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Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden · 1932-09-28 · 4 (28.9.1932) · p. Seite 17

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Journal
Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden
Volume
10 (1932)
Issue
4 (28.9.1932)
Date
1932-09-28
Page
Seite 17 (sequence 17)
Language
German
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-17 — lassen, feststellen, daß diese Penfionskasft nicht» weiter ist als eine Möglichkeit, bei entsprechenden Einzahlungen eine Derficherung zu schaffen, was weder etwas ganz Neues noch Durchgreifendes ist. (Zuruf Dr. Selig sohn: Anen ist Las ja noch nicht gelungen.) Das Gegenteil ist der Fall. Ich werde Ihnen bei der Spezialdebatte darüber Auskunft geben. Dann der Versuch, mit dem Rundfunk in Beziehung zu treten. Wir find längst über den Versuch hinausgekommen nnd haben in Berlin tatsächlich den Rundfunk für eine Reihe von Beranstaltungen zur Verfügung gestellt bekommen. Der Versuch, den Ler Bericht verbucht, ist also weder etwas Neues noch ein Erfolg. Den Wirtschaftsausschuß begrüße ich gewiß, der auf Anregung meines Freundes Hirsch vom vorigen Derbandstag ins Leben gerufen wurde. Ich hoffe, daß der Ausschuß gute Früchte zeitigen wird. Bleibt noch übrig der Rechtsausschuß. Ich werfe nicht die Frage auf, obwohl sie nahe läge, wie sich der Rechtsausschuß unter der neuen Leitung bewährt hat, was er getan hat, und welches seine positiven Leistungen sind. Ich werde großen Maßstob an die gegenwärtigen Inhaber der Ausschußämter nicht anlegen, und ich stelle nur fest, daß die Erfolge nicht so überwältigend sind, daß man mit Befriedigung auf sie zurückblicken kann. Es bleSbt der katastrophale Zusammenbruch der Staatsbeihilfen. Run sage ich, nicht di« Schutt» der Verhältnisse und nicht die Schuld einer heute antisemitisch eingestellten Bürokratie ist es, die diesen Zusaminenbruch herbeigeführt hat, sondern das Versagen des Landesverbandes und seiner Führung und die unmöglichen Methoden, die man geglaubt hat, in den politischen Dienst des Landesverbandes stellen zu sollen. Es ist für jemanden, der die Dinge kennt, unfaßbar, wenn man hört, daß glücklich vor drei Tagen man seitens der Verbandsleitung ftftstellte, was im Haushaltsplan des preußischen Landtages für uns vorgesehen ist. Werden so politisch« Geschäfte betrieben? Jeder Mensch, der sich mit diesen Dingen beftlßt, muß wissen, daß alljährlich im August der preußische Etat aufgestellt wird, und daß «ine Forderung, die nicht bis zum 1. September angemeldet worden ist, unter den Tisch fällt. Wenn dieser Zeitpunkt herannaht, ist es Pflicht, Tag und Nacht darüber zu wachen, was aus den Dingen wird, aber nicht, sich vor vollendete Tatsachen stellen zu lassen. Ich habe dem Rat über zehn Jahre meiner politischen Tätigkeit einen Rechenschaftsbericht zugesagt. Dieser Bericht liegt vor, und ich bedaur«, daß der Rat dem Antrag, den Bericht gedruckt vorzulegen, bisher nicht nachgekominen ist. Rur um Ihnen zu zeigen, wie derartige Dinge nicht geinacht werden sollen, müssen Sie lesen, wie die Dinge in der Vergangenheit gehandhabt worden sind. Wir haben gekämpft, und nicht ohne Erfolg. Aber so, wie es jetzt geschieht, kann man keine Poliftk treiben. Es ist hier gesagt worden: Ueber die Mechoden entscheidet der Erfolgs Der Landesverband hat über seine Mechoden selbst sein Urteil gesprochen. Es fällt mir schwer, diese Dinge hier auszusprechen, und di« Gründe liegen nahe. Aber es handelt sich um das Judentum, um Hunderte von Gemeinden, und nicht zuletzt um mein Werk, und ich habe «in Recht darauf, daß «in Werk, daß in zehnjähriger Arbeit aufgebaut worden ist, nicht in Monaten dilettantisch vertan wird. Meine Damen und Herren, wenn in dieser Weise die Entwicklung des Landesverbandes weitergeht, dann fürchte ich, daß wir in einem Jochr der Notwendigkeit enthoben sein werden, noch einmal im Landesverband zusammenzutreten. Diese Dinge auszusprechen, halte ich für eine Pflicht dem Landesverband gegenüber, und ich tue es nicht, um Anklagen gegenüber der Vergangenheit zu «heben, sondern um Forderungen zu stellen und Wege zu weisen für die Zukunft. Wenn hier nicht radikal eine Umkehr erfolgt, wenn man nicht begreift, baß solcher Dilettantismus ein Verbrechen ist, dann lassen Sie die Parlamentsspielerei, schicken Sie den Landesverband auseinander. Das Inflationsjahr von 1922/23 haben wir mit erlebt. Damals gab es keinen Landesverband, aber di« Gemeinden sind erhalten worden. Und im Jahve 1928 ist dieser Landesverband mit einem Borvermögen von 120000 RM. konstituiert worden, ohne daß die Gemeinden mit einem Pftnnig in Anspruch genommen wurden. Was haben wir seit 1928 erlangt? Wir haben Steuern erhoben und dabei uns entwickelt, daß *000 RM. Schulden bei den Banken uns zeigen, wie hoch da» Aktivum ist, das der Landesverband jetzt aufweist. Es muß durch positive Arbeit der Schwer« der Zeit entgegengetreten werden. Ist die politische Lage düster, so ist die wirtschaftliche Lag« katastrophal. Denn wir nicht aus uns selbst Kräfte aufbringen, unseren Weg durch die Geschichte «etter zu gehen, so gibt es kein« Macht der Bett, die uns die Verantwortung abnimmt, und diejenigen, die die Verantwortung tragen, werden sie vor der Geschichte zu tragen haben. Aba. RAnw. Dr. Oskar Cohn: Meine Damen und Herren! Ich hoffe, ich verstoße nicht gegen die Ordnung des Hauses, wenn ich auch in der ersten Lesung des Etats über diesen spreche. Es ist km allgemeinen nicht üblich, aber ich hofft, es wird Sie nicht stören. Es muß anerkannt werden, die Ausgaben des Etats find gekürzt worden. Das ist kein besonderes Verdienst, es ist ein Zwang gewesen. Entsprechend den viel geringeren Einnahmen mußten auch die Ausgaben herabgesetzt werden. Aber das befriedigt nicht, denn es scheint mir, als öd innerhalb des Etats bei der Verteilung der Etotsposten die völlige Verschiebung, die die Verhältnisse der Juden namentlich in den letzten zwei Jahren erfahren haben, nicht berücksichtigt ist. Es finden sich immer noch, und das hat Herr Dr. Seligsohn mtt Recht hervorgehoben, viel zu große Berwaltungsausgaben. In einem Punkt« hofft ich die Verwaltungsausgaben durch «inen Antrag, von dem ich nachher noch sprechen werde, erleichtern zu können. Herr Dr. Horovitz wird es mir verzeihen, wenin ich die Meinung ausspreche, daß auch die Ausgaben für die Heranbildung von Rabbinern in diesem Etat viel zu groß sind. Es muß hinzugefügt werden: . Alles, was für Bildungsausgaben im Etat des Landesverbandes steht, ist in der jetzigen Zeit zu hoch. Und man muß ernsthaft darüber Nachdenken, ob nicht das deutsche Judentum noch dringendere Aufgaben hat, als in einer dem Bildungsluxus der Vergangenheit nachgebenden Weift di« Ausgaben für Rabbiner, für die Ausbildung von Lehrern, Fortbildungskurse, Heranbildung von Hilfskantoren und Schächtern usw. sich jetzt noch zu leisten. Es ist ein altes Wort, ich glaube, von Cicero stammt es: Inter armas silent leges, gewöhnlich falsch zitiert: silent musae. Die leges, die gewiß, wie ich weiß, die Grundtage des jüdischen Lebens waren und für viele noch sind, diese leges müssen auch schweigen in dem Kampf, in dem Wafftngang, den das jüdische Volk, den die deutschen Juden jetzt um ihre nackte Existenz zu führen haben. Ich glaube nicht, daß damit etwa den Bedürfnissen nach religiöser, nach traditioneller Fortbildung und Ausbildung von Rabbinern Eintrag getan wird. Man müßte doch wohl darüber Nachdenken, ob nicht die talmudifche Ausbildung von Rabbinern auf vftl billigere, viel zweckmäßigere Weift dadurch gewährleistet weichen könnte, daß man sie an die ausländischen Stätten für RaÄinerbildung schickt und sich diese großen Ausgaben für di« Anstalten rabbinischer Wissenschaft in Deutschland, die nicht gefüllt werden können, erspart. Wir haben überhaupt eine Inflatton an ausgebildeten Rabbinern, die auf Jahrzehnt« hinaus bei dem Stand der jüdischen Gemeinden und Gemeindefinanzen nicht beschäftigt werden können. (Große Unruhe.) Wir haben in den letzten 50, 60 Jahren des Reichtums der jüdischen Gemeinden, wie ich eben schon sagt«, wahrscheinlich einen Luxus mit Bildungsstätten getrieben, und wir sind doch drauf und dran, denselben Fehler zu machen, den die Staatsregierung in Preußen und auch in anderen deutschen Ländern nach dem Kriege begangen hat, die Universitäten nicht zu schließen, soweit sie nicht unbedingt notwendig waren, sondern sie auftecht zu erhalten. Wir hätten längst, glaube ich, als die ersten Anzeichen der deutschen Wirtschaftskrise kamen, , einen Weg finden müssen, um dft übergroßen Ausgaben Kr solche Bildungszwecke einzuschränken. Auf der anderen Seite nke ich an Dinge, di« nicht oder nicht ausreichend im Etat berücksichtigt find. Und wiederum ist hierbei zu sagen, daß die Zeichen der Zeit, der Stand der Entwicklung der jüdischen Bevölkerung in Deutschland dabei verkannt ist. Das, was für jüdische Produktivierung, für Umschulung, geschehen müßte, geschieht durchaus nicht zureichend. Es muß doch auch etatsmäßig die Konsequenz daraus gezogen werden, daß die jüdische Bevölkerung in Deutschland sich in einem schon fthr weit fortgeschrittenen Proletarisierungsprozeß befindet, abgedrängt ist und mehr und mehr noch täglich abgedrängt wird von den Ätgewohnten bürgerlich-jirdischen Beschästigungsarten und selbständigen Erwerbszweigen, denen sie sich bis zum Kriege widmen konnte. Haben wir so von Jahr zu Jahr einen immer mehr steigenden Anteil der jüdischen Bevölkerung an Angestellten und Arbeitern, wozu auch die Angestellten der Gemeinden sellbst gehören, so muß doch auch der Landesverband und jede jüdische Gemeinde für sich die Folgerung daraus zichen und alles tun, um den Uebergang, um di« Deklassierung und neu« Klassierung dieser Proletarierbevölkerung sicherzustellen. In diesem Zusammenhang gewinnt der Beschluß, den kürzlich die Repräsentantenversammlung der jüdischen Gemeinde in Berlin gefaßt hat, nämlich die Ablehnung einer Gemeinde-Aufwendung für die Lhaluzim, ihre richtige Bedeutung. Das ist ein« Frage, die man ganz abseits von zionistischen oder antizionistischen Wünschen oder Auffassungen aufstellen könnte. Bei den Ehaluzrm, für deren Ausbildung Mittel angefordert waren, handste es sich in Wahrheit um berufsaussichtsloft junge Männer und Mädchen. S» ist völlig instiiKtlos, daß man nur au» Haß ober aus Furch»

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