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Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden · 1930-07-01 · 3 (1.7.1930) · p. Seite 23

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Journal
Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden
Volume
8 (1930)
Issue
3 (1.7.1930)
Date
1930-07-01
Page
Seite 23 (sequence 23)
Language
German
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zetter Mann tok Herr -fett, nicht nur «ln« Misch« Religion-- gemeind«, sonder» «in« jüdisch« DolkSqemeind« haben will. (LÄ»h. ZustimmNng link»; Unterbrechungen bet den Liberalen.) Die jüdische Gemeind« ist zu allen Zetten, wo immer sie noch wirklich jüdisch war, «in« Total», «in« Universalgemeinde ««‘r«,«n, die sich um all« jüdischen und menschlichen Angelegenheiten ihrer Mitglieder — und die umfaßte all« Juden ihrer Stadt — sorgte. LS fiel ihr nicht «in, sich an den engen Rahmen der hier in Deutschland gewohnten ReligionSgemetnd« zu binden. Wie denn überhaupt die Begriff« religio und confeffio für unS nicht zutreffen. Religio heißt „Bindung", Judentum aber heißt, da- Bestreben haben, dem Geist« unserer Lehr« gemäß zu leben und zu wirken; und da» ist weit mehr alS man unter dem konfeffionellen Begriff versteht, well «- tief hineiugreist in da» Privatleben und wett «S den Menschen nicht nur am Sonntag ober Sabbath in der Kirche oder der Synagoge erfaßt. (Lebh. Zustimmung.) Herr Fett ist nur «ingetteten für den Begriff der Kehilla der Zeit, wo man noch dies« Kehilla al» Gesamt» gemeind« betrachtete. Er wandt« sich nur gegen «inen von Ihnen, den Liberalen, in Deutschland geschaffenen engeren Begriff der jüdischen Gemeind«; weil Sie hier in Deutschland da» Judentum * au» dem Leben heran» in dje S.hnagogen verbannt haben, in die Sie selbst nicht einmal mehr hineinqeheN, sondern «» den anderen Lberlasfen, dort zu beten. (Lebh. Zustimmung link»; andauernde Unterbrechung bei den Liberalen.) Herr Fett setzt« Ihrem jüdischen Minimal-Programm «in Maximal-Programm entgegen. In diesem Sinne haben wir auch den Ausbau de» jüdischen Schulwesen» gefordert. Ich freu« mich, wenn Herr Iustizrat Brodnitz immerhin noch will, daß unser« Kinder die Heilig« Schrift lesen können. Aber wir derlangen im Unterricht auch da» geistig« Eindringen in den gesamten jüdischen tradttionellen Wissen-komplex, und der umfaßt über di« Heilig« Schrift hinau» auch dt« mündlich« Lehr«. Wir wett»« für unser« Forderungen kämpfen, zur Rot auch gegen Sie, im Interesse Ihrer eigenen» der Liberalen, Kinder. (Beifall link».) Dem persönlich sehr verehrten Herrn Iustizrat Brodnitz gegenüber möchte ich noch bemerken: Er hat gesagt, daß er gegen «in« absolut« Gleichmacherei ist. Ueberall im Saal ist da» aufgefaßt worden al» ein Verstoß gegen di« Glelchberechttgung de» Ost» judentum». (Lebh. Zustimmung link»; Widerspruch bei den Liberalen.) Soweit mir bekannt ist, ist im Zivilleben Herr Brodnitz Demokrat. Er mag diese von ihm geäußerte »»demokratisch« Auf. fassung mit seinem deutschen demokratischen politischen Gewissen abmachen. (Zustimmung link».) Wir wissen zur Genüg«, wieviel gerade di« Ostjuden auch für da» deutsch« Wesen bedeuten, daß z.B. S. Fischer, unwidersprochen ein «tngewanderter Oftjude, dem deutschen Voll feine besten Schriftsteller nahegebracht hat. And wer in einem deutschen Theater deutsch« Kultur in sich aufnehmen will, der bekommt oft genug diese Kultur interpretiert durch Max Reinhardt, Frau Bergner und Herrn Kortner. Dies« Ostjuden und viele ander« haben bewiesen, daß sie de» Eindringen» in di« deutsch« Kultur ttr hohem Grade fähig sind. Aber in einer jüdischen Gemeind«, wie Hannover oder in Sachsen unter der Herrschaft de» Herrn Mecklenburg könnten Sie vielleicht nicht am Mischen Leben teilnehmen. (Lebh. Zustimmung link».) Die Gemeind« würde chnen nicht da» Wahlrecht geben. Aber «» gibt ja auch zwingend« Bestimmungen im Mischen Recht. E» gibt di« uralte und bindend« halachifch« Bestimmung, daß jeder Jude, der in «in« fremd« Stadt kommt, «o ipso zur Gemeind« gehört. Und wen« er innerhalb dreier Monat« zu erkennen gegeben hat, daß er in der Stadt bleiben will, so muß er all« Recht« «ine» Gemeindemitglied«» bekommen. (Beifall link».) Die Jüdisch« Dolkspartei wM dies« Forderung der tzalacha auch im deutschen Gemeindeleben zur Wahrheit machen. (Lebhafter Beifall link» und auf den Tribünen.) Präsident Stern: Di« Tribünen dürfen sich nicht an Beifallskundgebungen beteiligen. — E» ist «in Anttag auf Schluß der Debatte «ingegangen. ' Nachdem Abg. Breslauer den Schlußantrag begründet hat, wirb gegen di« Link« der Schluß der Debatte beschlossen. — Ja persönlicher Bemerkung erklärt Abg.Fra« Wron-ky: Mein« Damen und Herren! E» ist mir mitgeteitt worden, daß während meiner Abwesenheit au» dem Gaal Herr Rabbiner Dr. Freund meinen Ausführungen «in« Auslegung gegeben hat, von der ich glaub«, daß fi« nach meiner präzisierten Darstellung nicht hätte gegeben werden dürfe«. Wenn ich von den Forme» gesprochen habe, so habe ich ausdrücklich erwähnt di« Forme» der deutschen RechtS-Sesetzgebung und die Formen der Gemeindeverwaltung; darunter verstch« ich di« BerwaltungSformen und ferner die Formen diese» Parlament»., Bon religiösen Formen habe ich nicht gesprochen und würde da» von mir au» auch ablehnen, wett ich glaub«, dich «in« Aussprache über religiös« Formen nicht vor dies«» öffeumch« Gremium gehört. (Zustimnnrug Ruf».) Wenn gesagt wurde, ich hätte uicht auf den geistigen Gehatt Rücksicht genommen, so hat auch da» in meinem Programm gestanden. Ich bin bet der kurzen Rebezett aber leider nicht mehr dazu gekommeu.- E» lag mir daran, diese Ding« richtigzustellrn, damit nicht von seiten der Konservativen Partei meinen Aeußerungen Deutungen gegeben werden, di« mir fernliegen. (Beifall link»-) — In persönlicher Bemerkung erklärt Abg. Iustizrat Brodnitz: Mein« Damen und Herren! Ich habe geglaubt, mich deutlich auSqedrückt zu haben. Wenn mir aber klug« Menschen sagen, daß sie Mißverständnissen begegnen, so ist die» für mich ein Anlaß zur Selbstprüfung. Ich kenn« selbstverständlich die Beschlüsse, di« unser verehrter Herr Präsident in der Diskussionsrede zitiert«. Ich verweife darauf, daß diese Beschlüsse auch nicht von einer mechanischen Gleichmacherei ausaehen, sondern gewisse Reservate aufweisen. (Aha-Rufe link».) Mein Gedankengang ist der, daß jchem, der sich am religiösen Leben beteiligen will, die» offensteht. And ich würde «» für da» religiös« Leben begrüßen, wenn jede« Juden darin Einfluß verschafft werden kann. Dagegen Hab« ich, genau nach unserem Beschluß, erklärt, daß ich nicht unbedingt «in« mechanisch« Gleichmacherei anerkennen kann im aktiven und passiven Wahlrecht. Di« AuSMrungen de» von mir schr geschätzten Kollegen Dr. O«ar Lohn hierüber, daß e» öffentlich-rechtlich« Ding« bei unseren GemeMen nicht mehr gibt, kann ich nicht anerkennen. (Beifall bei den Liberalen.) Präsident Stern tritt mit, daß morgen um 9 Ahr der Unter» richt»- und der Hauptausschuß Sitzungen abhatten und daß da» Plenum um 10 Ahr beginnen werd«. Abg. Dr. Möller, Altona, dem da» Wort durch den Schlußantrag entzogen wurde, legt, wie der Präsident mitteilt. Wert darauf, festzustellen, daß er über den Halberstädter Bund gesprochen hätte. Dazu werd« auch morgen noch Zeit sein. Präsident Stern: ES entspricht nicht den Gepflogenhetten de» Hause», den tzauShaltS-AuSschußredner schon jetzt zu hören. Aber da e» zu spät für die Inangriffnahme einer neuen Sach« ist, können wir Herrn Dr. Tietz ja gleich hören. Morgen werden wir dann erst über di« DerfassungÄinderungen und dann über di« Wahlordnung verhandeln. Abg. Dr- Tietz: Mein« Damen und.Herren! Der HauShatt»- AuSschuß ist vorgestern wieder, wie im vorigen Jahr«, zu einer Sitzung zusammengetreten. Ich Hab« Ihnen sein« Beschluss« mitzuteilen. Ich kann Sie dabei diesmal mit allgemeinen Ausführungen verschon«, und ich glaub«, daß wir mit dem sachlichen Bericht in kürzerer Zeit fertig werden, al» «8 vorgesehen ist. Ich möchte Sie deshalb bitten, gleich den RechnungSab schluß für 1028/29 zur Hand zu nchmen, der vom HaushaltS-AuSschuß genehmigt wurde. ES ist dazu - ltt>iglich «in einziger Wunsch zum Ausdruck gekommen, daß der HauShattS-AuSschuß in Zukunft besser über di« Institutionen, di« vom Landesverband subventioniert teerben, unterrichtet wird. ES ist bemängelt worden, daß bei den Mitgliedern de» HauShaltS- AuSschuffe» kein« Klarheit besteht über die Verwendung der Mittel, di« den Anstalten und Instituten zur Verfügung gestellt werden. Der HauShaltS-AuSschuß hat von einem besonderen Antrag d«ShaG Abstand genommen, aber gebeten, daß der Rat mehr al» bisher Auskunft über dies« Ding« gibt. Wetter bitte ich Sie nun, den Voranschlag für 1930/81 zur Hand zu nehmen. Ich beginn« zunächst mit den Einnahmen. Mein« Damen und Herren! Aeber die Frage der StaatSbeihilfen und die hiermtt zusammenhängend« Erörterung über di« Auszahlung und di« Schwierigkeiten. d«S Verbandes brauch« ich wohl nicht «chr zu sprechen, da es bereit» eingehend geschehen ist. Ich darf nur darauf Hinweisen, daß auch der HauShaltS-AuSschuß sich eingehend mtt diesen Fragen beschäftigt« und zu dem Ergebnis kam, hieraus Rückschlüsse zu ziehen» di« ich Ihnen nachher noch vorttagM werde. Wir hatten den Wunsch, di« Einnahmesett« nach Möglichkeit heraufzusetzen. ES war aber nach dem Bericht de» Vertreter» de« Rate» nicht möglich, di« laufenden Beiträge mtt gleich hohen Ansätzen wie im vorigen Jahr« vorzusehen. Wir Hab« daher im Ausschuß der vorsichttgen Berechnung de» Rate», di« laufenden Beittäg« mtt 700000 RM statt mtt 750000 RM. wie im vorigen Jahr« «inzufetz«, zugestimmt und im übrige« den Doranschlag der Einnahmen mtt 1201000 RMin der vorliegend« Form gebilligt. Wa» di« Ausgaben anlangt, so handelt «S sich zunächst um Kapttel l TUel 1. Gemeinden. Der AuSschnß hat den Vor. anschtägen der Ziffern 1 und 2, Unterstützung leistungsschwacher GemeMen zur Erhaltung de» Religionsunterricht» und Aufbesserung von Lehrergehältern 253000 RM und Einrichtung von BezirkSlchrerftell« 80000 RM zugestimmt. Die Position Ziffer S, Inspektion de» Religionsunterricht», ist um 2000 «M auf 2000 RM. gekürzt worden. Wir war« nn» dabei bewußt, daß dies« Aufgabe

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