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Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden · 1929-05-30 · 2 (30.5.1929) · p. Seite 23

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Journal
Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden
Volume
7 (1929)
Issue
2 (30.5.1929)
Date
1929-05-30
Page
Seite 23 (sequence 23)
Language
German
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28 — nuI sagen: Bei Würdigung aller Argument«, die dagegen vorgebracht find, kommen wir zu de« Ergebnis, daß auS den Gründen, - di« ich Ihnen «ntgegenhielt, di« LSfung, di« wir Ihnen Vorschlägen, «ine eindeutig« und zielsichere ist, um der Beamtenschaft willen, aber noch mehr um der 700 Gemeinden willen, wenn wir ihnen di« Grundlage ihre« Bestandes nicht nehmen wollen. (Beifall.) Präsident Stern: Nun hat fich noch als dritter Redner der Konservativen Fraktion, Herr vr tzorovitz zum Wort gemeldet. Ich bitte doch, nun di« Reden etwa- «inzuschränken. Abg. R.-A. tzorovitz: Mein« Damen und Herren! Di« Ausführungen des Herrn vr. Freund haben mich der Notwendigkeit «nchoben, nochmals auf di« Berechtigungsfrag« zurückzukommen. Nach meiner Ansicht ist Ihnen überzeugend dargetan, daß vom Standpunkt der Gemeinden aus die LSfung, di« Sie herbei führen wollen, unmöglich ist. Man ist heute mehr und mehr, wenn ich «S so nennen soll, zu einem Berechtigungsfimmel gekommen. Für jeden Beruf werdrn die Berechtigungen geradezu überboten. Jetzt dürfen nur noch Abiturienten Lehrer werden. Ich will mal auSrechnen, waS nächstens für «inen zukünftigen LandgerichtSdirektor an Ausbildung notwendig ist. Don einer Stell« wird immerzu auf die ander« Stelle weiter gedrückt. Damit wird nach meiner Auffassung die wahr« geistig« Entwicklung nur gehemmt. Die Persönlichkellen werden gezwungen, jahrelang durch «ine Maschine zu gehen, die ihnen gar nicht» nutzt. Und schließlich ergibt sich, daß diejenigen, di« den Berechtigungsfimmel vertreten, fellist ihn gar nicht wahr gemacht haben. Wenn heut« da» Abiturientenexamen für Lehrer allgemein verlangt wird» müffen wir un» der allgemeinen Lehrerbildung auch unterwerfen. Aber daS zu einer Frag« zu machen, di« da» Wesentlich« ist für ein« Subvention d«S Landesverbände», ist «in« Verkehrung de» Unwesentlichen zur tzauptsach«. Wir haben doch auch für di« Erhaltung unserer gemeindlichen Gottesdienst« zu sorgen. Da ist di« Methode, di« Sie anwenden, di« allerfalschest«, hinzu kommt, waS wir brauchen — da» werden unser« jüdischen Lehrerkollegen un» zugeben, waS wir hier im Intereff« d«S LandeSverbandeS brauchen — ist nicht di« allgemein«, sondern di« jüdisch« Ausbildung. Welches Parteirichtung Sie auch angehören, Sie werden dies« jüdisch« Ausbildung auf Ihrem Weg« nicht «rreichen. DaS Wesentlich«. waS di« Iawn« will, ist, daß wir bereits von Oberfekunda ab dem jüdischen Schüler «in solche» Wissen geben, daß er auf der Akademie etwa» leisten kann. Herr Gutmann hat gefragt, wa» denn «in Obersekundaner leisten könne. Der von chm gewünschte Lchrer hat nur noch zwei Jahr« Akademie dazu. Die machen ihn aüch nicht fertig. In einem unterscheid« ich mich von Herrn vr. Freund. Di« Paritätsfrag« kann kein« Roll« spielen. E» handelt sich um bestehend« Anstaften und kein« Neugründungen. Und wenn di« Kölner Anstall nicht bestünd«, dann wäre ihr« Gründung «in« unbedingt« Notwendigkeit. Präsident Stern: Damit schließt di« Debatte zu Allel 8. Zu Allel 6 wird da» Wort nicht verlangt. Wir kommen zu Aitel 7. „Bechilfen für wissenschaftlich« Arbetten, di« für di« Praxi» der Gemeinden von Bedeutung sind". Hierzu kommt der Antrag Sandler, der als Beihilfe für di« jüdisch« Akademie Mittel verlangt. Abg. vr. Fleischer-Berlin: Mein« Damen und Herren! Die Angelegenheit liegt so, daß, bevor der Landesverband bestand, die jüdisch« Gemeind« Berlin im Jahr 15000 RM. für dt« Akademi« hergab, und daß der Landesverband selbst 1927 15000 RM. bewilligt hat, 1928 dagegen nur 10000 RM. E» schien 5000 RM., um di« in diesem Anttag gebeten wird. Dieser Winberfürsorg« für di« Akademie stehen di« ständig größer werdenden Aufgaben gegenüber, sowie der ständig größer werdend« wissenschaftlich« Apparat. Di« Gelehrtenzahl beträgt augenblickltch 30 und der Etat der Anstatt für 1929 erfordert 170000 RM. Ich erinnere — al» Arbeit der Akademie — an die große Stattstik d«S preußischen Judentum», die jetzt in Druck geht und an di« großen religionSwtffenfchastlichen Werk«. Lassen Sie un» das Erb« des großen Juden Hermann Lohen pflege» und bewilligen Sie darum diese 5000 RM. «och heut« und einstimmig. RatSmllglied Kar «Ski: Ich darf darauf aufmerksam machen, daß der Antrag auf Reubewilligung von 8000 RM. mit dem Etat nicht» zu tun hat. E» handelt sich um Mittel, di« auS dem laufende» tzauShall gegeben werden sollen. Präsident Stern: Da» habe ich mißverstanden. An sich gehört der Antrag also zum Rechnungsabschluß. Dort soll er bei der Abstimmung hiakommen. Zu Aitel 8 hat daS Wort ,.y Abg. Kahn.Jaffa: Wir bitten, beide Aeil« de» Aitel» 8. Verein zur Förderung ritueller Speisehäuser, Hamburg und mensa« academica«, zufammenzuziehen. Zweimal 2500 RM sind bewilligt für den Hamburger Verein und di« mensae. Wir sind der Auffassung, daß der Hamburger Verein zurzett «in« Zentralinftauz ist, und daß die menfa« academica« von der Zentral« au» «in« Oberaufsicht haben müffen. Di« mensa« academica«, di« nicht betreut w«d«n von Hamburg,. gelten al» nicht absolut zuverlässig. RatSmllglied vr. Klee: Wir werden im Rat dies« Anregung mll allem Respekt erwägen. Ich glanb« aber, für di« SubventionSkommission Ihnen nicht unter, allen Umständen «in« Befolgung zufagen zu können. LS haben sich bei vielen Ilniverslläten durch Unterstützung lokaler Kreise mensa« gchildet, di« durchaus den rituellen Anforderungen entsprechen. LS würde auch ein« technisch« Schwierigkett darstellen, wenn wtt allerorts «ine Unterstellung unter den Hamburger Verband herbeiführen würden. Ich denke z. B. an den Fall in Königsberg. Dort ist di« mensa academica ein« Wohltat. Wir haben fl« auf Bitten d«S Herrn Falkenheim nach sachlicher und sehr gründlicher Prüfung subventioniert. Wir wären dazu nicht in der Lag«, wenn wtt den grundsätzlichen Standpuntt de» verehrten Kollegen akzeptieren würden. Wollen Sie darin bitte nur ein« technisch« Schwierigkeit sehen, di«, wtt mir scheint, da» von Ihnen Gewollt« Wohl auch erschweren müßt«. Ratsmitglied Prof. Türk: Di« Erklärung^ di« Herr vr. Klee namens der SubventionSkommission abgegeben hat, entspricht vollkommen der Auffassung de» Wohlfahrtsausschusses. Der Wohlfahrtsausschuß hat mich ausdrücklich ersucht, zu erklären, daß er sich die Verteilung der Mittel der mensa« Vorbehalt«, und daß sie daher nicht an den Hamburger Verein überwiesen werden können.- Sollt« in einer Universitätsstadt «in Hotel ufw. in Beztthungen zu der Hamburger Bereinigung stehen, so könnt« man mit chm in Verhandlung tteten. Präsident Stern: Wird nach diesen Erklärungen der Antrag der Herren Konservativen zurückgenommen? (Wortmeldung von den Konservativen.) Abg. Loewenthal-Eschweg«: Wenn dtt konservativ« Fraktion den Anttag gestellt hat, di« für mensa« academica« ausgeworfenen 2500 RM. ebenfalls dem Hamburger Speiseverein zu überweisen, so geschah diese» au» reinen Nützlichkeitsgründen. Denn «» wäre doch sinnlos, eine neue Institution für die Verwaltung diese» Bettage» zu begründen, wenn bereilS «ine solch« vorhanden ist. Der Hamburger Derein besitzt in feiner Kaschruth-Kommission ein Instrument, um dtt Verwendung derartiger Beträge zu beaufsichtigen. Der Derein selbst verdient unser ganze» Vertrauen. Er arbeitet vorbildlich und ist für die konservativen Juden in Deutschland geradezu unentbehrlich geworden. Auch den Wirten gegenüber besitzt der Verein «in« groß« Autorftät. Di« Zugehörigkeit zum Speiseverein bedeutet für dtt jüdischen Wirt« Sein oder Nichtsein. Man sollt« deshalb dtt vorhandenen Inftttutkonen zu fördern und zu kräftigen strchen und nicht etwa auS parteipolitischen Gründen ähnlich« Institutionen ins Leben rufen. — Di« Unterstützung de» SpeifevereinS ist für dtt jüdische Allgemeinhell konservativer Richtung mindesten» so wichtig wtt die Unterstützung der jüdischen Sportverein«, für welch« 10000 RM. auSgeworfen sind. Wtt empfehlen daher namens der Konservativen Fraktton, den Betrag für den Hamburger Speiseverein entweder auf 5000 RM zu erhöhen, oder di« für mensa« academica« ausgeworfenen 2500 RM. ebenfalls dem Hamburger Verein zu überweifen, und zwar schon deshalb, weil der Verein bereit» fett. über Jahresfrist ein« groß« Anzahl von Mensen unterhäft, dt« er monatlich subventioniert: Würden Sie ihm di« fraglichen 2500 RM nicht zuweisen, so wüßte der Verein nicht, wie er bereit» bestehend« Mensen fernerhin erhalten soll. Dieselben würden in diesem Faltt «ingehen, weil Sie den Wunsch haben, etwa» Neues zu begründen, das sein« Existenz» berechfigung erst beweisen muß. Lassen Sie un» lieber da« Bestehend« stützen. Präsident S f«r n: Zu Ziffer 4, Sportbewegung, hat da» Wort Herr ~ Abg. Goldr «tch: Meine Damen und Herren! Ich werde keine fünf Minuten sprechen, sondern Stt nur bllten, den Antrag der DollSpartei, der aber wohl die Zustimmung aller ohnchin finden wttd, anzunehmen, für die Sportbewegung anstatt der bisher vorgesehenen 3000 RM. 10000 RM. zu bewilligen. Ursprünglich bewilligte man den Iugendverbänden 15000 RM. in der Meinung, «in großer Aell der Gelder fließe der Sportbewegung zu. Da» war aber nicht der Fall. Der Rat hat nun beschlossen, 3000 RM für di« Sportbewegung zu geben, waS der hauShaltS-AuSschuß auf 6000 RM erhöht hat. Im Interesse der Bedeutung de» Sport», für das Judentum bitte ich Stt aber dringend, unserem Antrag« stattzugeben. Abg. Kahn-Jaffa: Wtt haben prinzipttll zu,dem Herrn Vorredner kein« Gegensätze in der Auffassung vorzubringen, wtt möchten aber beantragen, baß auch einzeln« Sportverein« im Land« draußen, namentlich an den kleinen Plätzen, da» Geld bekommen.

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