Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden
- Journal
- Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden
- Volume
- 9 (1931)
- Issue
- 5 (30.6.1931)
- Date
- 1931-06-30
- Page
- Seite 15 (sequence 15)
- Language
- German
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»»Nif«, ho« sich aber von Klee ctnfifctt Sie dürfen nicht gsmtden. hak Sie im Landerverband damit etwa, erreichen werden. Mir find für di« Einigkeit, wie ich sie charakterisierte, immer zu Habe«, aber ist d« denn einer Einigkeit dienlich, wenn auf einer Ihr« Versammlung« erklärt wurde, dah einem Redner nicht dar Mort gegete» worden wäre, wenn man vorher gewuht hätte, dah d« Redner dem verband nationaldeutscher Juden angehöre. Mir lassen Sie (zur Bolkspartei) auf unseren Versammlungen ungehindert reden und widerlegen Sie. weil auf unserer Seit« das Gewicht der guten., starken Gründe ist. und well Sie nicht eriftieren könnt« ohne Ihm scharfe Agitation, ohne Formulierungen, die von Fall ru Fall «»«gelegt werden, wie man e» für richüg hchst> (Zuruf Goslar: Und die Berliner Litfahsäulen?) Ich wühle nicht, wa« dle Litfahsäull Virenrühriges hat. Di« Zionisten würden statt einer Lttfahsäul« 100 Litfahsäulen benutzen, wenn es ihnen richtig «schiene. Haben Sie doch in Versammlungen «ine ähnliche Taktik. Entweder p«sbnlich od« als organisierter Svrechchor schleudern Sie. wenn die Au»führungen de» Redner» Ihnen gefährlich zu w«de« drohen, irgendwelche störenden Schlagwott« in di« Debatte. Damit imvoni«en Sie un» nicht mehr. Was ab« die gepriesen« Einigkeit arcketrifft. so »ollen wir sie nicht »u hoch anschlagen. Wen« wir wiülich eine. Tage« alle einig wären, so wäre das furchtbar langwellig. Wir würden viele schöne Reden nicht hören, und der Kampf würde aufhören, der. wie ich schon sagt«, viel FruchLare» hervorbringt. E» würde «ine Stagnation eintteten. Den ehrlichen, frischen Kampf der Meinungen wollen wir beibehalten, aber ohne derarttge Zwischenrufe und ohne agitatorische Mtttelchen. (Erohr Unruhe und Zwischenrufe, di« vom Präsidenten gerügt werden.) Peqser fortfahrend: Ich gebe es für heut« auf. mich mit den Herren der Bolkspartei weiter auseinander zu sch««. Sie haben uns vraktllch vor Augen geführt, wie ihr Begriff von Einigkeit aussteht. Mit den Mechoden. mtt denen sie Gegner. durch Lärm und »ahlretche. wohlüberlegte Zwischenrufe zu störe» versuchen und mit Schimpfworten belegen, würde jede etwaige jüdische Front sofort wieder auseinandergesprengt werdrn. (Bravo und Händeklatschen bei den Liberalen). Abg. RAnw. Dr. Weil: Bon allen vorangehenden Rednern ist übereinstimmend ausgeführt worden, dah die Lag« des deutschen Judentums und der Juden in Deutschland niemals ernster gewesen ist al» im gegenwärtigen Augenblick. Man kann noch hinzufügen, dah auch die Lag« unsere, verbände» selbst «in« überaus ernste ist. nicht allein. dah. heit wir zum letzten Mak uns in diesem Raum rusammengesunden hohen, da» betrübllch« Ergebnis der Reichstag»wahl sich vollzogen hat (Unruhe), nicht allein, dah wir am 14. September den Einzug von 107 Nationalsozialisten in den Reichstag haben erlebe« müssen, «ir stellen auch ein« Verschlechterung der öffentlichen Meinung gegenüber Juden und jüdischen Dingen fest, insbesondere auf dem Gebiet der Rechtspflege, in der der Schutz de« Iudentumr. man könnte beinah« sagen, von Entscheidung zu Entscheidung geringer geworden ist. Wir müssen vor allem aber auch festftellen. dah die allgemeine wtttschastllche Lrisi», di« so .schwer auf Deulschland lastet, aus keinem Volks tell schwerer lastet al» auf dem jüdischen. (Sehr richtig!) Wir all« haben Gelegenheit, im näheren und «eitere« Bekannten- und Freundeskreis mit Entsetzen feftzuftellen. dah unser« gegenwSrttgen Generation um 50. SO und 80 Jahr« zurückgeworfen ist. und dah unser« Freunde und Bekannten vielfach an der Stelle stehen, an der wirtschaftlich ihr« Groheltern und llrgroheltern gestanden haben, und dah die Freiheit und ebenfo da» Ergebnis der Arbeit vont SO. SO Jahre» durch «ine furchtbare Krisis himoeggewischt wurde. Dies« Dinge können auch am Landesverband nicht spurlos vorüber gehen, und diejenigen, di« an der Tagung der Körperschaften und der Aufrecht «Haltung der Organisation ein Interesse haben, mästen sich darüber klar «erden, dah ein gewisser Abbau in der OrgauSation de. Landerverband«» unvermeidlich ist. Auf einzelne Detail» will ich jetzt «icht eingehen. Aber wem, wir ans den Luru» leiste», «ine Verwaltung ,» haben, di« mtt der Tagung diese, verband«» 125 000 RM. kostet, so genügt diese Zahl anstelle vieler anderer, um zu sehen, dah die Erhaltung de» Landerverband«« nur möglich ist, wenn wir einen kleineren. billigeren und weniger kostspieligen Apparat auf die Bein« zu stellen versuchen. Wtt vermissen insbesondere auf politischem Gebiet, dah die mahgedende« Gewalten de» Reiche», di« in letzter Zeit sich zu mauniasoche» Erklärungen gegenWer radikalen Tendenzen bereit gefunden haben, nicht ä» einzige» Wort «»»gesprochen haben, da» klar und deutlich auch gegen die religiöse, nationale »nd Rasten- Hatz« »egenüher dem Judentum gerichtet wäre, und wir verlangen, dah auch dt« mahgedende« Retchsinstanzen sich bereit finden, mtt llaren »nd eindeutige« Worten Stellung zu diesem Problem zv nehmen. Wir können e» begreifen, wenn angesichts so viel«. Unerfreulichen der Gedanke einer gewissen Entfremdung dem deutschen Volk und dem deutschen Wesen gegenüber vielfach diskutiert wttd. Diese Entfremdung wird in erster Linie und vorwiegend verlangt von der nationalsozialistischen Lehr«, die ja auf dem Standpunkt - steht, dah die Juden deutscher oder fremder Rationalität kein Bestandteil de« Volkes sind, in dem sie lebe«, sondern »»ohk da» R«ht rum eigenen Zusammenschluh. aber nicht da» Recht auf «tttellnahme an den Geschicken des Staates haben, in dem sie wohne» und verankert sind.. Die Mahlosigkeit der H«d«. die nach dieser Richtung von nattonastozialiftischer Seile entfaltet wird, kann nicht überholen werden, wenn man diesen kurzen Satz lieft: „Die naturgegebene Feindschaft des Bauern gegen den Juden, seine Feind» schast gegen den Freimaurer, als Judenknecht muh bi» zur Raserei aufgeftachelt werden." G» ist selbstverständlich, dah wir nicht Maschinen sind, und dah diese Ding« nicht spurlos an uns vorübergehen können. E» ist selbstverständlich, dah sie ihre Auswirkung auch bei dem jüdischen Teil der Vevöllerung finden. Aber nichts wäre verfehlter, als wenn die deutschen Juden sich verbittert-in sich selbst zurückziehen würden, nicht» wäre verfehlter, als wenn auch nur «in« einzig« von den Positionen, die wir mühsam errungen haben, preisgegÄe« würde. Richt in verbitterler Empfindsamkeit sich in dem Jn-fich-selbst-zurückziehen. sondern in ständiger Arbeit mit den Männern guten Glaubens und guter Gesinnung in den anderen Religionsgemeinschaften bleiben, kann Ausgabe des Tages sein. Wir müsten uns vor llebertteibungen hüten. Es ist «in Irrtum zu glauben, dah der Nationalsozialist sein ganzes Programm im Antisemitischen erschöpfe. Sich mit diesem Programm zu beschäftigen, ist auch ein« Aufgabe der deutschen Juden. Aber wir dürfen eg nicht lediglich zu erllären versuchen au» rein antisemitischem Ressenttmept. Nicht alles in der Welt sollte nur aus dem jüdischen Geslchtrpunft und dem jüdischen Problem herau» verstanden werden wolle». Das wäre eine Verkennung der treibenden Kräfte in Deutschland wie kn der Welt. Und wenn ich Anklage sowohl gegen die Regierung wie gegen gewist« Teile des deutschen Dolles erhoben habe, so verlangt die Gerechttgkeit. festzustellen, dah wtt in dem Kampf gegen den Nationalsozialismus nicht allein steben. So wenig das französische Volk in der Lage gewesen wäre, leine Wiedergeburt im Falle Dreyfus ausjüdischer Kraft zustande zu bringen, so wenig kann der jüdische Teil des deutschen volles für sich allein den Antisemitismus und Rattonalfozialismus überwinden und zur Sttecke bringen. Und darum verlangt es die Gerechtigkeit, dah wir festftellen, dah das Drittel de, deutschen Bolle», das sich zum katholischen Glauben bekennt, von Mal zu Mal energischer -und in den Kundgebungen der Bischöfe immer selbfthewuhter gegenüber dem. Nationalsozialismus auftritt und ihn al» unvereinbar mit der katholischen Kirche verwirft: und es verlangt dl« Gerechtigkeit. wetter festzustellen, dah di« grohen Arbeiterparteien einen entschiedenen und energischen Abwehrkampf gegen den Rationallozialismus tteiben. Und es verlangt di« Gerechttgkeit ferner feftruftellen. dah auch im evangelischen Deutschland nicht unbeträchtliche Kräfte vorhanden sind, die den Schaden de» Radikalismus erkennen und die bereit find, wenn auch vorläufig noch nicht in festgefügten Organisationen, den Kampf gegen de« Rationallozialismus mitzuführen. Es liegt an uns. dah wir un» nicht abschliehen und nicht absondern, sondern mit dem Tell de» deutschen Volks, der bereit ist. de« Kampf an unser« Seite und für un» zuführen, diesen Kampf gemeinsam, wenn möglich, zu einem glücklichen Ende zu bringen. Und dieser Kampf mnh dort anfangen, wo die deutschen Menschen zum ersten Mal miteinander zusammenkommen. Und darum kann ich schon von diesem Gefichtspunfte aus nichts von der jüdischen Volksschule halten. Die jungen Juden müssen die jungen Christen, und die jungen Christen die jungen Juden kennen lernen. Stehen wtt nicht auch in dieser Beziehung wett hinter dem. wo unsere Väter «nd Grohväter gestanden haben? Und dämm müssen Sie aus dttsem allgemeinen Gedankengang heraus begreifen, dah ich de« Entftemdungsprozeh, der sich unter zionistischem Emfluh vollzieht, ablehnend gegenüberstehe. Bor einigen Tagen hatte ich Gelegenheit, au» «irrer unverdächtlgen Quelle zu lesen, was Herr Dr- Schmaria Levin m einer «bschttdsrede gesagt hat. Dort erklärte er: heute sei « palästinenstscher Jude, der sich ganz al» Bürger Grez Jftaett fühlt. Rur dort ist der Jude in einer Atmosphäre guter Gesinnung. Wa» ist der Unterschied rwischen Palästina und «aiuth? fragt Levin Hier in Deutschland oder in einem andere« Lande leben die Juden unter Millionen von Menschen, die potenttelle Winde sind. Wenn ich. sagte Levin. auf der Sttahe geh«, so fühle ich lauter feindselig« oder doch kalt« Blick« auf mtt ruhen, und de-