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Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden · 1932-07-01 · 3 (1.7.1932) · p. Seite 3

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Journal
Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden
Volume
10 (1932)
Issue
3 (1.7.1932)
Date
1932-07-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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— 3 Jtafltn, dte behauatt erwünscht btöehrer enotr zu gestatten' und inZdeföndere^auc^em Lehrer Einsicht in Len Inspekttontbericht zu gewähren. Seit längerer Zeit liegt dem Rat her Entwurf einer Prüfungsordnung für Kantoren vor. Wenngleich nicht verkamt wurde, dahfür die Anstellung eines Kantors nicht in allen Fällen der Besitz eines Zeugnisses über feine Eignung für erforderlich gehalten «erden wird, so fit es doch von grotzer Bedeuving. die Möglichkeit zu schaffen, ein solches zu erlangen. Der vorgelegt« Entwurf fand daher Annahme. ES fand schließlich auch eine Aussprache über den Stand der Borbereitun^arvetten für dte Gründung eines RelchSverbandeS patt. Diese werden von dem bereits eingefetzten Ausschuß d«S Landesverbandes mit grdtzter Beschleunigung fortgesetzt werden. Drei Jahre vezirksrabbinat. Rückblick und AMbttck. Bon BezirkSradbiner Dr. Nachum Wahrmann. Drei Jahre sind an sich ln der Geschichte einer Gemeinschaft oder einer Bewegung ein zu geringer Zeitraum, um ein sicheres Urteil über ihre Bewährung zuzulaffen. Aber in der Entwicklung einer neugeschaffenen Institution bedeuten die ersten drei Jahre immerhin einen wichNgen Abschnitt, der zu einer tteberprüfung der bisher angewandten Arbeitsmethoden und etwaigen Schlußfolgerungen für die Zukunft berechtigt.— Als ich mich Ende Februar 1929 zur Uebernahme des niederschlesifchen ÄezlrkSrabdinatS verpflichtete, hatte ich gar kein« Borstellung von dem Umfang und der Eigenart meiner Tättgkeit. Selbst der Verband der Synagogenemeinden der Provinz Rtederschlesien, mit dem ich verandelt hatte, konnte mir diesbezüglich keinerlei Angaben machen. Handelte es sich doch um das erste seitens des Preußischen Landesverbandes geschaffene BezirkSrabbinat, so daß merfür noch gar keine Erfahrungen vorhanden waren. Auch OelS hatte seit Jahrzehnten keinen Rabbiner mehr, and dadurch fehlte dort jede Tradition für eine rabbtnische Tättgkeit. Ebenso konnte die an sich fruchtbare und wertvolle Arbeit deS Bezirkslehrers, der auch weiter im Amte blieb, nur in beschränktem Maße für mich richtunggebend sein. Ausgangspunkt meiner Tättgkeit war die Gemeinde OelS, in der ich meinen Wohnsitz habe. Hier galt es, bestehende Institutionen auSzubauen und neue inS Leben zu rufen. Die Schrchita wurde dadurch verbeffert, daß Großvieh Katt einmal jetzt zweimal wdchentlich geschlachtet wird und daß außerdem der Fleischverkauf zu bestimmten Stunden unter Aufsicht des Beamten erfolgt. Der ReligionSunterrtcht findet nicht mehr wie bisher am Nachmittag statt, sondern wird allen Schülern der höheren Schulen und der Mittelschule vormittags im Rahmen des Gesamtunterriihts von mir selber erteilt. Wenn auch in Kleingemeinden mit geringer Schülerzahl diese Regelung vielfach mit großen Schwierigkeiten verbunden ist, so soll sie dennoch aus pädagogischen und kulturpolitischen Gründen aimestrevt werden. Schließlich habe ich zur Förderung und Verbreitung jüdischen Wissens unter den Erwachsenen einen «Ausschuß für jüdische Volksbildung" gegründet, in dem außer dem Gemelndevorstand alle Organisationen der Gemeinden vertreten sind. Durch planmäßige Veranstaltung popolärwlffenschastlicher Vorträge jüdischen Inhalts ohne jede Parteitendenz ist es dem Ausschuß gelungen, viele sonst fernstehende Gemeindemltglteder für jüdische Fragen zu interessieren. Die Arbett im Bezirk gestaltet sich im Sommer anders als im Winter. Im Sommerhaldjahr steht im Mittelpunkt eines Gemelndebefuches die Predigt im Freitagabend- Gottesdienst. Da» kommt gewöhnlich eine Schritterklärung im Rahmen deS MorgengotteSdiensteS am Sabbat und in - einigen Gemeinden, in denen «in« Andacht am Sabbatausgang stattfindet, außerdem «ln Lehrvortraa aas dem Gebiete deS jüdischen SchristklmS. Der Sonnabend-Nachmittag dient in der Regel den Besuchen von Gemeindemitgliedern und dort» wo ein Lehrer am Orte ist, wird er auch zur Inspizierung des AelWpnsuuterrlchts benutzt. Sonnabend abends pflege ich eine Gemeindeversammlung elnzuberufen, di« sich überall als sehr nützlich erwiesen hat. Biele Gemeinde- Mitglieder, die zu eine« Besuche deS Gotteshauses nicht zu bewegen find, erscheine» in der Gemeindeversammlung und bekunden ein reges Interest« für lokale Fragen des iüdtschen Lebens und danlber hinaus für allgemeine Probleme der jüdischen Gemeinschaft. Solche Semeindeverfammlungen schaffen eine Atmosphäre des DerkauenS zwischen Gemeinde und Rabbiner und führen auch zur Annäherung der fonst gesellschaftlich kaum miteinander verkehrenden Gemeindemitglieder. Wo eine Gemeindeversammlung nicht veranstaltet werden kann, bespreche ich die laufe»»«« Gemeiudefraaen mit dem Vorstand und den Vertretern der Repräfentantenversammlung. Sehr bewährt haben sich Semeindebefuche zu den Feiertagen, dagegen haben sich Predigtgottesdienste am Sonntagnachmittag als völlig wirkungslos erwiesen und sind daher nur in den seltensten Fällen veranstaltet worden. 3n den Wintermonaten erstreckt sich meine Tättgkeit im Bezirk haupffächlich auf die Veranstaltung von Vortragsabenden an Sonn- oder Werktagen, wobei ich gewöhnlich am Anschluß daran auch alle anderen Obliegenheiten in den Gemeinden wahrnehme. Diese Regelung der Sommer- und Wlnterarbeit hat in allen Gemeinden Anklang gefunden, so daßsie jetzt zur ständigen Einrichtung geworden ist. Mein Bestreben geht dahin, jede Gemeinde mindestens zweimal im Jahre zu besuchen. Leider ist dies wegen der großen Ausdehnung meines Bezirks nicht immer möglich. Einen wichttgen Zweig meiner Tättgkeit bildet die Seelsorge, die sich nicht nur auf OelS und die BezirkSaemetnden erstreckt, sondern auch die regelmäßige religiöse Betreuuna der Insaffen verschiedener Krankenanstalten und Gefängnisse umfaßt. Reben allmonatlichen Besuchen in der Provtnzialhetl- und Pflegeanstalt LeubuS, wo ich stets einen PredigtgotteSdienst abhalte, besuche ich regelmäßig das Deutsche Samariterordensstist Kraschnitz und gelegentlich je nach Bedarf die Provinzial-Erziehungsanstalt Wohlan und das GefäugntS in OelS. Ich stehe in fortwährender Verbindung mit den Behörden, den Angehörigen der Betteaten und den jüdischen WohlfahrtSlnstituttonen. Diese seelsorgerische Tätigkeit ln den Anstalten wie in den Gemeinden hat sich als überaus segensreich erwiesen, insbesondere in der letzten Zelt, ln der infolge der WirttchaftSkrtje und der politischen Unsicherheit immer größere Teile der Iudenheit der materiellen Hilfe und der seelischen Aufrichtung bedürfen. Die Verhältnisse baden es mit sich gebracht, daß ich neuerdings auch die Berufsberatung und die Stellenvermittlung in den Bereich meiner Tättgkeit ziehen mußte, um vor allem der schalenttaffenen Jugend bei der Berufswahl und der Beschaffung einer Lehrstelle behilflich zu sein. Schließlich sei noch meine Mitarbeit an verschiedenen Vereinen des Bezirks erwähnt. Die Arbeit in den Gemeinden wird nämlich wesentlich erleichtert, wenn eS gellngt, bestimmte Kreise innerhalb der Gemeinde zu gemeinsamer jüdisch-kultureller Arbeit zu vereinigen. Mein« ersten Bemühungen dieser Art waren auf dte Organisierung der Jugend gerichtet. Di« gegründeten Iugendvereine erwiesen sich aber zum größten Teile als nicht lebensfähig, teils wegen Führermangels, teils wegen allzu gertngen jugendllchen Nachwuchses in den meisten Gemetnden. Dennoch war die Arbeit nicht vergebens. Einige Vereine haben sich gut entwickelt und leisten bedeutsame jümsche Er^ehungSardelt au ihren Mitgliedern. Seit dem vorigen Jahre widme ich der Tättgkeit der jüdischen Frauenoereine besondere Aufmerksamkeit. Ich organisiere vielfach ihr« kulturelle Arbett und stelle mich ihnen für die Leitung von Arbeitsgemeinschaften und Abhaltung von Vorträgen öfter zur Verfügung. Die Verein« simd für dies« Mitarbeit sehr dankbar und ihre Tätigkeit trägt allgemein

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