Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden
- Journal
- Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden
- Volume
- 7 (1929)
- Issue
- 2 (30.5.1929)
- Date
- 1929-05-30
- Page
- Seite 35 (sequence 35)
- Language
- German
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- 3Ltfe: Bildung 6tS ReichSverbandeS a(& Dachorganisation oder als INorgantsattou überhaupt. Die verehrten Damen und Herren wissen, daß ich zu denjenigen gehört Hab« und noch gehör«, die grundsätzlich auf dem Standpunkt einer unitaristischen Reich»tagung und «in«S unitaristischen ReichSrat» stehen. Ich hatte da« Glück, im Januar 1921. al« der 21. Deutsch« Gemeindetag di« Verfassung de« D.I.S.B. fertigstellt«, da« Votum der Liberalen dahingehend zustimmend zu vertrete«. <U ist nicht unser« Schuld, daß wir heut« durch die Natur -er Sach« gezwungen werden, einer Dachorganisation zustimmen zu müssen. Ein großer Teil meiner Freund« hat mit den Herren der Bolk«partei seinerzeit di« Stimm« gegen di« Bildung de« Preußischen Landesverband«« erhoben, di« von einer Sette an» aeregl und betrieben wurde, die heut« wieder auf dem Standpunkt steht, daß der Verband der Verbände nicht zu schaffen und vielmehr zurückzukchren sei zu dem Projekt vom 21. Deutschen Gemeindetag. Demgegenüber möchte ich. der wie ges-gt grundsätzlich mtt vielen meiner Freunde auf dem Standpunkt diese« Projekts heut noch stcht, feststellem, daß di« Schaffung der Landesverbände nicht von uns auSgegangen. nicht von unS gefördert worden ist, sonder» daß der Preußisch« Landesverband erst nach dem Bayerischen gegründet worden ist, daß wir an der Seit« von Salomon Kalischer gestand«» haben, der damal« die erheblichen Bedenken gettend gemacht und darauf hingewiesen hat, daß durch di« Gründung diese» Verbände« di« Beschlüsse des 21. Gemeindetag«» zerschlag«« würden. Das ist geschehen. Heut« bestehen di« Landesverbände, heut« kann man über sie nach unserem Dafürhatten nicht mehr hinweg. Infolgedeffen haben wir uns schweren Herzen», um den Reichsverbaad auf di« Bein« zu stellen, entschlossen, der Gründung zuzustimmen. Ich Hab«, glaub« ich, loyal vertreten die Bedenken, die meine Freunde gegen diese« Projekt haben. Wenn ich sag«, daß wir diese Bedenken überwunden haben, um den Reichsverband auf dir Bein« zu stellen, komme ich zu den grundlegenden Erwägungen, di« man anstellen muß, um dieser Verfassung sein« Zustimmung zu geb«n. Ersten« stimm« ich Herrn KammergerichtSrat Wolff vollkommen darin bei: diese Verfassung abzulehnen, heißt daS Projekt für absehbar« Zett begraben. Man kann auf dem Standpunkt stehen, daß dt« Verfassung zu der Entscheidung führt: Lieber keinen al« solchen Reichsverband! Ich hatte diese Erwägung nicht für durchschlagend gegenüber den Gründen, die dafür sprechen. E» gibt ja auch unter «nS Männer und Frauen, di« überhaupt keinen Reichsverband wollen, bi« meinen, das wäre unnütz. ES gibt namentlich unter den Finanzier« solch«, di« auf dem Standpunkt stehen, der Reichsverband ist lediglich «in« schön« Gest« nach außen, dfe viel kostet und nicht« einbringt. Dieser vom rein materiellen Interesse bestimmt« Standpunkt ist nicht nur nicht richttg, sondern e« sind gerade materielle Interessen schwerwiegendster Art, die dies« Kreise dazu bringen müssen, den Reichsverband zu wünschen. E« gibt bisher «in« ganz« Anzahl für ganz Deutschland segensreich wirkender Institut«, di« in Preußen chren Sitz haben, aber bisher ausschließlich vom Preußischen Verband und den preußischen großen Gemeinden unterstützt wurden. Di« Gerechtigkeit und di« Lag« der preußischen Gemeinden erfordert, daß diese Last auf brettere Schultern gelegt werde« muß. Selbst derjenige, der gar kein« ideelle Hinneigung zu diese« Reichsverband der deutschen Juden hat, müßt« schon au« rein utilitarisllschen Erwägungen dafür sein, daß wir «ine Körperschaft haben, in der Nord» und Süddeutfchland die Kräfte miteinander auSgleichen. Zweiten»: ES ist gestern von beachtlicher Seit« in kleinem Kreise darauf htngewiese» worden, daß wir organisiert sind in politischer Beziehung in ReichSverbäuden, sowohl di« «attonal-jüdisch« Sette de« Hause« wie dt« nichtnational-jüdische Sette. LS ist dargelegt worden, daß da« deutsche Judentum in seiner charitativen Sette offiziell organisiert worden ist in der Iemtral-Wohlfahrtsstelle. DaS, wa« fehtt, ist «in doppetteS, ersten« die offizielle Vertretung der deutschen Jude» nach außen hin dem Reich gegenüber, und zweiten» - di« Zusammenfassung der dmttscheu Juden al« Jude» in reügiöser Beziehung. Beide« sind unumgänglich« Notwendigkeiten, wenn man auf dem Standpunkt steht, daß e« kein waldeckische», kein lippescheS, Preußische«, bayerische« Judentum gibt, sondern daß wir mtt allen Kräften daraus hinwirken müssen, daß dasjenige, wa« wirklich Vorhand«« »ud von allen anerkannt ist, «in deutsche« Judentum in seiner Gesamthett mtt sein«« eigene» Gesicht und eigenen Leben, auch endlich sich die Form gießt, in welcher e« überhaupt leben kann» E« ist wtcherhott gesagt worden, diese Form paßt un« nicht. Darauf ist zu «Wider»: ES ist der Geist, den sich de« Körper baut, «S find Säe Menschen» di« darin wirken, welche dieser Verfassung chren Geist aufpttigen werden! Mein« Damen und Herren! Auch di« Weimarer Verfassung (Zwischenrufe) ist in viel größerem Umfang« «in bindende« Grundgesetz d«S deutschen Volle», und trotzdem hat sich «ine gewisse stillschweigend« Verfassung, wie ditS in einem bedeutsamen Werk« Metnecke kürzlich auSgeführt hat, daneben gebildet, stillschweigend di« Derfaffung auSzulegen in dem Ginn«, wie «S di« Männer und Frauen glauben. Da soll nun diese Verfassung unfereS ReichSver» bandeS «in schwerer Klotz am Bein sein für den Willen, den wir alle haben, den Willen zur Vereinheitlichung und zur Vertretung d«S deutschen Judentum» nach außen? ES ist mir unbegreiflich, wie di« Männer und Frauen dieser Versammlung zu sich und ihren Brüdern draußen so wenig Vertrauen habe» können, daß st« glauben, «S werde nicht möglich sein, «ntweder neben dieser Derfaffung daS durchzusetzen, wa» sie wollen, ob«, wenn sie sich tatsächlich hindernd in den Weg stellt, dies« Verfassung nicht umzugießen, sei «S mtt Zweidrittel-, sei «S mtt Disfünftel-Mehrhett. Wen« dies« Verfassung Schwierigketten macht, dann muß sie, soll ste und wird sie beseitigt werden. Aber mein« Damen und Herren, wenn wir so lange grübeln und sptnttsieren werden, bi» jeder Wunsch zu jedem einzelnen Paragraphen verwirklicht sein wird, dann wttd man draußen dt« Lust und Neigung zu diesem ganzen Einigung»- und Aufbauwerk verloren habe». (Lebhafte Zustimmung.) Ich kann Ihnen sagen, den Hunderten und Aberhunderten Ihrer Wähler, sei es hinter Ihnen oder hinter un-, ist «» ganz gleichgüttig, a«S welchen Gründen Sie zugestimmt oder abgelehnt haben (Widerst)ruch), fi« werden Ihnen immer sagen: Nicht di« Gründe entscheiden, sondern der Erfolg entscheidet! (Beifall.) Sie werden Ihnen sagen: Ihr, die Ihr immer auf dem Standpunkt der Einheit de» Judentum» standet und den Wunsch äußertet, daß diese» deutsche Judentum' über di« Mainlinie und die LandeSgrenzea hinaus al» einig nach außen dasteh«, wie Ihr ja auch di« Überzeugung habt, daß da» Judentum nicht einmal hall macht vor den deutsch«: ReichSgren- Zen, Ihr habt in der entscheidenden Stund«, wo «S darauf ankam, den Willen in di« Lat umzu setzen, versagt! Di« besten Gründe werden nicht ausreichen, um den Wählern draußen da» klar zu machen. Meine Damen und Herren! Ich bi» am End«. Ich sage Ihnen da» «in«, dies« Verfassung mag gut sein oder mag schlecht sein (Zuruf: ..Sie ist schlecht!") — sie soll schlecht sein (Zurnf: „Sie soll, gut sein!") — Mein« Damen und Herren, der Augenblick ist zu ernst, um Witz« zu machen über dies« Dinge. Wir stehen in der Stund« her Entscheidung und müssen den Ernst der Entscheidung aufbriage». Mein« Dame» und Herren, glaube» Sie» daß di« Paragraphen Sie an der Gesamtarbeit für da» deutsche Judentum hindern werden, so lehnen Sie di« Verfassung ab; stehen Sie auf dem Standpunkt, daß Sie, dieselben Männer und Frauen, di« auch über größer« Schwierigkeiten hinweggekommen schd, trotzdem da» Wort zur Lat machen werden, und daß dies« Lat «in« segensreich« werden wird, so nehme» Sie di« Verfassung an. DaS, was ich gestern in kleinem Kreise meine» Freunden zugerufen habe, will ich mich hier wiederholen: Die Zuversicht, da» Vertraue» auf sich selbst ist dasjenige, wa» den Menschen und wa» di« Ding« macht. (Zuruf: „Im Absolutismus!") „Im lau taaminu, lau teomenu". Wenn Ihr nicht glaubt, so wird an Euch nicht geglaubt werden^ so werdet Ihr nicht gehört wett»«»! DaS ist der Sinn und di« Entscheidung dieser Stund«. (Lebhafter Beifall.) Abg. vr. Köllen scher: Mein« sehr geehrten Damen und Herren! Die Zugehöttgkett zur jüdische» DolkSpartei, die ich hier zu vertreten ^hab«, müßt« mich «igentlich der Notwendigkett überheben, «inlettend zu bebonrn, daß wir für «in« Gesamtorganisation sind. Sie wissen, daß wir dem Preußischen Landesverband nicht auS irgendwelchen technischen Vorzügen heraus und au» Vorzügen der prakttfchen Gemetndearbett zugestimmt haben, al» vielmehr a«S dem Grund«, well wir darin böi Anfang einer Gesamtorganisation erblickt haben, und daß dir Propagierung der BerbandSide« durch un» immer dahin ziett, größer« Kneife zu betreuen und dem Zusammenschluß zu «rwettern. Für un» war di« preußische Organisation die Vorstufe der Reichsorganisation. Für di« ReichSorgantfation zu jeder Zett und zn jeder Stund« einzutreten, ist un» heüig« Pflicht. Wenn mein derehtter Herr Vorredner davon gesprochen hat, daß e» auch Kreise gibt, di« nicht unbedingt für «in« Reich»- orgaaisation sind, so hat er fichettich nicht un» gemeint, denn er kennt unser« Stellungnahm«. Er weiß auch, daß jene Briese, die nach Nürnberg kamen und vor der Gründung einer Reichsorganisation warnten, well diese nur «1» Postulat der Vollkpartei und der Zionisten sei, gewiß nicht von un» auSgingen, sonder» von führenden Kreisen de» ZentralvereinS. Wenn als» in Zukunft davon gesprochen werden soll, wer die Reichsorganisation wünscht, wud wer mtt ganzem Herzen hinter ihr steht, dann können Sie antworte», daß diejenige», bi« hier auf der linken Seit« fitzen, fie propagiett und postuliert haben zu einer Zett, wo andere sie noch grundsätzlich bekämpft haben. Etwa» anderes ist di« Entscheidung, welche Behaudlung di« gegenwärtig« Vorlage verdient. Und d« «ach