Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden
- Journal
- Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden
- Volume
- 9 (1931)
- Issue
- 5 (30.6.1931)
- Date
- 1931-06-30
- Page
- Seite 24 (sequence 24)
- Language
- German
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Ben ist. sollten solche geschaffen werden. E, S^ört hierher auch die Frage der Errichtung einer Wanderarbeitsstätte. Wtt haben ein« 3000 deutsche Juden, die sich auf der Lcn»ftrahe befinden, für die in irgend einer Weise nach und nach Hilfe geschaffen werden mutz. OB wir eine Wtttschaftskonferenz einberufen sollen. möchte ich im Augenblick nicht entscheiden. Es wird sich, abgesehen von praktischen Mahnahmen, die sie vielleicht bieten kam», m erster Lim«! auch um eine Umstellung der Psychologie der jüdischen Arbeitgeberschaft handeln. Wir haben eine »rohe Anzahl jüdischer Arbeitgeber, die heute noch die Mögliweit haben, jüdische Arbeiter und Angestellte zu beschäftigen. Es kann nicht angehen. dah unter dem Druck antisemitischer Strömungen jüdische Thefs prinzipttll aus einer überängstlichen, häufig in der Sache übrigens garnicht begründeten Rücksicht. die Anstellung jüdischer Angestellten ausschliehen. Ich möchte mich über diese Frage nicht verbreiten. Gestatten Sie mir aber doch ein Beispiel, das vielleicht charakteristisch ist. Der Inhaber eines Lurusartikelgeschäfts in Berln» erklärte, er könne mit Rücksicht auf seine Kundschaft jüdische Angestellte nicht einstellen: erst«» ist das insofern falsch, als es lnrmer noch eine Reihe von Juden gibt, die Käufer von Luxusartikeln sind. In dem in Frage kommendenGeschäft gewih: zweitens möchte ich glauben, dah eine antisemitische Kundschaft sich nicht in erster Linke dadurch abhalten läht. kn di« sem jüdischen Geschäft zu kaufen, weil dort jüdische Angestellte sind. Dann aber gibt e« gewih sehr viele durchails sympathische und taftvoll auftretende, jüdische junge Mädchen, die in diesem Geschäft genau so tätig sein könnten, wie nichtjüdische.Dah es grohe deutsche Banken gibt, bei denen ein Jude Direftor »oerden kann, aber nicht Kastenbote, wissen Sie. Es handelt sich hier um unermüdlich zu leistende Kleinarbeit. Diese Kleinarbeit nmh aber getan »oerden. um dar Gewksten unserer jüdischen Arbeitgeber zu stärken. Ob fteilich dazu die Wtttschaftskonferenz nötig ist. die. wie ich ausführte, mit grohen Kosten verknüpft sein wird, bedarf noch einer Prüfung. Wir haben übrigens in den Kommistionen noch eine Reihe anderer Wirkungsmöglichkeiten behandelt. Mr werden das Problem nicht erschöpfen, werden auch die jüdische Wirtschastsnot. die ja neben der allgemeinen deutschen Wirtschastsnot besteht und eine besondere Rote trägt, nicht beseitigen können, immerhin aber auf vielen Gebieten Linderung und Milderung zu bringen in der Lage sein. Hier die Wege zu studieren, scheint mir eine danke»»sioerte Aufgabe des Landesverbandes. Präsident Stern: Die Debatte über die Mrtschastshilfe, die wir führen, verbinden wir mit den volksparteilichen Anttägen über das Arbeitsnachweiswesen. die Darlehnrkassen, ferner den Anttag der Konservativen über Darlehnskassen und den liberalen Antrag. der auf Begründung eines Sonderausfchustes für Wirtschaftshilfe gemäh Art. 26 der Verfassung hinzielt. Diese sämtlichen Anttäge find Gegenstand der Mttberatung. Der Aelteftenausschuh hat beschlossen, hier de« Vertretern der drei grohen Fraktionen wieder eine halbe Stunde Redezeit, dann der dritten Garnitur und denübrigen Rednern 10 Minuten Redezeit z« geben. Tlfl. 2R. Peiser: Meine Damen und Leckren! Zum dritten Mal ftHt auf der Tagesordnung de» Derbandrtages die Frage der Besprechung der »oirtschastlichen Notlage der Gemeinden oder des preuhischen und deutschen Judentums. Sie erinnern sich. dah bereits im Jahre 1928 die Sache behandelt worden ist. damals lediglich mtt der Verwerfung an die nächste Tagung. Die Tagung von 1930 hat dann den Beschluh gefaht. für die ersten Vorarbeiten einen engeren Ausschuh zu roLhken und ihm die weitere Bearbeitung zu übertragen. Dieser engere Ausschuh hat getagt und über seine Beratung wird Ihnen kurz Bericht erstattet. Und so wird Ihnen zum dritten Mal heute die Angelegenhett vorgelegt, ohne dah aber vom Rat des Landesverbandes selbst zu den von dem Ausschuh gefahten Anttägen Stellung genonrmen wttd. Ich glaube, im Lande wttd diese »veise Mähigung, die hierbei festzustellen ist. doch nicht recht verstanden werden. Bei einer Frage, die die Rot. die in den Ge meinschaften herrscht, berührt, hätte man gewünscht,' dah ein etwas lebhafteres Tempo angeschlagen wttd. So sind wtt feit IV» bis 2 Jahren kaum einen Schritt vorwärts gekommen. obwohl doch dringend etwas geschehen nmh. Hierbei möchte ich etwas Grundsähliche» berühren, da» auch zusanimenhängt mit der Klage von Herrn Dr. Klee, die hier vorgebracht »ourde: „Wenn wtt bei den fteineren und nrittleren Genreinden eirre Umfrage nach den Bedürfnisten einer Darlehnskasse gehalten haben, so hat sich nicU» gerührt. Wtt sind ohne Antwort geblieben." Run, diese« Schweigen hat einen psychologischen Grund, es erinnert mich an die Aeuherrmg eine, prominenten Vertreter» unsere, deutschen Judentums, der vor kurzem an anderer Stelle hingewkesen hat auf die Müdigkeit in unserem deutschen Judentum infolge der gegenwärttgen Lage. Eine Müdigkeit, die feskuftellen ist auch auf dem gesamten Gebiets de, Vereinsleben,, die nahekommt einer Verzweiflung, eine Müdigkeit. die von allem nicht, mehr wisten will (Zuruf von der Volk», partel: Auf unserer Seitt besteht diese Müdigkeit nicht) und jede Möglichkeit einer Besterung der Verhältnisse von vornherein al, ausgeschlossen ansteht. G» gibt auherordentllch verfiertt und ersahrette Männer in asten Lagern, die srmen: fangen wir mit Best», rungsverfuchen nicht an: unsere spezielle jüdische Rot ist doch nur ein Teil der deutsihen Rot. Bevor diese nicht im ganzen gemildert wird, können wir auch von uns a»»s al» kleiner Wirtschaftsköitzer nichts besten», die darauf Hinweisen, dah infolge der Kmqentrationrentwicklung auf wirtschaftstchem Gebiet diese Generation zum grohen Teile dem wirtschaststcheu Unttrgange verfallen ist. Run muh ich sagen, dah. wenn diese wirtschaftliche Rot au die Pforten de, Landesverbandes pocht und geftagt wttd. was geben« der Landesverband in dieser uns aste berührenden Frage zu tun. es unmöglich ist. dah auch der Landesverband hier mU einem kalten Achselzucken sich auf den Standpunft fteltt. e» helfe aste, nicht», es gehe über unsere Macht hinaus. Rein, in der sihweren Zeit, in der wir un, befinden, dürfen wtt Juden nicht fteinmüttger sein al» unsere andersgläubigen deutschen Mitbürger, und so sollte inan der Mutloflgkeit. wo man (ie findet, nach Kräften entgegentteten-Die Mittel und Wege p»r Besserung im einzelnen zu finden, ist freilich schwierig: im llnterausschuh sind ja eine gcnw Reihe von Ein^lfragen erörtett worden. E, gllt aber vor allem, einen Ausgangspun« zu finden für eine Stellungnahme de» Landesverbandes, von dem die Gemeinden einen Fingerzeig erwarten. Was soll und wa» kann geschehen, um insbesondere dem schioer ringenden jüdischen Mittelstand so »seit wie möglich wieder auf die Beine zu helfen? Dah man von einer besonderen Not des jüdischen Mittelstandes sprechen kann, wird zwar vieftach bestritten. Ich glaube aber ttohdem. dtt Frage nmh bejaht »eibe«. wenn Sie z. B. denken an die Prari» der D-Banken. die heute einem grohen Teil unsere» Mittelstandes die Kreditquellen verschliehen, roetm Sie bedenken, dah gerade für den jüdischen Mittelstand ftüher der jüdische Pttvatbanfter eine Stütze war, di« ihm auch in Zeiten der Rot geholfen hat. Durch die Entwicklung in den Bankverhältnisten ist dieser jüdische Privatba»»kker vielfach verschwunden, und deshalb ist ein besonderes Bedürfnis der Eröffnung neuer Kreditquesten für den jüdischen Mittelstand vorhanden. Im deutschen Wirtschaftsleben ist auf die Bedeutung der Kreditgenostenschasten erfreulicherweise neuerding» wieder hingewiesen werden. Es sind etwa 2 Wochen her. dah hier in der Kroll-Oper eine imposante Kundgebung der deutschen Genostenschaften stattgefunden bat. bei welcher betont wurde, dah der genossenschaftliche Gedanke in der Gegenwart seine besondere Aufgabe erfüllt und zwar als Bollwerk einerseits gegen den Ueberkapitallsnm». andererseit» gegen den Rihilisnms. 2m deutschen Judentum ist der Genossenschaftsgedanke zwar schon vertteten, aber noch in auh«ordentlich geringem Umfang. Bei dieser Gelegenheit darf ich Sie. meine Damen und Herren, auf die gestern zur Verteilung gekomniene Zeitschttst unserer Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden besonder« Hinweisen. Diese Nummer enthält eine würdige literarische Ehrung für den verewigten Begründer der Zenttalwohlfahrtsstelle. Herrn Eugen Easpary, desten unser verehrter Präsides gestern »nit ehrenden Worten gedacht hat. Ich tiröchte Sie i»»rbesondere auf den Arttkel über die jüdischen Darlehnrkassen ausmerftam machen, durch den wtt wertvolles Material über die Entwicklung, die bie jüdischen Genostenschaften in Deutschland in letzter Zett genonrmen haben, erhalten. Wenn ich httrauf verweise, so gesteht es, well ich ein« grundsätzlich ablehnenden Ansicht begegnen will, die verhindern rnöchtt, dah nun auch im Genostenschaftrleben eine Zersplitterung nach konfestionellen Gesichtspunkt«» eirrttitt. Ich laste dahingestellt, ob wtt auch in ruhigen Zeiten zu dieser Bewegung gekommen wäre«. aber in Notzeiten wtt den jetzigen kann diese» Mittel nicht entbehrt »oerden. Dtt geschichtliche Entwicklung zeigt übrigen» da» Bestehen von Genostenschaften sowohl im katholischen als auch im evangestschen Lager. Sie haben ,. B. in Berlin iine »licht unbedeutende evangelische Zentrallasse, die über ganz Deutschland, arbeitet. Die Entwicklung hat also dazu gedrängt, dah auch »mler dem religiösen GesichtrpuuN da» Genosteuschafttnues«» seine Bedeutung hat. Ich beschränke mich ttdigllch auf die Frage der Darlehnskasten und des Genostenschaftswesen», denn e» würde uferlos sein, würden wtt hier auch die zahlreichen Eiuzelvorschläge zur Hebung der Wirtschaftsnot berühren wollen. Bezüglich de» Ernste« der Situation »nöchte ich nur noch sagen, und zwar richtet sich da» au meine Freunde vom Eentralverein: dtt Frage der wirtschaftlichen Rotläge ist gewih eine innerpollüsche Frage. Aber ich »ehe auf dem Standpunft, dah sie glelchzettig auch eine auhenpolftische ist. Ne bedroht auch unsere Stellung im Abroehrkarnpfe» beim e« ist ein Unterschied, ob der Karnpf sich richtet gegen ein Judentum kn einer wirtschaftlichen Posttion, wtt wtt stt heute haben oder wie sie kn