Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden
- Journal
- Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden
- Volume
- 9 (1931)
- Issue
- 5 (30.6.1931)
- Date
- 1931-06-30
- Page
- Seite 14 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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— 14 — bsrnt wMbtt (5mtbf&fc< aufgeftellt, ohne jede Rücksicht auf die Kirchen, rein willkürlich, lediglich i* dem Zwech um das Aus mail det Bewilligungen weiter einzufchränken. Derweift man demgegenüber auf die Verhältnisse der Kirchen und verlangt Parität, so eristiert der Grundsatz rstcht. Man setzt willkürlich Hüchftbettäge fest, obgleich für die Kirchengemeinden solche nicht gelten. Man rechnet Rmenbezüge zum Gehalt, trotzdem bei dem Pfarrer dies nicht der Fall ist. und andere« mchr. Wir stehen dauernd in einem an* erhörten Kampf. Wir müsse« eine Position nach der anderen Ehester Gegnerschaft «bringen. Wenn in der letzten Zeit manche» anders geworden ist. so liegt «» nicht daran, weil da» Wohlwollen für uns gewachsen ist. sondern weil wir in aufreibendem Kampf« unsere Wünsche unmittelbar an de« Minister gebracht haben, der uns ihr« Erfüllung in Aussicht gestellt hat. Trotzdem ist bespielsweise für die Bezirksrabbinate bisher in diesem Jahre noch nicht ein Pfennig bewilligt worden. Die Herren verschanzen sich hinter dem Finanzministerium. Ich hoffe jedoch^ datz, nachdem der Finanzminister selbst am letzte« Freitag die ErNLrung abgegeben hat, er werde dafür sorgen, datz rechtzeitig die Widerstände überwunden werden» die Staatsbeihilfen für die Bezirksrabbinate als gesichert angesehen werden können. Ich führe das alles hier an. um zu zeigen, doch wir nicht damit rechnen können, datz uns irgendetwas vom Wohlwollen irgendeiner amtlichen Stell« entgegengebracht wird. Wenn verlangt wird, datz wir unseren Kampf ums Recht führen müssen, so kann nicht nachdrücklich genug auf die Richtigkeit dieser Forderung hingewiesen werden. Wenn wir an die Ding« vom jüdischen Standpunkt Herangehen, so gilt in erster Linie das alte Wort des Hillel: „Wenn ich nicht für mich bin. wer soll es denn feht?“ (9s gibt nu») den Weg der Selbsthilfe. Alles ander« ist etwas, worauf wir uns nicht verlassen können, schon «eil wir nicht wissen. was sich in einem Jahre in Preutzen-Deutschland abspielen wird. Wir müssen deshalb di« Organisationen ausbauen, die geeignet sind, unsere Gemeinden zu erhalten, das jüdisch« Gefühl und den jüdischen Trieb zur Selbfterhaltung zu wecken und dort, wo er erschlafft, zu stärken. E« gilt di« Einrichtung und Weiterführung der Bezirksrabbinate. die Fortsetzung der Matznahmen zur Bildung von Lehrerbezirken, es gilt di« Aktivierung de» einzelnen jüdischen Hausvaters, der sich mit seiner Person ehrenamtlich in den Dienst unserer Sache stellen mutz, denn Vas ist das einzige, was in den lleinen Gemeinden, füv di« wir besoldete Funktionäre nicht stellen können, das religiöse Leben noch aufrecht erhalten kann. Hierzu kommen dann noch wesentlich« kulturell« Aufgaben, die im Etat nicht berücksichtigt sind. Die Literaturvereine sind eingegangen. Der Gedanke. den sie vertrete« haben, jnutz wieder lebendig gemacht werden. In die lleinen Gemeinden müssen wieder Anregungen getragen werden. Predigten müssen in allen Gemeinden periodisch ftattfinden, Wandervorträge abgehalten werden und auch Wandergottesdienst« in gewissen Abschnitten. Darüber hinaus aber ist es wichtig, datz für jede jüdische Arbeit da» Wort gilt, datz nicht Gewalt und Kraft, sondern der Geist den Ausschlag gibt. Ein« Gemeinschaft kann nur Bestand haben auf sittlicher Grundlage. Diese sittliche Grundlage müssen wir in Deutschland wieder auferstehen lassen. Sr« mutz vor allem im jüdischen Leben dm Matzftab unseres Handeln» und nicht unseres Redm« bilden. Was sich abgespielt hat in dm Zeiten, die hinter uns liegen, lätzt leider viel von dem Geist der Brüderlichkeit, des Zusammmhalts und jüdischm Dmken» vermissm. Solange wir nicht Ernst machen mit der Aufrichtung dieser jüdischm Grundlagen und nicht aufhören, unferm Gegnern die Waffen in die Hände zu spielen. solang« der uns^ige jüdische Bruderzwist nicht aus unseren Reihe« schwindet, und wir nicht über die Parteien hinweg dm Blick für da» grotz« Ganze habm. solange wird unsere Arbeit auf Flugsand ruhen. Auf drei Dingen, sagm unsere Weisen, beruht di« Welt: Auf Wahrhaftigkeit, Gerechtigkeit und Berftändigungswille. Rur dann »erden Sie jüdische Arbeit leiftm in jüdischem Sinne. - wenn Sie diese drei Dinge beherzigen mit dem Ziele der Erhal tung eine» zusammmbrechmden Judentums. (Bravo). Abg. Samtätsrat Dr. Peyser: Meine Damen und Herren! Ich verspreche Ihnen, datz ich mit meiner Zett besser auskommon werde, als der Landesverband mit unserm Geldmitteln ausgetommen ist. Ich gedenke, nur «mig zu sagm, und möchte einleitend meiner Genugtuung darüber Ausdruck gebm, datz ich aus der Red« meines intimen Gegner» Herr« Karesll zwei Dinge vollkommm unterschreiben und unterftreichm kann und vollkommm mit ihm einig darin bin. Erstens: Wir müssm uns nicht auf ein Jahr der Rot einrichtm. sondern aus eine immer grötzer werdend« wirtschaftliche Verelendung und deshalb die Ausgabm rationierm. Don Jahr zu Jahr sehen wir, datz wir «miger beisteuern können zu Dingen, die wir sonst leiftm konnten. (Karesll: Ganz so habe ich es nicht gesagt!) E« tut mir leid, datz wir nicht einmal da einig sind, wo wir einig ,u sein glauben. (Karesll: E, kommt auf da» bitzchm nicht mehr an!) Dann aber gebe ich Herrn Karesll darin Recht, datz die Verschwendung an Kraft, und Geldmitteln für jüdische Arbett durch «ine vernünftige Rattonierung ersetzt werdm mutz. Damit wir nicht wieder uneinig sind: Ich verlange nicht etwa, datz Sie. m. D. u. H., mit einer einzigen zioniftischm Zeitung «»»kommen, zwei wollen wir Jhnm allenfalls noch konzedier«. Aber es handelt sich hier nicht um Zeitungen. Bekomm« wir nicht, besonder» kurz vor der Eröff. nung der Landesverbandstagung. kistenweise Zuschriften, di« jemand, der sonst noch «ine Beschäftigung hat. nie mtt Mutz« durchlesen kann? Wa» kostet das nicht alles? Da müsien sich wirllich vernünfllge Männer Hinsehen. Fraum natürlich auch (Heilerkett), und müssen Wandel schaff«. Schlietzlich bin ich noch in einem weiteren Punft mit Herrn Karesll einig. (Zuruf: Sind ja schon drei!) Er hat au» dem Wahlaufruf für die Deuffche Liste, die ich vertrete, «inm Satz verlesen und in Erinnerung gebracht. Ich nehme an, datz er sich nicht sofort zu unserm fünf ander« Lettsätz« bekehr« wird, aber «in solcher Anfang ist immerhin vielversprechmd. Im Gmft hat dieser Vorgang «ine ttefere Bedeutung. Ich und die mir nah« stehenden Männer haben immer gesagt, datz wir dm echtm Zionist« in seinem Wollm, in seinen Absichten durchaus verstehen und ehren, und ich möchte denjenigm sehen, der mir da» Gegenteil Nachweisen kann. Was Sie apf Ihre Weise wollm. da, «ollen wir auf unser« Weise, und zwar ist da», was Sie auf Grund eine» jüdischen Rallonalgefühls erstreben, dasselbe, was wir auf Grund «ine» deutschen Rationalgefühls erstreben. (Lärm bei der Vollspattei.) Wir versuchen also, auf verschiedenen Wrgm zu demselbm Ziel zu gr» langen. Run aber kann man sich immer nur mit Männern und Frauen verstehen, bei denm man genau »»eitz. wa, jede» ihrer Worte bedeuten soll. Ein allzu vieldeullge» Watt aber ist da» Watt „Volk" oder „Bolksgemeinde" im Munde einiger der Wottfüheer der verehrten Herren von jmer Seite, besonder» hmte im Munde des Herrn Karesll. Er hat ungefähr gesagt, man mützte doch blind sein, wenn man einen jolchm Haushaltsplan durchseh« und nicht erkenne, datz es ja gar nicht mehr Aufgaben einer Religionsgvmeinde, sondern eine Bolksgemeinde seien, die geleistet «erden mütztm. Ich bin nicht blind. Der Landesverband unterstützt leistungsschwache Gemeinden, sorgt für Lehrer. Beamt«. Bezirksrabbinate usw., fördert die Wissenschaft de» Judentums, gemeinnützig« Anstalten und Einrichtungen. Erhaltung von Kunftdmkmälern. übt Wohlfahrtspflege. Und damtt ist er au». (Zuruf: Wie ist «, ». B. mit d«r Einbürgerung?) Gut: kommm wir auch darauf zu sprechen! Ich habe nicht gewutzt, datz die jüdischm Gemeindm das Recht der Einbürgerung von Bürgern ftemder Staaten zu erhalten wünschm. Ich möchte Sie bitten, mir zu sagm: Welchen der v«rlesenen Punfte — und ander« sind im Etat nicht drin — kann nicht eine Religionsgemeinde bearbeitm. mutz sie nicht bmrbeitm. (Zwischenrufe.) Meine Herren von der Volkspartei: Ich habe Ihren Redner nicht unterbrochm, ich habe es bei diesem Gegenstand nur mit dm zwei Silben »Hho!" getan, und die kamen mir aus dem Herzm, also lassen Sie mich gleichfalls ununterbrochen wettrr sprechen! Also wie gesagt, alle» das kann und mutz eine Religionsgegemeinde leisten. Das Wort „Soll“ ist falsch ausgelegt, wenn man sagt, datz eine Bolksgemeinde dazu nöllg sei. Sie versteh« unter „Volk" als Zioniftm doch etwa» ganz Bestimmte«. E» W der nationale Standpuntt, den Sie habm. der jüdisch« Rationalstandpunkt. Das lmgnet sicher keiner von Ihnen. Wie reimt sich da» aber mtt der soeben gehörten Ansicht, die Aufwendungen, mit denm wtt tu rechnen haben, könnten wir nur als Volksgemeinde machen? Geben Sie es nur ruhig zu. datz Sie mit derarllge» Redm ägitatorisch zu wirken wünschen, wir werdm un» dann viel schneller versteh«. Einigen werden wir uns zwar nicht, und es ist ja auch nicht nötig, datz man sich in allm Dingen einigt. Der Kampf ist der Vater des Lebens und der »eum Gedankm. E» kommt zunächst »eseaüich darauf an. datz wir miteinander in würdigm Formm kämpfm (Bravo). Run steht es den Herren schlecht an zu sagm. datz «» nicht an ihnen, sondern nur an un» anderm lieg«, wenn «ine solche Einigkeit nicht zustande komme. Datz wir nicht dürfen, wa» Sie unbedmllich tum. da» sehest wir am Beispiel des Wahlprotestes. Der von unserer Sette eingebrachte war in Ihren Augm unenffchuldbar. der von Ihnen eingebracht« ist natürlich das harmloseste Ding der Welt. <k» gibt bei Ihnen (zu der Bolkspartei) nicht allem hier «in« doppelte Auffassung. Wo es Ihnen gut scheint, sind Eie reitzmd« Wöff« als Agitatoren, und wo es Jhnm angebracht scheint, sanft zu er fcheinm und andere als Stdrenftied« hinzuftellm, da hüllen sie sich in da» Fell ein«, harmlosm sympathischen Tiere», dessm Ramm ich nicht aussprechen will, um nicht neue Mitzverftändnisfe hervor» <