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Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden · 1930-07-01 · 3 (1.7.1930) · p. Seite 19

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Journal
Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden
Volume
8 (1930)
Issue
3 (1.7.1930)
Date
1930-07-01
Page
Seite 19 (sequence 19)
Language
German
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- IS - wir bei der Reform der FLrsorge-ErziehnngSheinr« d«S D. I. L. B. gewesen. Wenn an sich schon die preußisch« Fürsorge-ErziehungSgefetzgebnng «in Unding ist. hat sie sich für di« jüdische» «»der als besonder« unzweckmäßig ausgewirkt. Trotzdem haben wir es mit angesehen, daß in der jüdischen Fürsorge-Erziehung jahrzehntelang in großem Maß« Wisch« «nder gefährdet wurden. (Selch. Hört! Hört!) Da ist es nicht zuletzt durch unser Eingreifen gelungen, di« Einrichtung in Wolzig zu schaffen, di« «ine Musteranstalt zu werden verspricht. Positiv« Leistungen haben wir auch bei einigen besonderen Maßnahmen erreicht. Im bevölkerungspolitischen Ausschuß ist «S gelungen, das Interesse weiter «reife, besonders der Rabbiner und Lehrer, auf Dorgäng« zu lenken, di« aufzeig«», welch« unendlichen Gefahren heute für di« jüdisch« DolkSmaterie in Deutschland destehen. Wir Hab«» einmal »«sucht, Rabbin« und Lehr«, aber auch Mütter und Familienväter darauf Hinzuwelsen, wie «schreckend di« Zahl de« Geburtenrückgänge« und das Ueberhandnchmen d« Gebrechlichkeit bei d« jüdischen Bevölkerung ist; wir haben auf Wohnungsnot und ähnlich« Ding« «inural in weitem Maß« das Interesse von Kreisen gelenkt, die sonst sich nicht mit solchen Dingen beschäftigen und haben «reicht, daß man dieser Frag« Aufm«ksamkett zuwende. Wenn wir di« sozialpolitisch« Arbest, di« sich nicht nur auf di« Wohlfahrtspflege bezieht, nur in Ansätzen Misteten, und wenn unsere Forderung nach Einstellung Wisch« Sozialbeamtinnen — di« Oesterreicher nennen «S glücklich« VolkSpflegertunen — zur Erhaltung und Pfleg« uns«« Dolkskrast in den meisten Gemeinden nicht «füllt worden ist, so wissen wir, daß gefährdet tatsächlich das' lebendige Gut, di« DolkSmasf« des Judentums, ist. Und wir glauben, daß wir für die zukünftige DerbandSarbest di« Forderung aufftellen müssen, ganz and«« als biSh«, nicht nur uns« Augenmerk zu richten auf di« Entwicklung und Erhaltung d«S Menschenwerks der Formen, sondern daß wir «rkennen, daß d« Erhaltung des Volke« nur durch di« Pflege d« Dolkskrast gedient werden kann, di« LwigkeitSgut ist, daun« üb«antwortet wurde. Aach dies« Richtung hin möchte.ich die Forderung an di« zukünftigen DerbandStag« richten, daß sie in d« weitgehenden Erfüllung sozialpolitisch« Aufgaben ihr« wahr« Aufgabe «blicken, für die ihr« Wähler sie tatsächlich gewähst haben. (Lebh. Beifall.) Abg. Iustizrat Brodnitz: Mein« Damen und Herren! Ich will mich an di« Proklamation, daß wir nunmehr nicht länger als fünfzchn Minuten sprechen sollen, möglichst streng halten. Ich bemerk«, daß ich kamst keinen Vorwurf gegen die v««hrt« Frau Dorrednerin «cheben will. Denn wir all« haben ihr« sachlichen Ausführungen gern gehört. Nur kann ich nicht auf den ganzen D«lauf d« Diskussion «ingehen, sondern mich nur mtt einzelnen Dingen beschäftigen. ES ist hi« betont worden, daß wir hi« am Ende «in« langen Wahlperiode sind und voraussichtlich zum letzten Male hi« zusammen fest» werden. ES ist von dem verehrten Herrn KareSki in einem großzügigen Bortrag besonders hervorgehoben worden, wie schwer di« Beiträge für den Land«Sv«band «inzubringen sind. Ich zweifle nicht daran, da. ich di« wirtschaftlichen Verhältnisse der deutschen Juden genau zu kennen glaube, daß sehr erheblich dabei die schweren wirtschaftlichen Gorgen mitspielen, di« auf unS deutschen Juden lasten. Ab« allein gibt daS nicht di« Aufklärung. Für daS, waS nmn licht, bringt inan Opfer; und der Jude, so arm immer « war, hat für dar, waS chm heilig war, für daS, waS « hochhielt, imm« Opfer gebracht. Und es gibt unS zu denken, daß diese Opferfähigkett und Opferfreudigkeit im Hinblick auf den Landesverband nicht vorhanden ist. Und, mein« Damen und Herren, wenn wir hi« mal eia« Abrechnung — ich sage in «st« Linie mtt unS selbst — hasten, ft» feien wir unS darüb« klar, daß wir überwiegend hi« nicht die Arbest vollbracht Habei», di« wir vom La.nd«Sv«band «» wartet haben. Ich verweis« auf die Ausführungen von Frau WronSkh, di« sich ganz sachlich bewegten und vstal« Fragen auS dem jüdischen Leben berührten. Wir werden dabei kaum Meinungsverfchtedenhesten haben, denn wir find zu gemeinsamer Artzest gern berest. Di« Arbest, daS müssen wir all« am Schluss« dies« Wahlperiode bekennen, di« eigentlich« tatsächlich« Arbest hat nicht in dem Dord«grund d« Erörterungen in diesem Haus« gestanden. (Gehr richtig.) Und ich begrüß« «» dankbar und al« «st» gute« Zeichen, daß diese Stimmung d«S In-ftch-selbst-GehenS bei un« allen vorhanden ist, daß dt« heutig« Verhandlung offenbar getragen wurde von dem GtrÄe» nach gemeinsam« Arbeit uut« Beiseitelassung der unglücklichen ideologischen Erörterungen, di« in ihr« Häufung uns« jüdischer Lebe» in Deutschland zu vernicht«« drohe». Ich verlang« nicht, baß jemand sein« eigen« Meinung, fein« Weltanschauung, nicht bekennt^ Im Gegenteil, ich bin «in Feind alle« Derwischen». Di» w«G«lft>auliM»n^isi»flitzt können' an sich im Interesse d«S richtig 'hsMWWWWMB stichthark und scharf genug ««risse» und gekennzeichnet werde«. Ab« «S ist nicht nötig, bei jeder Verbeugung, die jemand im öffentlichen Leben u»acht. sein weltanschauliche« Bekenntnis abzulegen. (Zustimmung.) Wenn wir die Gelegenhetten hüben und drüben prüfen, wo «ine Notwendigkest zu weltanschaulichen Erörterungen gegeben war, werden wir erkennen müssen, daß die wirklich« Notwendigkeit in gar keinem Verhältnis stand zu dem Umfang der Erörterungen, auch dann, wenn «um, wie ich» in diesen Erörterungen an der richtigen Stelle, in der richtigen Art, etwas Wesentliche« und Wichtige« sieht. Ich darf nur Einzelhesten noch herausgreifen. ES wurde hi« die Förderung der hebräischen Sprache «wähnt, und daß «in Bedürfnis vorhanden ist, «inen SchrrlauSschuß zu schaffen für di« Schirl» arbest, die im Sinne des nationalen Bekenntnisse« zum Judentum sich abwickelt. Ich sehe gar kein Bedürfnis für «inen solchen Ausschuß. ES ist ganz falsch, wenn di« Herren von der Dolkspartei an unS Liberale in dem Gedanken appellieren, wie wir denn einen solchen Ausschuß hindern könnten. Gerade d« liberal« Gedanke, so wird gesagt, gebiet«, nach dies« Richtung Entgegenkommen zu üben. Ich würde «S für «inen Unfug hatten und «die weiter« Verbalhornung »rns««S jüdischen Lebens, wenn dem nachgegeben würde. (Zurufe links.) ES ist daS groß« Unglück uns««S gegenwärtigen jüdischen LebenS, di« schwer« Krankheit, am d« wir im jüdischen Leben leiden, daß ganz unuatürlich« Parteiverhättniss« sich gebildet haben. Dem religiösen Leben entspricht die Trennung in Konservativ« und in Liberal«. Wir sehen aber bei unS auf d« einen Sette «ine Parteibildung, dienach religiösen GesichtSpuntten orientiert ist, und auf d«, anderen Seit« — und das kommt gerade zum Ausdruck in dem Wünsch nach einem solchen Ausschuß — «ine Parteibildung, di« gar nicht nach religiösen GesichtSpuntten orientiert ist. Dah« kommt «S» daß wir mtt einer gewissen Notwendigkest in taufet Dingen aneinander vorbeireden. Ich würde einen solchen Weg, -wie di« Einrichtung diese- Ausschusses, ebenso bedauern, wie wenn «in« den Antrag stellt«, «S müsse «in Ausschuß vorhanden sein, der di« Er» ziehungSgrundsähe d«S E.D. vertritt. (Lebh. Unterbrechungen bei der PollSpartei.) Ich glaube, diese Ausführungen geben keinen Allaß zu so bewegten Erörterungen. Und mir liegt die Ruhe, di« in diesem Saal« heute h«rfcht, so sehr, daß ich der letzt« bin, d« sie stören will. Wenn Sie hier für «ine liebevoller« Behandlung d« hebräischen Sprach« plaidieren, so ulsterstreich« ich dies, sowett «S sich darum handelt, uns«en Kindern das Verständnis für uns«e Heilig« Schrift zu »«schaffen. Dagegen muß ich mich ablehnend v«hast«n gegen jeden D«such, innerhalb unser« Gemeinden di« hebräisch« Sprach« im Sinn« einer lebenden Sprach« zu fördern. (Rufe ltnkS: Aber sie lebt doch!) DaS ist etwas, was absolut getrennt sich bewegt und durchgeführt werden muß. (Zustimmung bei den Liberalen.) In mein« Generation haben wir noch im Haus« «in« gut« hebräisch« Ausbildung «halten, aber nur im hiitblick auf die heilige Schrift, und find damst sehr gut durch das jüdisch« und durch daS bürgerliche Leben gekommen. ES ist im Zusammenhang hiermst die Frage der Ostjuden «- örtert worden. Ich persönlich Hab« «in ganz auß«ord«ntliches Interesse für ostjüdifthes Leben. Ich bin mit zahlreichen Ostj»»d«n befreundet und betrachte es als Bereicherung meines Lebens daß mein« Wege sich mit ihnen gekreuzt haben. Aber Sie übersehen «S immer — und wenn wir heute nach gegenseitigem Verständnis stechen, müssen wir uns Müh« gchen, di« Ding« etwas ttefer zu betrachten. (Lebh. Sehr richtig! bei der Dolkspartei.) Ich sag«: Wir werden ohne wettereS anerkennen, daß derOstjud«, der inn«halb uns««S religiösen LebenSkreises sich bewegt, von d« jüdischen Gemeind« ohne w«tt««S ein Recht bekommen muß, in irgendwelch« Form auf daS religiöse Lchen auch Einfluß zu gewinnen. Ab« uns«« Gemeinde ist ein Institut, daS auch weseittlich« staatlich« Pflichten zu erfüllen hat. (hört! hört! links.) Da können wir nicht anerkenn«», daß auch der best« Oftjub«, gerade der, der sich. selbst bestrebt, sich bei unS einzuleben, sofort alle Berechtigungen «hält. Bei Erfüllung der staatsbürgerlichen Aufgaben d« jüdischen Gemeinden kommt der Wunsch in Bettacht, d«utsch«r,Kultur sich «inzufügen. Da» ist der Maßstab, unt« dem auch die Mitarbest der Oftjuden zu bettachten ist. (Anhasteirde Unruh« bei d« Dolkspartei und Ruf«: „Sind Sie nun für gleiches Wahlrecht od« nichts") Da» ist, wen« Sie so wollen, kein gleiches Wahlrecht. (Lebh. Zuruf« link»; „Stann sprechen Sie offen! Wozu diese Verklausulierung?!") Ich verklausulier« nicht. Ich wünsch« Institutionen, die di« Möglichkett geben, auch den Ausländer, der an unserem religiösen Leben sich beteiligen will, «inen Einfluß auf di« Gestaltung de» religiösen Lebens zu geben. Ich kann aber bei der Erfüllung d« staatsbürg« llchen Aufgaben in der Gemeind« nicht ohne wettere» da» Axiom «in« absoluten Gl«ichmach«ei airerkennen- (hört! hört! >»nd Ahak-Rufe bei der VolkSpartei.) Unser« Wisch« Geschichte beweist, daß wtt damst ausgesprochen dem Vorgchen unser« Vorfahre» folgen. Wtt ■admMSmmmamimiätismiim

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