Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden
- Journal
- Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden
- Volume
- 9 (1931)
- Issue
- 5 (30.6.1931)
- Date
- 1931-06-30
- Page
- Seite 48 (sequence 48)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/3980048-10021620-10021605--646-3980637- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 48 — ftbtr o««öiigt. einen Antrag su stellen, den Sie einstimmig angenommen haben, »nd «inen Teil, der an» einem Antrag der Lide» rulen stammt, als besonderen Antrag znr Abstimmung p, bringen. 2ch bitte Sie. diesen Antrag abzulehnen oder zurückzuziehen oder Aber ihn zur Tusesordnung überzngehen -an» folgende« Gründen: Ich verstehe lehr gut. dah Sie selbst da» Bedürfnis haben. Ihrer eigene» Arbeit den Dank «»zusprechen. Ader ich halt« «in solches Vorgehen einer Partei für falsch. Der Prenhische Landerverband, in dem dieselbe Gruppe. der man de» Dank «»spricht, di« Majorität hat. sollte nicht «inen Antrag annehmen, dem «in Teil von Ihnen an» vollem Herzen zrrstimmt. der aber «inen «deren Teil in unzulässiger Weise vergewaltigt. Wir können nicht darüber dirkntieren. Aber Sie wissen genau, dah wir aus innerfter lleber zeng«g di« Arbeit de» Eenttal-Lerein» für unrichtig halten oder zum mindesten grohe Teile dieser Arbeit. Ich glaube, dah dies« Arbeit ersten» nicht di« Erfolge hat, die uns mit Befriedigung erfüllen können, zweiten» sollen auch Sie zugeben oder jedenfalls wissen, dah wir überzeugt sind, dah Sie nicht in der Lage sind, mit diesen Methoden ein« Arbeit zu führen, di« politisch in der richtig« Weis« unsere Interessen vertritt. Sie müssen zwei Arbeitrgebiet« trennen. Er mag «in Streit sein über den Rechtsschutz der deutschen Juden, d. h. über einen sehr grohen Teil der Arbeit de» Eentral-Berein». Ich glaub«. dah ein sehr groher Teil dieser Arbeit gut gemacht wird, aber ich glaube auch dah e» sich bei diesem Antrag nicht um eine Würdigung diese» TLtigleitrgebietr handelt. Der Prenhische Landesverband nimmt «in« rein politische Resolution «. Er tritt hier al» politischer Repräsentant der deutschen Juden «f, und ich glaub«, dah der politische Teil der Arbeit de» Eentral-Verein» in seinem Wert so sehr umstritten ist, dah man unter keinen Umständen diese» Forum benutzen sollte, um mit einer eigenen Majorität sich di« Güte seiner anherhalb des Landesverbandes liegenden Arbeit zu attestieren und einen Beschluh zu ertrahieren, der quasi auch Dissentierend« bindet. Wir haben all« ein Interesse « einer offenen Aurtragung der Gegensätze: ums hier geschieht, scheint mir jedoch damit nichts zu tun zu haben. Man sucht sich ein Forum aus, in dem man eine dissentierend« Minderheit zwingen will, etwa» an zu er kennen, was fi« ihrer Natur nach nicht anerkennen kann. Ist dem Eentral-Verein «rnstsich dar« gelegen eine Entscheidung herbeizuführen. dann mühte wenigsten» Gelegenheit zu gründlicher Auseinandersetzung gegeben werden. Ich muh mich «f eine Anmerkung beschränke«. Di« politisch« Vertretung der deutschen Judeuheit k«n nicht von einem deutschen Sesinmmg»ft«dpunkt aus geführt werden, sondern nur durch Einsetzung aller objektiv vorhandenen Faktoren i« Zusammenhang mit dem Welljudentum. Sie haben, hier in sehr interessanter Weise unserem Standpunkt Rechnung getragen: Sie sage» ausdrücklich. dah da» Entscheidend« für nusere Stell«g die Wirkung auf dt« well ist. weil überall Juden sitzen, und well «in« Welt unter ihrem Druck und Einfluh « dem Sieg mm Recht und Gerechtigkeit und am Schutz der jüdischen Interessen interessiert ist. Al» objektiver Beobachter kam m« jedenfalls nicht sagen, dah mm die Erfolge der Tentralverein-Arbeit begrützt. Man kam höchsten» sagen, diese Arbeit hat keine Schuld daran, dah «s tat» politisch so schlecht gegmgen ist. E» macht einen merkwürdigen Eindruck. dah man nach der gxöhten politischen Niederlage, di« wir erlebt haben, jetzt dieser Arbeit di« Güte attestiert. Oder sosi di« Resolution etwa sagen, der Tenttal-Berem hat fleihig gearbeilet? An ein solche» Fleihzeugnis ist doch nicht gedacht. Ich würde schon ans diesem Grund« die Resolution für fehl am Ort halten. Und ich glaub«; sie wird Ihnen auch nicht» nützen, mch wenn Sie sie mit Mehrheit hier «zwingen, well «aturgemäh da», wa» Sie erwarten. «ine Aenderung der öffentlichen Stimmungnämlich, doch nicht eintritt. Es bleibt mch nach einem Befchluh alle» beim alten. Rur die innenpolitische Polemik wird gefördert »«den. Sie wissen sehr gut, dah Ihr Antrag nicht die Beendig««, soudern einen neuen Anfmg der Diskusiim bedeutet. Wir sind bedroht, und ich behaupte, dah nur «ine anders geartete Methode, die wir hoffentlich all« zusammen anwenden «erden, di« nicht ei« Patent einer Gruppe sein kam. uns weit« bringt als alle», wa» »kr bisher get« haben. Deshalb bitte ich Sie. «f Ihren Antrag zu verzichten und gemeinsam mit ms über ihn zur Tagesordnung üb« rzu gehen. Abg. IR. Dr. Brodnitz: Ich will nur folgend«» bemerken: Das Problem, wa» man al» letzt« Redner logalerweye sagen darf, ist nicht gm, einfach, aber d« verehrte Herr Blumenfeld hat hier eine Rede gehalten, wie man sie in keinem Fall zu dies« Stund« in einer solchen L«sammlung halten darf. Wir mühten nn» ftmdenlmg unterhalten, wem wir auf all da» antworten wollten. Ich «erd« der Berfuchmg nicht untersiegen. Mein« Damen und Herren! Dieser Anttag. wie er hier vorliegt, ist rin« Rvt- «endigkett. um die Situation zu bereinigen, dl« sich daraus «gibt, dah — übrigen» mch in «deren Anträgen, di« hier von mancherlei Seit« unterbreitet werden —d« Versuch gemacht wird, den Landesverband in die Stellung d« Abwehrorganisattqn hinttnzuhetzen. ums ich für meine Person für ein Unglück hakte. Und wer nchh kennt, weih, dah diese Meinung nicht etwa daran» rtfuTHafc bc$ ich den Vorzug habe, an der Spitze der gröhten Abwehrvereknigmg zu stehen. Wir wollen nicht Komplimente »« Ihne«. Dies« Antrag hat ein« bestimmt« fachsiche Tendenz. Ich bitte; de» Antrag zuzuftimmen. (Beifall.). * Präsident Stern: Wer für den Antrag ist. den bitteich, die Hmd zu «heben. — Der Anttag ist mit Mehrheit «genommen. E» folgt der Anttag d« Dolkspattei: „Der Prenhische Landesverband jüdischer Gemeinden hat di« Rechte der in Preuhen lebenden Juden zu schützen und deren gesamte Interessen gegenüb« den Organen der Gesetzgebung. Verwaltung und R«htfprechang wahrzmehmen. Der Preuhisch« Landesverband hat den Wtttschaft»mtisemitt»mu» zu bekämpfen und demgemäh die sozialpvsittschen Arbetten in allen ihren Formen «szubauen und di« jüdische Wirtschaftshilfe zu fördern." Ich glaube. hier werden wtt getrennt abstimmen müssen. Abg.. Blumen selb: Ich möchte «ine Aufklärung geben. E» h«delt sich bei diesem Antrag nicht darum, dah die Alnvehvarbeit dem Preuhisch«, Lande»v«b«V Übertragen wird, sondern darum, dah es sich bei ihm um die polstische Repräsentanz der deutschen Juden gegenüber den Behörden, der Auhenwelt Ikmbelt. Präs. Stern: Ich lasse abftinnnen und zwar zunächst ab« den ersten Satz. Abg. Dr. Breslauer: Es kann nur getrennt abgestimmt werden, wenn getrennt« Abstimmung beanttagt ist. Präs. Stern: Dann bitte ich. wer für den Anttag ist, di« Hand zu «heben. — Gegen den Antrag? — Der Anttag ist abgelehnt. ' Dann habe ich leider «ine Nein« Unterlassungssünde Vegangen bei der Wtrtschafttdebatte. Ich habe vergessen, über den Anttag der Frauen abstimmen zu lassen, d« die Gefährdetenfürsorg« betrifft- Er lautet« '!' „3m Interesse der durch die Erwerbslosigkeit mehr de« je gefährdeten weibsichen jüdischen Jugend -««tragen wir Frauen. Mitglieder de» Preuhisch«» Lanbesverbanbe» jüdischer Gemeinden, 1. die Gemeinden «ftufordern, Beittäg« zur hauswirlschafttichen und berufsichen Ausblldnng erwerbsloser jüdischer Mädchen bereitruftellen. 2. di« staatlichen und städtischen Behörden zu ver«lassen. bei der ver«itstell«g von Mittel» «d Einrichtungen der produkttven Erwerbslosenfürsorge auch den besonderen jüdischen Bedürfnissen R«ch«ng zu ttagen." Wird da» Wort gewünscht? — Rein. — Ist jemand gegen den Antrag? Da» ist nicht der Fall, er ist einstimmig «genommen. iBeifall). - , Dann möchte ich die Anträge; die gestern auch sch« besprochen worden sind, bezüglich der Einbürgerung, die ja auch »ollbommen nnftrettig find, gleich vornehmen. Ich habe hi« nur den ursprünglichen Antrag, der Anttag war modifiziert. €s müh Heiden: „ersucht" den Rat. dafür zu sarge«. Also St« können de« Anttag. der einmütig begrüht worden ist, nur in der folgenden gemilderten Form «nehmen: < f f*p „Der Verbands tag bittet, dafür Sorge zu ttagen. dah bei Einbürgerung von Personen, die mtt d« deutschen Äultui durch Jahrzehnte lange» Elnleben verwurzelt find, nicht st«« aus Gründen der Indenfeindschaft Schwierigkeiten gemacht werden." Ist jemand gegen den Anttag? Der Antrag ist «genommen. Dann: „Der Landesverband möge beim Auswärtige« Amt dahin vorstellig werden. dah da» Deutsche Reich im Blsiketzbnnd auf eine rnternational« Regel«« de» Recht«» der Staatenlosen im Sinn« der Beseitigung der tellweisen furchtbaren Rechtlofigkett der Staatenlosen nachdrücksich vorstellig wird." Abg. Berger: Meine Dame« «nd Herren! W«m dieser Antrag nicht eine leere Demonstratio« sei« soll, bamt briftUfet er. dah der Preuhisch« Landesverb«d eben hie posiMch« Ary«t keiften muh. die Sie vor wenigen Minute« abgekehnt h-m^.Ich.sW mm wissen. «a» Sie mit diesem Anttag kn Wahrheit meinen- Voll er reine Agitatt« sein oder «ollen Sie. dah der Rat etwas 1ut?.W«nn es kein« Aaitatton sein soll, da« beschsiehen Sie da» Gegenttll von dem, um» Sie eben beschlossen haben, al» Sie unseren Anttag «f