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Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden · 1931-06-30 · 5 (30.6.1931) · p. Seite 11

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Journal
Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden
Volume
9 (1931)
Issue
5 (30.6.1931)
Date
1931-06-30
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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grfaffuttfl der jüdischen hingen Menschen durch unsere Anschauungen gibt nn» die Gewähr dafür, das, e» auch in 1<X> Jahren ein deutsch« Juden tum -eben wird. (Händellatschm bei der Volkrpartei). «bg. Rechbanwalt Lorovitz: Wenn wir un» diesmal zur poeiten Tagnngspettod« de, Landesverbandes versammeln, so können wir leider nicht fchtftellen. das, die Popularität de« Landesverband» gewachsen ist. Der Landesverband hat es trotz seiner unleugbaren »«dienst« nicht vermocht, im Leben der jüdischen Oefsentüchkeit eine solche Bedeutung zu gewinnen, daß er anziehend auf die Massen wirken könnte: da» letzt«« wäre vielleicht nicht ohne weiter« ab Vorteil « buchen. Er hat es aber auch nicht vermocht, «ine gewisse notwendig« und erfreuliche Popularität ,u erlangen. Die Füll«, die un» bei der Eröffnung de« ersten Tagungsabschnitt, umgeben hat. und die leeren Bänke, die uns bei diesem Landesverbandrtag umgeben, zeigen, das,, so wichtig der Derbaud für die Gestaltung de« jüdischen Leben« in einzelnen ist. er doch nicht in genügendem Matze da« Interesse der Oeffmtlichkeil h«ange»ogen hat. Wir haben zwar ein Verwaltungsblatt, das über die Dinge berichtet, ab« dies« Organ findet in vielen seiner Veröffentlichungen nicht den richtigen Ton. Ebenso müssen wir feststeilen. «a» wir schon öfter festgeftellt haben, datz der Land«v«rband bei den BHörden und der autzerjüdischen Oeffentlichkeit nicht da« chm »ukommend« Interesse und auch Entgegenkommen gefunden hat. Darin sollte doch wirklich endlich ein Wandel eintreten, und jedenfalls müsste von Verband» wegen all« geschehen, um diesen Wandel herbrizuführen. Bet der Gen«aldebat1e hat man sich heute — und da» gilt insbesondere von dem Redner der lcheralen Fraktion — von Weltanschaüung»fvagen ferngehalten. In die Ausführungen de, Vertreters bei volbparteiltchen Fraktion kamen aber doch schon manche weltanschaulichen Tön«. E» kann nicht meine Aufgabe sein, im Rahmen ein« solchen Debatte, wie wir sie hier führen, da« im Einzelnen darzulegen, was für die konservative Fraktion da« Lebenselement d« Judentum» ist und bleibt. Mag auch der Begriff und die Bezeichnung „Religionsgemdnb«" m eng fein und nicht die Tätigkeit der jüdischen Gemeinde, der jüdischen Kehilloh. wie sie sich seit Jahrhunderten auch in Europa entwickelt hat, umgrenzen, so ist « doch sich« noch weniger richtig, die Tätigkeit und da, Wesen unser« jüdischen Gemeind«, so wie sie heute gegeben ist. mit dem Begttff der „Bolksgemeindck' zu bezeichnen. Auch unter „Volkrgemeinde" verstehen ja die. die diesen Begriff ob« die Entwicklung zu diesem Begttff propagieren. verschiedene»: die Einen sehen in d« Bezeichnung .BolKgu mttnde" Zur den Hinweb darauf, datz auch andere .Pflichten und Arbeitsgebiet« ab rein religiös« der jüdische.« Gemeinde zufallen müssen; die Anderen aber sehen in der Statnbrimg dieser Bezeichnung mindesten« den Au»gang»punkt für eine Betonung des nationalen Gehalb, ja fchlietzlich für ein« ausschlietzliche Betonung de» Stamm«»mätzigen und Rastemätzigm. Gerade die Religion de» Judentum» aber al» eine Religion, di« da» ganze Leben djirchdringt und die jede Lebensäutzerung dem göttlichen Gebot unterworfen wiflen will, gerade diese jüdische Gesetzesreligion, die dch, Estqekn« und die Gemeinschaft vom Morgen bb zum Abend, die den Menschen vom Lebensbeistnn bb rum Lebensende in ihrem Banne halten will, mutz den Sutzusten Wert darauf legen, datz die Gemeinden, zu denen sich Juden vereinigen, al» matzgeblichen Stempel den de» religiösen Gepräge» behalten. Hier in diese« Krttse wird recht häufig und viel von Demoftatte gesprochen, und diese Demoftatt« soll dahin führen, datz die Minderheit sich der Mehrheit unterwirft: da» geht schon im Allgemeinen in weltanschaulichen Fragen nicht an. In religiösen und Gewissen»fragen kann cs noch weniger gelten. Immer haben wir vor einer Ueberfpitzuug de, in sein politischen Fragen sicher wosenttlchen Sesichbpunkb der Mehrheitsentscheidung gewarnt. Da» Judentum war fast fteb und fast überall eine Minotttät. und unsere Propheten und Lehrer haben auch von jeher darauf hingewiesen. datz nur ein kleiner Rest dies« an sich ab Minotttät lebenden Sesamthttt da» Wesen de» Judentum» über di« Zeiten hinwegtragen wird; deshalb nannte Jesaia» seinen Sohn Scheor Ioschuw, deshalb sprechen wir mit den Propheten und mit unser« heisigen Schriften und Dichtern von dem Scheerith-Jbroel. Die Bedeutung diese» Rest» ist deshalb aber nicht geringer, die Bedeutung diese» Rest» — da» möchte ich doch gerade gegenüber dem Herrn betonen, der gemeint hat, nur die völkische Znsammensisung des Judentums kann die Zukunft verbürgen — ist nicht erst in dieser Zeit und hier bei un» von Bedeutung geworden, sondern die Bedeutung diese» Rest» hat immer bestanden und wird immer bestehen. Und wir vertreten den Standpuntt. datz diejenigen, die in der Derwtrllichung de» Gesetze» da» jüdische Leben verankert haben, da» Judentum über Jahrtausend« hinwegweggetragen haben und weitertragen werden (Bravo-Zurufe). Und jede Einsicht in die hkftottsche Entwicklung wird diejenigen lehren, di« sich davon entfemt haben — und mag auch Begeisterung in den Heizen der anderen leben —. datz da» Judentum nur duvch dje fortlebt, die sich in allen ihren Lebensäutzerungen ge- Kunden fühlen durch da» Gesetz und damit da» Judentum über die Einzelperson und das Einzelschickfal der Zukunft entgegenführen. So spricht auch der Prophet: „Ein Rest kehrt um, Jakob» Rest zum heldischen Gott, ob auch Dttne» Volkes Israel wie der Sand am Meeve,wäre — ein Rest nur von ihm kehrt um." Wir verkennen nicht di« Bedeutung der, anderen Komponenten, aber die Grundlage, dieser zurückkehrende Rest zu dem heldischen Gott, da» waven die gesetze«treuen Juden, die unter den schwersten verhältnisten da» Joch de» Gesetze» lieber auf sich genommen haben al» da» Joch der weltlichen Herrschaft, die in der Erfülbmg und Erhaltung de» Gesetze» die Erhaltung de, Judentum» verbürgt gesehen haben. Meine Damen und Herren! Wenn ich nun auf einige allgemeine Gesichtspunkte zu dem Etat znrückkomm«. so glanbe ich, datz e» notwendig ist. datz »iv dem Rat für seine Arbeit danken.' Ich schlietze mich aber auch dem spezbllen Dank an. der Herrn De, Freund abgestattet worden ist. Ich selbst »ritz, mit welcher Dreud und Sachkenntnb er darauf geachtet hat. btt den ans Fernstehend« den verband beliebt zu machest, ttne Einführung in bi« Berband,- arbeit auch dei ihnen vorznnehmen und damit Unendliche» für di« Zusammenfassung de» preutzischen Judentum» zu tun. Und nicht nur in dieser, auch in vielen anderen Beziehungen hat Herr D». Freund antzerordentliche Verdienst«. Wir verkennen alle nicht, datz. wo vitt Licht, auch vbl Schatten ist und die Ardttbatt de» Herrn Dr. Freund dem eben oder anderen vielleicht nnbeqnem sein kann. Aber man datt di« autzerordentkiche Verdienst« diese» Manne», der den Verband in den Sattel gehoben hat, nicht unter den Scheffel ftelbn. (Bravo!). Meine Damen und Herren! Wichtig erscheint un» die Sihaf» sung recht vieler Bezirbrabbmate. Wa» auf diesem Gebiet getan ist, schttnt uns nicht genügend zu sein. G» ist Klage darüber geführt worden, datz liberale Gemttnden keinen liberalen Bezirbrabbiner bekommen. Wer sind denn die schlimmen Leute, db den Gemeinden, die mit solcher Sehnsucht danach streben dies« liberalen Bezttk»- rabbinate nicht gönnen? Ich halte «« für unmöglich, datz. wenn, bi« Gemeinde Raftenburg «inen iiberabn Rabbiner will, man chr einen otthodoren aufoftroyiett. Wenn aber «in« Nein« Zahl von" Gemeinden oder ttne Zahl von klemm Gemeindm «inm orthodödm oder konservativen Rabbiner vorzieht. so glanbe ich wirklich nicht, datz der Berband es zu einem Gewissenszwang kommen kasim darf, datz er sagt: „Ja, well wir jetzt anderm Gemeindm konservative Rabbiner bewilligt haben, wirb der nächftm «in liberaler »ugewiesm. Diese, Albrnieren kann doch gegenüber einem gefnnden Lebm der Gemeindm gamicht in Frage kommm. Auch db Schaffung einer gröberen Zahl von «ezirblehrerfchasten und BezirbschSÄaschaften schttnt un» nöttg. Gerade wo hente in zahlreichen Semttndm da, Schächten durch di« Lehrer nicht nwhr gt» handhabt wird, ist es nmso notwendiger, datz man zuverlässige B«. »irbschächter ttnsetzt und damit einm gröberen Krtt» von Landgemttnden versorgt. Ich möchte nur bittm. datz man «inm ab Schächter anjnftellmdm Bezirbschächter nnn nicht auch nach positischen Gesichbvunftm auswählt. Da kann natürlich nur ttne Persönlichkttt tn Betracht kommest, db «irllich in der Tradition »gr> wurzelt stt. und deshalb bitte ich darauf zu a^en. datz die Schächter allen rttigibfm Erfordemiffm gmügen. Meine Damen und Lerrm! Ein« grotz« Sorg« war « für mich immer, darauf zu achten, datz die Selbständigkeit der Gemeindm und Institutionen nicht unter dem Land«»v«banch bidtt. In der Auffassung fit feftgttegt. datz dbfe Selbftändigkttt b kttnem Punkt dnrchbrochm «erden darf. Ab Sb da» letzte Mal dl« Rttokntion fatztm: „Keilte Gemeind« kann nnu «gehören, db «uh de« -alberftädbr Berband angchört". habe ich darauf hingewiesen, datz dp» ersten» politisch fastch ist und zwtttm» d« Berfassnng widerspricht. Ich wiederhob: Wir Urnen diesen Gemeindm Znschüsie versagen oder jb gegmttnnnder adstimnun. wir könum aber keiner Gemeind« verbieten, zwtt Verbänden anzugehörm, wenn

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