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Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden · 1932-09-28 · 4 (28.9.1932) · p. Seite 22

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Journal
Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden
Volume
10 (1932)
Issue
4 (28.9.1932)
Date
1932-09-28
Page
Seite 22 (sequence 22)
Language
German
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— 22 — sammlung dadurch weniger kostspielig zu gestalten, daß wir di« Etatsreden, die gehalten worden find, diesmal nicht im Druck erscheinen lasten, sondern statt jeder «ine Fußnote machen, z. B. vgl. dieselbe Red« im ersten, zweiten und dritten Jahrgang. (Zwischenruf Kareski.) Unterbrechen Eie mich nicht! Oder wollen Sie wieder ein« ähnliche Lärmszene Hervorrufen wie im vorigen Jahre? (Kareski: Ich wollte Ihnen nur einen Tip geben.) Ich 'brauche Ihre Tips nicht, die in letzter Zeit übrigens sehr schlecht waren. (Große Heiterbeit.) Man brauchte also nur eine Fußnote zu machen. Zum Punkt Deutschtum, vergleiche Reden Holländer, Peyser; zum Punkt Palästina vergleiche Reden — da wollen wir aber nicht Herrn Blumenftld nehmen, sondern di« von Herrn Badt und Herrn Goslar.. Wenn ich offen sein darf, es klang dies Jahr «in bißchen schwächer aus der Rede von Herrn Blumenftld als das, was in den letzten Jahren die Herren von der Volkspartei gesagt haben. Darum ist es auch in Ihrem Interesse, wenn di« Reden nicht gedruckt werden. Hat es denn einen Zweck, «inen Landesverband zu gründen und die Hauptzeit der Plenarfitzungrn dazu zu verwenden, daß man sich über die grundsätzlichen Meinungs- Verschiedenheiten, die vorhanden find, und di« vorhanden sein müssen, und die nach menschlichem Ermessen noch lang« vorhanden sein werden, immer wieder mit anderen Dorten und, wie ich zugeben will, mit geistreichen Gedankrngängen auseinandersetzt? Das ist kein« praktische Arbeit. Ich möchte ganz ernsthaft sagen: In einer Zeit, die pvcktische Arbeit so erfordert, wie es Herr Berger ganz richtig ausgeführt hat, sollten wir ein bißchen in uns gehen. So schön die RÄ>en find, sollten sie auf ein Minimum beschränkt werden, wie ich es zu tun gedenke. Ich widerspreche dem, was Herr Berger gesagt hat, als liberaler Jude, daß wirtschaftliche Organisationen zur Linderung der Rot des Judentums erst ihre Entstehung den Zionisten verdanken. Ich überlasse es besseren Kennern. Ihnen nachzuweisen, daß derartig Dinge schon seit Jahren von Liberalen angestrebt und in die Tat umgesetzt wurden. .Es hat auch keinen Zweck, sich mit Herrn Dr. Lohn auseinanderzu, setzen, ob man sich als Mitglied einer nationalen Minderheit wohlfühlen kann und soll. Ich wünsche es ihm von Herzen, daß er dort di« Ruhe findet, auf die er seit langem berechtigten Anspruch hat. Ich dagegen verzichte. M. H. Zionisten! Ihnen billig« ich Ihre Denkungsart in vollkommenem Respekt zu und verlang« nur, daß Sie auch meinen Freunden, di« in erster Reihe Deutsche sind, diesen Respekt zeigen. Und als guter Deutscher und Jude, bei dem «ine vertikale Teilung ebensowenig möglich ist wie bei einer chemischen Verbindung, sage ich Ihnen: Und wenn Deutsch, land jetzt durch das Schlimmste hindurchgehen sollte, was einem Kulturvolk passieren kann, wenn es hindurchgehen müßte durch Zeiten, in denen man an völkerpsychologischen Irrsinn glauben muß, wir werden Deutsche bleiben in unserem Fühlen und werden das Beste des Deutschtums mit unseren nichtjüdischen Brüdern zusammen durchhalten in ein« bessere Zeit. (Bravo! bei den Liberalen.) Präsident Stern: Das Wort hat Herr Rabbiner Dr. Rosenthal. Er ist der letzt« Redner zum Etat, dann ist die Generaldebatte geschloffen. Wir beginnen dann gleich mit dem Reichsverband und hoffen, daß wir in etwa einer Stunde fertig sein werden. * Abg. Rabbiner Dr. Rosenthal: Meine verehrten Damen und Herren! Ich habe zunächst einmal mit der Mitteilung zu drinnen, daß ich in die Bresche eingesprungen bin für einen anderen Kollegen aus unserer Fraktion, Herrn Oberrabbiner Dr. Altmann, und daß ich eigentlich weder vorbereitet noch in der Stimmung bin, in Zusammenfassung dessen, was wir bisher gehört h«ch«n, ein Wort zu Ihnen zu sprechen. Nachdem ich aber gegen meinen Willen veranlaßt wurde, zu Ihnen zu reden, möchte ich in bezug auf die Debatte, die wir gehört haben, und auf die Stunden, die uns b«. reitet worden sind, folgendes bekeiuren: Ich glaube, ich bin nicht der einzige hier im Saal, der durch den Verlauf des heutigen Rach, mittags auf das tiefste enttäuscht ist. (Bravo! Sehr richtig!) Ich glaube, daß sich da vielleicht unter uns di« Hälfte oder auch eine Mehrzahl findet, die ruhig sagt: Die Stunden, die wir heute hier erlebt haben, sind verloren« Stunden. (Zustimmung. Ruft: Wir sind ganz anderer Auffassung.) Ich bin kein Politiker, und ich werde trotz der dringenden Aufforderung de» Vorredners keine Polifik in diesen Saal heretnbringen. Ich bin an dieser Stelle nichts andere» als Jude. Aber so viel weiß ich nun doch aus den Zeitungen: die Reden, die Ideologien, Philosophien und Theorien, die wir zu unserem ärmlichen Etat von noch nicht einer Million beibringen (Gehr rlr^igl), stehen im umgekehrten Verhältnis zu dem, was sonst in diesem Saal und in anderen Sälen rednerisch geleistet wird, wenn «» sich um Etat» von Milliarden handelt. («Ähr richtig!) Wozu kommen wir denn eigentlich zusammen? Was sollen uns denn immer dies« Auseinandersetzungen? Wir wissen, die Zionisten und die Liberalen, die Dokrsparteller und Eentrolvereinler kommen nicht miteinander zusammen. Aber zu. sammen sind wir gekommen in einer Zeit, der schwersten, die wir kennen, und da sollte man doch von allen Seiten dasjenige, was positiv sich darbietet, zusammenfassen und sollte die Rot unserer Zeit und die Rot unserer kleinen Gemeinden — nebenbei demerkt: Nicht ein« einzige Fraktion hat gesprochen, welche nicht dieft Rot betont hat! — durch geeignete Hilfeleistung zu lindern versuchen. Warum immer und immer wieder diese Gegensätze gegeneinander aufinarschieren lassen? Warum immer sich in diesen großartigen DiÄuffionen ergehen, die wir in jüdischen Dingen seit dreißig Jahren zu hören bekommen? Wir freuen uns über alles, was auf jüdischem Gebiet erreicht wird, sei es in Palästina, fei es in Deutschland. Nicht o&et können wir uns darüber freuen/ daß das deuffche Judentum und speziell das preußische Judentum — das beweist der heutige Nachmittag — nichts gelernt und nicht» vergessen hat. (Richtig! Beifall.) Präsident Stern: Die Generalaussprache zum Etat ist geschlossen. Meine Damen und Herren, eine Berichtigung dessen, was ich Ihnen über den Haushaltsausschuß mitgeteilt nabe: Der Haushaltsausschuß tagt erst morgen nach der Spezialdebatte erster Lesung. Wir kommen nunmehr zu dem Punkt „Reichsverband *. Das Wort hat Herr Kammergerichtsrat Wolff. Präsident des Rats Kammergerichtsrat Wolff: Da ich jetzt das Wort habe, benutze ich die Gelegenheit, um auf den persönlichen Angriff zurückzukommen, den Herr Blmnenftld sich mir gegenüber gelastet hat. Es lohnte mir nicht der Mühe, deswegen das Wort besonders zu ergreiftn. Ich will auch jetzt nur sagen, daß ich es adlehn«, auf die ungehörige Form zurückzukommen, in der Herr Blumenftld sich mit meiner Person befaßt hat. Ich halte es für überflüssig, einem Manne zu antworten, der sich durch die Form seines Angriffs selbst gekennzeichnet hat. In der Sache selbst würde ich antwoften, wenn er gesagt hätte, worauf er hinzielt«. Ich kann es mir zwar denken, aber auf «ine bloße Vermutung hin kann ich kein« Gegenrede halten. Er hat von Sabotage gesprochen, aber nicht erklärt, worin die liegen soll. Es ist das kein schmeichelhafter Ausdruck und es wäre deshalb feine Pflicht gewesen, nachdem er ihn gebraucht hat, zu sogen, was er eigentlich meint. — Und nun zum Reichsverband. Ueber diesen hat Ihnen der Rat eine Mitteilung gemacht, die sich als Vorlage zu Punkt 6 der Tagesordnung bezeichnet. In der Zei^ als diese Mitteilung gedruckt wurde, stellte sie noch keine Borlage dar, denn es war «tn endgültiger Beschluß des Rates noch nicht gefaßt worden. Hinsichtlich des Inhalts dieser Mitteilung bezieh« ich mich auf sie selbst. Es ist allgemein bekannt, wie es sich mit ber Geschichte des Reichsverbandes verchält. Mehrere Jahre hindurch ist der Versuch gemacht worden, ihn zustande zu bringen. Es ist zunächst mit den anderen Landesverbänden verhandelt worden. Es wurden Entwürft verfertigt, die aber hier der Ablehnung verfielen. Es ist dann ein Ausschuß gebildet worden, der weiter gearbeitet hat. Der vorige Verbandst»» hat den Ausschuß durch Mitglieder dieser Versammlung ergänzt, und zwar durch di« Herren Holländer, Breslauer, Kollenscher und Löb. Der Ausschuß hat sich mit dem Entwurf in mehreren Sitzungen beschäftigt. Es kam eine Einigung zustande, deren Riederschlag der Entwurf in der Fassung {ft, oft Ihnen gedruckt vovliegt. Di« Erörftrungen im Ausschuß betrafen im wesentlichen nur die strittigen Fragen. Ich kann mich über sie kurz fassen, da sie allen bekannt sein diivfftn. Es handelft sich zunächst um dft Organe der zu gftindeichen Reichsorganisation, insbesondre darum, ob, wie im Landesverband, ein Rat und «ine Tagung eingefttzt werden soll. Man hat sich Im Gegensatz zu den früheren Entwürfen dafür enffchieden das Einkammersystem zu wählen, und demzuftlge nur eine Rekchtagung vorgeschlagen. Man ist sogar so «eit gegangen, darauf zu verzichten, daß dies« Reichstagung au» unmittelbaren Urwahlen hervorgeht. Es herrschft Einigkeit darüber, daß man sich das ersparen könnte und daß es genügen würde, wenn dftftnigen Organe der Landesverbände, dft au» Urwahlen hervorgegangen find, durch Delegatton dft Mitglieder der Reichstagung bestimmen würden. Für dft Landesverbände, die «kn au» Urwahlen hervorgegangenes Organ nicht besitzen, ist ein« Karenzzeit vorgesehen. Ferner war man sich einig, daß dft Streitfrage wegen der Bildung von Unterrichtsausschüssen ausgeschaltet werden müsse.

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