingestellt hat. Diese praktische Ausbildung der jungen Theologen ist seit Jahren gewünscht worden, aber bis zum heutigen Tage nicht durchgeführt worden. Die drei Rabbinerbildungsanstalten in Preußen sind der Meinung, daß ein solches praktisches Uebungsjahr unbedingt notwendig ist. Uns fehlten bisher die Mittel. Wir haben uns damit auch an die übrigen Landesverbände gewandt, und sie haben gleichfalls die Notwendigkeit eines solchen praktischen Jahres anerkannt. Der badische und der hessische Landesverband haben uns mitgeteilt, daß auch sie für die praktische Ausbildung je eines jungen Theologen Mittel in ihren Etat einftellen werden. Ich bin überzeugt, daß der württembergische und der bayerische Landesverband dasselbe tun werden. Diese Mittel, die hier eingestellt werden, reichen für drei Theologen aus. Ich habe daran gedacht, daß jede der bestehenden Bildungsanftalten einen jüdischen Theologen zur Ausbildung bereit stellt. Wir müssen darauf beoacht sein, in den nächsten Etat weitere Mittel einzustellen. Das Amt des Rabbiners ist bedeutend schwerer geworden, insbesondere hat die soziale Tätigkeit «inen so großen Umfang angenommen, daß er seine ganze Kraft für diese Arbeit einsetzen muß, und es gehört eine große Uebung dazu, hier das Rechte zu tun. Da ich das Wort habe, möchte ich gleich etwas richtigstellen. Dis zum Antritt meines Dezernats ist nur ein einziges Bezirksrabbinat mit staatlicher Beihilfe eingerichtet worden und nicht etwa drei, wie man aus meinen vorhergehenden Worten hätte entnehmen können, und zwar mit einem Betrag von 2190 RM. Für Groß-Strelitz bekommen wir jetzt erst ein« Staatsbeihilfe von mehr als 4000 RM. Ich sprach noch von einem dritten Bezirksrabbinat, Friedrichstadt. Das ist auf unsere Kosten eingerichtet worden. Ich wünschte, wir hätten die Mittel, es weiter zu erhalten, wenn der Staat dies« Mittel ablehnt. Das ist das Ergebnis einer umfangreichen Tätigkeit des Arrn Dr. Freund. Es wird alle Kraft angewendet werden, um di« Bezirksrabbinat« weiter auszubauen. Ich hoffe, daß es schneller gehen wird als in den letzten zehn Jahren. Präsident Stern: Punkt 5, »Ausbildung von Lehrern und Kantoren." Dazu liegen seitens der Liberalen Anträge vor, nämlich, den Titel 5, Punkt 1 von 18 000 auf 12 000 RM. zu ermäßigen und dafür den Punkt 2 von 500 auf 1500 RM. zu erhöhen. Wird hierzu von den Antragstellern das Wort gewünscht? Das ist nicht der Fall. Abg. Studienrat Wolff: Meine Damen und HerrenI Di« liberale Fraktion hat, wie Sie eben hörten, den Antrag gestellt, die Zuschüsse für Lehrerbildungsanstalten und Stipendien von 18000 auf 12 000 RM. herabzusetzen. Wie Sie aus dem Vor» Äschen, ist der Zuschuß föon ganz erheblich herabgesetzt Ich habe vorhin auf die Bedeutung der Erziehung hingewiesen, und es ist hier viel von der Erhaltung des Judentums gesprochen worden. Die kann sich nicht nur in einem Etat darin zeigen, daß man Beträge streicht und kürzen will, fl« muß fich einerseits wohl darin zeigen, daß man streicht, andererseits in dem Willen, dafür zu sorgen, daß wirklich ein lebendiges Judentum geschaffen wird, und dazu muffen wir Lchrer haben, di« dieser Aufgabe gewachsen find. 18 000 RM. ist ein ganz geringer Betrag. Me ich gchört habe, sollen die 12 000 RM. so verwendet werben: 8000 RM. für Stipendien, die übrigen 4000 RM. sollen an die Pädagogische Akademie in Frankfurt a. M. gehen, vielmchr an die Dorbereitungsanstalt. Damit würde die Unterstützung wegfallen, die bisher die Iawne bekommen hat. Ich habe ein Schreiben vorliegen vom 9. Februar 1929: »Preußischer Landesverband jüdischer Gemeinden Wir erklären hierdurch, daß wir für den Oberbau der jüdischen höheren Schule Iawne in Köln für das Haushaltjahr 1929/30 eine Subvention von 20000 RM. bewilligt haben, die für die zunächst einzurichtende Obersekunda bestimmt find. Die mit der Errichtung der Unter- und Oberprima entstchenden weiteren Kosten werden in den kommenden Jahren nach Lage der Verhältnisse weiter bewilligt werden". Ich erkläre, daß wir die Oberstufe der Iawne nur gegründet haben, nachdem wir vom Landesverband die Zusicherung hatten, txch wir diese Unterstützung dekämen. Es besteht also eine juristische und vor allen Dingen auch eine moralische Verpflichtung, und man kann nicht einfach über