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Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden · 1930-07-01 · 3 (1.7.1930) · p. Seite 5

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Journal
Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden
Volume
8 (1930)
Issue
3 (1.7.1930)
Date
1930-07-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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wäre. «Wiu Damen und Qtrrtnl Di« Vertretung M Lande«» verbatGe« Gat sich auch nach innen bewährt. Da« scheu wir an Lagen wie dem heutiqen, an de« Gelegenheit gegeben ist» daß wir preußischen Juden zufammenkomm/n und in gemeinsamer Beratung zum Wohl« de« großen Ganzen wirken. Dabei haben wir di« besonder« Aufgabe, di« im preußischen Judentum vorhandene» Kräfte untereinander auSzngleichen. Wir haben an 900 preußisch« Gemeinden. Viele unter ihnen, daist un« allen nicht unbekannt, führen nur noch ein Scheindasein. Wir haben «8 deshalb al- «in« unserer vornehmsten Aufgaben betrachtet, gerade dies« kleinen und leben-schwachen Gemeinde« zu kräftigen und am Leben zu erhalten, und zu diesem Zweck besonderan die opferfreudigkett der großen Gemeinden zu appellieren. Ziehen wir da- Fazit unserer Arbett, so können wir wohl sagen, daß der Wegfall de- Lande-verbandefür di« Zukunft verhängnisvoll sein, daß er Wirkungen au-löfen würde, dt« da- Interesse aller preußischen Juden, aller deutschen Juden, verletzen würden. Unsere Arbeiten waren also dringend notwendig. Ich möchte mit Genugtuung feststellen, daß st« von allen dazu Berufenen mtt Freud« und Hingebung und Opfermut geleistet worden sind. Ich darf von dieser Stell« auden herzlichsten Dank für di« treu« Mitarbeit besondermeinen Kollegen im Rat au-sprechen und ferner auch denjenigen, di« alunser« Beamt« di« Kleinarbeit de- Landesverband«- leisten, di« zu diesem Zweck Lag und Rächt mtt Eifer und Fleiß tätig gewesen sind. 1 Mein« Damen und Herren! Ich habe schon angedeutet, daß der Landesverband unS hier «in Forum geschaffen hat, auf dem inner« Gegensätze au-oeglichen werden können. Ich fteue mich, feststellen zu können, daß die« oft genug gelungen ist. und ich darf di« Hoffnung an-lvrechen, daß b-im Fortbestehen de« Lanbe-verbandea» dteler Stell« von den verschtebenen G*andvunsten auin würdiger Weil« mtt aelltioen Waffen aekämdft und dank dieser gemeinsamen Arbett «in« Verständigung «rziett werden wird. Ich hoffe, daß auch in Zukunft wertvoll« Leistungen vollbracht und wichtige Aufgaben erfüllt werden, daß der Lande-verband nicht zu einer bloßen Verwaltungs- Maschine herabstnkt, sondern, wie bisher, den hohlen Interessen unserer heiligen Religion dienen wird. Meine Damen und Herren k Ich denke, mich mit diesen allgemeinen Ausführungen begnügen zu können und wegen der Einzelheiten auf den gedruckten Bericht verweisen zu dürfen. Rur eine« möchte ich noch hinzufügen: Ich glaub«, sagen zu können: Wir all« bedauern es, daß im verlaufe de- Jahre-, über daich eben berichtet, «s nicht gelungen ist, den Zusammenschluß der deutschen Juden zu einem Reich-Verband« herbeizuführen. Vor Iabre-frist haben wir Ihnen behufs Begründung einesolchen «ine Vorlage gemacht. Dies« ist zwar abqelehnt worden, aber ich bin überzeugt, daß di« knapp« Mehrhett, di« damals gegen den vorgeleglen Entwurf gestimmt hat. nicht augrundsätzlichen Bedenken die Zustimmung zur Bildung eine- ReichSverbandeS brr deutschen Juden versagt hat, sondern a«S Bedenken gegenüber einzelnen Bestimmungen de- Entwurf-, di« bei manchen von ihnen den «inen und bei anderen «inen anderem Punkt betrafen. Leider ist die Folg« der damaligen Abstimmung, die ich von dieser Stell« auglaubt« Voraussagen zu können, ungefähr «ingetreten. Ich konnte Ihnen nicht brrichten, daß im abgelaufenen Jahr« ttgeNdwelch« praktischen Bestrebunqen ober auch nur Anregungen zur Wiederaufnahme der Arbeiten für di« Schaffung eine» ReichSverbandeS an unS gelanqt seien. Aber trotzdem kann ich «S nicht unterlassen, der Hoffnung Ausdruck zu geben, daß «S stch dabei nur um di« AuSreifung der auSgeftreuten Saat handelt, und daß, wenn ihr« Zeit gekommen fein wird, diese Saat doch noch herrlich aufgehen und diejenigen Früchte tragen wird, di« wir all« dem deutschen Judentum wünschen. Meine Damen und Herren! Ich möchte mtt Vorbehalten, mtt und den anderen Dezernenten d«S Rates, soweit daS noch nötig ist, an geeigneter Stelle den Berrcht. den Sie in Händen haben, zu ergänzen. Allgemeine Ausführungen halle ich Wetter nicht für erforderlich. Ich erwart« von Ihnen wertvoll« und mannigfach« Anregungen und geb« mich der Hoffnung hin, daß di« Bemühungen so vieler ausgezeichneter Männer und Frauen um da- Wohl d«S preußischen Judentum« ihm zum Gegen gereichen werden. (Lebhafter Beifall.) Rat-mttglted Direktor KareSki: Meine sehr geehrten Damen »ad tzerrenl E« ist «ine Aufgabe, dt« von Jahr zu Jahr undankbarer wird, de» Etat de- Lande-verbandeeinzubringen. Denn während auf der «inen Seite die Bedürfnisse und di« Anforderungen an den Landesverband immer größer werden, wächst leider der Umfang unser« Mittel nicht in demselben Maße. Im Degenteil müssen wtt die-mal einen Etat vorlegen, der auf einer verengerten Etnnahmebast« aufgchaut ist. Ich glaub« sticht nötig zu haben, sehr «ingehend zu begründen, warum di« Einnahm^basiS diesmal niedriger angesetzt ist. Sie kennen alle di« wirtschaftlich« Lag« der deutschen Jude» und der jüdischen Gemeinde« in Deutschland. Sie wisse», in welchem Umfange der tzauptttäger unserer Gemeinden, der jüdisch« Mittelstand, durch di« letzten Jahr« dezimiert worden ist; und Sie können sich leicht, sowett Sie nicht auS ihren eigenen Gemeinde» ohnehin diese Kenntnis haben, au-r«chn«n, in welchem Umfang« sich die« auf di« finanziell« Lag« der Gemeinden au-wirkt. Wjr haben daher mit ganz besonderer Borsicht diesmal dtt Einnahmen au« DerbandSbetträgen bewerten müssen, denn wir sind unklar darüber, daß wtt in diesem Jahr« mtt noch größeren Schwierigkeiten zu rechnen haben, alst« daletzt« Jahr berettS gebracht hat. Wenn ich in dem vorjährigen Bericht darauf Hinweisen konnte, daß der Eingang der Beiträge auS den BerbaudSgemeinden sich gebessert habe, so kann daS für daS abgelaufen« Jahr leider nicht mchr gelten. Wtt haben in viel intensiverer Weise immer wieder an daS Pflichtgefühl unserer DerbandSgemeinden appellieren müssen. Wtt haben vieffach drahtlich mahnen und «ine ganz« Reihe von mündlichen Besprechungen veranlassen müssen, um nur einigermaßen da- Rotdürftigst« zur Befriedigung unserer Bedürfnisse hereinzu» holea. Wie di« wirtschaftlich« Situation au-steht, können wtt leider nicht darauf hoffen, daß wir «S in dieser Beziehung im kommenden Rechnungsjahr leichter haben werden. Ich glaub« im Gegenteil, wtt müssen mtt wetteren Schwierigkeiten rechnen. WaS besonders bedenklich stimmt, ist, daß wtt «S jetzt nicht mehr in der Hauptsache mit Fälle» zu tun haben, in denen ein ausgesprochener Zahlungsunwille vorllegt. Wtt haben früher feststellen müssen, daß «in« Reih« von Gemeinden «S noch nicht gelernt hat, über den eigenen Kttchturm oder di« eigen« Shnaqogenkuppel hinauszublicken, und daß st« infolgedessen ihr« Pflichten der Gesamthett der preußischen Juden gegenüber aletwaauffaßten, was man zwar, wenn man Geld gerade überflüsstg hatte, erfüllen durfte — und welche Gemeind« hätte jemalüb«flüsfig« Gelder gehabt —, waaber unter keinen Umständen dazu führen durste, di« Ausgaben für eigene Zweck« störend zu belasten. Wir haben derartige Erfahrungen auch im letzten Jahr gemacht. Und «S blieb unS in einigen Fällen leider nichts andere« übrig, als mit ernstesten Mitteln gegen dtts« offenbar« ZahlungSuawüligkeit anzugehen. Auf der anderen Seit« können wir aber nicht leugnen, daß «ine ganze Reche' von Gemeinden mit der Erfüllung. von Verpflichtungen im Rückstand« sind, bei denen wtt auch bei strengster Prüfung — und wir find ja zu weitgehender Wahrung der Verbandsinteressen verpflichtet, weil wir sonst nicht leisten könnten, wazu leisten wtt berufen sind — nicht verkennen könne«, daß bei ihnen «in« offenbar weitgehende Unmöglichkett der Leistungen besteht. W.tt sind auf das schärfst« vorgegange» überall da, wo wtt den Eindruck hatten, daß «in« mangelnde Zahlung-Willigkeit vorlttgt. Wtt find aber mtt außerordentlicher Nachsicht vorgegangen da, wo wtt wirklich« Schwierigkeiten für die einzelnen Gemeinden gesehen haben, und haben da zum Teil durch Erlässe oder wettgehend« Verlängerung der Zahlungsfristen der Notlage der einzelnen Gemeinden Rechnung getragen. Insbesondere haben uns aber einige Fälle zu denken gegeben, mein« Damen und Herren, wo versucht worden ist — ich möchte mich ganz unpersönlich und vorsichtig aussprechen —, di« Bezahlung der DerbandSbeittäg« als Druckmittel zur Erreichung ttgendwelcher Wünsch« zu benutzen (Hört! Hört!). Ich glaub«, mein« Damen und Herren, daß Sie dem Rat zustimmen werden, wenn er auf dem Standpunkt steht, daß er in solchen Fällen «in Pa stieren und Verhandeln nicht kennt. ES gibt nur «inen legalen Weg, seine Wünsch« im Landesverband burchzusehen: dtt Beschlußfassung im DerbandS» tag oder Rat, oder in beiden Gremien. Unter keinen Umständen wird der Rat sich dazu Herbeilaffen dürfen, ttgendetwaS, was er sachlich für unverttetbar HSV, deswegen zu konzedieren, weil chm gewissermaßen Vonseiten der betreffenden Gemeind« gedroht wird, chm den Brotkorb höher zu hängen, indem chm Beitragszahlungen verweigert werden. Ich hoff«, daß gewisse Erlebnisse auS de« ab» gelaufenen Jahr« un» im neuen Irhre nicht wieder zu beschäftigen haben werben. Mein« Damen und Herren! Wir haben aber auch noch au« einem anderen Grund« den Etat mtt etwasorgenvollerem Herze» aufgestelll, well wtt ja nicht bloß in bezug auf die Mittel, die un« au« den Beiträgen der BerbandSgemeinden zufließen, un» größerer Gchwierigketten bewußt sind, sondern weil wtt da- Gefühl haben, al« ob der zweit« wichttg« Faktor auf unserer Linnahmeseite in diesem Jahr« nicht mtt der Gicherhett in den Etat eingesetzt werden kann, mtt der wtt eS ku den letzten Jahren tun dursten: daS sind dtt Staat-beihilfen. Mein« Damen und Herren! Dtt Frag« der StaatSbechüfen in ihrer Wichttgkrtt brauch« ich Ihnen, nicht darzulegen. Herr KammergerichtSrat Wokff hat schon darauf hinqewttsen, und Stt selber wissen, wa« «S für di« Wttkfamkett de« Verbände« be-

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