Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden
- Journal
- Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden
- Volume
- 8 (1930)
- Issue
- 3 (1.7.1930)
- Date
- 1930-07-01
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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4 getreten. An Stelle der Herren Iustizrat Hirschberg und Kollegen Katzenstein begrüß« Ich als neu« Mitglieder Fra« Robb. Lfchelbacher, Berlin, nnd Herrn Freuden thal, Eschweg«. Durch Mandatsniederlegung sind erledigt di« Mandat« der Herren Lesser, Elbing, Rabbiner Dr. Hofftnann, BreSlau, und Dr. Solo weit sch ik, Berlin. Der Rat hat festgestellt, daß an ihrer Stelle di« Herren Geh. Med.-Rat Prof. Dr. Falkenheim, Königsberg, Dr. Schlesinger, BreSlau, und Michael Zolko in den Der bandstag «in treten. Soweit die Damen und Herren anwesend find, begrüße ich sie auf das herzlichste. Damit, mein« verehrlen Damen und Herren, können wir in die eigentlich« Tagesordnung «intreten. Der Aeltesten- Ausschuß, der vorher getagt hat, hat beschlossen, daß, wie üblich, der Herr Präsident des Verbandes seinen Rechenschaftsbericht und der Herr Dezernent für die Finanzverwaltung den Rechnungsabschluß und den Etat nacheinander «inbringen sollen, und daß wir dann, wie üblich, zunächst die Generaldebatte vornehmen werden. Sie wird unS heute hoffentlich nicht den ganzen Nachmittag beschäftigen, so daß wir gegen Abend noch die «ine oder ander« von den Keiner«« Vorlagen werden erledigen können. Ich denke, daß dann der HauShaÜS-Ausschuß noch einmal morgen vormittag zufammentreten und daß die morgig« Sitzung um 10 Uhr eröffnet werden kann. Dann wollen wir uns mit der wichtigeren uns etwas länger aufhaftenden Frag« der Derfasfungsänderung beschäftigen, in di« «in« Reih« von Anträgen hineinzuarbeften sind. Hierauf würde di« zwett« Lesung des Etats stattfinden. Ich nehme an, daß die entscheidenden Abstimmungen zur Derfasfungsänderung ungefähr um 14 Uhr stattfinden werden, so daß die Spezialdrbattt des Etats in den frühen Nachmittagsstunden zu End« sein kann. Heut« abend hoff« ich, daß wir wenigstens noch den doch nicht strittigen Punkt der Wirtschaft»- not der deutschen Juden besprechen können. Nachdem nun so das Programm vor Ihnen entwickelt ist, habe ich nur noch di« Bitte, mein« verehrten Damen und Herren, wenigsten» morgen nachmittag nicht zu früh das Feld zu räumen. Wir hoffen bestimmt, morgen nicht zu spät abends ferttg zu sein. Allerdings wird ta£ nur dann möglich sein, wenn die Damen und Herren, di« ja gewiß all« Wissenswertes uns zu sagen haben, diein der erforderlichen Kürze tun. Insbesondere gllt es, sich den vielleicht schmerzlichen Entschluß abzuringen, eine Red« nicht zu hallen, wenn der Vorgänger schon das gesagt hat, was man selber sagen wollt«. Wir haben im Aellesten-Ausschuß für di« wichttgeren Teil« der Tagesordnung ausreichend Zell gelassen, erhoffen aber ein« Einschränkung auf den anderen Gebieten. Zu Punkt 2 der Tagesordnung- Tätigkeitsbericht des Rate- Präsident des Rates, Kammergerichtsrat Wokff: Mein« sehr geehrten Damen und Herrenk Ich habe di« Freud«, namens des Rates sein Schwesterorgan, den Derbandstag, herzlichst zu begrüßen. Ich muß wohl eigentlich Bruder-Organ sagen, denn Rat und Derbandstag find beide männlich. Jedenfalls läßt sich nicht leugnen, daß die Verwandtschaft sehr nah« ist. Und ich hoffe, daß «S uns so gehen wird, wie es unter Verwandten üblich ist. Man bedauert, daß man sich so sellen sicht, und man freut sich, wieder einmal Gelegenheit zu haben, in gemeinsamer Arbell für di« gemeinsamen Ziel« zwei Tage zu erleben, di« uns wieder einander näher bringen werden. Der Derbandstag tritt diesmal an den beiden letzten Tagen des Haushaltsjahres zusammen. Der Bericht, den ich Ihnen erstatt«, umfaßt deshalb «inen längeren Zeitraum alS im vergangenen Jahr«, aber es wird ttotzdem nicht nötig sein, den Bericht mündlich mll besonderer Ausführlichkett vorzutragen, denn Sie haben nicht nur den gedruckten Tätigkeitsbericht in Händen, sondern sind auch durch den in dem letzten Berwaltungsblatt erschienenen Zwischenbericht über wichtig« Ereignisse aus der bis dahin abgelaufenen Zett unterrichtet worden. Außerdem ist vor einigen Monaten gemäß einer Anregung aus Ihrer Mitte den Mitgliedern des HausÄ «in« Zusammenstellung von besonders bedeutungsvollen Beschlüssen des Rates und der Ausschüsse zugegangen. Das Berwaltungsblatt selbst ist im vergangenen Jahre erheblich häufiger erschienen als bisher. Auch das entspricht einem hier mchrfach geäußerten Wunsch, dem wir uns bemüht haben, nach Möglichkeit zu entsprechen. Sollt« dabei dem wttklichen Bedürfnis nach Mitteilungen über di« Tätigkeit des Landesverbandes noch immer nicht Genüg« geschehen sein, so kann ich das mit Freud« nur als «in Zeichen für dagroß« Interesse begrüßen, das im Land« für die Arbeit des Landesverbandes besteht, wenn ich andererseits auch nicht den Mut habe, daraus etwa auf «in« ganz besondere Beliebthett des Landesverband«» zu schließen. Meine Damen und Herren! Es ist diesmal di« letzte Tagung in der ablansenden Wahlperiode. Und wenn der verehrt« Herr Borsitzend« vorhin angekündigt hat» daß er eine» Rückblick ans diese am Schluss« der Sitzung Wersen w«de, so glaub« ich, txch es sich auch für den Rat ziemt, ganz allgemein, ohne sich,in Einzelheiten zu verlleren, sich darüber ausznsprechen, was der Landeiwerband erstrebt und waS er geleistet hat. Klar sind wtt uns ohne wettere» darüber, daß manches unerfüllt geblieben und nicht jedes Ziel «rreicht worden ist, aber ebenso kl« ist, daß wtt auch manchevollbracht und etliche Erfolg« errungen haben. Wenn wir urteilen sollen, so hängt wohl alles davon ab, wst wtt di« Frage zu beantworten haben: Wenn es «inen Landesverband nicht gäbe, müßt« er auch dann jetzt noch gegründet werden? Wenn dies« Frage bejaht wird, dann ist di« Existencherechtigung des Landesverband«- erwiesen. Dann kommt <» auf Einzelheiten vielleicht weniger an, insbesondere weniger auf dtt Einzelheiten der Verfassung, di« ja nur «in Instrument bilden soll, uns zu ermöglichen, mit denkbar größter Leichtigkeit unsere Arbeit zu verrichten. Nur muß wegen der herrschenden Wirtschaftsnot dafür gesorgt weichen, daß möglichst gering« materiell« Mittel zur Erreichung unserer Zweck« vertan werden. Wird di« Frag« verneint» meint man also, daß man sich zur Gründung eine» Landesverbandes nicht mehr entschließen würde, nun, meine Damen und Herren, dann nützt auch kein Herumkurieren an der Derfasfung. Dann müßt« man eben di« Konsequenzen ziehen und einen Landesverband, dessen Rotwendigkett nicht anerkannt wird, zur Auflösung bringen. Wir wollen die Frage nicht leichtfertig beantworten. Ich weiß, «S gibt viel« unter Ihnen, Gott fei Dank, daß es viel« gttt, die den Landesverband ohne weiterebejahen, die von aufrichtiger Begeisterung für den Gedanken de» Landesverband«» getragen find. Und ich, als Vertreter diese» Landesverband«», fühle dtt Verpflichtung» denen, di« so denken, «in herzliche» Iifchttkauach zu sagen. Denn ihnen und ihrer ftendig geleisteten Mitarbeit verdanken wtt es doch letzten Ende», daß wtt über all die Hindernisse, di« auf unserem Weg« liegen, hinweggekommen sind, daß wtt di« inneren und äußeren Schwierigkeiten überwunden haben. Aber, mein« Damen und Herren, ausschlaggebend für dtt Beantwortung der Frag« kann natürlich dies« Begeisterung nicht sein. Wir stehen hier für di« Intereffen de- Judentum-, und da müssen wir uns kühl ftagen: Erfordern dies« Interessen «inen Landesverband? Und wtt müssen auch dt« Wetter« Frag« stellen, dtt sich in der heuttgen Zett ohne wettereS jedermann immer wieder aufdrängt: Können wtt einen Landesverband auch mattrtell tragen? Wir wissen alle — das steht ja immer vor unserem geistige!» Auge —, zu welchem Zweck der Landesverband hauptsächlich gegründet worden ist. Er sollt« dtt Verttetung der preußischen Juden und damit der bei wettem meisten deutschen Juden bilden, dtt Verttetung nach innen und außen. Brauchen wtt auch heul« noch «ine solche Gesamtverwetung der Juden? Mein« Damen und Herren, das glaub« ich allerdings sagen zu können: Dttse Frag« zu stellen, heißt zugttich, sie zu bejahen, denn es hat sich herausgestellt, daß dtt Verttetung sich bewährt hat. ES wäre auch et» .Wunder, wenn es anderwäre. Wtt leben in einer Zett der Organisationen. Alles drängt dazu, sich zu vereinigen und durch di« Zahl zu wirken. Wir leben freilich auch in einer Jett, dtt dtt voltt Gledhberechtigung der religiösen Bekenntnisse anerkennt. Soll «btt diese Gleichberechtigung für uns Juden nicht, wie «8 zum großen Teil doch bisher der Fall war, nur auf dem Papier stehen, sollen di« deutschen Juden als solche Anspruch auf Geltung erheben dürfen, Anspruch darauf, daß ihr« Stimm« gehört wird, dann muß eine Stell« da sein, dtt für da» Judentum dtt Stimm« erbebt und dazu legitimiert ist, dtt Stimm« zu «rheben. Rur durch dtt Stimm« der Gesamtzeit kann dtt Orffentlichkett erfahren, was wtt wollen. Di« Oeffentlichkeit muß aber wissen, was uns fiommt, und zwar, was qns nach unserer eigene» Üeberzeugung frommt, den» unsere Interessen sind schließlich wttkich nur aufgehoben bei uns selbst. Wir allein können wissen, wo »ns der Schuh drückt. Dtt Begründung einer Vertretung der preußischen Juden war aber nicht nnr notwendig, sie hat sich auch bewährt. Wtt nehmen als religiös« Gemeinschaft überall «in« geachtet« Stellung «in, dtt durch Hetzer und Hetzparttttn nicht «ehr zu erschüttern ist, denn sie wird garantiert in der Verfassung, und stt wird geschützt durch de» Staat und durch sein« Behörde». Gar oft hatten wtt Gelegenheit, dtt Meinung und den Willen der preußischen Judenheit zu« Ausdruck z« brtttgen und ihr Geltung zu verschaffen. Wtt habe« ferner zur Befriedigung unserer religiösen Bedürfnisse Mittel vom Staat erhallen. Wen» dtt staatlich« Beihllf« auch noch immer außerordentlich unbefriedigend ist und keineswegs im richtige» Petzättnis steht zu de», .was dtt anderen Bekenntnisse »o» Staat Mmmm», st» ist es doch gar ittdw. Fr»»», daß wtt auch auf dich» »«Wsiswäßig nicht sehr graste Beihilfe verzichtt» WÜstttu, wWU'WtHWniverbanL «ich» dagMtzeu