Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden
- Journal
- Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden
- Volume
- 9 (1931)
- Issue
- 5 (30.6.1931)
- Date
- 1931-06-30
- Page
- Seite 43 (sequence 43)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 87% known words query
- IRI
…/3980048-10021620-10021605--641-3980632- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
- 43 — der Jüdisch«, Holkpartei p gründen. Deshalb wird di« ferffdieidnng. dte hier p trefßrn ist. Mit Rokemdigkit ein« materiell« und nicht «mr dm fop»te (MWdkui„ fek. Datz «• d«mr arnArt. 3 «ersafiunG »» e, heitzt. das, der verband die Unterstütz»* d« prmtzifch« arme» Gemeindm nnd all« ihrer Interessen IwjOi «Ikn Jnkreff« der S»na,»pngpwi»d«n a«hür«n M« tüdiichrn Inkreisen der Spupopnpmeindm. Ein besonderes sachliche» Interesse besteht für die Errichtnna «irn» dritte Unterrichkan»schnsse» in der Tat. Wir haben kU tfa«, dritten «ultusansschnh bemffprucht. weil e« einen besondere» Luitn» für nn, nicht gibt, «ohl ab« habe» wir besonder« «nfgghp auf dem Gebiet de» Unterricht» nn» d«r Lrchehnng. wir fehrnn in Ünte" richt nnd Erziehung »nnüchst «in« Trenn»», ab. ans der dieser prmtzijche Landesverband leid« aufgebant ist, nLmttch die Trennnng nach pmi verschiedenen jüdischen Lonsessionm. ein« liberalen nnd ein« tonservattoe». 2ch erinnere «ich. bah ei» Redner der Konservative« he»1e von der Zweiteilung gesprochen hat. die ihm genügt, »ad die er nicht «setzt wissen will. Wir lehn«, auch die Teil»»« in p»ei Lonfesftonm ab. Wir «oll«, uns«« Unterricht nnd n»s«e Erziehung anfgebaut wissen auf dem Gedanken, dah er nur ei» Judentum gibt, da, nnr «in Gesetz und «ine Lehr, hat. Man kann p diesem Gesetz und p dieser Lehre in der praktischen Ausübung eine verschiedene Stellung einnehmen, ab« wir wollen dies« Trennung nicht im Unterricht nnd in der Erziehung durchs«, fühtt wissen, sonder« wir «olle« einen einheitlichen Unterricht und ein« einheitliche Erziehung, und zwar mit dem Ziel, datz e» in erst« Reihe darauf an kommt, dem Lind jüdische» wisse» zu verschaffen, nicht nur von einem vergangenen, verstorbenen und verstaubten. sonder« von einem lebendigen Judentum (Höndeklatschm bei d« Volkpartei-. Diese» lebendige Judentum erblicken «fr darin, datz wir «ine Pflege de» Hebräischen in lebendigem Seifte verlange«. Wir «olle« hebräisch nicht nur als eine tote Sprache der Vergangenheit, al» eine Sprach«, in der da» jüdische Bo» gesoroche« Hai. lerne«, sondern wir »ollen im Unterricht da. Hebräische pflegen ok «ine Sprach«, die noch lebt. Wir verlangen ein« Seschichtrdarstellung. die »eigt. datz da« Judentum nicht einmal gehandelt hat und später nur Objekt der Geschichte geworden ist. sondern wir wollen Subjekt der Geschichte »erden »nd ihr Schicksal selbst geftallen. Wir verlangen, datz im Religiornnnterricht den Lindern beigebracht wird, datz dmtsche Juden mit den Juden der ganzen Weit empfinde«, nnd datz «* nicht nur Aufgaben der dmtschm, englischen und französischen Juden gibt, sondern Aufgaben der. gesamten Juden in der Welt. Und wenn man auf diesen Prinzipien ausbaut, dann ist es möglich, einen einheitlich«» Religionsunterricht zu habm. Datz es so geht, haben wir durch praktische Veispiele bewiesen. Wir haben in einig« Städten jüdische Schulen begründet, in denen tatsächlich die religiösen Unterschiede, die es innerhalb der Bolkpartei selbstverständlich gibt, kein» Roll« spielen, sondern in denm wirklich eine einheitlich«, poslttv«. jüdisch gerichtete Erziehung der Linder möglich gewesen ist. wir haben in der Tal von dem Religion»unterrtch1 «in« besondere Vorstellung und Auffassung «nd unser besonderes <kr»iehung»id«al für unsere Jugend, »nd ich glaub«. «« hat niemand da» Recht, »n» die Möglichkeit einer Verwirklichung diese» Erziehunptdeak vorzuenthalten. Wenn Sie sich in dieser Debatte auf dm Standpunkt stellen wollen, diesen Unt«njicht»aü»schntz deswegen abplehne«. well Ehe da» Judentum nur für eine Religion hakten, so könne« Sie ebenso gut tat diesem Standpunkt noch weiter gehen, indem die liberale Richtnng ». «klärt, datz sie nnr ein liberales Judentum arnrkunt «nd dem konservativen die Echtheit seiner jüdisch«, Art bestreitet; mit dem gleichen Recht könnte da» konfervattaw Judentum sagen, datz e« nur rin konservative» Judentum gibt. Niemand in diese« Laus« hat da» »echt, von einer anderm Richtnng p behaupten, datz sie nicht Judentum sei. sondern jede Richtung bestimmt selbst darüber, «a, sie für jüdisch hält «nd war ihr da, wesentlich« an dem Judentum scheint. Und wevubie peit «rützt« Fraktion diese» Kaufe» auf dem Standpunkt steht., batz «r i» murren Ideale» und Bestrebungen da» wirkliche Wesen de, I». dmtum» erblickt». so hat niemand da» Recht, uns diesen Stanknrnkt streitig p machen. (Beifall.) . «bg. Fra» O. Schönewald: »or einigen Jechre» hatte K bereit» die «nk-hg. rnn dieser Stelle au» de» Ansprüchm der volkpärtei ans den dritte» Unterrichkmmschntz mtgmenpkekn. T» pt wie die Begründung der Bolkpattej dieselbe geblieben ist. stnd üuch di, Voraussetzungen für unser« Stellungnahme d,eselben gebliehe». Ich möchte nur ooraulschickeü. datz e, nicht anoan- Bia ist. am gut« willen einer Partei zu zweifeln. wem, fie fich »«wnngetz ftcht. die Ansprüche einer anderm Parle, abplehnm. iSchr 'richtig!) Ich meiue. von vornherein mützte tnan den gutm Wlllm ch, gegeben mtfehm «nd pgestehm. datz wir hier Entscheldunam treffe«, wie unser jüdische» Gewissen sie un» vorschroibt. Der Herr Vorredner hat geglanbt, di« Frag« der um p zeigen. datz unser Standpunkt falsch' (**, Sttt Unrecht! Wir «erd« p benachteiligt in der Einbürgerung, well wir 2»den stnd. weil wir der jüdischen Religion angeh-ren nnd ihr Km bleidm. (Widerspruch.). Der Herr Borredner sagte, wir sollm mm nicht nach Formeln, sondern nach materiell« Gründen richtm. »nd da. In» «K. Ein solcher Grund ist gegeben im «* tikel 26 unserer Verfassung, der «an, klar und denllich sagt, datz für dm Unterricht, nnd zwar für jede religös« Richtung besonder», oweit die» vom Berbandstag für erforderlich „hallm wird. An», schüss« ««gesetzt werdm solle«. Da» ist «ine Richtlinie, die für un» nuchg^md ist. Wir sind nicht in der Lage. Bestimmungen unserer Verfassung einfach al» formale Bestimmungen abzutuu. Damit hört jede Rechtsordnung innerhalb unserer Reihm ans. Mein Herr Vorredner lehnt ein, Teilung de« Unterrichte» nach religiösm Richtungm ab. Wa» Sie aber wollen, ist ja nichk andere» al» noch «in« dritte Tellnn, hinzuzufügen, »nd zwar einm zioniftffchen oder voll,, parteilichen Unterricht. Wir «ollen, wie Sie. lebendiges Judentum. Da» ist gegeben in dm ewigen Wahrheitm von Thora und Bibel. Und Sie dürfen da» Berkaum habm. datz nicht» Ander«, das Bestrebm der gewähltm ««»schüsse sein «Kd. al» diese Lemttnissfe in unserer jüdischm Jugend p wecken »nd zu erhalten. Tin Unterricht, der alle Gegensätze der religiösm Weltanschauungen ausschaltet, kann ich mk nicht dmken, aber ich kann mir wohl denke«, datz gerade dies« Gegensätze p einer fruchtbaren Spannung »mgewandeü «erdm könnm, indem jede Richtung die Werte, di« in ihrer Weltanschauung lieg«, mitpteilm versucht. WK sollt« also nicht bestrebt fein, diese Spannungen aurpschalten. sondern nur. in Achtung vor dm Anschauungm Anderer unser Beste» herzugeben. Dap bietet sich innerhalb-der Unterrichtsausschüssr auch der BokKparKi Gelegmheit durch die Bestimmung, datz jeder Abgeordnete, der sich p einer dieser religiösm Richtung« bekennt, das Recht hat, mitzuwählm und mitpwirken. Es kann gar keine Rede davon fein, datz di« Bolkpartei ausgefchlosfm ist. Herr Larerki hat gesaüt. datz die Uederspannung der jüdischm Organisationsgedaukens aus «in vernünftiges Matz zurückgeführt werden mutz, und wir all« habm ihm datin zugestimmt. Wir würden von diesem Gedanken abweichen, wmn wir bei dem Aebermatz von Organisation nur. «eil ein« Fraftion es wünscht, dazu übergehm würden, noch einm dritten UnterrichKausschutz p bilden, dm wir nicht ak berechtigt und notwendig anerkennen können. Au» diesm sachlichen Gesichtspunkten sind wir nicht in der Lage, dem Antrag pzustimmm. Adg. Dr. Silberfteiu: Meine Damm und Herrml Di« Ausführungen der letzten Rednern, oeranlassm mich, nochmal» auf dm Punv unserer Forderung einer Einsetzung eine» drittm. voll», vartellichm Ausfchusse» prückpgehm. Ich kann nitfri sage«, datz di« Vorredneri« die Argumente unsere» Referenten wirklich aufgegriffm hat und auf sie «ingegangm ist. Aber ich glaube, datz auch in ihr« Reihm noch nicht so recht die Erkenntnis desfen durchgedrun. gm ist. wa» un» veranlabt. diese Einsetzung zu fordern. E» ist richttg, «mn «an sagt, datz in dm Reihm der jüdischen BoK»- vartei Anhänger verschiedmer religiöser Anschauungm vorhandm sind. Da, ist kein Geheimni». E» gibt in unferm Reihm rekigiö» gerichtete Mmfchm. die eine liberale Synagoge aufsuchm wolle», die «in« Orgel verlangen, und e» gibt einm grotzm Teil solches die dm konfervatioM. all überliefert« Gebet» ritu, für sich wünsch«. E, handelt sich ja auch gar nicht »m die Einsetzung «in«, voikparteilich« Lullu»au»schnsfe». Worauf «, ankommt. ist. datz wir in unseren Reih« keine disfentiermd« Meinung, sondern «im ganz bestinuntt Anschauung haben von dem. war historische» Judentum ist, vor allem da» Judentum, da» «K unverfälscht unseren Lindem überliefern müssen, datz «s vor all« Ding« Werte gibt, von den« unsere Linder etwa, «issm müsfen. And nun mutz gesagt «erden, datz sowohl in dm liberal« llnkrrichkanstaltm als auch, p einem Teil «migftm». an denen, die sich konservativ nennen, es Dinge gibt, die wir « einem anderm Geist« unseren Lindern übermitteln wolle«. Ich matze mk nicht an. datz e, mir geling« «Kd. Sie von dem Besteh« dieser Unterschiede p überzeugen. (Zwischenmf bei dm Lons.: Davon könnm Sie un» nicht überzeug«!) Da» «etzd« ich au einer anderm Stelle tun. «der wmn Mmfchm. die fich pf dem religiö-national« »odm gefunden habm. diese Forderuug von Jahr p Jahr wieder «tfebcn, dann mutz ich sag«: L, ist ein Unrecht von dm anderm Partei«, «mn sie dieser Fordem», nicht entsprechm. Man sollte nicht vorarnsetznngen schaff«, di« nachher auch von anderm Richtnng« bedauert würden. Deshalb bitte ich Sie. nnferm AnKag anzunehmen.