Mannheim
Compact Memory

Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden · 1931-06-30 · 5 (30.6.1931) · p. Seite 19

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden
Volume
9 (1931)
Issue
5 (30.6.1931)
Date
1931-06-30
Page
Seite 19 (sequence 19)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/3980048-10021620-10021605--617-3980608
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

10 - nttzer Nalionalsnialistm-Prozeß «lebt hätten, jo glaub« ich. würbe manch» von dem. war auf der einen Seit« Herr Dr. Goldmann, auf der andern Seit- Herr San.-Rat Peqser gesagt hat. heute unauegefproche» geblieben lein. Prästdent Stern: Für die dritte Rednergarnttur sind 5 Minuten Rederett beantragt. 2m Interesse der Zettökonomie würde ich bitten, diesen Antrag angunehmm. Der Antrag wird angenommen. Ab». IR. Dr. Brodnitz: Meine Damen und Herren, ich habe gern der geschäftmrdmmgmnäßigm Anregung, die Redezeit auf 5 «innten ru beschränken, zugestimmt. Ich selbst bius gewillt: in dieser Stunde nur wenige Worte ,u sagen. Ich halte mich hier, tu für verpflichtet. um nach meinen Kräften. meiner gcugm Einstellung folgend, doch dafür ru sorgen, das» nicht «och mehr an«inander »orbeigeredet wird, al» » ohnehin geschieht. E» ist mir menschlich nicht ganr leicht, mit dem. was ich hier sage, gerade gegen di« Ausführungen des Herrn Dr. Gold mann, anzukäinpfen. die mir menschlich, wenn ich ihm auch beinah« in jedem Punkt widersprechen muß. durchaus sympaHisch sind. Aber ich wundere mich, daß ein Mann wie Goldman» an» hier Dinge über die Berhältnisse der Juden außerhalb Deutschlands vorttägt. die er selbst doch auf Grund seiner genauen Kenntnis nicht vertreten kann. Man kann di« Stellung der Iuden kn den Ländern, die Dr. Gokdmann hier angeführt hat, nicht mtt der des deutschen Judentum» vergleichen, und «an.kann die Kämpf«, die in Deutschland die Juden mit den log. Iüdych-Nattonalen führen, nicht vergleichen mit den Kämpfen, die auderrwo geführt werde«. Denn da», was wir an Zioniftisch-Iüdisch-Ratkonalem in Deutschland besitzen, da» ist «in« Segnung, di« nur un» in Deutschland guktl geworden ist. Man kennt ein« so »ugespitzte Ideologie, wie sie von zionistischer Seit« in Deutschland propagiert wird, außerhalb Deutschlands nicht. Und wir mfldät mit Neid dl« ErSrterungen anfehen und anhören, die sich zwischen Iuden der verschiedenen Richtungen in anderen Ländern abspielen, und die ich in erheblichem Teil als Muster nehmen möchte, für unser« Erörterungen. Wem ich hier das Wort ergreife im Anschluß an da», war Herr Dr. Goldman« gesagt hat. md ich » ergreife, obwohl ich der Borfihend« des Centtal-Berein» bin. so habe ich dar nicht gern getan. Aber ich bin einmal historisch interessiert und kämpf« überall gegen Geschichttklttterung. Unser Landesverband hat eine ganz andere Konstruktion und muß ein« ganz ander« Konstruktion haben, wie sie der Tenttal-Berein hat. Sie können md dürfen beide Institutionen nicht vergleichen. Der Landesverband umfaßt die.jüdischen Gemeinden im Dienste des religiöse« Leben». Sehen Sie stch den Artikel 1 unserer Verfassung an, in dem der Land«verdmd ausdrücklich al, eine Religtonsgesellschaft bezeichnet wird. Und schen Sie sich den Arttkel 3 an, wo « als Aufgabe' b» Verbandes bereich »et wird, daß er all« der jüdischen Religionsgemeinschaft in Preußen gemeinsamen Angelegenheit»» nach außen vertritt. Au» dieser Einstellung der Verfassuug kam nimmermehr der Landesverband berufen fein, den Abwehrkampf der deutschen Juden führen, wie es der Tenttal-Derein tut. Alle diese Dinge gehören eigentlich gar nicht hierher, und ich bedauere « tief, daß solch« Dinge hier immer wieder oorgebracht werden. Der Genttal- Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens hat seinem Namen nach ein« ganz bestimmte Einstellung und kann itut die in sich vereinigen, die sich zu dieser Einstellung bekenne». Aber niemand wird sagen könne«, daß der Lenttal-Verein sich nicht jedeiqeit verpflichtet gefühlt hat. die Recht« aller Iuden in Deutschland zu wahre«. (Bravo bei den Liberalen). Abg. Blumenfeld: 5 Mimten ist keine lange Redezeit md man müßte sich, um die. Mißverständnisse zu beseitigen. wirklich sehr ausführlich unterhalten. Zu den Ausführungen von Juftizrat Brodnitz ist zu lagen, daß Art. 3 unser« Statut», der den Zweck d« Landesverband» bestimmt, nur im Kainpf durchgesetzt worden ist. Theoretisch kömte man sagen, daß der Landesverband ebenso gut wie der Centtal-Verein oder «ine andere Organisation den Kampf gegen den Antisemitttmu» übemehmen künntt. Die Frag« ist. ob der Landerverbaud praktisch dazu berufen ist. Sie mißverstehe« i« Entscheidende« di« wirkliche Lage. Ich kam mtt nicht vorftellen. daß» wem ich heutt Mitglied de» Lenttal-Verein» oder liberaler 2»de wäre, ich beanspruchen würde, alle Juden zu vertrete», wie ich gleichseitig nicht mit dem Anspruch auftteten kömtedaß mr eine ganz bestimmte Sorte von Judentum ein Lebensrecht in Deutschland hat. (Zuruf bei den Liberalen: Wer hat da» je gesagt?) E, besteht im Tenttal-Berein »roch der Beschluß, der Zioniste» au» dem Bered» ausschließt. Sie werden da» vielleicht gern in Vergessenheit geraten krssen. Aber Sie werden von un» zum minbeste» denselben Stotz verlang«« oder erwarten.^ de» Sie selbst für sich dr Anspruch nehmen. Wtt können un» nicht mit jemandem identifizieren oder jemanden als «efchützer mferer jüdischen Eh« ansehen, der mr in einem gewissen Sime un» mit unserer Geflnmng für fchutzwürdig hält. Ich lasse mich mr von jemandem beschützen, zu dem ich »»«hör«. Ich lasse mtt kein Schntzjndentum gefallen. Vor allem wollen wir nicht Schutzjuden von Juden sein. Sie müssen di« ganze Frage vom Standpunkt der Ehr« md Würde bettachten. Wir müßten un» selbst in» Gesicht spucke«, wem wtt auf einem anderen Standpunkt stehen würden. (Zuruf Dr. Well: Wtt werden also künftig schrettm: Mit Ausnahme der Zlonlften) Was Sie schreiben, habe ich Ihnen leider nie oorgeschrtten. Sie habe» immer geschrieben, war Sie für richtig gehalten haben. (Beifall bei der Bolttpartei). Sie müssen verstehen, daß Ihre Position auch in Ihrem Sinne heute —- und das ist da« Wichtige — von Ihrem Standpmkt au» al» Rechtsposttion unhallbar ist. Sie sind widerwillig md ohne er zu merken in eine ganz eigenartige Sttllmg gedrängt worden. Al» Sie vor der letzttn Wahl zum polnischen Sejm Sttllmg nahmen, da haben Stt der deutschen Minorität in Polen Ihre Grüße gosaudt. Al» nach dieser Wahl die deutsche Minorität zertrümmert wurde, noch mehr al» die jüdische, da haben Stt sich in Ihrem Organ ftohiockend gegen die jüdische Minorität gewandt. Da» heißt, t» war Ihnen in diesem Moment — und da» «cigt, möchte ich sagen, «in« gewisse Enge und vttlleicht sogar Ahnungslosigkeit — wichtiger, den Zionismus zu bekämpfen, al» für da» Deutschtum in Polen einzutteten. (Sehr gut!) Aber Sie haben es nicht gemerkt. Und daher glaube ich an die Notwendigkeit solcher Tagungen mb einer gewissen pädagogischen Wirkung auch der zionistischen Weltauffassung. Sie sind in derselben Situation wie jemand, der nicht herauskommt aus seinem Kreis, gegenüber einem Weitgereistender viele» steht. Im engen Kreis verittrt man manchmal den Blick für allgemeine Zusammenhänge. Und ich glaube, in einer schweren Situation, und über die sollen wtt hier reden, wo mser Leben md unsere Eriftenz bedroht ist, müßte man so weit kommen, um endlich Bowertritt abzulegen und sich zu sagen: Wtt ist e» um die Rechttposttion der Juden bestellt? Sie machen den Unterschttd »wischen Zionisten und Richtztoniften, dtt Antisemiten aber nicht. Deshalb sind wir zu einer neuen Aussprache gezwungen. Sie versuche»», ana» chroustttsch eine Position sestzuhalten. dtt m» zu« Untergang führt. Und au» diesem Grund« ist e» notwendig, daß wtt hier soweit es in so kurzer Zeit geht» eure gewiss« Klarheit schaffen. — Eia Wort zu der Bemerkung von Dr. Weil über di« bedroht« Sicherheit von Dr. Wrizmann» Leben in Palästina. Es gab und gibt auch in Deutschland Männer de» politischen Lebens, deutsche Männer, bereu Leben bedroht ist und bedroht war. Es handelt stch naturgemäß immer um hervorragende Persönlichkeittn oder um Menschen, dtt ein« wichtige Stellung inne haben. Mir fällt bei der Bemerkung Dr. Weil» da» Lestiagsche Epigramm über Cäsar» Schneider ein. der, al» er von Cäsar» Ermordung hörte, bestürzt aurrief: ,Mer ist noch sicher, wem er es nicht war." Dr- Well und viele feiner Freunde kömen beruhigt mb furchtlos in Palästina umherfahren. Mit der Frage der öffenllichen Sicherhett in Palästina hat dtt Tatsache, daß man Dr. Weipnann. wie e» auch sonst in Europa vielfach üblich ist, bei seinem Besuch — überflüssigerweise übrigens — «ine« besonderen Schutz mitgab. nicht da» Geringste zu tm. E» dürste sich empfehlen, daß wir bei der schwer bedrohten Position der jübischen Eriftenz in Deutschland vorurteilsloser an die Beurttikung unserer Lage Herangehen und uns niemal» auf sogenannte bewährtt Mittel verlassen. Alles, was bisher geschehen ist. wttb der unb»- fangene Kritiker als unbefriedigend empfinden, md ich würde Ihnen daher raten, vor der Abstimmung unseren Vorschlag noch einmal gründlich z» durchdenken. Präs. Stern: Dtt Diskussion ist geschlossen. Die erste Lesung de, Etat, ist beendet. Der Etat geht an den Haushaitsau»- schuß, der um 7 Uhr zusammenttitt. Wir kommen jetzt zu Punkt 6 st. Ich möchte, bevor ich zu Puutt 6 übergehe, mitteilen. daß wtt soeben «in Begrüßungrttlegramm de» in Hannover versammel- Im Verbandes der jüdischen Iugendvereine erhalten haben. (Verlieft dm Wortlaut). Ich.möchte darauf aufmerksam machm, daß jetzt Wahlen sind. Mein« Damen und Herren, ich bitte um Aufmerksamkeit. Sie zwm» g» uns. «mn wir Z 21 Zister 2 der Wahlordnmg mcht noch jetzt ab ändern, dtt Wahl der Mitglieder zu diesem Paragraphen, d. h. 6 Rabbiner und ihre Stellvertteter. in geheimer, gettmnttr Wahl mit schriftlicher Mchimmung vorzunehmen. Da» würdm etwa 18 btt 20 Wahlgänge sein. Ich halte da» für außerordentlich umständlich. (Zuruf: Wo steht dmn dar?) Da, steht leider in 8 20 Absatz 2 der Wahlordnung. Also am liebsten müchtt ich Ihnm vorschlagm. dlesm Paragraphen zu ändem. Der Bettnmdstag kann ei«, andere Stimmenabgabe beschließen. Wtt müßten sonst tat»

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.