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Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden · 1930-07-01 · 3 (1.7.1930) · p. Seite 29

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Journal
Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden
Volume
8 (1930)
Issue
3 (1.7.1930)
Date
1930-07-01
Page
Seite 29 (sequence 29)
Language
German
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- 29 — Lüg«» straft. (Sehr richtig und Widerspruch.) Ich bin fest davon Lb«r«ugt. daß Sie durchaus überetnstimmen mtt dem, waS unsere verehrt«' Frau Siddh WronSkh gesagt hat, daß «r gilt, di« Essenz de- Judentums zu erhalten, und Sie arbeiten ja zur Erhaltung der Essenz des Judentums. (Zuruf: Der Religion!) Sie leisten Arbeit am jüdischen Volk, an dem Träger de- Menoralichtes. (Sehr richtig! und Widerspruch.) (Präsident: Ich bitte das Haus, sich über die Tätigkeit von Frau Ollendorff hier njcht durch Zwischenrufe aufzuregeu!) Meine Damen und Herren I Sie operieren so viel mit dem AuSlnmck jüdisch« Religion. Sie können sich denken, daß ich als Rabbiner doch auch einigermaßen in jüdischer Religion Bescheid wissen muß. Sie können sich auch denken, daß ich di« fünf Bücher Mosis durchaus studiert habe mit heißem Bemühen, und ich kann Ihnen verraten» daß ich in den fünf Büchern Mösts nicht «in einziges Mal den Ausdruck jüdisch« „Religion" vorgefunden habe. Wohl aber habe ich in der Thora vorgefunden, daß Gott dem jüdischen Doll« Recht« und Lehren gegeben hat, durch welch« «S leben soll, und ich habe ferner in der Thora vorgefunden, daß recht oft die Red« ist von dem Land« Kanaan, welches Gott den Nachkommen Abrahams für all« Zeiten versprochen hat. (Schr gut!) Ich aröcht« feststellen, daß es Aussprüche jüdischer Religion, wie St« da» nennen, in der Thora gibt, denen auch Sie sich gewiß nicht entziehen werden. E» heißt z. B. „Du sollst nicht stehen bleiben, wenn das Blut Deine» Nächsten fließt." And wenn wir schon beim Blut des einzelnen Mitmenschen nicht stehenbleiben dürfen, wie dürsten wir dann Halt machen, wenn'da» ganz« Judentum, wenn der Träger des Judentums in Gefahr steht, zu verbluten, wie müßten wir nicht alle» daransetzen, daS Leben des jüdischen Dolles zu erhallen! ES steht in der Thora: „Du sollst Dich Deinem Fleische nicht entziehen." ES steht nicht, mein« Damen und Herren, Du sollst Dich Deinen Glaubensgenossen nicht «ntzichen, sondern: Du sollst Dich Deinem Fleisch« nicht «ntzichen! And wenn Sie rufen: Der Ewig« ist einzig! dann vergessen Sie nicht, daß noch zwei Wort« davorstehen, nämlich: „Schma Iifroel!" Der Bestand Israels ist die DorauSfetzung, daß dieser Ruf: „Der Ewige ist einzig" erschallen soll. Und «S ist «benso religiös, wenn Sie diese» Hauptsatz des Judentum» dann umstellen und sagen: »Höre unS, Gott, Israel, Dein Doll ist «in einiges, einziges Doll." Und es stcht in der Thora: „Line Satzung und «in Recht sei Euch und dem Frenrdling, der in Euren Toren weilt." Als konservativer Rabbiner erheb« ich Lin» spruch gegen jede Einschränkung des Rechtes der sogenannten Ostjuden, und es wäre mein Herzenswunsch (Zuruf: Unterrichts« usschuß!), baß mein« Kollegen vielleicht mtt etwas größerer Kraft gelegentlich den Gemeindegewaltigen zeigen, waS jüdisch« Ethik, was jüdisches Fremdenrecht bedeutet. Nun hat der verehrt« Iustizrat Brovnitz gestern auf «inen Zwischenruf, den ich mir zu machen erlaubte, liebenswürdigerweise geäußert, er wäre gern bereit, sich belehren zu lassen. Dies Wort ehrt Herrn Iustizrat Brodnttz. (Heiterkeit.) Es wäre Unbescheidenheit, wenn ich als jüngerer Mann den sehr verdienten Herr» Iustizrat belehren sollte. Aber einige Worte der Aufklärung sind doch vielleicht am Platz«. Ich gla»»b«, verehrter Herr Iustizrat, Sie sind nicht richtig informiert, wenn Sie gestern geglaubt haben, vom Standpunkt d«S religiösen Judentums gegen da» lebendig« Hebräisch, daS moderne hebräisch polemisieren zu müssen. DaS Hebräisch ist ja immer lebendig gewesen, auch als profane Sprach«! MoseS hat nicht nur di« Thora und die wichtigsten Gesetze d«S Judentums ntedergelegt. Wenn er fich mtt seiner Frau über profane Ding« unterhiett, hat er eben» falls hebräisch gesprochen. Die hebräische Sprach« ist immer «ine lebendig« Sprach« und «in« Sprach« des DolleS gewesen, und sie hat dadurch an Heiligkeit nicht «ingebüßt. Sie dürfen, verehrter H«r Iustizrat, der Aeberzeugung sein, daß wtt, die wir modern« hebräisch« Kultur betreiben, das nicht tun auS politischen Gründen und nicht auS nationalistischen Gründen. Ich bitte Sie, mein« Damen und Herren, wohl zu unterscheiden zwischen national uitb nationalistisch! —, sondern ich kann Ihnen versichern, daß di« Träger her hebräischen Kulturbewegung auch Träger sind unter messianische» Aspekten, das heißt, daß sie auch di« hebräisch« Kultur «tnordnen wollen als wichttge« Baustein in da» Kulturgebäude der ganzen Menschheit. (Sehr richtig!) Wtt hoffen, durch unser« Tätigkeit wirklich dtt messianische Zell heranzunähern. Ich bin vielleicht noch in anderer Beziehung nicht derselben Ansicht, wie Sie, «eine Damen und Herr«», waS jüdisch« Religion bedeutet. Mein Fraktionssteund Alfred Berger z. B. betrachtet sich selbst vielleicht al» nicht religiösen Menschen. Ach kann Ihnen sagen, ich hatte Herrn Berger für «inen durchaus religiösen Menschen. (Sehr wahr!) Ein Man»», der mtt solcher Leidenschaft und mtt solcher inneren Anteilnahme für dtt soziatt Gerochtigkett kämpft und gegen die Unterdrückung seine» Dolle», der ist, wen» auch nicht in vollem Komplex^ so doch sicherlich «in religiöser Manu. (Sehr ... .. .... . richtig! Bravo!) Ich wünscht«, daß vttl«, di« Herrn Berg« vielleicht bekämpfen, von sein« Religiosttät etwas mehr in sich tragen möchten. Ich bst» sogar der A«b«zeugung, daß ein Mann wtt Dr. Oskar Lohn, pon dem mich mehr noch wie von Herrn B«g« vielleicht Abgründ« der Weltanschauung trennen, durchaus weiß, daß wtt nicht ein Doll sind wie andere Böller, sondern «in Doll sui generis. (Sehr wahr!) Run, mein« Damen und H«r«n, ich komm« jetzt schon zum Besonderen! Weil wir «in« Weltanschauung zu vertreten haben, haben wir auch da» Recht auf den Lrzichungsausschuß. „Warum suchf ich den Weg so sehnsuchtsvoll, wenn ich den Brüdern und den Heranwachsenden chn nicht zeigen sollt" Mein« Damen und Herren! Wtt «ziehen uns ja all« httr.^wir leisten gegenseittg Erziehungsarbeit. Wir haben viel Anregung von Ihnen empfangen, wtt haben Anregung von den Konservativen empfangen, von allen Parteien d«S Hauses, und Sie Laben auch von un» gettrnt, Sie haben von un» viel Schönes und Gute» gelernt. Ich darf es hier aussprechen: In unserem Lrzi«hungsauSsch»»b würden die religiösen Gegensätze „rechts" m»d „links" nicht die gefährlich« Spannung haben wie anderswo. Wir ttagen dazu bei, daß di« religiLsen Gegensätze „recht»" und „links" sich einander annähern auf der Grundlage des Dollsgedankens, d« ja auch Ihnen, ob Sie daS wollen od« nicht, ob Sie es aussprechen Joder nicht, im Blut« lttgt. Wtt haben aber auch — nun komme ich zum Allerspeziellsten — da» Recht auf den Ausschuß ttaft unserer Leistungen. Ich möchte Ihne» das an einigen Beispielen belegen. Di« jüdische Schul« und di« Forderung der jüdischen Schule ist bis in di« Kreise d« lib«alen Vereine gedrungen, nicht nur a»»s „Sinach Haman", nicht nur aus Angst vor dem Antisemitismus, sondern auch aus „Aharoath ~ Mordechai", auS Lieb« zur Sach« selbst. Denn es sind doch auch viett liberal« Herren, di« es schätzen, daß unser« jüdischen Kind« an» SchabboS und Feiertagen vom Schulunterricht bestell find, — und daß st« Gelegenheit haben, dies« jüdischen Feiertag« als solch« zu «leben, was nur an jüdisch«» Schulen der Fall sein kann. Und da von uns diestr Gedanke der jüdischen Schule in das jüdisch« Doll gegangen ist, müßt« ich eS als «ine gewifle Undankbarkeit ansehen, wollten Sie uns das Recht auf den eigenen Anterrichtsausschuß streitig machen. Ich werde noch an «in and«es Beispiel erinnern: di« Berlitz- Method« des hebräischen Unterrichts. Sie haben, mein« Damen und Herren von der Liberalen Fraktion, hi« «inen liberalen Religionsschuldezernenten, der dtt Methode Iwrtth be-Iwrtth, 'dtt aus dem jüdischen Dollsleben therausgegangen ist, bewußt in den Unterricht «ingeführt hat. Mein« Herren, Sie haben «inen Lehrer Abraham, der ist nicht nur in Palästina gewesen, was chm, nebenbei gesagt, nicht» geschadet hat, sondern « hat auch «in« hebräisch« Lehrfibel geschaffen, in welcher nicht nur religiöse, sondern auch profan« Lesestück« stehen und in welch« die Kind« angewiesen w«d«n, auf hebräisch« Fragen de» Lehrer» hebräisch zu antworten. Das ist di« Mechod« des ttbendigen hebräische» Unterrichts. Natürlich will niemand damit dtt Kind« zu Hebraisten machen; ab« Sie sehen doch, wie werwoll di« Anregungen sind, di« wtt Ihpen gegeben haben, und es wäre sehr undankbar, wenn Sie un» den Unterrichtsausschuß verweigern würden. (Präsident: Di« Redezeit ist abgelaufen.) Ich muß mich fügen, obwohl ich noch manches zu sage» hätte. Glauben Sie mtt» ich Hab« «» mtt reiflich überlegt, ob ich das Recht Hab«, als konservativ« Rabbin« den Antrag d« Pollspartet auf Zulassung des eigenen Unterrichtsausschusses hier zu befürworten, und ich bin zu dem Schluß gekommen, daß ich nicht nur das Recht, sondern daß ich die Pflicht dazu Hab«. Ich rekapitulttr« dahin: wir wollen durch unseren Unterrichtsausschuß verhüten, daß das Judentum konfessionell in zwei getrennt« Abteilungen auseinanderfällt. Wtt werben in unstrem eigenen Untm^ichtsausschuß «in Bindeglied sein zwischen Rechts und Links, wtt werden aber dadurch auch «in Bindeglied sein zwischen dem konservativen und dem liberattn Unterrichtsaus schuß. Wtt wollen dem Frieden dienen. Wtt wollen d« Einheit des Judentum» dtt neu, wtt wollen loyal mit Ihnen Zusammenarbeiten. Meine Dam«« und Herren, seien aber auch Sie loyal, seien Stt nicht «ncherzig. Sie werden, sowohl'als Liberatt wtt al» Konservativ« Nutzen davon habe». Geben Sie uns fast Play, und Sie werden dadurch «in religiöse» Werk tun. (Lebh. Beifall.) - Es wird beschlossen, dtt Redezett für die erst« Rednergarnitur auf je'2y Minuttn festzusetzen; nachh« soll die Redezett wttd« st 10 Minuten betragen. Abg. R.-A- Dr. Baerwald: Mein« Damen und Herren! Wtt habe» zunächst von den Verfassungsänderungen zu spreche». Mein« Fr««»-« und ich find seit Iyhren darauf hinaus, dtt Berfa ffung, wtt stt hi« unserer Beratung zugrunde liegt, zu ändern, well wtt

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