Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden
- Journal
- Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden
- Volume
- 9 (1931)
- Issue
- 5 (30.6.1931)
- Date
- 1931-06-30
- Page
- Seite 42 (sequence 42)
- Language
- German
- Belongs to
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— 42 — fofoeb«ffen Hai man im Ausschust mit allen gegen «in« Stimme vorgeschlagen. die Position de» Rats von 85000 auf 70000 RM. herabzufetzen und diese« Betrag zwischen der liberale» Berliner Vorbereitungsanftalt und den konservativen Anstalten »» teilen. Die Verminderungen für die einzelnen konservativen Anstalten sind ganz klein. Frankfurt Würde ungefähr 3100 RM. weniger erhalten, Köln 1800 M ««Niger. Würzburg 3400 RM. und die „3a«me" 3700 RM. weniger. Ich bitte dringend, um der Gerechtigkeit willen, den liberalen Auschauunge« Rechnung zu tragen und die Resolution und den Beschlust der Haushaltsausschusses anznnehmen. Abg. Rabb. Dr. Rosenthal: Sie habe« gehört, dast e» kaum einen Titel im ganzen Haushaltsplan gibt, an den so viel ernst« Aufgaben herantreten, wie gerade die Lehrerausbildung. Si. haben aehött. dast ein Antrag der liberale« Fraktion vorliegt, durch Errichtung einer Dozrntur liberaler Richtung für jüdische Religionswissenschaft an einer zweiten pädagogischen Akademie dafür zu sorgen, dast die Ausbildung der liberalen Lehrer in gleichartiger Form vor sich gehen kann, wie es jetzt schon — durch Verhältnisse, die wir nicht geschaffen haben — bei der konservativen Lehrerausbildung der Fall . ist. Unter diesen Umständen, wo derartig« neue Aufgaben gerad« auch im Interesse der liberal«» Richtung an di« Lehrerausbildung herantreten, versteh« ich nicht, hast die bescheidene Summe von 80000 RM.. an der bereits 20000 RM. abgestrichen sind, nochmals um 10000 RM. gekürzt »oerden soll. Ich bitte die Herren von der liberalen Partei, damit auch die liberal« Lehrerausbildung mit Kraft in die Hand genoinmen u»«rd«n kann, wiederum den Titel von 80000 RM. herzustellerr. Abg. RAnw. Foerder: Es gibt in der Gegenwart liberal« Lehrer, was von niemand angezweifelt werden wird. Ebenso wird nicht bezweifelt werden, dast er bisher «in liberale, Lehrerseminar nicht gab. Wenn es nun liberale Lehrer gibt, obwohl bisher nur paritätisch« Ausbildungsanftalten da waren, so malt man hier den schwarzen Teufel an die Wand und verquickt die Forderungen mit emer gewissen Dogmatik, wenn man sagt: da der jetzig« Dozent m Frankfurt am Main der konservativen Richtung angehört, so könne er nur konservativ« Lehrer produziere«. Der Mensch entwickelt sich nicht nur in den drei Jahren semer Ausbildung, sonder» jeder Lehrer entwickelt sich dauernd. Es wird keinem Dozenten einfallen. bei seinen Schülern ein« Gesinnungsunchildung zu »ersuchen. Die Persönlichkeit de, Herr« Dr. Horovitz ist gegen jeden Verdacht gefeit, dast er irgendwelche Bekehrungsversuche unternimmt. Wir brauchen uns da nicht zu sorgen. Ich fürOe, dast, wenn beschlossen wird, „liberale" Lehrer auszubildrn, wir es eines Tage« erleben werden, dast z. B. ein liberaler Lehrer aus der Verletzung des Sab" bathgefetzes eine Forderung des liberalen -Judentums herleiten wird. Präsident Stern unterbricht den Redner: Dies« Ausführungen haben nichts mit dem Etat zu tun. Abg. RAnw. Foerder fortfahrend: Doch! Diese Forderungen der ertremrn Liberalen halte ich für eine grösterr Gefahr für die Kultur des Iudentunrs als den jetzigen Zustand. Abg. Kareski: Rach dem ganz eindeuttgen Gang der Vorverhandlungen sind wir entschlossen, an dem Beschiust de« Ausschusses festzuhalten. Wir haben in der Generaldebatte darauf hingewiesen. dast wir in Bezug auf die Aurbilduug» Möglichkeit .für Lehrer uns den vorhandenen Bedürfnissen und den wirtschaftliche» Möglichkeiten anzupassen verpflichtet sind. In Konsequenz dieser Anschauung haben wir uns erlaubt, im Ausschust entsprechend« Abstrichanttäg« zu stelle«. Mtt eiserner Konsequenz sind diese Abstrich anträg« abgelehnt worden. Die Ratsvorlag« hat sich die Vorschläge dev Haushaftsausschusies zu eigen gemacht. Gestern Abend überbrachte im Ausschust ein Briefträger die liberalen Fraftionsbeschlüsse. die plötzlich einen Abstrich verlangten. Run muhten wir in Konse auen; unseres Standpunftes, da wir von Anfang an die Abstrich, für notwendig gehalten haben, für die liberalen Anttäg« stimmen. Sie werden sehen, dast wir uns beinüht haben. Konsequenz zu zeigen. Wir würden wünschen, dast diese» Beispiel auch bei anderen Patteien Schule machen würde. Präsident Stern lästt nunmehr abstimmen über Titel 5 Ziffer 1 und 2. Der Antrag, 70000 RM zur Häkfte für die Liberalen und Konservativen für beide Diel emzusetzen statt 80000 RM.. wie im Etat vorgesehen, wird angenommen. Abg. RAnw. Dr. Breslauer: Rachdem nunmehr ein« Einigung wegen der Rabbiner und Lehrer als Ratsmitglieder zuftandegekommen ist, möchte ich vorschlagen, dast wir. da man ein gutes Werk gleich tun soll, jetzt diese Punkt« erledige«. Dazu ist notwendig, dast wir in der Wahlordnung den Zusatz «rachen: ..so» wett nicht Wahlen durch Zuruf erfolgen'*. Der Rat wird diesem Zusatz wohl denmächft bettreten, und wir können di« Wahlen durch Zuruf entsprechend der von den Fraftionsführern unterschriebenen Lifte vornehmen. Präsident Stern: Der Antrag lautet also dahin: können durch einstimmige« Beschlust auch Wahlen durch Zuruf rrfolgen. wen» kein Widerspruch erfolgt." — Erhebt sich dage^n Widerspruch, dast hier die Wahlen durch Zuruf ftattfinden? — Das ist nicht der Fall. — Ich bin gebeten worden, feftzuftellen. dast in einigen Frakttonen Meinungsverschiedenheiten über dies« Wahlen waren, dast diese aber im Interesse der Sache zurückgeftellt worden sind. — Hiernach werden zu Mitgliedern des Rats gewählt: 1. Dr. Horovitz. Frankfurt: zu seinen Stellverttetern Dr. Hoffmann, Breslau, und Dr. Blnm, Emden; 2. Dr. Hoffman», Frankfurt a. M: zu seinen Stellvettretern Dr. Freund, Hannover, und Dr. Rosenthal. Köln: 3. Dr. Emil Levq. Berlin: zu Stellvertretern Dr. Warschauer. Berlin, und Dr. Rabin. Breslau: 4. Dr. Baeck. Berlin; zu Stellverttetern Dr. Weql. Berlin, und Dr. Lazarus. Frankfutt: 5. Dr. Seligmann. Frankfurt; zu Stellvertretern Dr. Blumenthal. Berlin, und Dr. Norde». Elberfeld: 8. Dr. Dogelftein, Breslau: zu seinen Stellverttetern Dr. Wild«, Magdeburg, und Dr. Lewkowitz. Breslau. Als Lehrer werd«« gewählt: 2. B. Levq. Frankfutt: zu Stellverttetern Reinhardt. Köln, und Hannnerftein. Berlin: ferner Dq. Stern. Berlin; zu Stellvertretern Abraham, Berlin, und Dr. Braun. Köln. Präsident Stern stellt fest, dast Dr. Dogelftein hier gewählt ist und als Kandidat auf einer anderen Lifte verzichtet. — Dann möchte ich die Ausschustwahlen vornehmen. G« sind überall S Mitglieder zu wählen. Für den Kultus- «nd den Unterricht» ausschust wählt nur der Verbandstag. für den Rechtsausschust und den Wohlfahttsaurschust haben wir nach den gestrigen Beschlüssen 7 Mitglieder zu wählen. Abg. RAnw. Dr. K o l l e n s ch e r fragt, wann dir Debatte für den dntten Unterrichtsausschuh stattfinden soll. Präsident Stern: Wenn wir di« Ausschüsse bilden, müssen wir di« Debatte über den dtttten Unierttchisausschust hier emfügen. Dann würde ich für ein« kurze Beratung sein. Die Debatte ist ja auch nicht neu. Der Vorschlag ist verfasfnngsändemd und bedatt für seine Annahme der Zweidrittelmehrheit. Abg. RAnw. Iacobsohn: Gegen den Antrag auf Einsetzung eines dntten Unterrichtsausschusse» ist bei einer früheren Beratung mit dem Hinweis argumentiert worden, dast der Preustisch« Landesverband jüdischer Gemeinden nach Art 1 seiner Satzung «ine Religionsgesellschast ist. Man hat gesagt, dast e» innerhalb, dieser Religionsgesellschast zwei Richtungen, nämlich di« konservative und die liberale, gibt dast es aber keine zioniftisch-religiSs« Richtuna gäbe. Wenn man durchaus formal« Einwendungen erheben will, findtt man sie auch. Ich glaube aber, dast man sie nicht zu finden braucht, wenn man guten Willen» ist. Die ganze Debatte des heutige« Vormittags, d. h. «in Drittel dieser Tagung, war ««»gefüllt von einer Angelegenhett, die nicht auf religiösem Gebiete liegt nämlich von der Frage der Wirtschaftshilfe. Und die Fraftion. die mtt Vorliebe den rein religiösen Tharatter de» Verbandes besonder» betont, nämlich die liberale Fraktion, hat ja «ine R« solutto« zur Frag« der Einbürgerung eingebracht von der man.nicht behaupten kann, dast sie auf religiösem Gebiet liegt Darum meine ich. dast wir mitten drin sind» «n» mtt Anliegenheiten zn befassen, di« nicht rein religiLsen Tharatter» sind, und cmznerkrnne«. dast es jüdisch« Aufgaben und Bestrebungen gibt die antzerhalb de» rein religiösen Gebiete» liege«. Erkennt man da» an. so must man auch die Daseinsb« rechtignng und Leb«»»berechttgung einer Richtung an- «ttennen, die sich von anderen Richtungen nicht nach religiöse» Momenten, sondern nach anderen. Mom«tten untettcheidet Ich höre ferner vorweg de« Einwand, au» der Fasiung de» Art 28 unserer Vettasiuag. der besagt dast für den Kultus, »nd rwar für jede religiöse Richtung des »»der», ein Kultusausschust ebrgesetzt wird, dast also bei de« Kultusausschüssen nur von «ÜgiSse» Richtungen di« Rede ist, und wo e» dann «etter heistt für dcm llnterrichtsau». schust wird nach den Grundsätze« z» 1 verfahren. Daran» ist bei einer früberen Aussprache herllettet worden. dast für de» Unterricht nur Ausschüsse für jede besondere religtös« Richtung in Frag« kommen. Was «in« besonder« religiös« Richtnng ist, ist vom Ler» bandstag selbst z» entscheiden. E» Hecht in Att. 2S u.«. „für den Kultus >mzd.fLr jede religiöse Richtung besonder», so wett da» »o« verband»- lag für «rfordettich gehalten wttd." Der B«rband»tag hat es all» in der Hand, einen dritten Unterrichtsaussihust »ach den Pttnzipien