Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden
- Journal
- Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden
- Volume
- 9 (1931)
- Issue
- 5 (30.6.1931)
- Date
- 1931-06-30
- Page
- Seite 25 (sequence 25)
- Language
- German
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- 25 — Et» gut fanbiertea Judentum. ober gegen «* durchdtt Rot unttrhöhlte, Judentum. Die Frage kann jedenfall» nicht ernst geimg genommen werben, benn schlttßlich hanbeit es sich umdas Daftin du Gemeinden de, deutschm Jabentums. aber auch be» Landesverbandes selbst. Frellich ist bte Schwierigkeit s«hr «roh. zu einer prakttschm Lösang zu kommen, zumal gegenüber der Fülle ber Eimelsragen. Er ist jedenfalls anmöglich. bas, wir von hier au» etwa blktleren kSnnten. bah in jeder bedeutenden jü. bischen Gemeinde Deuftchland» nanmehr eine Darlehnskasse gegründet werben soll. Aber der Landesverband muh vorangehen, am die Aufmerksamkeit seiner Mitglieder ans einen Weg *a lenken auf dem eine Zusammenarbeit möglich ist. Fangen wir mtt den eige^ nen Mitteln des Landesverbandes an. nachdem wir an« gestern mit den Einnahmen de» Landesverbände, beschäftigt haben. Die Rot macht sehend. Wir Müssen deshalb lernen, die Wirksamkeit de, Landerverbande» auch anter dem Gesichtspunkt ,a betrachten, wie er wirtschaftlich arbeitet, in welchem Verhältnis der Kräfteaufwand za den Leiftnngen steht, ob ein Apparat von 130 Abgeordneten and 35 Ratsmttgliedern noch im rechten Verhältnis steht ia den alljährlich überhaupt verfügbaren Mittekn. Unsere Einnahmen betragen 800000 Mk.. von denen nach Abzag der Berwaltungskosten etwa 700000 Mk. verbleiben, über die diese» grafte Parlament ja verfügen hat. Ein ttagischer Widersprach in sich. wie Sie ergeben werden, ein Widersprach, der je länger desto stärker al» unerträglich empfunden werben a»irb. Sierra kommen noch neue Aufgaben, die wir erfüllen wollen oder zu erfüllen verpflichtet sind. Ich erwähne hier besonder, die Frage der Pensionskassen. Wollen Sie etwa au, diesen geringen Mitteln die Gelber für die Pensionskasse schaffen? Wie wollen Sie die Siedlungsbestrebungm einkgermaften unterstützen, wenn nicht lächerliche Lettäge heraurkommen soll«. Gestern nmrde hier auch die Unterstützung der Sportbewe» gang gestreift. Ich komme daher zur Folgerung: ein Landesverband tauft neben der ideellen Leistung eine metallme Grundlage aufzuweisen haben, sonst ist er dauernd nicht lebensfähig. Und beiläufig — wenn wir an die Gründung des Reichsverbander gehen, so wollen Sie auch die» Moment nicht unterschätzen: wenn Sie einen solchen Reichsverband gründen aber nur mit einigen tausend Mark dolleren wollen, so lassen Sie vorläufig vielleicht Neber die Lände fort. Wir stehen also vor der Rottoendigkeit, die Mittel, über die der Landesverband verfügt, ja verstärken. Da» kann bei der jetzigen finanziellen Rollage der Gemeinden nicht geschehen durch Tr- Höhung der Steuern. Wir haben gestern triftige Gründe gehört, weshalb eine Erhöhung des Prozentsatzes abgelehnt worden ist. Aber damtt ist noch nicht jede Mögllchkeit. Mittel zu bekommen, erschöpft. Der Weg der Älbfthilfe ist es. der auch für den Landesverband stlbft beschritten werden sollte, und deshalb unterbreitet meine Fraktion Ihnen den Anttag. einem einzusetzendm Sonderaurschuß die Aufgabe zu stellen, eine Kreditgenossenschaft jüdischer Gemeinden mit beschränkter Laftung zu begründen, unter Zuziehung der vertteter von Bezirksverbänden und anderer Organisationen. und mit den Beteiligten über die Ausführungen zu verhandeln. Da» wäre vielleicht ein Weg. um neben den Zwangsbekträgen auch Mittel hereinzubekommen unter Beteillgung der interessierten Kreise. Ich freue mich feftstellen zu können, datz der Genossenschaftsgedanke. den ich persönlich seit einem halben Jahr in meiner Keimatgemeknde in die Tat umzusetzen bestrebt bin, jetzt auch in Berlin weitere Fortschritte macht; so höre ich von.Fusionsbeftrebungen hiesiger jüdischer Genossenschaftsbanken und von Maßnahmen über die kräftigere Propagierung de« Genossenschaftsgedanken». Daß dies« auch für die Frage der Pensionskassen wichtig ist, beweist der preußische Beamtenverein in Lannover, welcher in seinen Ortsgruppen Genossenschaftsbanken unterhält und innerhalb dieser Genossenschaftsbanken eine St«bekasse. Die Beamten zahlen einen Sonder-Beittag und find bnechtlgt. diese Rassen als Sterbegeld-Berficherung zu benutzen. Auf diesem Wege ließe sich wohl ein Pmstonskassmfond, der Beamten der jüdischen Lochschulen usw. schaffen und hierdurch vielleicht auch Mittel für andere Organisatiowm. wie z. B. für dm Frontbund oder die Fortbewegung. Wenn Sie die einzelnen Anttäge, die hi« vorliegen, insbesondere die seilen» der konservativen Partei und der Bolkrpartei mtt den Anttägm der Liberalen vergleichen, so stni^n<Stej daß in dem letztgenannten Anttage nicht die Mahnung »ur von Darlchnskassen enthalten ist. Ab« da» soll selbstverständlich nicht ausschließen, daß der Sond«aurschuß auch diese Frage erörtert. Die beanttagte Zuziehung der Bertteter der Bezirksverbände soll bezwecken. die Gründung einer örttichm Kredit-Organisation gleichzeitig auch für die Bezirksgemeindm nutzbar zu machm. Wenn in Breslau ,. «. eine jüdische Spar- und Darlehnskafie gegründet wird, so so» sie nicht nur für die Gemeinde Breslau, sondern mich für die schlesischm Bezirksverbände wirksam werden. Da die Zeit drängt, kann man nicht noch ein halbe» Jahr warten auf die Einberufung einer graben Wirtschaftskonferenz wie sie geplant war. E» muß vielmehr bald etwa» geschehm, deshalb nehmm Sie dm Sonderausschuß an. der unt« Zuziehung von Sachwerständigm schnellere Arbeit leisten kam. während eine große Konferenz Zeit und Geld kostet. Schließlich bitte ich Sie. um Jrrtümer zu vermeidm. in dem Anttage d« liberalen Fraktion das Wort „gemeinnützige" zu streichen. Denn es ist selbstverständlich, daß Kreditgenossmschastm nur rein geschäflllch aufgezogen werdm könnm. Aber den einzelnen Plätzen würden bei Begründung ein« solchm ^"lofitnschaft die einzelnen beftehmdm Wohlfahrtsinftitute tätig mithelfm müfim, um damit zugleich zu einer rallonellm Ausübung der jüdischm Wohlfahrttpflege gelangen zu können. Wenn Sie sich hmte in größeren Gemeinden umsehen. so werdm Sie Dutzmde von Bereinigungm fkndm. die nach wie vor für stch mit gänzlich unzulänglichen Mitteln bestrebt sind, die Rot unter unfern Glaubmsgmosten zu mindern. Wenn aber eine Vereinigung zustande kommt, die die Wohlfahrtsinftitute bittet, ihr von ihrm Vereinsvermögen Einlagm für die Gmofienschaft zu gebm mit der Ausficht, daß auch dm Mitgliedern der einzelnm »«eine bei der Gmostenschast nach Mögllchkeit Kredit gewährt w«den soll» so ist hier ein Weg gegeben, durch Zusammenschluß da» Werk, das wtt alle wünkchen, in die Tat umzusetzen. Ich würde mich freuen, wenn e» gelingen würde, auf der Grundlage der einzelnen Anttäge Beschlüsse zu fafim. die wirlliche Hilfe aus der Rot bedeuten würdm. Tun Sie allo das Ihre, damit der Landesverband hier einmal voran marschiert. lBravo bei dm Liberalen). Präsidmt Stern: Herr Iuftizrat Peiser hat seine Redezett nicht ausgmutzt, wofür ich ihm besonders dankbar bin. Wenn auch Herr Berger etwa» sparsam ist. so könnm wir dm beidm LerrM von dm nicht organisiertm Frakllonm, die besondere Solenner sind, afio Herm Staatrsettetär Prof. Hirsch und Herrn Adler-Rudel. zu ihren 10 Minuten noch das zulegen. was die anderm Lerrm erspart habm. Es ist wichllg. daß wtt in dieser Frage von wirkllchen Sachkmnern unterrichtet werdm, dem sie ist nicht so ftakllonell gebunden. Abg. Berger: Ich darf meine Ausführungm damit beginnen, daß ich Sie bitte, den beiden Herren auf jeden Fall eine längere. Redezeit zu gewähren. Ich halte es für sehr wichtig, daß die Frage, die un» beschäftigt, an dieser Stelle ernsthaft und sachllch behandelt wird und. damit dm beiden Lerrm eine längere Zeit gewährt werden kam. werde ich versuchen, so kurz wie möglich zu sein. Selten hat sich eine Aüftassung im jüdischen Leben Deutschlands so schnell und grundlegend gewandelt, wie die Auftastung üb« die Frage, über die wtt heute reden. Mein Herr Borred-n«. mit destm heutigen Ausführungm ich in sehr vielm Punkttn üb«einstimme. wäre noch vor wenigm Monatm von Herrn Bruno Woyda wegen seiner Ausführungm als „Zionistisch« Wirtschaftsutopist" bezeichnet worden. Dem ein Arttkel mit Vorschlägen von mir. die ähnlich lautetm wie die hmte von Herm Justizrat Peiser vorgettagmm. wurde in der Jüdisch-libnalen Zeitung als „Zionistische Wirtschaftsutopie" abgeferttgt, und es hieß vor nicht allzu langer Zeit in dieser Zeitung: ,fti ist erfreulich, wenn die wittschaftlkchm Klagm an verantwortlich« Stelle gehört werden, nur sollte man nicht denkm, irgmd etwa» Spezielles für die Juden erreichm zu könnm." In der gleichen Zeitung hieß es an anderer Stelle: „Wird die Wirtschaftskrise d« Deutschen behoben sein, so wird auch die Wirtschaftsnot der Iudm der Vergangenheit angehören." Ich will hmte nicht polemisch sprechen. Es ist bedauerllch, daß in ein« völlig sachllchm Frage, in der P«sönlichkeitm d« verschiedenm Parttim einer Metmng fein könnm. in einer Zeitungsdebattt Töne angeschlagen wordm sind, die völlig unsachlich und nur pottmisch wttkttn. Hier handelt es stch darum, einttächttg festzustelttn. wie dtt Dinge in Wahrheit liegen, ltnb da freue ich mich, daß ich nun nicht mehr nachzuweifen brauche, daß entgegen der Auftassung der Iüdifch-llberattn Zeitung e» in der Tat eine jüdische Wirtschaftsnot in Dmtschland gibt. Leider fehlt uns immer noch das wichtigste bei der Bettachtung dieser Frage, da» wtrllich genau durchgmrbeitttt Material. Wir »Ne. die wir über diese, Probttm reden, tasten bei dies« schwierigen Frage im Dunkeln. Wtt habm die Silbergttitsche Sta» ttftik, die ausgezeichnet ist. vielfach noch bester ttm könnte, dtt ab» für ms dm Fehler hat. daß sie im Jahre 1931 Sttllung mmmt zu dm Ereignistm des Jahres 1925. währmd uns allen bekamt ist. daß sich gerade in dm tttztm sechs Jahrm die Derhältniste entfcheidmd verändert habm. Und so sind auch vtttt Ereigniste dttttr Stattftik überholt und könnm nicht weittr mgezogm w«den. Dtt erste Anregung, die wtt zu geben haben, ist die. daß mdlich einmal von einer jüdischm Sttltt au, der »ersuch -«macht werden soll, dtt Frage de, jüdischm Wirtschaft-Problems wistenschastuch festzuftellen. Wtt misten, daß dieser D«fuch schwer ist. e» bat ab«