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Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden · 1932-09-28 · 4 (28.9.1932) · p. Seite 21

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Journal
Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden
Volume
10 (1932)
Issue
4 (28.9.1932)
Date
1932-09-28
Page
Seite 21 (sequence 21)
Language
German
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— 21 — nicht einmal 180 0W) RM. Staatsbeihilfen. Ja, es ist so. Im Etat de» Preußischen Landtages find eingesetzt 180 MX) RM., davon werden günstigstenfalls 80 Prozent bezahlt, davon bekommt der Halberstädter Verband fein Teil. Mr haben günstigenfalls mit 100000 RM. zu rechnen. Dr. Freund wird es Ihnen leider destätigen. Run ist Folgendes. Wenn Sie der Hauptaufgabe, die Sie als Hauptaufgabe ansehen, der Unterstützung kleiner leisüing». schwacher Gemeinden, gerecht werden wollen, dürfen dies« fehlenden 125 000 RM. nicht einfach verschwinden, und ich hoffe, in Ihrem Sinne zu sprechen, wenn wir dem Rat nicht das Recht zubilligen, erst nichts zu tun und dann zu sogen, wir haben nebbich kein Geld, und darum zahlen wir 80 Prozent oder 70 oder 60, und die ganz« Arbeit ist für die Katz. Und wir beantragen deshalb, daß dieser Etat Wirklichkeit wird, und wenn die Staatsgelder fehlen, beantragen wir, daß der Ständige Ausschuß berechtigt sein soll, eine Erhöhung des Notopfers zu verlangen, damit die kleinen Gemeinden wirklich ihr Recht bekommen. Dazu gehört allerdings, daß die Müdigkeit in vielen Gemeinden dem Rat gegenüber gebrochen wird, und die kann nur dann gebrochen werden, wenn der Rat und Berbandstog sich politischen Aufgaben zuwenden. Damit will ich ganz ftttg auf die sehr bemerkenswerten Ausführungen der Herren Dr. Seligsvhn und Dr. Holländer eingehen. Bei Herrn Dr. Seligsohn hat mich nichts so sehr interessiert wie die ein« Bemerkung, er dankt dem Rat für seine politische Arbeit, er bittet ihn, darin auch weiterhin fortzufahren. (Zuruf Dertheim.) Herr Werlheim, mich bringen Sie nicht aus dem Konzept, es gelingt Ihnen nicht. Nun sagt Herr Dr. Seligsohn aber weiterhin: Dem EV. muß diese Arbeit Vorbehalten we5>en, wir können kein« Abwehravbeit treiben und widerspricht sich damit selbst. Ich glaube, daß wir hier in der Tat zu einem Kernproblem kommen. Diese ganze Abwehrarbeit, von der ich nicht» halte, soll von mir aus ruhig der EB. weitermachen, meinen Segen hat er. Daß man sich aber unter politischer Arbeit nur Abwehrarbeit vorstellt, das ist doch das interessante an der Sach«, und hier sollten Sie doch sehen, daß wir wirklich von zwei verschiedenen Dingen sprechen. Herr Holländer sprach in seinen Ausführungen, die ich nicht unterschreiten kann, den Satz: Selbstschutz durch Selbstbtldung, und diesem Satz stimmen wir zu. Und wenn Sie das schon gelernt haben, so ist mir ganz unverständlich, weshalb Sie mit so fanatischem Eifer gegen die Selbstbildung der Juden durch di« jüdische Schule kämpfen. (Starker Betfall bei der Volkspartei.) Für uns ist di« politische Arbeit nicht Abwehrarbeit, für uns ist die politisch« Arbeit der Aufbau des deutschen Judentums und des preußischen Judentums. Ich behaupte, wenn nur «in geringer Teil der ungeheuren Summen, die im besten Glauben jahraus, jahrein für dies« Broschüren, Traktätchen und Versammlungen, die alle von uns gelesen und besucht werden, die offenbar aber die andere Seite nicht erreichen, der wirklichen Aufbauarbeit in Deutschland zugewkesen worden wäre, hätten wir auf wirtschaftlichem Gebiet ganz ander« Möglichkeiten. (Zuruf von den Liberalen: Das behaupten wir für Palästina auch!) Wenn Herr Woyda darüber geklagt hat, daß er, übrigen» auf Grund eines alten Antrages von uns, nur 10000 RM. für die Darlehenskasse habe, die unter Leitung von Herrn Woyda guft Fortschütte gemacht hat, dann haben Sie hier einen Beweis, was man mit geringen Mitteln Positives tun kann. Auch auf wirtschaftlichem Gebiet haben wir Möglichkeiten, dieses zusammenbrechend« Judentum wirtschaftlich zu stärken. Positiv muß man denken, nicht nur negativ. Es geht uns schlecht, weil wir Träger jüdischen Schicksals find. Der weiß draußen noch viel davon? Hier wäre es Aufgabe, die Juden durch Selbstbildung zu erziehen und ihnen klar zu machen, daß man sein Schicksal mit Stolz und Würde und Selbstbewußsein erleben kann (Zuruf Wertheim: Aber nicht mit Geschrei!) Sie dürfen mir nicht Geschrei vorwerfen. Wir haben die Aufgabe, uns klar zu machen, wie wir dieses preußische Judentum in diefer Frage erziehen können. Da scheinen mir in der Tat einige Ausführungen, von Dr. Holländer interessant zu ftin. Hier haben wir interessant« Ding« gehört, hier hecken wir endlich einmal das Eingeständnis von Holländer bekommen, daß diese jahrzehntelang« Arbeit vergeblich gewesen ist (Zuruf: Vergeblich nicht. Nicht die Erfolge getragen hat wie überall!), noch keine Früchte getrogen hat. Das ist bezeichnend. Was hat man uns erzählt und dem preußischen Judentum? Daß durch dies« Bekämpfungsarbeit verhindert wird, daß die antisemitische Bewegung groß und stark wird. Und wir haben nur eines gesagt: Dies« ganze Apologetik geht am Objekt vorbei. Es ist interessant zu hören, daß es deshalb fo schlimm geworden ist, weil die deutschen Kinder kein« Apologetikkunde gehabt hätten. Wenn also unsere Lehrer und Kinder besser erzogen worden wären. dann wäre der Antisemitismus nicht so stark gestiegen. Aber nicht Apologetik sollten Sie treiben, sondern wirkliche, jüdische, positive Kenntnisse erlangen. Und damit komm« ich zu einem Punkt, der mir sehr bedeutsam scheint und den ich deshalb behandle, well ich gehört habe, daß in Ihrer Fraktion entgegen der Haltung im Haushaltsausschuß ein anderer Beschluß gefaßt worden ist. Mir ist mitgeteilt worden, daß die liberale Fraktion beschlossen hat, gegen einen Einigungsantrag zu stimmen, den wir im Haushaltsausschuß' in der Frage de» Hechaluz gefaßt haben. Ich halt« es nicht für notwendig, über die Frage des Hechaluz hier zu sprechen. Für uns ist diese Frag« unabdingbar. Das ist unsere Jugend, die ein Recht auf Förderung hat. Denn Sie den Etat verabschieden wollen, müssen Sie sich in dieser Frage mit uns einigen. Hier geben wir mcht nach. Da Sie zur Verabschiedung des Etats unser« Stimmen brauchen, da Dreiviertelmehrheit notwendig ist, so überlegen Sie es sich. Dir haben nicht mehr notwendig, darüber zu reden, daß dies die beste und schönste jüdische Jugend ist, die wir in Deutschland haben, die einzig«, die Produktivierungsmaßnahmen durchführt. Dir verlangen dies Recht, das erwächst aus einem Begriff, den Sie auch übernommen haben, um ihn zu mißdeuten, au» dem Begriff der Einheitsgemeinde. Die diese Einheitsgemeinde aussieht, dazu noch einen Beweis. Die jüdisch-liberal« Zeitung hat in ihrer Rümmer vom 10. Januar, sie ist ja inzwischen neu entschlafen und neu erstanden, einen Artikel gebracht, der hieß: Un-~ freiwillige Subventionierung der Gottlosenbewegung durch den preußischen Landesverband. Es steht darin: Der preußische Landesverband zahlt Arbeiserkulturoerrinen Subventionen, die bk Gottlosenbewogung predigen und fördern. Der Artikel ist von A bis Z unwahr. Der Rat hat ihn gelesen und hat von mir al» dem Antragsteller der Subventionen für di« Kulturverein« den Nachweis verlangt, daß dieses Geld nicht an Kommunisten geschickt worden ist. Ich habe nachgewiesen, daß es auch kommunistische Vereine gibt, die von uns kein Geld bekommen hccken. Ich höbe diese Antwort an den Rat gegeben. Er hat ste geprüft und für richtig befunden. Die jüdisch-liberale Zeitung hat di« Berichtigung nur gebracht, sie hat den Rat gebeten, ihr Auskunft zu geben. Der Rat hat es nicht für notwendig gehalten, diese Auskunft zu geben und dazu beizutragen, daß «in« Mitteilung, die dem preußischen Judentum schweren Schaden ungerichtet hat, richtig gestellt nrfrt». Keine Zeitung, die diese Mitteilung gebracht hat, hat es daraufhin für notwendig gehalten, diese unwahre Rotiz zurückzunehmen. Der Rat, hat es nicht für fein« Aufgabe gehalten, di« Zeitungen zu widerlegen und den Preußischen Landesverband vor schwerem Schaden zu bewahren. Und nun zum Schluß. Hier ist mit dem Worte Erfolg «in eigentümliches Spiel getrieben worden, und unser Hinweis auf den Mißerfolg der Tätigkeit des LB. wurde beüntwortet mit dem Hinweise auf «inen angeblichen Mißerfolg der Arbeit in Palästina. Mr sehen den Berichten über Erfolge und Mißerfolge der Palästinaarbeit sehr ruhig entgegen. Aber wir müssen doch bemerken, daß wir die Arbeit des EB. nie gestört haben — trotzdem dieser Mißerfolg. Wie aber ist es mit Palästina? 30 Jahr« lang haben Sie die Arbeit für Palästina gestört, 30 Icchr« lang haben Sie mit Feuer und Schwert dagegen gekämpft, daß wir in Palästina arbeiten, und nach diesen 30 Jahren dürft« wir feststellen, daß wir ungeheure Schwierigkeiten hatten, daß die Schwierigkeiten auch heute noch fchr groß sind, daß inzwischen aber drüben 180 000 Juden leben, die gewiß kein leichtes Leben haben, die aber als freie Juden «in freies Dasein führen, nicht mehr geduldete Staatsbürger, sondern freie Menschen in einem jüdischen Lande. Abg. Sanitätsrat Dr. Peyser: Ich habe di« Fraktionssitzung der liberalen Fraktion, deren Hospitant ich bin, nicht mitgemacht, als man sich mit dem Hechalubeschäftigte, sonst würde ich meine abweichende Meinung -um Ausdruck gebracht haben, wie ich bas früher im Sozialausschuß getan habe. Ich bin nämlich für eine Bewilligung der Mittel aus folgenden Grütcken. Ls kann mir ganz gleichgültig fein, oft dadurch eine Anzahl von Leuten gefördert wird, die nach Palästina gehen oder die ihren Zionismus in Deutschland weiter treiben, wenn nur die Haupfforderung erfüllt wird, nämlich die Berufsumschichtung, die wir anstreben, so baß man Menschen wieder mit dem Boden verbindet und sie zu Ackerbauern, Gärtnern us». ausbildet, sie fönst körperlicher Arbeit oder einem Handwerk zuführt in einer Zeit, die an einer Hypertrophie der intelkktuülen Berufe leidet. Aus diesem Grunde bin ich für Bewilligung. — Zu dem Etat hätte ich noch vvrzuschlagen: Wir «ollen überall sparen; wie denke» Sie Wer die Anregung, die stenographischen Berichte diefer Bev-

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