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Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden · 1932-09-28 · 4 (28.9.1932) · p. Seite 13

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Journal
Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden
Volume
10 (1932)
Issue
4 (28.9.1932)
Date
1932-09-28
Page
Seite 13 (sequence 13)
Language
German
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-13 — LilienthaI: Ich wiederhole: Ich muß eines, was der Vor. redner gesagt hat, besonder» zurückweisen, nämlich di« Bemerkung, daß der Prästdent de» Rates auf alle Fälle auf seinem Posten zu bleiben wünscht. Ich. stelle fest, baß die Würde des Judentums der verletzt, der die Würde de» Präsidenten der Gesamtorganisation nicht wahrt. (Brovol unä> Händeklatschen.) Adg. stellv. Präs. Dr. Kollenscher: Bon Herrn Blumenselb war der Präsident des Rates sachlich angegriffen worden. Daß der Rat darauf erwidert, halte ich für selbstverständlich. Der Redner des Rate», der zu Ihnen gesprochen hat, hob hervor, daß er auf den sachlichen Teil der Angriffe nicht eingehen, dies vielmehr dem Präsidenten de» Rates selbst überlassen wolle. Also kann der Vorredner nur über di« -formelle Seite der Rede von Blumenfeld gesprochen haben; er hat sich beklagt, daß Blumenfeld gegen die Form verstoßen hätte. Ich habe, als Blumenfeld sprach, den Vorsitz geführt. Hätte Blumenfeld gegen die Form verstoßen, wäre es meine Obliegenheit gewesen, Herrn Blumenfeld dafür zu rügen. Indem ich das nicht getan habe, habe ich zum Ausdruck gebracht, daß ich in den Ausführungen von Blumenfeld keine Veranlassung zur Rüge erblickt habe. Ich halte dies« Ansicht aufrecht. Weshalb ich aber hier spreche, ist nicht nur diese persönliche Rechtfertigung, sondern das Bestreben, die Stellung des Präsidiums dieses Hauses auch gegenüber dem Rat grundsätzlich zu wahren. Es ist nicht angängig, daß, wenn der amtierende Präsident gegen eine Rede in formeller Beziehung nichts rinzuwenden hat, dann Ratsmitglieder kommen und gegen dies« Rede nicht sachlich protestieren, sondern kritisch nachholen zu können glauben, was nach ihrer Meinung der Präsident unterlassen hat. Das ist nicht angängig; es gibt Schranken für die Amtstätigkeit und Redefreiheit für die Mitglieder des Rates. Nachdem di« Red« von Herrn Mumenfeld unangefochten durchgegangen ist, kann der Rat sie sachlich bekämpfen, er kann aber nicht in formeller Beziehung dagegen anrennen. Präsident Stern: Ich bedauere, daß Herr Kollenscher, mein Stellvertreter, sich in dieser Sache, die das Amt des Präsidenten betrifft, nicht vorher mit mir in Verbindung gesetzt hat, sonst hätte ich ihm gesagt, daß ich sein« Ansicht nicht teile. Es gibt eine Form des Angriffs, die zwar persönlich noch zulässig ist, welche aber in parlamentarisch unangreifbarer Form Dinge sogt, die von der anderen Seite als Verletzung empfunden werden. Ich kann, wie es das Recht und die Pflicht des Präsidenten ist, nur dann eingreifen, wenn die parlamentarischen Formen verletzt werden. Eine Berletzung, die m parlamentarischer Form erfolgt, kann ob« manchmal schärfer sein als eine in nichtparlamentarischer Form. Sich hiergegen zur Vehr zu setzen, hat der Rat durchaus das Recht. Ich habe nicht gehört, was Herr Blumenfeld gesagt hat; der Rat hat ober durchaus das Recht, sich gegen eine von ihm als solche empfundene Formverletzung zur Wehr zu setzen, wie der Herr Präswent das Recht hatte, sie durchgehen zu lassen, wenn sie in einer parlamentarisch zulässigen Form erfolgt ist. Abg. RAnw. Horovitz: Mein« sehr verehrten Damen und Herren! E» kann nicht meine Aufgabe sein, auf den Zwischenfall, der eben die Gemüter erregt hat, zurückzukommen. Mir leben eben in einer Zeit, die ohnehin mit Explosivstoffen überfüllt ist, und wir sollten in diesem Kreise alles tun, um, wenigstens unter uns das eine zu erreichen, daß wir verwaltungstechnisch und parlamentarisch zusammen arbeiten können. (Sehr richttgl) Wenn diese Möglichkeiten mehr und mehr unterbunden werden, wenn Vorfälle, wie sie uns bei vielen Derbandstagungen beschäftigt hoben, schon in den ersten Beratungen des Verbandstages sich ereignen, so zeigt das, daß wir uns zu wenig mit dem Friedenswillen rüsten, mit dem man allein in einer dermaßen heterogenen und von so verschrienen Meinungen getragenen Versammlung etwas ausrichten kann. Meine Damen und Herrenl Ich will mich zunächst einigen rein sachlichen Etatspunkten zuwenden und möchte dabei erwähnen, daß mir manches in der sonst sehr dankenswerten Arbeit des Rates doch außerordentlich zu beanstanden erscheint. Das ist z. B. die Frage, die ich auch schon in den betrefftnden Ausschüssen selbst zur Erörterung gebracht habe, die Festsetzung de» Termin» der Ausschußsttzungen fite diejenigen, die Viesen Ausschüssen angehören und von auswärt» hierher kommen müssen. Eist ftlbstverständlich, daß da das Gebot der Rücksicht dazu führen muß, diese Atzungen z. B. nickt gerade am Samstagabend anzusetzen, wo eine Möglichkett ber Teilnahme für uns nur unter Opftrung weiterer Arbeitstage besteht. Darauf ist leider trotz des Hinweises in den einzelnen Ausschüssen nicht genügend Rücksicht genommen worden. Das führt zu einem anderen Punkt. Meine sehr verehrten Domen und Herren: Der Verband lebt nicht von Berlin allein. Ich verkenne nicht, daß aus manchen, insbesondere finanziellen Gründen, es sehr wesentlich ist, daß in den Ausschüssen recht viele Berliner sitzen. Aber dos Judentum außerhalb Berlins ist in diesem Perband auch vertreten, und es muß mehr Rücksicht auf diese von auswärts'kominenden Damen und Herren genommen werden, und es muß der Wunsch ihrer Zuzichung stärker bestehen, als das disher zum Ausdruck gekommen ist. Eine weitere Frage, die ich zu dem allgemeinen Tätigkeitsbericht des Rates zu erwähnen habe, ist die Angelegenheit der Stellungnahme der Lehrerschaft zu den Bezirksradbinaten. Diese Stellungnahme scheint mir wenig erfreulich, wenn wir die Protokolle zur Hand nehmen, die über die Vorstandssitzung des Lehrerverbandes erschienen sind. Ich hoffe, daß die Tätigksis der beiden Unterrichtsausschüffe hier zu einer Aenderung und Besserung führen wird. — Ebenso wie Herr Kollege Dr. Seligsohn bin ich sehr damit einverstanden, daß man die Tättgkeit des Rundfunks etwas stärker zur Perbreitung und Vertiefung jüdischen Wissens und jüdischer Interessen benutzt. Ich habe dem Rat das Beispiel eines außerdeutschen' großen Kulturlandes darbieten können, in dem seit etwa einem Jahr aus der Hauptstadt her allwöchentlich am Freitag im Rundfunk mittags von 12 bis- 1 Uhr eine jüdische Stunde, genannt die »jüdische Woche", geboten wird. Ich kann mir nicht denken, daß es angestrengten Bemühungen nicht möglich sein wird, ähnliches auch bei uns zu erreichen. Wenn wir den Etat im ganzen'anfehen, so muß ich gerade auch mit Rücksicht auf das, was Herr Kareski ausgesprochen-hat, betonen: Die in der Tat brutale Kürzung der Pofittonen für die Lehrerausbildung halten wir für einen schweren Fehler. Meine sehr geehrten Damen und Herrenl Hierzu möchte ick folgendes sagen: Jedem, der in einem Beruf sieht, wird es nichts Neues sein, daß heute von jedem Beruf abaemten wird und gesagt wird: Es gehören ihm viel zu viele Menschen' an, und neue Anwärter sind nicht mehr unterzubringen. So ist es in der Anwaltschaft, der Aerzteschaft, der Zahnärzteschast und in zahlreichen kaufmäimi» schen Berufen. Ich halte schon allgemein das ständige Abraten von allen Auslnldung^weigen im Interesse unserer Jugend für ein schweres Perfehlen. Bedenken wir aber, daß, wenn wir auf diese Weise fortfahren und auch die Berufe der jüdischen Gelehrsanckeit und Belehrung allgemein mit dem Stigma auszeichnen, daß sie überfüllt und die Anstalten zur Ausbildung überflüssig sind und daher geschlossen oder beeinträchtigt werden sollen, wir dadurch einerseits die Verzweiflung unserer Jugend, di« immer neue Berufe sucht und immer neue Schranken vorfindet, vergrößern, und daß wir anderseits mit solchen Maßnahmen manches zerstören und abbouen, was der heutigen Rotzett freilich nicht gewachsen und angepaßt ist, was aber, wenn es einmal obgebaut ist, nur mit ungeheuren Opfern wieder hergestellt werden kann. Und bedenken wir weiter auch, daß wir als eine Einrichtung, die von allen Seiten als zur Belebung und Förderung jüdischer Belange geschaffen und bestimmt angesehen wird, nicht genug Menschen ausbilden können, die speziell jüdische Disziplinen erlernen und sich ihnen widmen. Ich bin also der Ansicht, daß, wenn auch eine gewisse Einschränkuna der Mittel möglich und vielleicht angesichts der allgemein angespannten Lage notwendig ist, dies« brutale Kürzung unmöglich ist. Damit ergibt sich mein Urteil auch über den Antrag der liberalen Frocktton, den str noch weitergehend gestellt hat, dcchingehenb, daß nicht einmal mehr von den 70 000 jetzt 18 000, sondern gar nur 12000 RM. übrig bleiben sollen. Meine Damen und Herren! Ich warne davor, daß hier in dieser Weift Kulturinstitunonen zum Erliegen gebracht werden. Es wird Gelegenheit ftm, im übrigen auf dies« Frage -ei der SpezialdÄmtte oder später zurückzukommen. Wir dürft» bei der Frage der Lehrerausbildung eines nicht vergessen. Gewiß haben flck früher gerade in der liberalen Fraktton recht viele Stimmen gegen Bestand und Wiedererrichtung der jüdischen Schul« ausgesprochen. Sowohl die volksparteilich« wie unsere Fraktton haben stets die Notwendigkeit der Erhaltung und Errichtung der jüdischen Schul« betont. Eine Zeit wie die heuttge sollte uns lehren, vorzubauen und nicht abzubauen. Dollen wir für jüdische Schulen jüdische Lehrer herandilden, so ist es doppelte nötig, daß Instituttonen zur Heranbildung jüdischer Lehrer beficheni

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