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Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden · 1930-07-01 · 3 (1.7.1930) · p. Seite 3

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Journal
Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden
Volume
8 (1930)
Issue
3 (1.7.1930)
Date
1930-07-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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. Ata. Rabbiner Dr. Ro senthal: „Mos« versammelt« die ganze Schar der Kinder Israel." Diese» Wort als Tatbericht, aber auch als gestern im Tempel vernommene» Thora-Wort, begrüß« di« heutige» zum Dienst« am Judentum geladen« Versammlung und präge unserem Beginnen nicht nur de« Stempel de» Sott- und Heillgtums-Berusenen auf, sondern reih« un» auch «in in di« Kette aller jüdischen Bereinigungen, rückwärts durch di« Jahrhunderte und Jahrtausend«, au» denen jüdische» Denken und jüdisch« Arbeit, jüdische» Wollen und jüdische» Lun hervorgegauge« sind. Wenn dabet hervorgehoben werden kann, daß wajakhel, „«» versammelte", da» Spitzenwort der gestrigen Schriftverlestmg, gerade sech» Mal in der gaazen Bibel vorkommt und wir in dieser Stund« die sechste Haupttagung de» Preußischen Landesverband«» Mischer Gemeinden feierlich «röffneu, so mag in diese« äußerlichen Umstand« für besinnliche Gemüter «in freundliches Entgegenkommen de» Zufalls liegen, um unserem sechsten DerbandStag «in glückhast Omen,, «in« ermunternd« Bedeutsamkett voranzustellen.' Um so mehr, da jener allen Versammlung, von der wir gestern lasen, att erster Punkt der Tagesordnung vorlaa: „Sech» Tag« soll Arbett verrichtet werden." So füge sich mtt Gotte» tzllf« daS Werk diese» sechsten Arbeitstages de» Preußischen LandeLverbandeS au da» seiner voraufgegangenen fünf Brüder zu «in« vollen und gesegneten Arbeitswoche, nach der wir gemeinsam unser Amt in di« Hände unserer Wähler zurück» lege», und unser« Auftraggeberin, di« preußische Iudenhett, wenn auch njcht von Jeber Einzelleistung, so doch von dem Ganzen, da» wir gewollt und vollbracht, bekennen mäg«: „Siehe, «» ist gut!" Das Wort wajakhel führt un» aber noch etwa» tiefer und näher an Subjekt und Objekt unserer Veranstaltung, an Träg« und Aufgabe unser« Tagung heran. Denn der Inhall von wajakhel ist kohol, ,pie Gemeinde", und wir find der Preußisch« Landes» verband jüdischer Gemeinden. D« Kahal» Begriff, bit Idee der Gemeind«, spiett in d« Religtonsgeschicht« de» Judentum» «in« ganz außerordentlich« Rolle. Nicht dt« Stiftung ein« Kirche, sondern di« Gründung ein« Gemeind« ist von Anfang an bewußte» und grund» sätzllche» Streben de» Judentum» gewesen; de» kehal haschem, der im Namen und in der Erkenntnis Gotte» zusammengeschlossenen Gemeinschaft, di« der religiösen Idee «ine Stätte der Pfleg« und Verwirklichung darbietet. Nur dt« Gemeind«, dies« unverwüstlich«, auf jedem Boden und unt« allen Verhältnissen bildung»» und entwicklungsfähige Keimzelle de» jüdischen Organismus, nur di« Gemeind« hat daS Judentum ln heidnischer GeisteSnacht frisch und lebendig gchalten, in den Verfolgungen de» MittelallerS vor Verdumpfung und Untergang geschützt. Nur die Gemeind« erzeugt auch in d« Gegenwart den ungebrochenen Lebenswillen und di« unausschöpfbare Lebenskraft, aus denen imm« neu« Anregungen, Einrichtungen, Organisationen für di« jüdisch« Gesamcheit erwachsen. Schon in seinem Namen bekundet also der Preußisch« Landesverband Mischer Gemeinden» waS er d« jüdischen Gemeind« schuldet, und wie der Zusammenschluß rückflutend di« Einzelgemeind« beleben» durchdringen und befruchten soll. WaS dabei im einzelnen not tut, wohin wir zu diesem Endzweck unser« Kräfte «inzustellen haben, vielleicht hebt sich auch die» au» dem Eingang d«S gestrigen SchristwortS für uns Hera«», aus dem eigentlich«! Programm dieser ersten Mische» Generalversammlung, di« zur Erstellung de» Mtschkou, der GotteSwohnung, «inberufen worden war. Da ist von vier heiligen Symbolen di« Red«, di« im Inneren des StistzelleS sein« Bedeutung und Wirkung zum Ausdruck zu bringen hatten: von Lad« und Altar, von Tisch und von Leuchter. Können Lad« und Altar mtt chren zum Himmel weisendem Cherubim und himmelanstrebenden Opferdüsten Zeichen und Vergegenwärtigung de» Göttltch-Uebersinnlichen sein, so vermögen der Tisch mtt seinem Brot und di« Menora mtt ihrem Licht di« menschlich« Anteilnahme darzustellen bet der Verbindung potschen Ewigem und Zeitliche«, di« im Zell der Zusammenkunst wirklich ward und in der Reügioa überhaupt wirllich wird. ES geht um Brot und Licht, um di« materielle und ideell« Erhaltung de» Judentum». Aber bet all« wirtschaftlichen Not und der gebieterischen Pflicht, di« al» jüdisch« Sesamchetteu oder Einzelpersonen um chr« Existenz Ringende» aufrecht z» erhalten — di« geistige Rot ist da» dringendst«, st« zu bannen, oberst«» Gebot. Don allen Geräten de» Helligtums war nur der Leuchter ganz und gar, durch und durch au» reinem Gold«. Al» Salomo dt« Menora für den Tempel verfertigt«, nahm er tausend Kikar Golde», um sie zu «tue« Kttar feinsten, gediegenste» Metall» au»zuschmelzen. Für di« Misch« Lehr«, für da» Licht de» Indent««», solle» und wollen wir unser Bestes, unser Teuerste» «insetze«. Nun, zu diesem Ziel und in Gotte» Namen, kol chacham lew bochem; ^aüe, die chetse» Harzen» unter Euch find" — und da» sind ja allere totoös&MSgff»46 tot «scher ziwoh haschem; „sie möge» komme« «»fer slhMxvVW drmGchech de» Herr»". Präsident Stern: Wein« Damen und Herrenk Der DerbandStag ist eröffnet. Ich begrüße Sie alle, di« Sie zu diesem letzten Verbandstag« der Wahlperiode erschienen find und hoff«, daß unser« Beschlüsse unserer gemeinsamen Sach« zum Segen gereichen werbe». E» ist noch zu früh, un» darüber klar zu werden, waS gewollt mtt» wa» erreicht ist. Vielleicht wird mir am Schluffe der Tagung dazu noch «in Wort gestattet sein. Jedenfalls wird diese Tagung, die die beiden Hauptstück« der letzten Tagungen, Iuden-Gesetz und Reichsverband, nur am Horizont aufzeigen wird, «ine echt« Arbeitstagung fein. Ich hoff«, daß st« neben der nun einmal nicht zu vermeidenden, vielleicht sogar erwünschten Aussprach« di« eigentlich« Arbett, zu der «ns unser« Wähler hierher geschickt haben, nicht zu kurz komme» lassen wird. Von den Mitgliedern des BerbandStages haben sich entschuldigt di« Herren Iustizrat Francken, Aachen, SinS, BreSlau, Dr. LissatKr, Köln, Direktor Marx, Königsberg, Dr. Salomonski, Berlin, Rechtsanwalt Dr. Werth« im, Berlin. Ich habe dagegen di« Freud«, heute «inen Gast bei uns zu begrüßen, der an sich zu un» hätte gehören sollen, der aber durch di« Wcüht der Pollttt nur noch Gast bei uns sein darf, nämlich den Vertreter der Gemeind« Danzig. (Lebhafter Beffall) Ich begrüß« Herrn Berghold als Danziger Vertreter auf das herzlichste und glaube in Ihrer aller Sinn« zu sprechen, wenn ich sag«, daß zwar politische Schlagbäum« zwischen dem deutschen Judentum und der Gemeind« Danzig aufgerichtet werden können, daß aber das Misch« Danzig, da» von un» immer als ein« Brücke vom Westen zitm Osten angesehen wurde und dessen lehrreich« Geschichte es uns ganz besonders verbunden macht, daß dieses Misch« Danzig, auch wenn es jenfett» der Grenzpfähle liegt, M uns gehört. ES freut uns besonder», dem heut« auch äußerlich Ausdruck zu geben. (Beifall) Mein« sehr verehrten Damen und Herren! Es liegt mir nun noch ob, der Männer zu gedenken, die in der Berichtsperiod« aus unserer Mitte abberufen find. (Die Anwesenden «rheben sich von den Pützen.) Da hat sowohl di« Landesversammlung wie der Rat schwer« Verlust« zu erleiden gehabt. Aus unserer Mitte sind die Kollegen Iustizrat Hirschberg in BreSlau und Katzenstein, Kassel, gerissen worden, tzirschberg hat in diesem Saal öfters zu uns gesprochen. Sein« Bedeutung für das Judentum aber erschöpft« sich ebensowenig wie die Katzensteins in der Tätigkett in dieser Versammlung und in den Arbeiten, die fl« für unser« Versammlung getan haben. Beide Männer spielten in chren Gemeinden und darüber hinaus eine ausschlaggebend« Roll«. Sie verdanklen diese Stellung der Inmigkett chres Mischen WollenS und der Tief« chres jüdischen Wissens, tzirschberg, der Konservativen Fraktion zugehörig, hat sowohl in BreSlau wie hier» ebenso wie Katzenstein, der einer gemäßigt liberalen Richtung angehörte, stets dafür Ieugni» abgelegt, daß im letzten Grund« das Trennend« nichts und das Einende unter uns alle» ist. Gerade in diesem Sinn« werden wir diese beiden, die so wirksam «in« Brück« zwischen den einzelnen Richtungen zu schlagen versuchten, schwer vermissen, und ste werden in unserem Andenken als gerechte, vornehm« Männer und treu« Juden fortleben. Wenn wir nun unser« Blick« auf die Plätze des RateS richten, so ist «S wohl kein Zufall, daß der Sitz da vorn heutr leer ist. Moritz Türk hat auf ihm gesessen. And wie er uns allen fchtt, da» brauch« ich hier nicht zu sagen. AS er vor «tnwer Zeit mtt de» Gedanken umging, den Vorsitz im WohlfahrtS-AuSschuß niederzulegen aus äußerlichen Gründen, da erklang der Ruf bei allen wie et» Mann, daß. dieser Mann an diesem Platze gehatten werde« müsse, und daß er in seiner Art, gerecht zu denken und sich auch in die Seele Andersdenkender hineinzuversetzen und in seiner prakttschen Art d«S Entscheiden» für unS unersetzlich sei. Nach seinem 70. GeburtStag, den er kn aller Frische begangen hat, ist er un» auf ewig entrissen worden. Ich kann hierzu nicht mehr sagen, aS nach seinem Tod« schon gesagt worden ist Aber in unserem Verband« wird dies« sachlich arbeitend« und doch so tiefinnerlich« Persönlichkeit schwer vermißt werden. Vor kurzem haben wir auch den Vertreter Oberschlesiens im Rat, Herrn Grünwald, verloren, der zwar naturgemäß als Mitglied de» Großen RateS bei un» nicht so lebendig Mitarbeiten konnte wie in seiner Heimat, der aber auch gerade uns dennoch «in werter und lieber Mttarbetter geworden ist. Wir alle werde» unseren teuren Toten nach jüdischem Brauch «in getreue» Andenken bewahren. Sie haben nicht vergeblich gelebt und sind un» nicht gestorben, sondern leben in unseren Herzen Wetter. — Ich danke Ihne«, daß Sie sich zum Andenken an fi« von den Plätze» erhöbe» haben. Da» Mandat, da» Professor Türk auSgeübt hat, hat. di« Jüdisch« Gemeind« - Berlin Herrn LandgerichtSrat Lüienthal übertragen, der somtt 1» da» Gremium «intrttt» welches auch sei» verstorbener Vater, desswr w^ gern »och einmal gedenken, tnuegehabt hat. Für Herne Grünwald fft tzerr Kolleg« Dr. Scheyer, Liegnitz, in den Rat «in- . .,, .

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