Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden
- Journal
- Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden
- Volume
- 7 (1929)
- Issue
- 3 (1.8.1929)
- Date
- 1929-08-01
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3980048-10021618-10021588--459-3980466- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
3 Aus der Tätigkeit des Rates und der Ausschüsse in der Zelt von Dezember 1928 bl» Februar 1929. Der Groß« Rat des Landesverbandes trat am 18. Dezember v. I. in Berlin zu einer Sitzung zusammen. Dies« beschäftigt« sich in der Hauptsache mit der Festsetzung des Haushaltsplans für das Jahr 1929/30 und stand vor der schwierigen Aufgabe, den Ausgleich herzustellen zwischen den verhältnismäßig geringfügigen, zur Ber» fügung stehenden Mitteln und den sich stetig erhöhenden Ausgaben, die ihm aus seinem sich mehr und mehr erweiternden Tätigkeitsfeld erwachsen. Die Umlage des Landesverbandes wurde wiederum auf */in% öes Reichseinkommensteuersolls festgesetzt und von der zur Stärkung der Leistungsfähigkeit des Landesverbandes sehr wünschenswerten Erhöhung der Beiträge mit Rücksicht auf die schwierig« Finanzlage der Gemeinden abgesehen. — Nachdem di« Beratung des Haushaltsplanes beendet war, wurde noch beschlossen, daß der Preußisch« Landesverband sich unterstützend an der neu zu gründenden Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutsch, land beteiligen solle. Am 17. Dezember fand im Anschluß an di« Tagung des Großen Rats unter Leitung des Rabbiners Dr. hoffmann, Breslau, ein« Sitzung des Konservativen Kultusausschusses statt, in der unter anderem di« Frag« besprochen wurde, ob nicht für die auf dem Lande angesiedelten jüdischen Familien «ine Uebertragung des Gottesdienstes durch den Rundfunk ermöglicht werden könnte. Es fand «in« eingehend« Aussprache über die halachischen Bedenken und tatsächlichen Schwierigkeiten der Durchführung der Anregung statt; es wurde jedoch kein Beschluß gefaßt. Dagegen wurde der Antrag angenommen, zur Hebung des jüdischen Wissens und des religiösen Lebens auf dem Land« — unbeschadet der Einrichtung der BezirkSrabbinate — Vorkehrungen zu treffen, um die vereinzelt auf dem Lande siedelnden Familien religiös zu betreuen. — Ferner würbe beschlossen, durch den RechtsauSschuß des Landesverbandes di« Frag« prüfen zu lassen, ob nicht vor jeder Eheschließung ein Vertrag geschlossen werden kann, durch den sich der Ehemann im Falle seiner Scheidung verpflichtet, nach vollzogener gerichtlicher Scheidung auch «in« religionsgesetzlich« Scheidung vornehmen zu lassen. — Ferner soll mit dem Liberalen Kultusausschuß über di« Frag« der Barmizwah von Kindern chrfftlicher Mütter in ein« Aussprache «ingetreten werden. Am 6. Januar d.I. fand die Wintersihung des Wohlfahrts- Ausschusses unter dem Vorsitz von Prof. Dr. Türk statt. Lin kleiner Rest der ihm für das laufend« Rechnungsjahr zur Verfügung gestellten Msttel wurde an einige Altersheim«, Waisenhäuser und Erholungsheim« verteist. Für das neu gegründet« Erziehungsheim in Marburg, das sich infolge der bisher noch kleinen Zahl von Zöglingen wirtschaftlich noch nicht selbst erhalten kann, wurde ein erhöhter Zuschuß bewilligt. Es wurde der Wunsch ausgesprvchen, daß Rabbiner, Lehrer und Aerzt« di« ratbedürstigen Eltern schwer erziehbarer Kinder, die sich an sie wenden, auf das erste jüdisch« Heilerziehungsheim Hinweisen möchten. Bevölkerungspolitik und die Begründung von tzauShallungs schulen bildeten den Mittelpunkt der allgemeinen Verhandlungen. Dem Beschluß des bevölkerungspolitischen Ausschusses, zur Klärung der Fragen und zur Erörterung wirksamer Maßnahmen ein« Konferenz einzuberufen, wurde beigetreten und der bevölkerungspolitisch« Ausschuß beauftragt, den vorliegenden Programmentwurf nochmals durchzuarbeiten und die Beratungsgegenstände und di« Redner zu bestimmen. — Für hauswirtschaftliches AusbtldungSwesen wurde von Frau Paula Ollendorff «in ausführliches Programm «ntwickett, dahingehend, daß in jeder größeren Gemeind« «ine Haushaltungsschube eingerichtet wird, da ein« gründliche Ausbildung auf diesem Gebiet bei der herrschenden Arbeitslosigkeit von äußerster Wichttgkeit sst. Die Schulen sollen nach staatlich genehmigtem Plane geführt und von einer staatlich geprüften Gewerbelehrerin geleitet werden. Staatlich« und städttsch« Beihilfen sind anzustreben. — Unter anderem wurden dann noch die Fragen der Gefangenen» und Entlassenen-Fürsorg« sowie der seelsorgerischen Betreuung der Kranken in Irrenanstalten besprochen. Ferner wurde der Plan erwogen, das wegen mangelhaften Besuches geschlossen« Kinderheim Bad Ems in «in Erholung-» und Genesungsheim für Kultusbeamt« umzuwandeln. Am 13. Januar d.I. trat die Reichsarbeitsgemeinschaft der jüdischen Landesverbände unter Vorsitz des Präsidenten des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden, KammergerichtSrat Wolff, in Leipzig zu ihrer zweiten Sitzung zusammen. ES waren Vertreter sämtlicher Landesverbänd« und des Deutsch-IsraelttischenGemeinde-Bundes erschienen. Nur der hessisch« LandeSxrband fehlt« entschuldigt. Di« Beschlüsse der Reichsarbeitsgemeinschaft bedeuten zwar kein« Bindung, sondern werden nur, wenn sie einstimmig gefaßt sind, an die einzelnen Landesverbände mft der Empfehlung wettergegeben, ihnen Rechnung zu tragen. Der hauptwert der Beratung liegt deshalb in der gegenseitigen Fühlungnahme und der Aussprach« über di« gemeinsamen Angelegenhetten. — Der Gedanke, die Bestrebungen zur Erhaltung jüdisch« Kunstdenkmäler zu unterstützen und zu vereinhettllchen, wurde von der Tagung lebhaft begrüßt. Di« einzelnen Landesv«bänL« sollen Zunächst für die Inventarisierung der Kunstschätz« sorgen und dann ihre Verzeichnisse nebst den Berichten und chren eigenen Erfahrungen fortlaufend dem Preußischen Landesverband Mitteilen, bei dem di« Angelegenheit bearbeitet wird. — Fern« wurde beschlossen, sich über di« Stellungnahm« zu dem Gesuch des Reichsbundes jüdisch« Frontsoldaten betreffend Unterstützung eines zu Ehren d« jüdischen Gefallenen von ihm herauszugebenden Ged^nkbuches «st schlüssig zu machen, wenn das Endergebnis der Feststellungen des Reichsbundes hinsichtlich d« Namen der Gefallenen, die bish« fortlaufend in fein« Zeitschrift „Der Schild" veröffentlicht wurden, vorliegt. Aeber die künftige Ausbildung der jüdischen Lehr«, insbesondere das Schicksal d« in Köln und in Würzburg bestehenden Anstallen, wurde eingehend beraten. Seitens der süddeutschen Landesverbänd« wurde darauf hingewiesen, daß zum Zweck« der Erhaltung des Würzdurg« Seminars ein« Unterstützung auch durch di« norddeutschen Landesverbänd«, hauptsächlich den Preußischen Landesverband,, dringend notwendig sei. Don anderer Seit« wurde betont, daß angesichts der geringen Mtttel des Preußischen Landesverbandes di« Bereitstellung größerer Beträge fraglich sei. Es wurde kein Beschluß gefaßt, jedoch kam es zu einer für di« wetteren Entscheidungen imm«hin sehr wesentlichen Annäherung der v«schieden«n Standpunkt«. — Wetterhin wurde beschlossen, hinsichtlich d« infolge Mangels an genügenden Räumlichkeiten notwendig gewordenen D«l«gung der vom DIGB. unterhallenen Erziehungsanstall in Repzien, den Landesverbänden zu empfehlen, die dazu erforderlichen Kosten, soweit der DIGB. sie nicht aufbringen kann, nach Möglichkett zu bewilligen. — Bezüglich der ursprünglich von d« süddeutschen Arbeitsgemeinschaft geplanten Zeitschrift für die Geschichte ber Juden in Deutschland, an deren Herausgabe sich der Preußisch« Laudesverband beteiligen will, wurde allseitig betont, daß sie völlig unparteiisch und rein wissenschaftlich geleitet werden soll, ohne daß irgend jemand auf die Herausgabe «inen Einfluß aus üben kann. — Unter anderem wurde wetterhin beschlossen, den Landesv«bänd«n zu empfehlen, dem ursprünglich vom Deutsch-Israelitischen Gemeinde- Bund in B«bindung mit der Großlog« UOBB. gegründeten Gesamtarchw der deutschen Juden zu seiner Erhaltung und Wetterführung die «rbetcne. Unterstützung zuteil werden zu lassen. . Am 20. Januar d.I. fand eine Sitzung d«S vom Rechts-Ausschuß eingesetzten Ausschusses für die Schaffung eines Wahlprüfungsgerichts statt.- Durch dieses Wahlprüfungsgericht soll erreicht werden, daß Streitigkeiten über di« Anfechtung von Wahlergebnissen usw. innerhalb der Gemeinden auSgetragen werden. In der Sitzung einigt« man sich grundsätzlich über die Fassung des Satzungsentwurfs für das Wahlprüfungsgericht, mit dessen Ausarbeitung ein Mttglied des Ausschusses beauftragt wurde. Dieser Entwurf soll vom Rechts-Ausschuß durchberaten und dem Berbandstag und Rat zur Genehmigung überwiesen werden. In «in« Sitzung des Liberalen Unterricht--Ausschusses unter Vorsitz von Rabbiner Dr. Bogesstein, Breslau, die im Anschluß an den Berbandstag am 5. Februar d.I. stattfand, wurde in der Hauptsache zu der Frag« Stellung genommen, ob man für die zu Ostern zu eröffnende Pädagogisch« Akademie in Breslau «ine jüdische Abteilung beantragen soll«. Es wurde nach länger« Aussprach« beschlossen, «inen entsprechenden Antrag an das Ministerium zu richten. Ls soll« jedoch Berlin der Vorzug zu g^en sein, falls hier «ine weltliche Akademie zu Ostern errichtet würde. — Den AuSschußmitgliedern wurde von dem Plan« d«S Ministeriums Kenntnis gegeben, zur Prüfung der jüdischen Lehrbücher ebenso wie für di« christlichen Konfessionen, einen ständigen Ausschuß «inzusetzen, d« aus fünf Mttglledern bestcht, di« in B«lin ihren Wohnsitz haben und sich auS Vertretern des Preußischen Landesverbandes und des Halberstädter Bunde» zusammenfetzen. Ferner tagt« im Anschluß an den Berbandstag am S. Februar d.I. unter Vorsitz von Rabbiner Dr. Seligmann, Frankfurt a.M-, der Liberal« Kultus-AuSfchuß des Landesverband«». ES wurde dort auf das wärmste befürwortet, durch Rundfunkübertragung den Zwerggemeinden und vor allem auch den einzelnen Familien auf dem Land« die Möglichkett zu geben, an einem jüdischen Gottesdienst teilzuhaben. — Der soeben fertiggestellte 2. Band des liberalen