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Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden · 1931-06-30 · 5 (30.6.1931) · p. Seite 33

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Journal
Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden
Volume
9 (1931)
Issue
5 (30.6.1931)
Date
1931-06-30
Page
Seite 33 (sequence 33)
Language
German
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— 33 — ab« oxf b« €cttt d» Richtzimiften und Autittonytm der Wunsch besteht. da» Aktschaftuprobttm losgelöst von dem mit ihm in Wahrheit untrennbar verbuudmm Totallompler der Judmfragr p» behaudelu. erreicht «an sehr HLufia nur scheinbar Uebeminstim. munge» und steht mit Erstaune«, datz «, bei Rebenfragm innerhalb de» Wtrtschaftuprobttm» zu heftigstm Differenz« kommt. Am fühlbarsten werde, die Unterschiede. wenn den wirtschaftlich notwendigen Amon« durch die nichtzioniftische jüdische Gesamthaltung Willkürliche Dremm gezogm werden, während eine Monistische Grundauf. fassung «» nicht nötig hat. die Grenz« unser«. Tun» aus dem Gebiet d« Wirtschaft durch auherwirtschaftliche Erwägung« einengen zu laste«. Ei» Schulbeispiel ist die Behandlung uns««» lleinen, in de« Anfängen befindlichen genostenschastlichen Kreditwesens. Dabei mag die Kritik an den bestehenden Genossenschaftsbanken durchaus berechtigt sei». Wir sind die letzten, die unsere kleinen aktuellen Anfang»matznahmen überschätzen und sich abmühen, die vorhandenen Realitäten grötzer darzuftellm al» sie in Wirklichkeit sind. Uns kommt e» heute darauf an. den Weg zu weisen und dafür ju sorgen, datz man wirklich einen Anfang macht und den Anfang ernst nimmt. Wir pehren u«, daher dagegen, datz grundsätzlich« Zustimmung ru einer jüdische« Wirtschaft»hilfe mit der Anschauung verbunden wird, datz in Wahrhett nur die Annen den Armen -elfen sollen. Unserer Ansicht «ach würde au, der in der Genossenschaftrbank rum Ausdruck kommenden Solidarftät «in recht wirksame» Mittel der Wirtschaft,- Hilfe entstehen können, wenn auch die wohlhabenden Schichten rechtreitig den Anschlutz finden und schon heut« erkennen, datz auch sie vom Pro-etz d« jüdischen Solidarisierung miterfatzt werden. Obwohl wir haute bei den geringen Kapitalien der Genossenschaft», banken nur etwa 2—300 Menschen helfen können, so bedeutet diese Hilfe doch etwa» prinzipiell Reue». Uni« Ablehnung aller philantropischen Forderungen versucht man hier, kleinen Lristenzen die Möglichkeit zur selbständigen Weiterentwicklung zu geben. E» wird gut sein, wenn gerade die Kritiker dieser Anfänge genossenschaftlicher Tätigkeit sich bemühen, nicht nur die Mängel de, Anfang» pi sehen, sondern auch die Entwlcklungrmöglickckeiten im Zusammenhang mit d« allgemed,« jüdischen Wirtschaftrnot zu prüfen. E» wird gerade für viele Juden, die sich heute noch in wirtschaftlichen Stellungen befinden, die wir al» Hinterlassenschaften einer vergangenen Periode betrachten dürfen, nicht ganz leicht sein, die Wahrheit über das jüdische Wirtschaft»problem unserer Zeit anzuerkennen. Datz sich iv diesem Saale Liberale und Zionisten gegenüb« sitzen, bedeutet nicht nur eine gesinmmgsmätzige Difterenzierung, e» hängt auch in einem gewissen Grade mit d« verschiedenen Stellung im Wirtschaftvprozeh zusammen, in der sich die einzelnen befinden. Unsere Aufgabe ist es. d« Gesamtsituation gerecht zu werde«. Dabei kann nicht vermiüien werden, datz die privaten Bedürfnisse einzeln« Juden völlig ander» gerichtet sein können. Wenn wir auch nur da» anerkennen, wa, Herr Profestor Hirsch sagt«, so »erden wir die neuen Gefahren, di« un» ,weifello» auch bei dem von Ihnen vorgeschlagenen Wegen umlauem — auch die prattischen Matznahmm au» diesen Anschauungen »eigen mit Dentllchkeit unser Galuthdasekn — nur durch ein« neu« auf die Weltjudmheit gerichtete Solidarisiemngspolitik zu konterkarieren vermögen. Datz die Frage der fortschreitendm Entjudung auch unsere wirtschastllchea Entscheidungen zu beeinflussen vermag, zeigtm di« Ausfühmngm all« Redn«. Man «ektz. datz di« Juden in dm Berufen, die sie in «eftllchm Lündem bi»h« im allgemetnm wählten, in einem gewistm Sinne Judm bleiben konntm. man weitz fern«, datz manche der empfohlen« neum Berufe zwangsläufig zur Entjudung führ«. Man stellt fest, datz die Juden in lleinm und mittleren Städtm grötz«« Bdrdungm an» Judentum hatten al» in dm grotz« Weltzmttm. So «Kd verständlich, datz wir un» bei der Berufswahl imm« fragm. ob der eingefchlagme Beruf an sich zur Zerstörung jüdischer Zusannnmhänge führt. Alle die von' mir aufgeworfmm Fragm sind Streittragen grundsätzlich« Art: Da» Problem der Solidarisierung der Juden in dm Ländern d« Welt, die Frage der Erhaltung de» Judentum» in dm Ländern im Zusomrmenhang mit wirtschaftlicher Reuorientierung nicht wmig« al» da» noch kaum in da» allgemeine Bewutztk«» getretene reale Paläftinaproblem. Ich hoff«, datz die Enttmck» lung un» alle bald so weit führ« wird, datz wir vorurteilsloser al» bi»h« die ernstm Fragm unser« Driften» gemeinsam wmrgft«»» zu «örtern versuch«. Die jüdische Schicksal»g«meinschast befindet stch in ein« Schicksalswende. versuchen wir, nützliche Entscheidungen zu treffen und unserer Situation entsprechende, vernünftige Matznahmm zu ergreifen, «he e» zu spät ist. Erinnern Sie sich daran, wieviel« von un» vor Jahrzehnten vorgebrachte Anschauungen, die damal» abg« lehnt wurdm. von unser« Gegnern übernommen vordm sstch und zögern Sie nicht, auch manche Jhnm fremd« und ungewohnte Konsequenz« zu ziehm, wenn sie dm Interessen d« jühischm Gesgmthett dienm. Sollte er sich Herausstellen, datz zionistisch« Erkenntnisse wahr sind, so darf an der Tatsache der Wahehett auch für dm Antizioniftm d« zionistische Ursprung nicht» ändern. Abg. RAnw. Dr. Seligsohn begründet einm von ihm gestelltm Antrag auf Schlutz dn Debatte: Rach dm Ausführungen de» letztm Redners und auch der Vorredner, könnm wir diesm Puntt al» erledigt bettachten. Wir habm «och da» Beamtenrecht und Rormalftatut zu beraten. Wenn wir um 2.15 Uhr damtt Schlutz machm wollen, müssen wtt jetzt mit der Beratung beginnm. Prästdmt Stern: Ich würde den Antrag unttrstützm, wenn wir nicht noch einen Frauen-Anttag vorliegm hätten, den Frau Ollmdorff begründen will. Der Antrag ist von den Frauen der Versammlung und 6 Männern unter^ichnet. Frau Ollmdorff ist die erste Frau, die heute hier sprechen wird. _ Abg. Frau Ollend orff: Der Männerchor, der bi» jetzt hier erklungm ist, hat besonder, geftem dm Ruf nach Einigkeit ertönen lasim und zwar mit «inigm Dissonanz«. Wir Frauen kommen nun mtt einer Melodie, die ganz harmonisch ist, kein« Dissonanz ausweift, und die zu dem Kapitel, da» eben behandelt worden ist. einen Puntt besonder, herausgreist, der m. E. zu wenig betont wordm ist. E» kommt nicht darauf an. datz die Stelle da ist. sondem e» ist wichttger. datz die Leistung vorhandm ist. E» kommt nicht daraus an, datz jemand «ine Stelle hat, sondern wie er sie ausfüllt. Don diesem Gesichtspunkt ausgehend. haben wir unfern Antrag gestellt. Wtt verzichten. ihn rein wirtschaftlich zu begründen. Wir könntm Jhnm z. B. aureinandersetzm, datz der grötzte Teil der Kapital» durch Frauenhände acht, oder davon sprechen, datz merkwürdiger Weife ein gröberer Teil jüdischer weiblicher Erwerb»- loser im Verhältnis zu dm allgemeinm Erwerbslos« entlassen wordm ist. weil sie jüdisch sind. Darauf verzichten wtt heule. Wtt möchtm nur einen Puntt herausstreichen: da» ist di« Gefährdung der weiblichen Jugmd, gefährdet durch da» Unglück der Erwerb»- losigkeit. durch da» llnbeschästigtsein, durch die Sttatze. durch da» fehlende Heim oder durch dar ungepflegt« Heim. Gefährdung durch dm Hunger und durch die neum oft unverstandmen Anschauungen vom Lebm der Frau, von ihrm Rechten und Pflichten, von Anschauungm, die von der Bühne, von modernen Büchern und vom Kino immer wieder in unsere Jugmd hineingettagen werdm. Wenn wir nun bitten, diesm erwerbslosen Mädchen einen Fundus zu geben, der ihnm nicht verloren gehen kann, datz sie lernen, etwas zu leisten, so bttten wir auch für Sie. für die Fanulle. für hi» Männer, für die Zukunft. Wenn wtt im zweiten Test unsere» Anttage» auffordern, die Behördm in Anspruch zu nehmen, so geschicht dar. well wir nicht immer nur gleichberechtigt im Geben, sondem auch gleichberechtigt im Rehmen sein wollm. und weil schon einige Behörden, z. B. die Stadt Köln, sich bereit erklärt habm, auch für die besonderm jüdischen Bedürfnisse aufzukommen. Doch wir wollm keine Gewisiensbedenken dadurch vergewalttgm lasim. datz in di« allgemeinm Au»blldung»möglichk«ittn auch jüdische Mädchm hineingenommm werden können. Wenn wtt b«_ Antrag kur, begründet haben, so sit es. «eil wtt wissen.' datz dtt Gemeinden grotze Ausgaben haben, aber sie habm auch grotze Aufgabm. Und ich bitte Sie sehr, sehen Sie di«^ Aufgabe der hau»«irtschastlichm Ausbildung al» nickst ru leicht an. Richt nur. datz es sich hier um einm Beruf unserer Töchter hmchekh der bei der vielbesprochenen Umschichtungs-Rotwmdigkeit von ganz besonderer Ledmtung ist. e» ist auch für die Zukunft de, Judmtums von Bedmtung, datz unsere proletarischen Judm «in Keim haben, datz sie wissm. wa» es heitzt. eine jüdisch« Familtt gesund und wid«rftand»fähig auftuztthm. Damm glaube ich. es gibt kaum «in« gröbere und wichtigere Aufgabe für.dtt Gemeinden al» diese, Erziehungswerk. Ich will auf die Frage der körp«rlichm und seelisch« Reinhett der jüdischen Familtt hier nicht eingehen. auch nicht auf dtt katastrophale Lag«, i« der wir un» jetzt in dttfer Beziehung befinden. Aber eine» möchte ich sagm: wmn wtt dtt Leistung nicht steigern, wmn wtt nicht dm Mut und di« Odftr- »illlgkeit aufbringm. derm wir bedürft», um «nftre Zukunft zu siche«, dann sehe ich sehr trübe in dtt Zukunft der Judenheit. Abg. Wolfs-Köln: Rur eine kurze Bemerkung zu dem Antrag, dm ich durchaus unterstütze. C» ist bereit» gesagt wordm. datz in Köln seittn» der Behördm schon etwa» geschehm ist. Aber da» Wohlfahrtsmbristerium hat in einem Erlab bekannt gegebm. datz e» erwartet, datz alle Körperschaft« selbst dtt Betreuung der Jugmd übernehmm und datz dazu ihn« Zuschüsft gegeben wert«. Die sind aber erst sicher, wenn wir den betr. A»»schüssm bei der Re» gieruug vorher augeben, wa» wtt untemehmm. Uud da bitte ich die Damm, in dem Anträge zu schreib«: männliche und weibliche.

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