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Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden · 1930-07-01 · 3 (1.7.1930) · p. Seite 16

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Journal
Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden
Volume
8 (1930)
Issue
3 (1.7.1930)
Date
1930-07-01
Page
Seite 16 (sequence 16)
Language
German
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- 16 — feiiMT da, der nicht b«da»«rt, daß der Reichsverband nun nicht gekommen ist «nd daß feine Gründung wohl noch mindestens bis in di« nächst« ArbeUSPeriod« unseres Verbandes verschoben ist. AlS bei der letzten Tagung im Februar 1929 Herr Kollenscher für di« Pollspartei di« Ablehnung d«S Entwurfs wegen seiner Schwächen und Mängel fordert«, erklärte er, daß' man für den schlechten Entwurf binnen weniger Wochen einen neuen guten Entwurf vorlegrn werde, über den man sich dann rasch einigen könne. Was ist daraus geworben? Der Entwurf des Herrn Köllen scher liegt auch heute nach «ehr als einem Jahr noch nicht vor, und di« Sach« des Reichs» »erbandeS ist keinen Schritt weitergekommen. Was wir, di« wir der damaligen Vorlage zum Teil zustimmten, verschuldet hätten, wäre, daß wenigstens «in Reichsverband überhaupt gekommen wäre; was Sie verschuldet haben (zur Iüd. Dollspartei) ist, daß wir überhaupt keinen haben. Der «ine sagt: entweder alles oder gar nichts; der andere: lieber das kleinere Hebel. Aber keiner darf doch dabei von „Verrat" sprechen. (Rufe bei der Iüd. Dolkspartei: Di« Erklärung deutscher Juden, ist di« nicht in der Well?) lieber dies« Erklärung habe ich hier nicht zu Gericht zu fitzen. Daß ich da nicht der Anficht der Unterzeichner bin, davon können Sie, mein« Herren, überzeugt sein, »nd das wissen Sie. Hier handell es sich aber um eine Angelegenheit unseres Verbandes, die mußt« hier im Interesse der Reinlichkeit behandelt werden. Mein« Damen und Herren! Ich will nun bei der kurzen Zeit, die mir noch zur Verfügung steht, der Spezialdebatte eine Reih« von Punkten überlassen und hier nur erwähnen, daß die Abstimmung des Haushaltsausschusses zur Frag« des Rabbinerseminars in Berlin — nach dem Beschluß des HauShallsausfchusseS, wie er vorläufig vorliegt, will man der Anstalt statt 46 000,— nur 15 000,— RM. zubilligen — auf unseren schärfsten Widerstand stößt. Da ist der Prüfstein Ihrer angeblichen Neutralität. Wenn Sie diesem Institut plötzlich den wesentlichsten Teil der Zuwendungen abzwacken wollen gegenüber den anderen, so sage ich warnend: Gehen Sie in dieser Frag« nicht bis zum letzten. Mein« Damen und Herren! Dies« Ablehnung, wenn Sie sie wollen, würde allerdings den Verband zerschlagen. (Lebh. Zurufe bei den Liberalen.) Nach der Stimmung, bi« in unserem Kreis« herrscht, nehme ich es auf «ein Gewissen, daß das, was ich erklärt«, nicht übertrieben ist. Mein« Damen und Herren! Don besonderer Wichtigkeit erscheint mir noch der Antrag, den wir wegen der Errichtung und Förderung von Bezirks-Darlehnskassen vorgelegt haben, und ich habe auch mit Freud« gesehen» daß der Haushaltsausschuß bereits vorgesehen hat, daß der Wohlfahrtsausschuß einen Teilbetrag, der chm zur Verfügung stehen soll, einstweilen hierfür verwenden soll. Angesichts der außerordentlichen Notlage muß mit außerordentlichen Mitteln «ingegriffen werden, und zwar mst möglichster Beschleunigung. Wollen wir «inen völligen wirtschaftlichen Zusammenbruch d«S gewerblichen, handwerklichen und kaufmännischen Mittelstandes verhindern, so müssen wir rasch «ingreifen. Wir können dem folgen, was die landwirtschaftlichen Darlehnskaffen und Genoffenschasten ufw. in chren Kreisen bisher getan haben; es müssen aber mit Energi« euch neu« Wege beschritten werden, wenn wir wetterkommen wollen. Nachdem di« Glocke des Präsidenten mich mahnt, daß meine Redezeit chrem Ende zugeht, möchte ich unter Uebergchung weiterer Einzelheiten Ihnen noch «inen Grundsatz unserer atten Weisen «nd seine Beachtung bei allen Ihren Entschlüssen und bei ber Tätigkett unserer Verwaltungsorgane dringendst ans Herz legen. Rabbi Simon den Gamliel hat nach den Sprücheu der Väter gesagt: „Auf drei Pfeilern ruht di« Wett: auf der Wahrhett, dem Recht und dem Frieden", und er begründet Ausspruch und Forderung mit einem Schriftvers, der dahin lautet: „Richtet in Eueren Toren nach Wahrheit, Recht und Frieden." Nur wenn wir diesen Grundsatz in unseren Kreisen und Gremien hochhatten, wenn wtt bei unS daraus schen, daß das Recht hochgehalten wird, die Wahrheit siegt und der Frieden wahrgemacht wird, nur wenn wir in unseren Toren und in unseren «reisen das als di« Grundpfeiler unserer Arbeit ansehen, können wtt von den anderen verlangen, daß auch sie dies« Grundsätze nicht nur im Mund« führen, sondern auch uns gegenüber wahrhatten. (Allgemeine Zustimmung.) Gerade heut«, am ersten Tag« de» FrühlingSmonatS Nissan, in dem es in dem gestrigen Festgebete heißt NM TH# ]iwn| »YS uzz? sollten wtt nur all« zu Herzen führen und zu Herzen nehmen, daß wtt, waS wtt tun, mtt Beseelung tun sollen und was uns gekündet »«den ist, auch zur Wahrhett zu machen suchen. Wen» wir auf unser Recht pocheu, wollen wtt auch auf unser« Verpflichtungen achten. Di« Grundsätze, di« uns überkommen find» wollen wtt zu» nüchßt bei uns wahr mache«, Hatten wtt in unsere« Reihe», in uns««« Tore« Recht. Wahrheit, Serechtjgkett und Frieden als di. Grundpfeiler unserer eigenen jüdischen Wett aufrecht, dann wird auch di« groß« Wett draußen nicht davon abstehe» können, unS gegen, über dies« Grundsätze wahrzuhalten und burchzuführen. (Lebh. Beifall.) Abg. Geheimrat Stern: Dar Bill», daS di« gegenwärtige Lag« des preußischen Judentums Widerfpiegett, hat sich gegen das Vorjahr nicht nur nicht gebessert, sondern mit dem Fort schreiten des wirtschaftlichen BerfaÄ scheint bU Lag« einer großen Anzahl von Gemeinden außerordentlich ernst. Das gitt jetzt auch bereit« für ein« Anzahl von Gemeinden, deren finanziell gesichert« Grundlag« in früheren Jahren vorbildlich war. Wenn wtt daran denken, daß oberschlesisch« Großgemetnben, wie Beuchen, Gleiwttz und Ratibor, steuerliche Belastungen aufweisen, di« auf di« Dauer untragbar erscheinen, so gibt dies« Entwicklung außerordentlich ernst zu denken. Geradezu katastrophal aber liegen di« Ding« in den Hunderten von Kleingemeinden, deren Verfall Wetter fortschrettet. In meiner Vaterstadt Sorau, einer «inst blühenden Gemeind«, steht di« Synagoge verwafft da, Frttdhof und Friedhofshalle verfallen zusehends. Bei dieser Sachkig« ist die Frage, WaS geschehen kann und geschehen muß, um diesen ZersetzungSprozeß aufzuhallen, meines Erachtens ein« der dringlichsten, die den DerbandStag überhaupt zu beschäftigen hat. Die Frage ist nicht nur «ine wirtschaftlich« und finanzielle, sondern im eminentesten Sinne «ine kulturell«. Sie erschöpft sich, so wichtig die Frag« der finanziellen Unterstützung der Gemeinden und damit die Frag« der Erwirkung ausreichender Staatsbeihilfen auch fft, damit nicht. Die Ding« liegen vielmehr so, daß in diesen Gemeinben der Religionslehrer beziehungsweise der Kultusdeamte über seinen unmittelbaren Aufgaben des Religionsunterrichts, über die gottesdienstlichen Funktionen hinaus, das religiöS-kutturell« Rückgrat der Gemeind« darstellt. Die Frag« der Versorgung der Gemeinden mtt geeigneten Funktionären bleibt demzufolge «in« der wichtigsten der gesamten Berbandspolttik. Unter diesen Umständen ergibt sich di« Frag«: Was tut der Verband, um in dieser Hinsicht den vitalsten Bedürfniffen der Gemeinden gerecht z« werden? Die Frage ist unter verschiedenen Lesichtspuntten zu bettachten. Einmal handelt es sich um die Lehrerausbildung. Di« allgemein« staatliche Neuregelung, durch dtt di« Bollsschullehrer-AutDildung auf akademisch« Grundlage gesteltt ist, bedeutet, wie auf der Hand liegt, für di« Hundert« von jüdischen Kleingemeinden «inen Schritt von einschneidender Tragwette. Aus den wiederholten Darlegungen auf früberen Derbandstagen wissen wtt, daß in einer Verhältnismäßig nur geringen Anzahl von Fällen Unte^bringungsmöglichkeiten für Lehrer, die nur Lehrer find, in den kleinen Gemeinden bestehen. In den weitaus mefften Fällen liegen die Dinge so, daß «in« voll« Beschäftigung für den Beamten sich nur dann findet, wenn er mindestens noch daS Kantorat, zumeist aber auch di« Schrchtta mtt übernehmen kann. Daß di« aus den pädagogischen Seminaren hervorgehenden Absolventen dies« Erfordernisse erfüllen werden, kann im allgemeinen sicherlich nicht angenommen werden. Es ergibt sich somtt «ine doppelt« Frage: Einmal, welch« Unterbringungsmöglichkeiten bestehen für die Absolventen der pädagogischen Akademien, sofern diese nur Dollsschullehrer sind? Mese Frag« führt zu der weiteren: Wtt steht es mit den AuSfichttn der jüdischen Volksschule überhaupt? Denn, hätt der Prozeß deS ständigen Rückganges auf diesem Gebiet weiter an, so verringern sich dtt Thancen d«S jüdischen Volksschullehrer« in einem Ausmaß«, daß ernsthaft dtt Frag« erwogen werden muß, ob es verantwortet werden kann,, «in« Propaganda in dem Sinn« zu entfalten, daß junge jüdische Männer mtt abgeschlossener Ghmnasialbildung sich dem Amt« d«S jüdischen Volks» schullehrers zuwenden. Ich wäre deshalb dem Rat für «ine ergänzend« Aufklärung darüber dankbar, wie er dtt Frag« der jüdischen Volksschule in Preußen im allgemeinen beurteilt und wie hoch er dementsprechend den Bedarf an jüdischen VolkSschullehrern auf akademisch«: Grundlage veranschlagt. Ich wäre weiter dankbar, wenn in diesem Zusammenhang über den Stand der jüdische» VolkSfchullehrerauSbildung, insbesondere dtt Lhauceu einer «tgeuen jüdischen pädagogischen Akademtt bzw. der Schaffung jüdischer Sektionen an Gimultanakademien Auskunft erteilt werden könnt». Unabhängig von dieser Frag« der jüdische» Volksschule und der Ausbildung jüdischer Bol^schullehrer auf akademischer Grundlage bleibt aber dtt Frag« der Versorgung der kleine« Gemeind««. Dmn, wtt schon erwähnt, kommen dtt Absolventen der Akademien in ttgendwelchem nennenswerten Ausmaße für diese Gemeinden nicht in Betracht, da sich, selbst wen« dtt Lehrer auf solch« Stellen reflektieren toüjfce«, dtt Möglichkeit einer ausreichenden Beschäftigung lediglich mtt Religionsunterricht in dttfen Gemeinde« nicht finden würde. Unter diesen Umstände« bleibt dtt ernst« Frag«, w«S gedenkt der Landesverband zu tun, um de« Bedarf der Hundertt vo» Kttiugemeinden mit qualvizttrtt« KulluSbeamte» für dtt Folge ficherMftelle». Dtt Frage P um so ttiftti, «k» dtt Schöchttrschatt im Sauf« de» verfloßeum» Sichre» ,i»ge»augtti fft und damit «Urch »er

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