Mannheim
Compact Memory

Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden · 1931-06-30 · 5 (30.6.1931) · p. Seite 31

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden
Volume
9 (1931)
Issue
5 (30.6.1931)
Date
1931-06-30
Page
Seite 31 (sequence 31)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/3980048-10021620-10021605--629-3980620
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

— 31 — bk notwendig sind, »m eine ernsthaft durchdacht, jüdisch, Beruf». Politik »u treiben, «ine Berufspolitik. die von alle» sachlichen und sachttchen Voraussetzung» -«trag«, wird. — Wa» sich aber heut« ans de» Gebiet« der Berukumschichtung und Berukberatnng abspielt, ist blutiger Dilettantismus. Menschen, die 2 Broschüren über Bemssberatung gelesen habe«, bereisen die Gemeinde» und halten dort Bortrtg« über Beruf»nmschichtuna. Plettegegaugene Kaufleute werden von he« Gemeinden * Berufsberatern bestellt. Die Folge daoon ist. das, diese Menschen nun jedem Lungen davon «braten. Kaufmann m Werden. Handwerker. die in ihrem »«rufe nicht vorwärkgekommen sind, »erde« gleichfall» al» Brrufrberater auf die Jugend lougelasse» und warnen nun vor de« Eintritt in ihren Beruf. Jeder «erufsangehörige fühlt sich heute verpflichtet, vor seinem Berufe zu warnen, wa» innerhalb unserer Jugend Stroit, rung und Unsicherheit schafft. — Berufsberatung muh unabhängig von her jeweiligen Konjunktur nach dem Grundsatz« der Eignung und Neigung der junge« Mensche« getrieben werden. Jeder Beruf ist gut. für den man geeignet und in dem man gut «»»gebildet ist. Der best« Beruf ist schlecht, wenn Eignung oder Ausbildung niM ausreich««. — Worauf cs un» ankommt, ist. dah vom Preuhischen Landesverband und von den Gemeinden Mittel bereitgefteltt werden. die e» uns ermöglichen, «inen jüdischen Nachwuchs heranzuziehen. der in allen Berufen hochwerttg ist und durch vernünftige Berufsberatung und Ausbildung in di« Lage versetzt wird, sich für später« Zeiten ein« wirtschaftliche ErtstenzmögliOeit iu sichern. «Beifall.». Abg. Benario: Meine sehr verehtten Damen und Herren! Ich. werde mich sehr kur» fassen, weil ich nur zu einer Spezialfrage da» Wott erbeten habe. Ich betracht« mich in dieser Frag« nicht al» Nedner einer Fraktion, sondem al» Jude, der für die Not seiner Glaubensgenossen ein «arme» Her, hat. Di« Frag«, ob eine besondere jüdische Wittschaftsnot herrscht, die stärker ist al» dl« allgemeine. dürfte wohl von der ganzen Versammlung mit 2a beantwottet werden. Ich möchte dazu mit »wei Zahlen «in eklatante» Beispiel geben. In Frankfutt a. M. haben vor dem Krieg« di« Juden 45«/» des Steueraufkommen» gettagen. heut« ist der Satz 15°/». Mein« Damen und Herren, da» bedeutet, dah wir dreimal so sehr verarmt sind wie die anderen. Zu den Darlehenskassen, ru denen hier eia Bettrag beantragt ist. möchte ich bemerken, dah e» nicht gaa» so ist. wie Herr Staatssekretär Hirsch betont hat. Wir haben in Frankfutt a. M. «in« Darlehnskasse gleich nach der Inflation begründet, für deren Begründung Nabdiner Dr. Horovitz da» Hanptverdienft gebühtt. und ich hatte die Ehre, sie bi» zu meiner Uebersiedlung nach Berlin iu leiten. Wir haben alle Darlehen »insftei gegeben. Wir haben auch Geld verloren, haben aber doch manche (Lasten» geradezu gerettet. Dabei sind da» nicht Darlehen von vielen Tmrsenden gewesen. Sowett ich mich erinnere, war da» Mattmum 1500 Matt. Allerdings waren die Beiträge gröhtenteil» fteiwillig ä fand» perdu gegeben. Auch die jüdische Gomeinde hat einen gröheren Beitrag geleistet. Wa» mich veranlaht. da» Wott ru ergreifen, ist die Bewegung rur Förderung von Genossrnschasten nach den Grundsätzen der Selbsthilfe unter den Juden in Deutschland. E» ist wahrschttnkiL einem grohen Teil von Ihnen nicht bekannt, dah an eine Reihe von führende« Männern der Wittschaft auf kommenden Mittwoch ein» Einladung zu einer Besprechung über diese» Thema ergangen ist. E» ist erfreulich, dah sie die Unterschriften aller Patteien umfaht: r. B. Kareski. Kleemann. u. a. Sie sehen» dah <s sich nicht am eine Patteifrage handelt. Wtt haben hier zwei jüdische Genossenschaften, von denen die «in«, seit drei Jahren bestehend, gan» achtbare Gttolge aufruweise« hat. Wtt wollen für dies« Bewegung keine kapitalistisch« Subvention, denn da» Prinzip der Genossenschaft ist die Selbsthilfe: wer den Kredit braucht, bekommt ihn. mib «er Geld übrig hat. stellt cs rur Verfügung. Darf ich di« Einladung ih der Besprechung am Mittwoch abend verlesen, damit di« Herren sehen, um wa» cs sich handelt: (Verliest da» Einladungsschrewen mit den Uuterschttften: Gustav Benatto. Willy Dreifu». Georg Kareski. Wilhelm Kleemann. Heinttch Stahl. Oskar Was. serman»)Lch habe dk Unterschttsten verlesen. E» wäre sehr wünschenswert. dah der Landesverband sich an dieser Gesellschaft zur Förderung de» Genossenschaftsgedanken» mit einer kleine« Gebühr — ich will keine Kapttalsnnterftützung — betelllgen würde. Ls würde einen ausgezeichneten Eindruck machen. Ich möchte beantragen. dah 3t» »der 500 Mark für diesen Zweck ausgesetzt »erden. iZurus: Die Deckung?» Ich halte e» für prinzipiell nötig, kestw neuen Ausgaben zu beantragen, für die man nicht auch ein« Dttkun, vorfchlägt. Ich möchte daher anregen, dah die Mttglleder des Laudmverbande» und de» Rate» auf 5V» ihrer Diäten verzichterr. damtt auch für diese Ausgabe eine Deckung vorhanden ist. (Beifall.) Abg. Dr. Holländer: Rur wenig« Wotte zu dem, wa» bi», her vorgettagea worden ist. Ich habe schon am Anfang de» Jahrhundert» au» Anlah de» Erscheinen» der Sombattschen Schrift auf dk Wandlungen hingewiesen, die wtt jetzt erlebe», und dk schon damals vorgeahnt wurden. Am wichtigsten ist dk Erörterung und die Prüfung der subjektiven Sette der Sache. Ich glaube nicht, dah heute in materieller Beziehung irgend welche praftisch bedeutsamen Unterschiede zwischen den Auffassungen der Mischen Parteien bestehen. In der Liberalen Zeitung ist «ine vielleicht nicht von allen Liberalen geteilte Auffassung über da» Bestehen einer besonderen Mischen Wittschaftsnot kundgetan worden. Die Stellung zum Arbeitsnachweis ist in der Tat bei sehr vklen Leuten heute umstritten <Hött. höttl). und ich glaub« nicht, dah mtt dem Zwischenruf »chött, die Problematik dieser Angelegenhett erledigt ist. Ich kann es versteh«!, dah mtt Rücksicht auf die Theotte der allgemeinen Arbeitsnachweise fich sehr g»te Gründe für den Stand, puntt finden lassen, dah man keine besonderen Arbeitsnachweise schaffen solle. Wenn ich persönlich diese Auffassung nicht teile, so tue ich da» au» meiner Kenntnis der Praris der Arbeitsnachweise Hera«». Ich «eih. dah von uns bw. für sehr vkle Ausländer g«. sorgt werden muh. ich weih aber auch dah diese bei den allgemeinen Arbeitsnachweisen z. T. überhaupt keine Behandlung finden. Au» diesem Grunde komme ich zu folgendem Ergebnis: Ich setze mich für die Mischen Arbeitsnachweise «in. muh aber gerechierweife sa» gen. dah man sehr wohl «ine Auffassung vettreten kann, die zum mindesten dk Tendenz verfolgt. di« jüdischen Arbeitsnachweise dadurch entbehrlich zu machen, dah dk allgemeinen Arbeitsnachweise auf di« Bedürfnisse Aller Rücksicht nehmen, di« sich an sk wenden. Ich fürchte, daß all« die Erörterungen. die hier von den verschiedensten Patteien und den verschiedensten Einzelpersünll^eiten vorgebracht wurden, nicht» nützen werdm. wenn nicht, wie Herr Adler- Rudel schon gesagt hat. die Menschen in unseren Kreisen fich daran gewöhnen, auf Berufsberatung und verufsumschichtung wirklich «inzugehen und wenn sie nicht von der Auffaskng abkommen, dah da», wa» fich al» Notwendigkeit ergibt, immer nur für die anderen gitt. In einem muhich Herrn Adler-Rudel widersprechen. Er hat recht darin, dah sich auch heute noch für jeden Beruf hochbefähigte Teilnehmer und Anwärter eignen und durchsetzen werden. Aber jeder von Ihnen im Saal «eih. dah nicht hierin da» eigentliche Problem liegt, sondern dah e» darin liegt, ob di« mittler« Bega» bung, die «och vor 10 Jahren zu einer vollkommenen Ausfüllung de» Beruf«» genügt hat, heute noch ausreicht, um Menschen in Berufsschil^en hineinzulassen und hinein zu empfehlen. Und nun kommt da» fubjeftioe Moment. Da» wolle« alle Lenk für die andem geltend machen, aber nicht für ihr« «igme Verwandtschaft. Dabei kann ich Ihnen Nachweisen, dah durch sein« richtige Berückfichttgung schon enorm viel von dem jüdisch«! Elend unserer Tage hätte vermieden werden können. Wa» den Ott und die Att der Berufswahl betrifft, so ist e», abgesehen von den Frauenberufen, heute so, dah nicht nur di« lleinm sondem selbst die mittteren jüdisch« Gemeinden in einer Weise vemachläfiigt werden, dk skandalös ist. Ich muht« wiederholt die Erfahrung machen, dah man in Mittelgemeinden für die verschiedenftm Berufe Kandidaten luchte, und nicht finden konnte, nicht etwa infolge einer besonderen jüdischm und gesellschaftlichen Rot in diek« Gemeinden, sondem well dk allgemein« lleberzeugung die grohen Gemeinden in unverhältnkmähiger Weise bevorzugt. Man glaubt, dah dott der einzelne mehr untettauchen und fich immer noch besser durchsetzen kann. Di« keinen und kleinftm Gemeinden werden kaum zu Hallen sein. Aber ich glaub«, von den Stellen. dk hier und dott etwas zu sag« haben, mühte energischer darauf hingewiesen werden, dah wenigsten» dk lleinm Mittelgemeindm gehaltm «erd« können und dah di« Erfitenzmöglichkeit in dies« lleinen Mttelgemeindm viel gröher fit al» man im allgemeinen annimmt. Da» gilt nicht nur für die akademischm Berufe, da» gilt auch für da» Landwett und für di« lleinen gewerblichen und Handelsbetttebe. Ich wäre in der Lage. Ihnm eine grohe Anzahl von einzelnen verufen mUzutellm, dk deswegen von un» nicht gewähtt werden, well «in falscher Begriff von der Ehr« der Arbeit bei uns heut« — ich möchte sagm — zu einem ewigen Eigentum geworden ist- Und ditt« Moment wird itk genügend beachtet. Dk alte Schichtung: Akademiker, Kaufmann. Handwerker — da» «in« wird man, da» andere kann man werden, da» dritte muh man werden, und ein vktte» gibt e» nicht, ist henk noch bei jeder auf sich halknden Familk da» ungeschtteben« Gesetz, und dk Zumutung, der Sohn oder die Tochter solle au» diesen veruf«« herausgeh» und etwa» lukrativ Anderswertig«» ergreifen, oerftöht gegen diese konservative Einstellung. Ich Hab« einmal eine klein« Ausarbeit»«, gemacht, in der ich zu dem Ergebnis gekommm bin. dah diese

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.