Mannheim
Compact Memory

Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden · 1930-07-01 · 3 (1.7.1930) · p. Seite 15

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden
Volume
8 (1930)
Issue
3 (1.7.1930)
Date
1930-07-01
Page
Seite 15 (sequence 15)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3980048-10021619-10021593--508-3980507
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

ich fugen, ta& die pädagogische Akademie in Frankfurt, die die liberale Fraktionsrednerin att konfervativ bezeichnete, an sich natürlich keine konservative Anstalt ist. Wir haben aber gar nicht» dagegen, wenn der Staat eine andere pädagogische Akademie mit einer and«en «rast besetzt. Grundsätzlich a-er stehen wir auf dem Standpunkt, den schon Herr Kollenscher äußerte, daß eine Wisch-Pädagogische Akademie vom Staat gefordert und eingerichtet werden muß, weil wir nur so zuwege bringen können, was wir erreichen wollen. Aber neben der Sorge um den Nachwuchs an Lehrern mit voller Ausbildung muß etwa» geschehen, damit speziell ReltgionSlehrer tu genügender Zahl da sind, für die sich ein starke» Bedürfnis zeigt. Trotz aller Bedenken muß eine Kultusbeamtenschule geschaffen werden. Nachdem die Schächterschule langst eingegangen ist, muß dafür gesorgt werden, daß in den Großgemeinden wenigsten» reltgtS» zuverlässige und technisch gewandte Schächter auSgebildet werden; Hierwegen haben wir einen Antrag zum Etat gestellt. Der volksparteiliche Antrag zum Etat bezüglich der Darlegung aller Unterlagen an den tzaushaltSauSschuß und Verband scheint mir folgerichtig. Rur möchte ich bitten, von einer Prüfung aller Bücher abzusehen. Denn dann müßten wir ersten» die Zahl der notwendigen Beamten vermehren, und es wird auch nicht viel dabei herauskommen, selbst wenn wir eine Anzahl von Iewish accountant» hierfür ausbilden würden. Eine der wesentlichsten Fragen, der wir uns zuzuwenden haben, ist die stärkere Berücksichtigung und stärkere Fürsorge für diejenigen doppelt notleidenden Angestellten und Gewerbetreibenden, die den Sabbach hasten. Deshalb haben wir eine besondere Resolutton beantragt, wonach der BerbandStag e» für eine wesentliche Pflicht des LandeSverbande» hält, im Interesse der sabbathhastenden Angestellten aller Art sowie der sabbathhastenden gewerblichen und sonstigen Betriebe den Vereinen „Schomre Schabbos" seine besondere Fächerung zuzuwenden, und den Rat ersucht, Mittel hierfür au» Kapitel ll des Haushalts im angemessenen Umfang flüssig zu machen. Ich bin Herrn Kollegen Dr. Holländer dankbar dafür, daß er mir diesen Antrag mst einem von chm verfaßten Zusatz zurückreicht, der zweck» Ermöglichung einer eingeschränkten SonntagSarbest in sabbachhastendeu Betrieben den Wortlaut hat: „ferner unermüdlich in der parlamentarischen Oeffentlichkest darauf hinzuwirken, daß die tzeilighaltung de» Sabbach» und die au deren Stelle tretende Sonntagsarbeit weder der sozialen noch der wirtschaftlichen Gerechtigkest zu widersprechen braucht und daher im Interesse der Gewissensfreiheit unbedingt gesetzlich verwirklicht werden muß." Ich hoffe auf Annahme meines Antrages mst dem Zusatz. Meine Damen und tzerrenl Was den Rechnungsabschluß anlangt, so habe ich mst Schrecken gesehen, daß in der Drucksache „Spezifikation zu unvorhergesehenen Ausgaben" einzelne Namen stehen. Und mein Schrecken hat sich noch erhöht dadurch, daß eine Fraktion bezüglich eine» dieser Namen eine Anfrage an den Rat stellt. Meine Damen und Herren! Wenn da» unsere Wische Zedokoh, unsere Wohlfahrtsarbeit ist, können wir uns reuig auf die Brust schlagen. Wo gibt e» da», daß einzelne Namen von Unterstützten in der Oeffentlichkest genannt werden? Wir haben in zahlreichen Vereinen usw. jede Namensnennung vor irgendeinem größeren Kreis abgefchafst (Sehr richtig! recht») und sollen nun hier lesen, der und der Mann wdck unterstützt. (Unruhe.) Wir kennen da» Wort unserer Weisen, daß die Kinder der Armen unsere Hoffnung für die Zukunft find; aber ob einer arm oder reich ist, ob einer in glücklichen Verhältnissen geboren und groß geworden ist oder nicht — jedenfalls werden diejenigen, die wir in chrer Ausbildung und Erziehung fördern, wie wir hoffen, der Gesauttheit in reichem Maße da» vergelten, wa» wir chnen leisten; und wie können die Ent» Wicklungsmöglichkellen geistiger Kräfte gefördert werden, wenn wir so die Fensterscheiben einwerfen. Ist da» Anstand, stärkt da» unsere jüdischen Möglichkeiten? Meine Damen und Herren! Ich bitte dringend, daß niemal» mehr der Name einer Privatperson, die von unserem Perbande gefördert wird, hier gedruckt erscheint. Und e» kann wohl nur ein Derschen sein, wenn eine Fraktion auch noch fragt, wofür der eine oder andere etwa» bekommen hat. Wohin kommen die gestruden Grundsätze jeder anständigen sozialen Fürsorge bei einer solchen Anprangerung? (Lebh. Zustimmung im ganzen Hause.) Meine Damen und Herren! Ich komme nun zu eine« Punkt, in de» einer der Vertreter de» Rat» sich tu seinen Darlegungen wohl besonder» an. uns wandte, und zwar zur Frage der Doppelmllgliedschast der Gyuago gengemeinden. Ich weiche von den Ausführungen Dr. Freund» in vieler Beziehung ab, nicht von manchem in seine» Scbücichort. Ich persönlich, der ich ein entschiedener .Gegner her Austrstts-Orthodorje bin, kann e» nicht die Autonomie her Gezelnen Gemeinden dadurch unterhöhlt wird, daß mau sagt, Ihr dürft acht zwei Verbänden angehöreu. (Widerstiruch bei den Liberalen.) Bitte lassen Sie «ich nur ruhig auSsprechen; wenn Sie Sinn für Gerechtigkest haben, werden Sie meine Ausführungen innerlich schon für richtig finden. Wir können uns dagegen wenden, daß eine Gemeinde von zwei Verbänden Beträge erhält und sich auf diesem Wege ein gute» Geschäft sichert. Aber wie können Sie es verhindern vollen, wenn eine Gemeinde sagt: Wir wollen wegen gewisser Bindungen in zwei Verbänden sein? Wollen Sie diese Gemeinde ausschließen? Da» wäre völlig unmöglich. Bei Subventionierungen kann man natürlich berücksichtigen, ob eine Geuceinbe von einem anderen Verbände etwa» bekommt. In diesem Zusammenhang komme ich auf die Frage, die vorhin gestreift wurde, zurück. Wieso kommt e» denn, daß der Halberstädter Bund, der nicht von so guten Juristen geleitet wird, wie unser Verband, trotzdem Erfolge hat? Sollte e» etwa ap der nicht genügenden Fähigkett der Juristen liegen, daß der Halberstädter Bund viel mehr Erfolge bei den Ministerien hat? Manchmal liegt da» aber gar nicht an den Menschen oder an einem einzelnen Führer, sondern nur an der Art, wie man dort die Dinge im Minssterium vertritt. Eine Etatpositton, die neu eingesetzt werden soll, muß zäh verfolgt werden. Und ich glaube, daß e» nicht viel Erfolg verbricht, immer von vornherein auf den Tisch zu schlagen. Ich bin sicher ein Gegner der „Mah-Iofis"-Polittk und de» ewigen Bücken» und Bitten», aber es gibt einen richtigen Mittelweg, und dieser scheint von unseren Vertretern nicht begangen zu werden. Die einzige psychologische Erklärung für den Erfolg der anderen, angesichts unserer turmhoch über den Verdiensten de» anderen Verbandes stehenden Leistungen, kann nur in einer psychologisch nicht pfleglichen Behandlung der entscheidenden Stellen liegen. Sonst könnte nicht immer wieder gesagt werden - müssen, daß die» und jene» von der Regierung nicht getan wird, weil der halberstädte» Verband dagegen sei. Die Regierung häst es an sich immer für ihre Pflicht — manchmal tut sie es nicht, wie auch bei «u» die Prinzipien der Demokratie vielfach nur im Munde geführt werden —, die Regierung will im Grundsatz die Minoritäten schützen. Gerade aber, wenn Sie in unserem Verbände es wahr machen, daß die Minorität zuchrem Recht kommt, werden Sie da» beste Recht haben, zu verhindern, daß erst ein Ministerialvertreter kommt und sagt, er müsse unsere Minorttäten schützen. Frau Ollendorff ha) gesagt, es fei ein Rächtest, daß im Religionsunterricht zu viel Wert auf die hebräische Sprache gelegt werbe. Ich bin der durchaus entgegengesetzten Meinung. (Schr richttg! recht».) Die sechsjährigen Debatten, die wst hier Wrten, sollten Sie darüber belchrt haben, wie wichtig die Pflege der hebräischen Sprache sst für die richtige Aufnahme unseres religiösen Erbgutes. (Sehr richtig! rechts.) E» ist ein Glück, daß auch in den Kreisep unserer Jugend nun mehr hebräische Sprache getrieben wllck», daß man sich wieder befaßt mll dieser Suelle unseres Erleben». Wenn sie versandet, und damit die Möglichkell eine» gemeinsamen Kultus für alle Zell verlorengeht, so werden diejenigen, die es am meisten bedauern müssen, abgeschnitten zu fein von dem, was mll der jüdischen Masse und dem jüdischen Erichen auf ewig verbinde« kann, gerade die sein, die jetzt für diese Einschränkung eintreten. Alle sollten vielmchr dahin Zusammenwirken, stärkere Wische Werte an unsere Wische Jugend heranzuführen. Gerade unsere sachlich denkende Jugend will auch keinen Abbau, sondern einen Ausbau in dieser Richtung. In .diesem Zusammenhang der richtigen Anwendung des religiösen Erbgut» — ich kann alle» nur kursorisch behandeln — ein Wort über Taft und Ton in unseren Debatten. Ich bin leider genötigt, darauf zurückzukommen, daß im stenographischen Bericht über den letzten BerbandStag nach den Abstimmungen über den Reich-Verband ein Zuruf steht, in dem den Konservativen „Verrat" vorgeworfen wird. Ich bedaure auf da» tiefste, daß die momentane Entgleisung eines Demagogen hier festgehatten wurde. (Sehr richttg! rech».) Ich habe deshalb sofort dem Präsidenten unseres Berbaudstages geschrieben, daß ich dagegen protestiere, daß mau diesem Zwischenfall zur Festhaltung i» Druck verholfen hat, zumal ein unparlamentarischer Ausdruck bei früherem Anlaß glücklicherweise au» dem Stenogramm ausgemerzt wurde. Wie konnte man eine solche Aeußeruug der augenblicklichen Stimmung für so werwoll halb», daß fie weitergetragen werden mußte. West sie nun aber Zier schriftlich steht, muß ich verlangen, daß auch das. wa» wir dazu zu sagen haben, schriftlich festgelegt wird. Worin hat denn der „Verrat" bestanden, ein Ausdruck, der hier unter uu» wohl aus unserem Wortlexston verschwinden sollte. (Schr richtig!) Er hat darin bestauben, daß eine Reihe von Konservativen, trotz aller großen Bedenken gegen Einzelheiten, sich sagten: Wir wollen den Reichsverbgud lieber so und mst seinen Hchwächen und Fchlern nach de» vorliegenden Entwurf,, gl» übechaupt. nicht,, heute ist wohl

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.