Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden
- Journal
- Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden
- Volume
- 9 (1931)
- Issue
- 5 (30.6.1931)
- Date
- 1931-06-30
- Page
- Seite 18 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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— 18 — otfcfttt fort, sollte doch nicht so behandelt werden. Ich sehe «in. dah h«t» die Lchrerausbfldung a»f andere Gmndlag« ««stellt werden muh, aber mben den Bolksschullehrern brauchen wir auch Religionslehrar. Wir brauchen daher auch eine Religionslehrerakademie. Dazu kommt «och der Umstand, das» die Skmultanakademie in Frankfurt nur einen kleinen Bruchteil der Anwärter aufnehmen kann, und zwar ausschliehlkch Preuhen. Richtpreuhen. geschweige denn Ausländer, können nicht ausgenommen werden. Run könnt» doch die Lehrerbildungsanstalt kn Köln in eine Religionslehrerakademi« verwandelt «erden. Dafür sind dort alle Voraussetzungen gegeben: tüchtig« Lehrkräfte, eine jüdisch« Volksschule und höhere Schule im gleichen Gebäude. Da wäre die Möglichkeit gegeben. Religionrlehrer für die kleinen und mittleren Gemeinden auszubilden. Ein Wort über den Schächtschutz. Ich vermul«. dah der Rat auf diesem Gebiet doch zu wenig geleistet hat. Es braucht ja fein Wort darüber gesprochen zu werden, dah eifrige und zielbewuhte Arbeit nötig ist. um die drohend« Gefahr abzuwenden. Und da möchte ich insbesondere auf folgenden Punkt die Aufmerksamkeit des Rates lenken. G» kam in letzter Zeit wiederholt vor. dah einzelne Kommunen von sich aus das Schächten verbieten wollten. Wiederholt war es denn auch eine Streitfrage zwischen den politischen Parteien, ob die Kommunen von sich aus berechtigt seien, «in Schächtverbot zu erlassen. Es wäre wohl Sache des Rates, diese Rechtsfrage gründlich zu prüfen und nötigenfalls wisienschaftliche Gutachten darüber einzuholen und den Gemeinden, sowie den Parteien, di« uns im Kampfe gegen Schächtverbote unterstützen wollen, das notwendige Material zur Verfügung zu stellen. Ein besseres Zusammenarbeiten mit dem Büro für Schächtschutz wäre hier vonnöten. Der Rat sollte auch die Bewegung gegen die Kalenderreform nach drücklich unterstützen. Ueber die Notwendigkeit und Wichtigkeit dieser Bewegung braucht man wohl kein Wort zu verlieren. — Ebenso wäre zu wünschen, dah der Rat den Verein zur Förderung ritueller Speisehäuser in Hamburg kräftig unterstützt. Wir haben heut« gehört, dah Subventionen für verschieden« studentische Tische vorgesehen sind. Es wäre nicht zu verstehen, wenn der Landesver band Speisegelegenheiten für Studenten förderte und dabei gerade den gesetzestreuen Studenten nicht die Möglichkeit böte, diese Speiseoelegenheiten zu benutzen. Was auf diesem Gebiete geschieht, mutz so gestaltet, werden, dah die unterstützten Küchen einwandfrei koscher sind, so dah jeder, der darauf reflektiert, ohne Eewisiensbedenken davon Gebrauch machen kann. Erwähnen möchte ich, dah wir m. E. zu grohe Verwaltungsspesen haben. Wir sollten ernstlich in Erwägung ziehen, den Verwaltungsapparat zu vereinfachen, um Mittel für andere Zwecke verfügbar zu machen. Und wenn ich von anderen Zwecken spreche, so denke ich auch an die Bevölkerungsbewegung. Diese Frage ist hier heute flüchtig gestreift worden, leider nur flüchtig. Und doch ist diese Frag« eine Schicksalsftage des deutschen Judentums, und wir sollten ihr unsere ernsteste Aufmerksamkeit zuwenden. Ich kann mich im Rahmen der kurzen Zeit, die mir noch zur Verfügung steht, nicht bei Einzelheiten aufhalten, aber eines möchte ich sagen. Es gibt auch heut« noch jüdische Gemeinden, di« Beamtenbewerber mit kinderreicher Famisi« glattweg ablehnen, weil sie kinderreiche Beamt« nicht einftellen woflen. Eine solche Haltung ist einer jüdischen Gemeind« nicht würdig. Wer soll denn sonst die kinderreicher Familien berücksichtigen? Di« jüdischen Gemeinden sollten «her dazu übergehen, kinderreichen Beamten erhöhte Zulagen zu gewähren. Wichtig erscheint mir auch die religiöse und kulturelle Belebung der fleinen Landgemeinden. Wir sprechen heute viekfach von einer Erstarkung jüdischen Lebens und des Interesses für jüdische Werte. Di« ist wohl «ine Täuschung. Eine Erstarkung des Judentums mag vieflercht in wenigen Grobgemeinden der Fall fein, dafür aber erstirbt das Judentum in den fleinen Landgemeinden. Es muh unser« vornehmste Aufgabe sein, jüdische Lehr« und jüdisches Leben in die fleinen Gemeinden hineinzu tragen. Diefleicht darf ich mit einem ansprechenden Gleichnis unserer alten Weisen schliehen. Ein König hatte «inen fleinen Schlüssel »u einem Schatzkästchen. Der Schlüsiel war sehr klein, darum befestigte er ihn an einer langen Kette, di« feine Ramensprägung trug. Wir Juden sind der Schlüssel zu den kostbarsten Gütern: zur monotheistisch fundierten Religion und Ethik. Wir haben Men diese Güter erschlossen. Jen« Völker, zu denen die Auswirkungen und Ausstrahlungen unserer Lehre nicht gedrungen sind, sind auch heut« noch nicht im Besitz« dieser Güter. Israel, der winzig Nein« Schlüsiel. könnte aber leicht unter den Völkern verloren gehen. Darum hat ihm Gott seinen Namen ausgeprägt. Wir he!hen Jisroel. Kämpfer Gottes. Solang, «r diesen Namen wahr machen, fteudig und ftoft unser Judentum tragen und erfüllen, werden wir ttotz unserer zahlenmähigen Kleinheil und trotz der uns wieder einmal drohenden Gefahren uns sieg, reich als Jisroel erhalte«. (BrifaD Präs. Stern: Die nächsten Redner Hab« «ach dem Beschlich des Aeltestenrates nur eine Redezeit *a* 10 Minuten. Zumindest gilt das für den nächsten Redner der Mittelpartei. Herrn Recht»»»- walt Foerder. Wenn nachher Anträge auf Abkürzung gestellt werde», muh abgestimmt werden. Abg. RAnw. Foerder: Wenn vor ermgen Wochen in öffentlichen Diskusiionen und jüdischen Blättern über die Eriftenzberechtigung der jüdischen Mittelpartei gestritten wurde, so. glaube ich. hat di« heuttg« Versammlung einige Phasen gezeitigt, in denen die Eriftenzberechtigung der .^rurea mediornta," sehr stark nachgewiesen wurde. G» berührt di« hinter «M stehenden, aber nicht bloh die hinter un, stehenden Juden eigenartig, das muh einmal offen ausgesprochen werden, wenn in einer jüdischen Versammlung von Gegensätzen der Weltanschauung gesprochen wird, wie es heute bereits vorgekommen ist. Wtt sagen Ihn« dann, dah es für uns nur «ine Weltanschauung geb« darf: di« jüdische, und keine sonst. Und w«n sich im Programm oder in dm Forderungen irgmdeiner Partei «in Satz finden sollte, der sich nicht unter diesen Obersatz bringen läht. dann, glaub« ich. ist irgendetwas reformbrdürftig am Programm einer solchen Partei. Aus dieser Erkmntni» heraus verurteil« wir es auch, wenn man aus der Anttthes« „Religionsgemeinde und Dolksgemeinde" hier ein Schiboleth zu machen sucht. Auch für un» ist da» Entscheidmd« di« jüdische Tat. Und da erkenn« wtt vorbehaltlos an. dah auch unter dem Signum der Volksgemeinde genau so positiv jüdisch« Arbeit geleistet ward« ist wie unter dem Signum der Resigionsgemeind«. Es ist nicht angängig, etwa unsere zionistisch« Brüder hier als Gottes- oder Religionsleugner hinzustellen, während sich doch in den Spalten der Jüdisch-Liberalen Zeitung mitunter Sätze gefunden haben, die aus Kreis« unserer Liberal« als „Unglaubensartikel" bezeichnet worden sind. Es muh da schon ein wenig jeder vor seiner eigenen Tür kehren. Ganz besonders bedauern wtt. wenn im Hinblick auf die gemeinlam« Gefahr,, in der wtt uns beflnden, hier bereits zwei Resolutionen in Kurs gesetzt worden sind unter der Devise, dah nun jeder von uns entweder die «ine oder die andere fresie-n oder sterben soll. So geht das nicht. Es handelt sich um «me Resolutton gegen den Anttsemitismus. Würde sie nicht einstimmig angenommen, würde auch nur «in fleiner Teil der Versammlung gegen sie stimmen, so würde dem preuhischen und deuffch« Judentum dadurch mehr Schaden zugefügt als durch «ine mit Stimmenmehrheit abgelehnte Resolution. Wir dürfen uns darüber nicht täuschen. Wir sind eine öffentlich« Tagung. Sowie bekannt wttd, dah wtt hier divergieren, wird der Feind es nicht unterlassen, die» gegen Uns auszuschlachten. Deswegen bin ich dafür, dah sich diei«ig«n aller Partei«, die guten Will«» sind, zusammensetzen und aus den beiden kursierenden Resoluttonen das herausnehm«, was unstreitig all« eint, und die wenigen Wort« streichen, die vielleicht den «inen vom anderen ttennen. Und wenn hier der Centralverein ausgespielt wurde geg« den Preubischen Landesverband, so muh ich erwidern, dah es nicht bloh der Zionismus ist, der in sein« eigenen Reihen Kritiker besitzt. Aber andererseits rate ich Ihn«, einmal einen Tag lang «in« Führung durch das Büro de» Central Vereins mitzumachen. Ich bin überzeugt, dah jeder off«e Türen finden wird, und dann glaub«, ich nicht, dah z. B. von Kenn Rahum Goldmann ohne weiteres gesagt werden wttd. dah da», wa» der Centralverein macht, unser Preuhischer Landesverband leist« könne. Das gehl schon deshalb nicht, weil nach mein« Erfahrungen, wenn man den Preuhisch« Landesverband in C. L.-Angelegenheit« in Bewegung zu setzen suchte, man noch nach 4 Doch« kein« Antwort bekam. Schon die Regsamkeit, die dem C«ttalv«rein eigen kft, kann nicht ohne weiteres auf ein« bürokratisch organisiett« Behörde übertragen werden. Und Schnelligkeit ist bei der Abwehr «ine» der wichttgsten Erfordernisie. Wenn an einer Stelle der einen Resolution davon die Rede kst, dah alle materiellen und moralisch« Mittel des deutschen Judentum, in Bewegung gesetzt werden müst«. den gemeinsam« Feind zu bekämpfen, so spreche ich ein« Forderung aller mtt naheftehend« Mitglieder dieser Versammlung aus. w«n ich d« Appell an all« Beteiligten richte, es zu ermöglichen, dah diese Einhettsfront des deutschen Judentums endlich einmal geschaffen wird. Sowohl auf der «ium wie auf der andern Seite müssen die Grtremen ihre Forderungen «in w«ig zu rückschraub«,' und wenn ich an die Krojankersch« Ausführung« in der jüdisch« Rundschau" d«ke, so wäre es «ine anerkennenswerte Tat der Jüdisch-Liberalen Zeitung gewesen, wenn sie nicht nur wieder mal Klatzkln zittert, sondern auch von d« Ausführung« Krojanker, Nvtt, genomm« hätte. Das ist der Jude dem Juden schuldig, dah er nicht nur da» heraurstreicht, wa» ihm paht. sondern auch da» bringt, wa» ihm nicht paht. wa» aber die Bildung der «nheitrfront fördem würde. Wenn Sie mit mir die vier Wochen Fegefeuer im Schweid-