Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden
- Journal
- Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden
- Volume
- 9 (1931)
- Issue
- 5 (30.6.1931)
- Date
- 1931-06-30
- Page
- Seite 16 (sequence 16)
- Language
- German
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- 16 - gegne ich einem Menschen mit freundlichem Blick, so weis» ick», er ist «in Bekannter. Ganz ander» in Tel-Aviv. Kirr, kn einer Stadt von 40000 oder 45 000 Menschen, die ich nicht persönlich kenn«, begegne ich nur freundlichen Blicken. Ich kann mich kaum retten vor dieser Atmosphäre de» Wohlwollens der Unbekannt«. Schaut mich aber einer unfreundlich an. dann muh e» ein Bekannter sein. Hier gibt e» Feinde nur unter Bekannten, in der Galuth Feind« unter den Unbekannten. (Lachen bei den Liberalen). Ich nehme an. das» unter den Menschen, die hier in Berlin kalte und unfreundliche Blicke werfen, sicher nicht die Mitglieder de» Dro-Daläfttna-Gomite» gemeint gewesen sind, um deren Mitwirkung sich die Zionisten sonst so ernst bewerben. (Zuruf Lareski: Rein, aber Mahraun meint« er damit. Lachen bei den Zionisten)». Mit Kerrn Mahraun konnn« ich Ihnen noch später. — Herr Levkn hat in einer sehr geschickten Wendung nicht von Palästina, sondern von Tel-Aviv gesprochen und die Blicke de« Arabers, der meinen Freund Weirl in den Rücken stach, werden nicht besonders freundlich gewesen sein, auch die Blicke der arabischen Mörder, die über 200 Juden hingeschlachtet haben, werden nicht sehr fveundlich gewesen sein. E» ist in Deutschland nicht notwendig, datz man sich wie Herr Dr. Weizmann in Palästina, auf seinen Reisen mit einer Schudwache umgibt, weil »nan in diesem jüdischen Land« als Führer nicht sicher reisen kann. (Zurufe von der Dolkspartei) Gin bekannter Rabbiner in Palästina hat die Situation dort folgendermatzen geschildert. Er sagt, es herrsche dort ein aus nationalem Hah entfachter Kampf. „Die Atmosphäre R mit Giftgas erfüllt, und die brüderliche Lieb« unter den Stäinmen ist vernichtet." Es ist eine bedauersiche Uebertveibung. wenn di» Dinge so dargestesit werden, als ob in Palästina asies Gold und glänzend nicht sicher reisen kann. (Zurufe von der Dolkspartei). Es yt auch nicht zu übersehen, dab es sich bei dem Rationalsoziasismus um ein« Weltanschauung handelt, die zu bekämpfen wir asi« bereit sein mühten und die, wenn wir nicht untevemandet verbunden sind, zu bekämpfen schwierig ist. Wer soll nun di« Abwehr gegen den Antisemitismus betreiben? Der Laudesverband, Geineinden oder Privatorganisasionen? Ich für meinen Test habe nie an Formasien geklebt, und wenn Sie mir «inen Organismus nennen können, der die Abwehrarbeit bester leisten kann als die bestehenden Privatorganisasionen. so wird dieser Organismus sofort meine Zustimmung erhalten. Ich werde dieser Organisasion Folge leisten, wenn der Beweis der bester« und erfolgreicheren Arbeit gebracht wird. Aber Bestehendes zu zerstör«, um etwas Unsicherer« an seine Stell« zu setz«, würde ich für frevelhaft halt«. Ich bin der Meinung, dab es «nmögsich ist. dab die amtsich« Organisasion« wie Landesverband und Gemeinden «ine derarsige Tätigkeit auf sich nehmen könn«. Ich halte das für unmöglich aus juristisch«, organisatorisch« und politisch« Gründ«. Der Landesverband ist nur beftandfähig. wenn er Staatsbeihilf« erhält, und eine Organisasion. die Staatsbeihilf« empfängt. kann nicht die Esibogenfreihett besitz«. die zum Kampf geg« d« Rasionastoziasismus erfordersich ist und kann nicht dir Wege gehen, die gegang« roerdm müssen, die ich im einzeln« nicht aufzähl« wisi. Wege, die nur eine Privatorganisasion geh« kann. Aber ich kann dar nicht im einzelnen aurführen. Die innrnpolisische Haltung macht er zu einer Unmöglichkeit, «inen gemeinsamen Generalnenner mit der Dolkspartei für uns in der Abwehr zu finden. Ich verkenne nicht, dab gewiss« Aenderungserscheinungm sich bei ihr vollzieh«, dab auch kn ihrem eigen« Schob« di« Meinung« über diese Dinge durchaus auseinandergeh«. und ich habe es für ein« ungeheuren Fortschritt angesehen, dab Herr Kareski sich nicht allein für di« jüdische Religionsgemeinschaft entschied« hat. sondern dab er sich durch llebemahme einer Zentrumrkandkdatur sogar für die katholisch« Religionsgemeinschaft einzuseh« verpfsichtet hat. («eifasi. Rufe: Wa, war dar?) Ich verkenn« also nicht. dab insbesondere in dem llebergang des Herrn ftoieffi »um Zentrum gewisse Erfolg verheilend« Ameich« für ein« Wandlung in dm Ansicht« der Dolkspattei ru finden sind. Aber ich glaube, vielleicht sind wir hier schon nicht mehr jung genug zu veränderter Stesiungnahme geg« einander (Sehr richsig!) vielleicht sind die Kämpfe zwischen uns auf Ihrer und auf unserer Seite schon allzu sehr ttadisionrll gewordm, nicht nur in Berlin, solchem überall. Ich fürchte asto. es wich nicht möglich sein, uns in einer Resolution, die di« Form« der Abwehrarbett regelt, mtt Ihn« zusammenzufind«. Denn, wenn Herr Kareski beredt zum Fried« ruft, aber gleich darauf sagt: Wenn aber nicht, dann kämpf« wir auf das Lutzerste. so erinnert mich das an dar ffiott der Konservativen: Und der König absolut. w«n e8 uns d« Will« tut. Wir Hab« Derttauen zur Zukunft des Iudmtum». well wir das Judentum als Träger sittlicher Werte «mpfind«, so wie es unzählige Generationen vor uns «mpfund« Hab«, und wie auch die Generasionen, die «ach uns kommen werden, es weiterhin empfinden sosi«. (Beifall) Abg. Dr. G o l d m a n n: Mein« verehrt« Dam« und Den«! Ich bin in dieser erst« Tagung de, neu, gewählt« vechpndstage, ein Neuling. Ich habe diesem verbandslag bisher nicht angehört, und w«n ich seinen Tagung« beigewohnt habe, so geschah.«« in früher« Jahr« jenseits dieser ominösen Barriere, hinter der die Gäste sitz«, und aus einer gewist« Dlstam heraus. Aber ich glaube, dab das viesieicht ein« gewist« Vorzug bildet für eines, der zum erften Mal« unmittelbar an dies« Sitzung« de. Derbandstages sich beteisigt und der. was ich unterstreich« möchte, viesieicht mehr als die meist« hier in diesem Saal in dm letzten Jahr« Geleg«heit hatte, «kn« Einblick zu tun k» da« jüdische Leb« nicht nur in Deusichland. sondem auch autzerhalb Deusichlands. Und ich mub Ihn« sag«. — nehm« Sie » nicht ab eine übelwosiende Kritik. — dah ein« Tagung wie diese und etzn Debatte, wie sie hier geführt wurde, und Problemstesiuugen, wie sie hier gegeben werden, und um die sich die einzeln« «reg«. h«te Gott sei Lob ein Unikum im Weltjudentum reprSseatterm. Dieses deusich« Judentum ist heut« in der Gefahr, sich kn ein« Posision hinein zu isolieren, die es seine» Einfiuste» auf da» Gesamtjudentum beraub« inub. Es hat schon heute nicht mehr dies« Einflub. d« es früher gehabt hat. sondem ist in Gefahr, h» ««er sto- Neri« Posision zu erstarr«, die es asimähsich in einem gewysm Sinne zu einer komisch« Figur im Weltjudentum zu mach« geekgnet kst. In der gesamt« Welt gibt e» kein Judentum, i«. b«i wenn sich seine repräsmtasiven Vertreter zusammensetzen. von Jahr zu Jahr die alte Frage wieder auftaucht: Bolkrgemeinde oder Resiglonrgemeind«, Staatsbürgertum und jüdisch« Dolksbewuhsiein. In keinem Lande der Welt wagen « noch Jud« heute. Bokldjudentum und jüdisch-nationale Gesinnung in Konfsift zu bring« mit staatsbürgerlicher Gesinnung und staatsbürgerliches Gleichberechtigung. (Bravo!) Sie könn« von San Francisco bis ia da» kletnste polnisch« Rest geh« und werdm kein« Jud« finden, der sich fragt: Bin ich Religionsjude oder Rasionasiud«? und der es sich nicht verbittet, sich diese Frag« überhaupt stell« zu lass«. Die« sit Ihn« reserviert geblieb«, und Sie werd« »och Jahre an diesem Problem hemmwürg«, an diesem Problem, für da» er keine abstrakte logische, nur ein« seelische und moralische Lösungs- Möglichkeit gibt. Da» jüdsiche Wes« ist eine intern« Frage de« Iudmtums und hat nichts mit der Frage zu tun unserer Stellung zum Staat«, dem wir angehör«. Ich «isi auf die ganze Rede deo Herrn Sanitätsrat P«s«r hier nicht «tngeh«. Wir sind kein«. Peychr- Deutsch« und diese» Deusichtum. Herr Peyser. da» Sie predigen und das Sie in Ihren Blättern vertret«. dies» D«sichtum könn« wir nicht milmach«. Ich red« nicht nur vom jüdisch« Gesichtspnnft, sondem auch vom Gesichtspunkt bester deutscher Tredittov und Kultur. G«au so. wie h«te ein« Kon»epttlm vom Dentstdtum durch Hitler und Konsorten vertret« wird, di« wir- «l» ein« Schmach für da» Deusichtum anseh«, so glaub« wir. datz sich jeder anständige Deutsche zur Wehr setz« mutz geg« da», «a» Herr Dr. Deyser als deutsch» Staat»b«wutztsein und Staatoprinzip vertritt, geg« diese «gstimige, chauvinistische Ko-nzeptton. die » einem Juden unmöglich machen wisi. sich als nationaler 2«de zu bekenn«. Diese Konzepsion. die meiner Asiicht nach ein« mittelalterliche ist. lehn« wtt ab. nicht nur an» jüdisch« Gründ«. Wir glasen, datz « eine minderwertige Koiqepsion ist. Erlaub« Sie mir nach dies« paar Wort«, mtt den« ich die Ausfühmng« d» Herm Dr. Peyfer doch abtun mutzte. zu dem zu komm«, was ich als Etatrehner zu vertret« habe: und t»ar handelt » sich um d« Anttag, d« wir elngebracht »ab«.dex mtt der Eiaisdebatte verknüpft ward« ist. datz der pveutzische Ländesverband in Zukunft den Kanzpf für die Rechte d» preutzikch« Judentums in all« Form« übemehm« soll. E» gehört auch dtt» zu d« Kuriositäten deutsch-jüdisch« Leben», datz man um «in« solch« Anttag überhaupt erst kämpf« mutz, und ich fürchte, datz er nicht einmal angenomm« werd« wird. E» gibt kein Judentum' in der Welt. das. w«n es Glück hätte, eine staatlich anerstmstt« Gesamtorgansiasion zu besitz«, von diesem Instrument nicht d« not««dig« Gebrauch »nach« würde. Seh« Sie anf dÜ west- «ropäischm Länder, wo grotze Teile der Iudenhett nicht da» Glück Hab«, wie in Deutschkuch staatlich anerkannte Gemedch« zu Hab«, sondem wo sie nur freiwillige vrganisatton« befitzen. Seh« Sie nach England, wo ein grober starker Berband all« jüdisch« <dmetnd« «Wert, der d« Kampf führt um die Rechte der «ngstfch« 2«d« und um die Rechte d« Gesamtjud« tu der Welt. 'Sch «ütz Ihn« sag«, ein preutzischer Saitbesmbant», der etwa» auf sich gibt und nicht nur «ine büroftattsche Derwaltungsnmschtnette sein »M