Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden
- Journal
- Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden
- Volume
- 10 (1932)
- Issue
- 4 (28.9.1932)
- Date
- 1932-09-28
- Page
- Seite 29 (sequence 29)
- Language
- German
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schlägt ixt liberale Ausschuß vor: .Als Religionslehrer bim. Neligionslehrerinnen dürfen unr solche Persönlichkeiten beschäftigt werden, die die Befähigung zur Erteilung des Religionsunterrichts durch die entsprechende Prüfung erworben haben und außerdem eine Prüfung als Rabbiner oder Lehrer abgelegt habend Dann hat der chetnffch-westfäkische Lehrer- und RabbinerveÄand den Antrag gestellt, au» SlKren Lehrern und Rabbinern brühende Pflegschäften «inzurichten, die in di« einzelnen Gemeinden gehen, um nach einem Unterrichtsbesuch die Lehrer zu beraten. Ein weiterer Antrag wünscht, die gesamte Inspektion dieses Unterrichts diesen Pflegschaften zu übergeben. Der liberal« Ausschuß konnte diesen Anträgen nur zum Teil zustimmen. Di« eigentliche Inspektion soll nach seiner Ansicht weiter von einzelnen Lehrern oder Rabbinern ausgeübt werden. Doch hat der liberale Ausschuß folgenden Vorschlag vorzulegen: .Die Einrichtung von Pflegschaften ist im Interesse de». Religionsunterrichts tatkräftig zu fördern. Die Pfleg, schäften Linnen nicht als Ersatz für die amtliche Inspektion detrachtet werden."" Ein weiterer Antrag, dessen genaue Formulierung von Herrn Dr. Bogelstein vorgelegt werden wird, bezieht sich auf den Religionsunterricht an höheren Schulen. Es handelt sich dabei um folgendes: Es ist vor einer Reihe von Jahren ein neuer Lehrplan für den Religionsunterricht an höheren Schulen auf Grund von Vorschlägen der Rabbinerverbände von einer Kommission des Landesverbandes ausgearbeitet worden, der für alle Schulen gilt. In diesem Lehrplan nimmt das Hebräische einen großen Raum ein. Man ist dabei von dem Standpunkt ausgegangen, daß dos Hebräische so wichtig ist, daß es an höheren Schulen in den Unterricht ausgenommen werden muß. Dabei hat sich herausgestellt, daß dabei sowohl der Unterricht im Hebräischen, als auch der in den übrigen Religionsfächern zu kur» kommt, da es unmöglich ist, in zwei Stunden — mehr stehen nicht zur Verfügung —das Hebräische in rechter Weise zu fördern und außerdem noch biblische, nachbiblische Geschichte und Religtonslehre zu treiben. Auf diese Weise lewen mit anderen Kenntnissen auf die höhere Schule als bisher. So sämlliche Fächer. Der Unterrichtsousschuß hat anerkannt, daß es unmöglich ist, das Hebrätsche aus dem Unterrichtsplan an der höheren Schule herauszulassen. Da aber jetzt schon in der Grundschule Unterricht im Hebräischen gegeben mitb, kommen die Schüler dürste es vielleicht genügen, wenn nur noch in den vier unteren Massen von Sexta bi» Tertia Unterricht im Hebräischen erteilt wird. Darum soll aber in der Oberstufe das Hebräische nicht vernachläsflgt werden. E» soll aber in einen organischen zusammenhang mit dem übrigen Unterricht gebracht werden, indem Stücke aus der Bibel und dem übrigen hebräischen Schrifttum immer wieder al» Quelle für den übrigen Unterrichtsstoff herangezogen werden. Außerdem soll den Lchrern und Rabbinern ans Herz «werden, auf der Oberstufe Arbeitsgemeinschaften einzurichten, . b nur mit Hebräisch beschäftigen sollen. Das Interesse hierfür dürfte zur Zeit recht groß sein, so daß zu hoffen ist, daß viel« Schüler an diesem Zusatzunterricht teilnebmen werden und daß dies« Quell« unserer Religion nicht verschüttet wird. Präsident Stern: Es ist ganz unmöglich, darüber im Plenum eine Diskuffion zu führen, die Anträge hätten direkt an den Rat geleitet werden müssen, aber da sie vorliegen, werden wir eben beschließen, sie dem Rat zu übergeben. Damit ist Punkt 2 erledigt. Punkt 3 »Beihilfen"'. Hi«rzu möchte ich den bereits gedruckt vorliegenden konservativen Antrag hier nun zur Diskussion stellen, der meine» Dafürhaltens kein« erhebliche Debatte bringt: ffiir beantragen erneut: Der Preußische Landesverband jüdischer Gemeinden wolle durch geeignete Verhandlungen mit den Roobinaten, insbesondere mit den Bezirksrabbinern, Kreis- und Prvvinzialrabbinern sowie mst der Lehrerschaft und den Gemeinden dafür sorgen, daß auf dem flachen Lande und in den kleineren Städten geeignete Unter- Weisung und Unterrichtung sowohl in religiösen wie auch in allgemeinen jüdischen Fragen stattfindet, wie auch, daß insbesondere die schulentlassene Jugend auf dem flachen Lärche und in kleineren Stäben die Möglichkeit hat, in Winterschulen, Mnterkursen, Ferienkursen und ähnlichen Belehrung, auch in allgemeinen Dtsziplinen des öffentlichen und wirtschaftlichen Lebens, etwa in der ae zu erhalten, wie dar seitens der kleingewerblichen Winterm und seitens zahlreicher konfessioneller Iuaendverbände mit Unterstützung der staatlichen Stellen seiten» hierfiir geeigneter Organisationen geschieht. Der Landesverband möge auch mit den einzelnen Jugendorganisationen wegen ixt Einfügung ihrer Kräfte und Kreise in die Arbeit in» Benehmen treten und nicht vollbeschäftigte jüdische Lehrkräfte bei den bezüglichen Veranstaltungen miboerwerckxn, auch versuchen, zu diesem Zweck staatliche und kommunale Unterstützung zu erhalten, wobei jedoch der Landesverband auch selbst in seinen Hauchaltsplan einen Betrag mindestens für die O r ga - nifatton dieser Schulen und Ausbildungsmöglichkeiten aufnehmen möge. Aba. RAnw. H o r o v i tz: Meine Damen und Herren: Dieser Punkt hat uns im vorigen Jahr« schon in etwas anderer Form beschäftigt. Dir haben unsere Anträge in diesem Jahr noch etwas ergänzt. Wir sind der Ansicht, daß unsere jüdischen Gewerbetreibenden auf dem Lande heute außerordentlich ins Hintertreffen gekommen find, und zwar nicht nur durch den Widerstand der anderen Dolkskress«, sondern auch durch den Mangel einer geeigneten Ausbildung, anderseits durch die weitgehenden Versuche von allen anderen Stellen, konfessionellen wie poltttschen, die Jugend auf dem Lande auch gewerblich ln jeder Weis« für den Lebenskampf auszubilden. Don unserer Seite geschieht nichts, und keinem, tXr «in« Landgemeinde kennt, wird es verborgen bleiben, daß heut« dies« kleinen Gewerbetreibenden auf dem Lande, die Viekchändler, Kleinwaren- und Gemischtwarenhändler, in ihrer allgemeinen Ausbildung auch für den Lebensberuf und Lebenskampf schon hinter den sonstigen ländlichen Bevölkerungskreisen zurückstehen. Dichtend die sonstigen Bevölkerungskrets« durch Winterturse und cchnliches mit Hilfe der Raiffeisengenossenschaften und sonstigen Genossenschaften wie auch mit Hilfe der politischen Parteien, insbesondere auch der Gewerkschaften, der christlichen Gewerkschäften ufw. und auch von den Konfessionen selbst durch protestantische und katholische Geistliche geleitete Kurse im Winter gefördert werben, geschieht für unsere Jugend nichts. Ich sehe auch die Möglichkeit gegeben, daß unsere Lehrer in kleineren Orten oder Begrrken, wo sie nicht voll beschäftigt find, wirklich mit herangezogen werden können. Ich sehe auch die Möglichkeit, daß in mittleren Städten geeignete jüdische Kaufleute und Akademiker zur Ertüchtigung dieser jüdischen ländlichen oder kleinstädtischen Jugend herangezogen werden. Es muß auf diesem Gebiet seitens des Landesverbandes etwas geschahen dadurch, daß geeignete Hinweise erfolgen und daß irgendeine geeignete Organisation geschaffen wird. Alle unsere Borte über die Wirtschastsnot auch unter den -eutschen Juden schildern die Sach« noch nicht schlimm genug. Ich sehe für di« Zukunft noch viel Traurigeres voraus, weil tatsächlich, wenn man Vergleiche zieht, einen völligen Umschwung in der Relation der Vorbildung der einen und der anderen Gruppe erblicken muß. Damit könnte auch gleichzeitig eine Einwirkung auf die Kenntnis jüdischer Dinge erfolgen. Unsere Lehrer, Akademiker, gebildeten Kaufleut« usw., die in dies« Kleinstädte gehen würden, könnten auch jüdische Werte diesen Menschen vermitteln und dadurch den Anschluß dieser zerstreuten Menschen an unsere Glaubensgemeinschaft herbelführen. Alles, was wir hier reden, alle großen Worte nutzen nichts, wenn wir nicht g lei Zeitig Daten tun. Dadurch können wir wirklich etwas nützen. Deshalb sollte es nicht nur bei der Annahme dieser Resolution bleiben, sondern der Rat sollte für die Organisation alsbald «inen Betrag -ur Verfügung stellen, der im Haushaltsaus, schuß erfreulicherweise beschlossen worden ist, und es sollte alsbald im Rat tn dt« Beratung der Einzelbehandlung eingetreten werden. Präsident Stern: Das Wort wird zu 3 nicht mchr gewünscht. Zu 4 .Baubeihilfen urck> Darlehen"' wurde im Haus- Haltsausschuß beschlossen, die Position wieder um 2000 zu verkürzen. Kapitel I, Titel 2. Präsident Stern schlägt vor, folgende Anträge dabei zu behandeln: 1. Antrag Horovitz: Der Preußisch, Landesverband jüdischer Gemeinden möge auf die ihm an geschloffenen Gemeinden in dem Sinix «inwirken, daß Beamte und Angestellte, insbesondere aber solche Beamten und Angestellten, die in keiner höheren Gehaltsstufe find als Bolksschullchrer in der ersten Gruppe, innerhalb der gesetzlichen Befugnisse von einer Kürzung chrer Bezüge auf Srmw der Notverordnung frei bleiben, insoweit dx Bezüge nicht mindesten» um 10 Prozent da» Geholt gleich rangierender Beamten und Angestellten übersteigen, die nicht durch die Notwendigkeit ritueller Lebensführung in chren Ausgabe besonder» belastet find. — 2. Antrag der Dolkspartei: Der Verbandst»« ersucht den Rat, mit Rücksicht auf die katastrophale Lage der Kleingemeinden und die darauf für die dort tätigen Beamten sich ergebenden Folgen dcchtn zu wirken, daß für ganz Preußen «ine einheitliche Eingruppierung aller jüdischen Beamten nach Maßgabe der staatlichen Besokdungssätze erfolgt «nd die von