Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden
- Journal
- Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden
- Volume
- 8 (1930)
- Issue
- 3 (1.7.1930)
- Date
- 1930-07-01
- Page
- Seite 14 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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- 14 - Roch über unser« Publikationen sprechen. Aber der Präsident mahnt mich zur Eil«. Ich muß zum Schluß kommen. Da möchte ich noch «inen Gedanken aufgreifen, den auch Frau Ollendorf angeregt hat. Wir blicken mit größtem Schmerz auf den Zusammenbruch des russischen Judentums. Dem wirtschaftlichen und politischen ist nun auch der religiöse Zusammenbruch gefolgt. Wir wissen, daß «in« politisch« Einmischung ausgeschlossen ist. Wir respektieren auch in dieser Beziehung den Brauch und das Recht der Böller. Wir haben auch volle- D«ständnis für jede Art von religiöser Freiheit und Befreiung. Alles aber hört auf, wenn man sicht, wie Hunderttausend« oder Millionen von Juden unter Ausübung «in«8 ungcheuren staatlichen, wirtschaftlichen und sozialen Druckes gezwungen w«ch«n, in höchster Gewissensnot das aufzug^ben, was ihnen heilig ist. Ein Protest dagegen und «ine Bekundung unseres brüderlichen Mitgefühls ist an dieser Stelle geboten. Unser Schmer; ist um so größer, als wir wissen, was die russisch« Iudenheit für das gesamt« Judentum bedeutet hat. Sie war für uns alle «in« Quell« der Er- Neuerung und Verjüngung, ein Reservoir jüdischer Kraft und Zukunftshoffnung. Mit um so größerer Freud« dürfen wir stolz auf den Fortschritt Hinweisen, der durch di« Schaffung der Iewish Agency erreicht worden ist. Was auf der «inen Seit« zerschlagen wurde, wird auf der anderen Seit« größer nnd stärker wieder «rstchen. Nur in dieser zuversichtlichen Erwartung können wir überhaupt die Arbeit des Tages und di« Arbeit unserer Generation leisten. Di« Frag« der Agency hat zu der bekannten Resolution d«S Rates vom 20. November vorigen Jahres geführt, die «in« geglückt« Aktion darstellt. Ls würde dem Zweck des Ausgleichs widersprechen, wollt« ich di« Resolution jetzt kritisch beleuchten. Im Gegenteil, ich wlll sie zur Grundlage meiner Erklärung machen und nur wünschen, daß chr Inhalt in Zukunft «rfülll wird. Sie besagt auf der «inen Seite, und damit ist sie Wohl an uns gerichtet, daß wir alle als Juden ästimieren, die den Willen zur jüdischen Gemeinschaft zeigen. Sie können sicher sein, daß dies geschehen wird. (Beifall.) Auf der anderen Seite verlangt sie, daß der innere Kampf dadurch entgiftet wird, daß «ine Minderbewertung einzelner Gruppen in staatsbürgerlicher Beziehung nicht vorgenommen wird. Wir erwarten unbedingt, daß dieses Mittel im Kampf« damit für all« Zeiten aus dem jüdischen Lager geschwunden ist, und daß nunmehr unsere Kämpfe nur noch mit geistigen Waffen ausgetragen werden. An Kämpfen wird die nächst« Zeit groß sein. Wir wollen sie ernst und würdig führen und stets auch dessen bewußt, daß, wie groß auch immer di« Gegensätze sein mögen, «in« weste Wegstrecke noch gemeinschaftlich gegangen werden kann. (Lebh. Beifall.) Abg. Rechtsanwalt tzorovitz: Mein« sehr geehrten Damen und Herren I Wir haben heute vielleicht zum ersten Mal« in der Arbeit unserer Perbandstag« die Freud« gehabt, daß di« Generalredner zum Etat sich «uf allen Gesten wirklich mtt Einzelheiten des Etats befaßt haben. Es ist dabei selbstverständlich, daß jeder Redner und jeder, der überhaupt hier spricht, das Grundsätzlich« betont »nd zum Ausdruck bringt, was ihn bewegt. Aber es ist ja gewiß nicht nötig» daß wir in der kurzen Zest, die wir hier zusammen verbringen, da uns in jedem Jahr nur knapp etwa 15 bis 20 Stunden zur Verfügung stehen, nur „Reden" hatten und nur mst allgemeinen Bemerkungen unser« Ansicht gegeneinander stets von neuem betonen. ES entspricht dem Niveau unserer Versammlung, daß wir in allen unseren Ausführungen uns mst Andeutungen begnügen und im übrigen sagen dürfen: „sapienti sat". Und wir hören die grundsätzliche Einstellung schon heraus, auch wenn der Redner auf einzeln« Fragen «iageht. So will ich auch diesem Beispiel folgen und mich in der Hauptsache mtt einzelnen Gesichtspunkten befassen. Doranstellen möchte ich aber etwas, was mir gerade di« Wort« von Herrn Kollegen Dr. Kolleascher erneut zum BMoußtsein gebracht haben. Mein« Damen und Herrenk Ich habe mich immer gegen die Itrberschätzung des Bchriffs der Demokratie gewehrt und gar gegen sein« Ueberspitzung, zumal wenn «an die Demokratie, soll heißen: da« gleich« Recht für alle, da nicht wahr sein läßt, wo es einem nicht paßt. Das war z.B. der Fall in der Frag« der Legislaturperiode. Das war nicht bloß ein Schönheitsfehler. Hier zeigt« sich in unseren Kreisen, daß «in« Mehrhest aus angeblich praktischen Gründen «in demokratisches Prinzip einfach preisgibt. Ich möchte davor warnen, daß wir uns noch einmal zu einer solchen Rück sich tSloftgkeit und zur Nichtbeachtung nicht nur eines allgemeinen demokratischen Prinzips — wie di« Herren «S sehen —, sondern auch einer verfassungsrechtlichen Bestimmung kurzerhand über di« Protest« anderer, und insbesondere der Minderheit, hinweg entschließen. . Meine Damen und Herren! ES waren heut« aber auch di« Rede» d«S Rates in wirklich eingcheuder und dankenswerter Weise ans uiuzeln« Punkte abgrstellt. Trotz all der Verdienst« der einzelnem ' i '■ L .... Mitarbeiter des RateS muß ich aber wiederholen, waS ich schon früher gesagt habe: Der Landesverband erfreut sich km Sand« nicht der Beliebtheit, dt« er bei feinen in einzelnen Punkten zweifellos vorliegenden Verdiensten vechient hätte. Woran liegt daS? Sowohl Frau Ollendorff wie Herr Kvllenfcher haben auf «st^elne besferungsbedürftig« Punkt« hingewiesen. Wir fügen dem noch hinzu: di« ganze Publizität unser«- Landesverbandes laßt auf das äußerste zu wünschen übrig. ES ist vielleicht auch daS «in Grund des Erfolges des sachlich viel weniger tätigen anderen Verband«S, daß er besser zu blasttr weiß. Bei uns jedenfalls besteht nicht die notwendig« Be- «influsfung der öffentlichen Meinung. Ein« Reih« von Einrichtungen arbeitet bei uns überhaupt nicht. Der Verbandstag soll «inen ständigen Ausschuß haben. Im letzten Jahr ist er niemals zusammengetreten. Und der nach der Verfassung bestehend« Engere Rat hat sich, wenn ich nicht irr«, überhaupt nicht oder jedenfalls viel zu wenig zusammengefunden. Wenn ich nun einzeln« Spezialbeschwerden unserer Richtung Vorbringen muß, möchte ich zunächst aus folgend« Frage «ingehen: Wir hatten auf dem letzten Perbandstag beschlossen, für konservativ« Unterrichtszweck« 50 000,—‘ RM. berettzuftellea. Hierzu waren nun im konservativen Unterrichtsaus schuß Derteüungsvorschläg« beschlossen worden, was auch der Verbandstag dahin sanktioniert hatte, daß di« Wünsche der Konservativen bei der Verteilung zu berücksichtigen seien. Das war zunächst ja auch selbstverständlich. Was ist aber aus dem Beschluß geworden? Mein« Damen und Herren! Ein« Mehrheit, di« lediglich aus taktischen Gründen «ntschiR», hat entgegen dem einstimmig vorliegenden Votum des konservativen Unterrichtsausschusses di« Verteilung der Mittel in einer Weise beschloss«», dt« den konservativen Wünschen durchweg zuwiderläust. Die Kölner Anstatt hat überhaupt nichts bekommen, di« Würzburger «inen sehr hohen Betrag, obwohl das Votum des konservativen UnterrichtsausschusseS ganz anders lautete. Wenn Sie so di« Autonomie der Richtungen od« Gemeinden behandeln, bann wundern Sie sich nicht über di« geringe Beliebtheit des Verbandes. Unsere jüdischen Brüder draußen sind recht hellhörig. Wenn es heißt,-der Rat hat mtt 17 gegen 9 Stimmen beschlossen, in einer konservativen Unterrichtsangelegercheit das Votum des konservativen Unterrichtsausschusses nicht zu berücksichtigen, dann können Sie sicher sein, daß jeder, der das hört, sagen wird: «in Verband, der durch Gewatt-Entschließungen das für di« betteffend« Frag« nach Vernunft, Recht und Verfassung zuständige Gremium übergeht, ist kein Verband, der auf Gerechtigkeit beruht. Und warum ist das geschehen? Well man wegen der Reichsorganisation den Bayern gewisse Zugeständnisse machen wollte. Wir haben auch Interesse an einer guten Arbett des Würzburger Instituts. Aber wir können «S nicht dulden, daß um einer Marotte oder auch um eines guten Zweckes willen, von unseren Beschlüssen abgesehen wird. Meine liberalen Kollegen, und Sie, di« Herren der Mehrheit, denken Sie nur daran, wir würden einmal auf irgendeinem Wege eine Mehrhest bekommen und würden all« Wünsch«, die etwa der liberal« Kultus» und Unterrichtsausschuß ausspricht, nicht achten, sondern wir würden erklären, baß wir, die konservativ« Mehrhest, be» stimmen, daß di« Beträge für irgendwelche Zweck« verwandt werden sollen, di« wir für richtig hatten «nd nicht für dt« liberalen Unterrichtszwecke, die der liberale Ausschuß festgelegt hat. Wie würden Sie über Umgerechtigkett» Unbilligkett und Vergewaltigung schreien! Solche Ungehörigkesten, daß man daS einstimmig« Votum d«S konservativen UnterrichtsanSschusseS übergeht, dem auch unser« Lehrerkollegen in diesem Ausschuß zugestimmt haben, dürfen nicht wieder Vorkommen. Das sind Gewaltmethoden, von denen in einem jüdischen Kreise kein« Red« sein dürste; und ich warn« vor Wiederholung. Mein« Damen und Herren! Wir habe» unserer Mißstimmung darüber Ausdruck gegeben, daß einer der Hauptzweck« des Perbandes noch nicht genügend durchgeführt wird. Wir haben heut« gehört, daß vier BezirkSrabbinat« bestehen und drei Wetter« möglicherweise entstehen werden. Das genügt aber für die Notwendigkeiten bei westem nicht, «bensowenig das, waS auf dem Gebiet« der Bezirks» lchrerschasten geschehen ist. Wir hoben auch verlangt, daß endlich etwas getan wird auf dem Gebiet« der Einrichtung von BezirkSschächterftellen, die durchaus genügend Beschäftigung haben werden «nd einem dringenden Bedürfnis abhelfen können. Di« Verhältnisse auf dem Land« habe ich genau kennengelernt. Mein« Damen und Herren! Dies« Verhältnisse find diel schlechter, als sie sich auf dem Papier lesen. Die Verhältnisse in den kleinen Gemeinden, welcher Richtung sie auch angehören, sind so traurig, daß in der Tat die schwachen Mittel, di« wst hier haben, nicht ausreichea. Gerade aber diese Verhältnisse sollte» uns dahin bringe», nicht gleich Wege» kleiner. Schwierigkeiten von der Ausführung unserer Pläne abzuweichen, sonder« sofort an einer «öglsthsk Anzahl gefährdeter Punkt« etwas zu tun. Zur Lchr«bÄ«ng