Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden
- Journal
- Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden
- Volume
- 8 (1930)
- Issue
- 3 (1.7.1930)
- Date
- 1930-07-01
- Page
- Seite 52 (sequence 52)
- Language
- German
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r - 62 - dort im Amt befindlich«« Schächter nuszubilden. Ich bin infolgedessen ersucht worden, hier im Landesverband zu beantragen, nachdem zurzeit keine Anstalt, die ja viel mchr Lasten auf den Landesverband legen würde, besteht — im letzten Etatsjahr waren «S auch Z.B. noch 10000 bis 16000 RM. —, den Betrag von mindestens 3000 RM. flüssig zu machen, um die Ausbildung von Schächterschülern zu sichern. Ich glaub«, daß dieser Punkt, der einmal die Erfordernisse der ganzen Iudenheit betrifft, auch von anderen Fraktionen berücksichtigt werden wird. Präsident «Stern: Dem hat der Haushaltsausschuß schon vorher entsprochen, denn er hat beschlossen, die Ziffer 4 soll lauten: .Heranbildung von Hilfskantoren und Schächtern." Ls ist also dieser Titel erweitert worden. — Wer für den Titel 4 in dieser Gissung ist, den bitte ich, die Hand zu erheben. — Lr ist angenommen. Hierzu gehört noch der Antrag lll der Mittelpartei, über di« sogenannten Kultusbeamten: „Wir beantragen, der Derbandstag wolle beschließen, den Rat zu ersuchen, nachdem di« Schächterschule des Landesverbandes aufgelöst worden und nicht zu erwarten ist, daß Bolksschullehrer mit akademischer Vorbildung in genügender Anzahl vorhanden sein werden, um den Bedürfnissen der kleinen Gemeinden gerecht zu werden, unverzüglich Maßnahmen zu ergreifen, damit in anderer Weise die Versorgung der kleinen Gemeinden mit geeigneten Kultusbeamten fichergestelll wird. Ich bitte Sie, dies auch dem Rat zur weiteren Veranlassung zu überweisen. — Ich stelle Ihr Einverständnis - damst fest. — Tit. 6, Für die Wissenschaft des Judentums, Ziff. 1 bis 4 ist unverändert geblieben. — Ich höre keinen Widerspruch, sie sind angenommen. Ziff. 5, Verband der Vereine für jüdisch« Geschichte und Literatur, soll auf 1000 RM. ermäßigt werden. — Kein Widerspruch, das ist beschlossen. Ziff. 6, Bechilf« für wissenschaftlich« Arbeiten, insbesondere solch«, die für di« Praxis der Gemeinden von Bedeutung sind. Dabei soll angefügt werden: „und für statistisch« Zwecke". Dazu liegt «in Antrag Falkenberg und Genossen vor: „Die unter Tit. 6 eingesetzten 5000 RMfür die Drucklegung der von der Akademie für die Wissenschaft des Judentums vorbereiteten Statistik der Juden in Deutschland zu einem erheblichen Teil zu verwenden." Abg. Sem.-Oberlehrer Falkenberg: Zu diesem Punkt ein paar Worte, di« wahrscheinlich allen aus dem Herzen kommen. Ich brauch« über dj« Akademie der Wissenschaft nichts mchr zu sagen. Sie ist gegenwärtig im Begriff, «in wissenschaftliches Werk über Statistik zu veröffentlichen. Es ist schon im Druck. Ich möchte daher bitten, das Geld, das bisher für ein noch nicht existierendes Werk ausgesetzt ist, zunächst für den Zweck zu bestimmen, der jetzt ganz besonders dringend ist. Ich bitte Sie, den Antrag, den ich im Verein mit meinen Freunden «ingchracht habe, anzünchmen. Präsident Stern: Es ist beantragt, diesen Antrag dem Rat als Material zu überweisen zur Berücksichtigung. Ratsmitgl. Dir. Kareski: Da muß ich doch widersprechen. Wenn Sie Berücksichtigung verlangen, dann ist das so gut, als wenn wir verpflichtet sind, uns danach zu richten. (Falkenberg: Nein, gebeten!) Nein, so kann man das nicht auslegen. Ich halte es für Untragbar, daß hier «ine Debatte über ein« einzelne Druckschrift geführt wird. Ich weiß nicht, wozu wir den Haushallsausschuß brauchen, wenn wir uns hier noch über solch« Details unterhalten wollen. Präsident Stern: Ich bin auch der Ansicht, überweisen Sie den Antrag dem Rat als Material, das genügt doch vollständig. — Ich bitte diejenigen, die für die Ueberweisung als Material sind, di« Hand zu erheben. — Das ist di« überwiegend« Mehcheit. Ziff- 7, Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland, 2500 RM. — Wer dafür ist, den bitte ich, die Hand zu erheben. — Das ist die große Mehrheit, der Antrag ist angenommen. Tit. 7, Gemeinnützige Anstallen und Einrichtungen. Nach dem Beschluß des Haushaltsausschusses sollen die Ziff. 1 bis 4 unverändert bleiben, und es soll unter Ziffer 5 «in neuer Posten „Arbetterkulturverein« 2000 RM." «ingefügt werden. — Ich nehme an, daß Sie hiermtt ohne welleres einverstanden sein werden. — Ich stell« das fest. Dann folgt der Antrag der Konservativen Partei, der wüncht, der ausgeworfen« Betrag im Tit. 7 Ziff. 2 „Mensae academicae" möge an den Verein zur Förderung ritueller Speisehäuser in Hamburg ganz oder im wesenttichen zur Dertellung abgeführt werden. Dieser Anttag ist vom Ausschuß abgelchnt worden. Abg. Berger: Wir haben diesen Antrag im HaushaltSausschuß reiflich beraten. Es liegen gewichttg« Gründe vor, di« ich der Zell wegen nicht all« Vorbringen will, ihn abzulehnen. Ich bitte Sie, so zu beschließen. Abg. Löwenthal: Ich möchte Sie auf folgendes Hinweisen. Der Verein zur Förderung ritueller Speischäuser hat berettS fest Jahren akademische Mensen gegründet und erhalte» und auch hinsichtlich chrer Zuverlässigkett beaufsichtigt. Es ist einfach «in Unding, wenn der Landesverband als solcher nochmals di« gleichen Institute gründet und die Beträge, di« der Hamburger Verband für diesen Zweck dringlich braucht, nun für gleiche Zwecke derwendet, und dadurch beiden Gründungen, di« dieselbe Tendenz haben, chr« Existenz zu behaupten, die« erschwert. ES ist doch ein klare« kaufmännisches Exempel, daß man derartige Dinge nicht zweimal zu gründen braucht. Welch« Absicht auf der linken Seit« des Hauses dafür vorhanden sein mag, ist mir unverständllch. Wir haben ein« solch« Zersplttterung unserer Organisationen, daß wir wahrlich die wenigen Verein«, di« in dieser vorbildlichen Weise arbetten, wie der Hamburger Speisehäuserverein, fördern unb unterstützen müssen. Der Verein ist auch auf die Betträg« dringlich angewiesen. Di« Mensen, die der Landesverband gegründet hat, oder wenigstens drei von diesen, hätten ihr« Tätigkett «instellen müssen, wenn der Hamburger Verein nicht Gelder dazu gegeben hätte. Also, entweder das «ine oder das ander«. Ich bitte Sie auS rein nüchternen prakttschen Erwägungen heraus, diese 2500 RM. wie in früheren Jahren dem Hamburger Verein zu überweisen. Ratsmitgl. Dir. Kareski: Ich glaube, daß di« Darstellung, di« der Herr Vorredner hier gegeben hat, durch keinerlei Sachkenntnis getrübt ist, denn es kann in keiner Weift davon di« Red« sein, daß der Landesverband irgendwo Menftn errichtet hätte. Ls handelt sich hier lediglich um die Frage, ob der Landesverband dem Hamburger Verein gewissermaßen das Monopolrecht zur Errichtung von Mensen «inräumen soll, oder ob der Landesverband die Verpflichtung hat, Mensen, die von anderen Stellen gegründet werden, von Gemeinden, von Logen und dergleichen, auch «in« angemesftn« Unterstützung zuteilwerden zu lassen. (Sehr richttg!) Was hier gewünscht wird, bedeutet, daß wir alle dies« Menftn mit unftrem geldlichen Einfluß zwangsweise unter die Knut« d«S Hamburger Vereins bringen. (Löwenthal: Knute?!) Ich habe diesen Ausdruck mit vollem Bewußtsein gewähll. (Löwenthal: Um so schlimmer!) Nein. Sie haben insofern Glück, als es mir di« vorgerückte Zeit verbietet, einmal «ine Abrechnung mit dem Hamburger Verein hier vorzunehmen. Aber wir haben das ja gar nicht zu Anttägen verdichtet. Unter allen Umständen müssen wir jedoch verhindern, daß wir nun zwangsweise etwa all« solche Gründungen lediglich dem Hainburger Verein ausliefern, denn ich glaub« nicht, daß wir damit der Sache dienen würden. Ein Abgeordneter: Meine Damen und Herren! Ich möchte chenfalls für di« bisherige Gepflogenhett sprechen, das heißt, an di« Mensa« academicae ftlbst di« Summe auSzuzahlen, und zwar aus folgenden wichtigen Gründen. Der Hamburger Verein hat z. B. im Westen für unftre Menftn in Köln und Bonn nicht «inen Pfennig hergegeben. Lediglich die Gemeinden, oder besser, die Logen haben diese Institute erhallen. Also aus Gründen der Gerechtigkeit ist es notwendig, diese Menftn selbst zu bedenken und nicht das Geld an «in bestimmtes Instttut abzuführen. Präsident Sterne Wer ist für den Antrag derKonftrvativen? — Wer ist dagegen? — Der Antrag ist abgelchnt. — Also, damit ist der Titel genehmigt. Tit. 8, Erhaltung von Kunstdenkmälern — kein Widerspruch. Kap. II, Wohlfahrtspflege, wird echöht auf 140000 RM. nach dem bekannten Schema: je 10000 RM. für Errichtung von Krankenanstalten für tuberkulöft Männer und für Wanderbeihilfe. Abg. Berger: Zum Gesamtetattitel Wohlfahrtspflege möchte ich prinzipiell etwas sagen. Wtt sind gezwungen, zu diesem Punkt Ihre Aufmerksamkeit auf einig« Ding« zu lenken, die insbesondere mtt der Arbeit des Wohlfahrtsausschusses zu tun haben. Sie haben leider heut« den Anttag, den wtt gestellt hatten, den Wohlfahrtsausschuß zu vergrößern, abgelchnt. — Wie ich behaupten kann, ans wirklicher Unkenntnis der Derhältnisft. Sie haben gestern zwar zugestimmt, als Frau WronSky in fchr klaren, und wie ich glaich«, Sie alle überzeugenden Worten verlangt hat, daß der WohlfahrtSauSschuß prinzipielle Arbeit leisten solle. Dazu gchört z. B„ daß er sich nicht damtt begnügt, Geld auSzuzahlen, sondern Einfluß nimmt auf die Verwaltung, di« Art der Anstatten und Institute, denen er Geld gibt. Denn nur um «in Instttut zu haben, daS Geld ausschüttet, brauchen »Kr den Wohlfahrtsausschuß wirklich nicht. — Nun ist bi« Personenzahl, dft Sie heut« beschlossen haben, so klein, daß «S in Zukunft gewiß nicht möglich fein wttd, allen Anforderungen gerecht zu werden, nachdem der Ausschuß immerhin im vergangenen Jahr« 180000 RM verteitt hat, und im Laufe der Jahr« etwa 1000000 RM