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Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden · 1932-09-28 · 4 (28.9.1932) · p. Seite 26

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Journal
Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden
Volume
10 (1932)
Issue
4 (28.9.1932)
Date
1932-09-28
Page
Seite 26 (sequence 26)
Language
German
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— 26 — der dem Entwurf, der hier vorgelegt wird, wirklich gerecht wird. Dir beantragen weiter, daß alle Anträge der preußischen Berhandlungskommiffion als Material überwiesen werden sollen. Das ist erforderlich, weil die konservativ« Fraktion bei den Kommissions- Verhandlungen nicht zu Gehör gekommen ist. Einige Anträge scheinen uns geeignet zu sein, angenommen zu werden, bei anderen bestehen gewisse, zuiss Teil sogar schwerwiegende Bedenken. Aber das wird Gegenstand der weiteren Verhandlungen sein. Selbstverständlich werden wir. wenn einer der konservativen'Anträge zur Beratung gestellt wird, und auch von unseren Verhandlungspartnern von damals, von der jüdischen Bolkspartei. Anträge kommen, auch unsere Anträge dann noch bei den Verhandlungen zu stellen haben. Vir beantragen schließlich, daß der Verbandstaq den ständigen Ausschuß ermächtigen solle, an feiner Stelle den Abschluß mit den anderen Landesverbänden zu vollziehen. Der ständig« Ausschuß ist der Mikrokosmos des Verbandstages, es sind alle Parteien darin vertreten. lieber di« Dollmachtserteilung an ihn führt der einzige Weg, der es ermöglicht, daß die Sache nicht wieder um «in Jahr verschoben wird. Per den Reichsverband endlich gegründet sehen will, müßte sich deshalb unserer Auffaffung nach unserem Antrag anschließen. Bei dieser Sache sind der Worte genug gewechselt, wir wollen endlich Taten sehen. Schluß 20.07 Uhr. Präsident Stern beraumt die nächste Sitzung für Montag, 4. April, 9.30 Uhr, an. Zweiter Berhandlungstag. Präsident Stern eröffnet die Sitzung um 9.50 Uhr. Ich bitte davon Kenntnis »u nehmen und die Kollegen, die später kommen, nochmals darauf hinzuweisen, daß heute in diesem Hause Drenstbetrieb ist und daher die Wandelqänge frei bleiben müssen. Es ist voriges Jahr unliebsam bemerkt worden, daß zu laut« Gespräche auf den Korridoren geführt worden sind und der ^Betrieb dadurch gestört worden ist. Bevor ich die Sitzung eröffne, möchte ich Ihnen von einem freudigen Ereignis Kund« geben. Unser Kollege Dr. Horovitz ist heute Rächt Vater seines neunten Kindes und fünften Sohnes geworden. Ich erlaube^ nur, im Romen des Verbandes Massel und Brache zu wünschen. Das Wort hat der Berichterstatter des Haushaltsausschusses Benario. Abg. Benario: Meine sehr verehrten Damen und Herren! L Der Haushaltsausschuß hat am Freitag unter dem Vorsitz des Herrn Dr. Ehrlich (Königsberg) in zehnstündiger eingehender Beratung den Ihnen vorliegenden Haushaltsplan für das Rechnungsjahr 1932/33 eingehend durchberaten und mir den ehrenvollen Auftrag erteilt, über das Resultat dieser Derhandlungen hier im Plenum zu berichten. Ich muß im voraus Ihre Nachsicht erbitten, da ich — wenn auch gebleicht von der Fülle der Jahre — für diese Ausgabe ein Homo novus bin. Zu den Aufgaben des Haushaltsausschusses hätte es vor allem gehört, auch den Rechnungsabschluß für das Rechnungsjahr 1931/32 zu beraten; cs ist den Mitgliedern jedoch noch nicht möglich gewesen, diesen Abschluß zu prüfen. Zstvar machte Herr Schatzmeister Kareski zu den verschiedenen vorliegenden Erläuterungen und Vorschlägen noch einige mündliche Ausführungen, indessen wurde beschlossen, di« Aussprache über diesen Punkt auszufetzen. Zum Haushaltsplan wurde leider di« schon gestern in der Debatte festgestellte Tatsache konstatiert, daß die Einnahmeseite eine überaus unsichere Grundlage bietet. Demgemäß wurde die vom Schatz, meister erbetene äußerste Sparsamküt in der Bemessung der Ausgaben vom Ausschuß als oberste Maxime anerkannt. Ich komme nun zu den einzelnen Kapiteln des Etats: Zum Titel 1) G«. meinden, dem eigentlichen Arbeitsgebiet des Landesverbandes, habe ich «inen Antrag gestellt, der einstimmig Annahme fand, der sich jedoch leider nicht zur Besprechung im Plenum eignet und lediglich dem Rate mitgeteilt werden soll. Ziffer 1, 2 und 3 wurden gemäß dem Haushaltsplan angenommen, bei Ziffer 4 (Bmcheihüfen und Darlehen) schlägt der Ausschuß vor, statt der vorgesehenen Summ« von 20000 RM. wieder wie im Borjahr 18 000 RM. einzustellen. Demgemäß schließt Titel 1) mit einer Endsumme von 444 000 RM. Der Titel 2) (Beamte) wurde gemäß der Ratsvorlage mit 104 500 RM. angenommen. Zu Titel 3) (Bezirksrabbinate) liegt der folgende Antrag der konservativen Fraktion vor: Der Preußische Landesverband jüdischer Gemeinden wolle durch geeignete Verhandlungen mit den Robbinaten, insbesondere mit den Bezirksrabbinaten, Kreis- und Provinzialrabbinern sowie mit der Lehrerschaft und den Gemeinden dafür sorgen, daß auf dem flachen Lande und in kleineren Städten geeignete Unterweisung und Unterrichtung sowohl in religiösen wie allgemeinen jüdischen Fragen stattfindet, wie auch, daß insbesondere di« schulentlassen« Jugend auf dem flachen Lande und in kleineren Städten die Möglichkeit hat, in Winterschulen, Winterkursen, Ferienkursen und ähnlichen Belehrung auch in allgemeinen Disziplinen des öffentlichen und wirtschaftlichen Lebens etwa in der Weis« zu erhalten, wie das seitens der kleingewerblichen Winterschulen und seitens zahlreicher konfessioneller Iugendverbände mit Unterstützung der staallichen Stellen seitens hierfür geeigneter Organisationen gescheht. Der Landesverband möge auch mit den einzelnen Jugendorganisationen wegen der Einfügung ihrer Kräfte und Kreffe in dies« Arbeit ins Benehmen treten und nicht vollbeschäftigte jüdische Lehrkräfte bei den bezüglichen Deranstaltungen mit verwenden, auch versuchen, zu diesem Zweck staatliche und kommunale Unterstützung zu erhalten, wobei jedoch der Landesverband auch selbst in seinen Haushaltsplan einen Betrag mindestens fiir die Organisation dieser Schulen und Ausbildungsmöglichkeiten anknebmen möoe. — Dieser Antrag wurde einstimmig angenommen. Zu diesem Titel liegt außerdem noch ein Dezernentenbeschluß vor, lautend: Die Etatsposition Bezirksrabbinate soll für das Rechnungsjahr 1932/33 den Zusatz erhalten: Hiervon können bis zu 2000 RM. für Kulturfahrten ausgegeben werden. — Ter Titel wurde mit 42000 RM. angenommen mit der Maßgabe, daß der Rat ermächtigt wird, einen Betrag von 2000 RM. für Kulturfahrten abzuzweigen. Außerdem liegen zu diesem Titel noch die folgenden Anträge vor: Dr. Merzbach-Frankiurt a. M.: Ich beantrage, der Rat des Landesverbandes wolle bei Porlag« des Etas die einzelnen Posten für den Haushaltsausschuß durch Beilagen genauer spezifizieren: hierbei sollen nach Möglichkeit die Ausgaben des vorhergehenden Jahres zur Erläuterung der notwendig gewesenen Ausgaben ebenfalls spezialisiert beigeaeben werden. Ferner ein Antrag Goetz: Ich beantrage, daß der Landesverband sein« Leistungen — die bisherigen und diejenigen, die er sich für die nächste gukunfti als Aufgabe gesetzt hat — nicht nur (laut Antrag Merzbach-Frankfurt) den Abgeordneten, sondern auch der Oeffentlichkeit bekannt gibt. — Beide Anträge wurden im Ausschuß angenommen. Titel 4) (Rabbinerbildung). Der Ausschuß hat sich eingehend mit der Frage befaßt, die auch gestern schon hier im Plenum berührt wurde, der Erhaltung der drei Rabbinerseminare, ob nicht einerseits mit Rücksicht auf den geringeren Bedarf an neuen Rabbinerkrästen, andererseits mit Rückst^ auf die gebotene strenge Sparsamkeit zwei dieser Anstalten oder gar alle drei zusammengelegt werden könnten. Die sachkundigen Mitglieder des Ausschusses wußten dielen jedoch in eingehenden Darlegungen davon zu überzeugen, daß aus historffchen Gründen sowohl als auch mit Rücksicht auf die verschiedenen religiösen Richtungen «ine solche Maßnahme derzeit nicht möglich erscheint. Dagegen hat der Ausschuß nach eingehenden Erwägungen beschlossen, diesem Titel als Ziffer 4 «ine neue Position anzufügen: Zuschüsse für Rabbinats» Praktikanten 4000 RM. Die gründlich« Erörterung dieser Pofitton ergab, daß einmal die jungen Rabbiner nach bestandenem Examen die Praris unter der Obhut eines im Amt befindlichen Rabbiners kennen lernen sollten, daß also schon aus diesem Grund ein Prrcktikanteniabr erforderlich erscheint, daß aber auch dann, wenn ein junger Rabbiner während seines Studiums ein Stipendium bezoaen bat und noch bestandenem Examen nicht gleich Stellung findet, ihm eine Unterstützung während eines Jahres zuteil werden sollte. Der Dorschlag, die Verteilung der Zuwendungen an di« Rabbinatskandidaten den Seminaren zu übertragen, wurde nicht für zweckmäßig befunden, schon aus dem Grunde, weil man den Dozentenkol^gien bas Odium einzelner Ablehnungen nicht aufbürden wollte. Der Haushaltungsausfchuß hält die Einstellung dieser 4000 RM., welche natürlich nur einen Teil de» wirklichen

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