Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden
- Journal
- Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden
- Volume
- 7 (1929)
- Issue
- 2 (30.5.1929)
- Date
- 1929-05-30
- Page
- Seite 22 (sequence 22)
- Language
- German
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— 22 — jahrelangen Verhandlungen nicht ungezählt« Mal« aufgetaucht wäre. ES ist demzufolge auch nichtvorgebracht worden, waS den Standpunkt des RateS erschüttern könnt«. Bevor ich nun auf di« Einzelheiten «ingeh«, nehme ich «in Moment voraus, das ich nicht für bedeutsam halten würde, wenn es nicht in der Presse und auch in der Debatte alS «in besonders schlagkräftiges Argument vorgebracht worden wäre. Es wurde gesagt, der Rat Hab« den Beschluß nur mit einer knappen Majorität von 13 gegen 12 Stimmen gefaßt. Di« Behauptung ist formal richtig und sachlich falsch. Richtig ist. daß die Abstimmung das angegeben« Ergebnis hatte, aber nur auS einem ausgesprochen formalen Grund«. Der Antrag war von «nir gestellt. Er zerfiel in drei Teile, und ich hatte beantragt, daß. sie als «in unteilbares Ganzes zu behandeln seien. Soweit es sich nun um di« konkreten Vorschläge bezüglich der Iawn« und der Ausbildung der Kultusbeamten handelt«, bestand Einmütigkeit bei allen Richtungen, nur di« drei Lehrerdertreter waren dagegen. In bezug auf di« Ablehnung der Subvention von Würzburg lagen die Ding« anders. Als die Abstimmung daS Ergebnis 13:12 hatte, hat ein Teil der Mitglieder, die gegen die Anträge gestimmt hatten, ausdrücklich ihrer Abstimmung die Deklaration gegeben: Da sie für- Würzburg waren, haben sie gegen sämtlich« Anträge gestimmt. Wäre getteunt abgestimmt worden, so hätten sie für die Kultus» beamten und die Iawn« gestimmt. Run zur Sach« selbst. Der Rat hat bei dem Standpunkt, von dem er ausging, einmal die Lehrerschaft und Zwestens die Gemeinden im Auge gehabt. Der Bedeutung nach hätte ich umkehren und sagen können, «rstens die Gemeinden und zweitens die Lehrerschaft. Was di« Lehrer¬ oder besser die Beamtenschaft anlangt, so stehen wir auf dem Standpunkt, daß es «in Berbrechen ist, Menschen für einen Beruf heranzubilden, ohne sich der Verantwortung bewußt zu sein, die man für ihre Zukunft - übernimmt. Es ist «in Verbrechen, Menschen mit Stipendien in «inen Beruf zu locken und sie nachher auf die Straße zu setzen. Auf Grund unserer Stattstik sind wir zu dem Ergebnis gekommen, daß wir heut« bereits nicht die Verantwortung tragen können für die, di« wir in den Beruf hineingesteckt haben. Die Schächterschul« ist ein kleiner Anfang. Sie hat nur 12 Zögling«, und ich erklär« Ihnen, daß nicht einmal diese zwölf untergebracht werden können, weil es keine zwölf Gemeinden gibt» die einen Funktionär anstellen können, der nichts kann als nur schächten. Das gilt bei dem größeren Personenkreise in erhöhtem Maße für die Lehrer. DaS gllt sogar schon für diejenigen Lehrkräfte, di« wir bisher auf der seminaristischen Grundlage ausgebildet haben. Es fehst an den Unterbringungsmöglichkeiten. In der Debatte wird aneinander vorbei geredet. Die «inen behaupten, wir haben zuviel Lehrer und die anderen, wir haben zu wenig Lehrer, und beide haben recht. Wir haben zuviel Lehrer, sagen mst Recht diejenigen, die nur an die seminaristisch ausgebildeten Nur-Lehrer denken und in Zukunft an di« akademischen. Wir sind nicht in der Lag«, den Nur-Lehrern Unterkunstsstellen zu schaffen. Es haben aber noch viel mehr diejenigen recht, di« sagen, wir haben zu wenig Lehrer. Denn wir stehen der grotesken Tatsache gegenüber, daß wir zur Bildung von Lehrerbezirken — der einzigen Möglichkest zur Verhütung des Zusammenbruchs von fast 700 Gemeinden — fest einem Jahr «in« Reih« von Stellen bewilligt haben, im Bezirk Trier, in Schleswig- Holstein und in Schlesien. Und bis zum heutigen Tag« sind dies« Vakanzen zum Teil noch offen, «in« haben wir mühselig in allerletzter Zest besetzt, weil auch nur für dies« sechs Stellen di« Funktionär« nicht zu bekommen waren. Woher dies? Well ziffernmäßig im preußischen Staat bzw. im Machtbereich des Landesverbandes die Verhältnisse sich für 285 Gemeinden — jetzt spreche ich nur von den kleinen Gemeinden — folgendes Ergebnis herausgestellt hat: Nur acht Gemeinden sind darunter gewesen, die Personen beschäftigen, di« nichts Wester waren als Lehrer (Hört! hört!), 114 Beamte konnten nur mst Hoppeller Tättgkest untergebracht werden, 164 nur als Lehrer, Kantoren und Schächter zugleich. Nun, mein« Damen und Herren, wollen Sie Wester im luftleeren Raum herumoperieren? (Sehr richtig!) Wir jedenfalls stehen auf dem Boden der Tatsachen und müssen verlangen, daß jeder sich der Pflicht bewußt wird, di« wir den Gemeinden schulden. Wir erklären Ihnen, Sie können uns 700 akademisch auSgebildet« tadellos« Lehrer liefern. Wir können Ihnen davon nicht 7 unterbringen. Sie haben somit bei 700 ausgebildeten Lehrern 604 auf di« Straß« gesetzt. (Hört! Hört!) Ls gibt nicht «inen einzigen von unS, der nicht die Forderung Dr. GutmannS unterschrieb«: Das Beste ist gerade gut genug, und je kleiner di« Gemeind« ist, «in« um so besser« Kraft muß 4« haben. (Zurufe: Na also!) Na also? Damit ist gar nichts getan, solang« Sie den kleinen Gemeinden diesen Lehrer nicht geben können. (Rufe: Bezirkslehrer, das ist doch Ihr« eigen« Idee!) Gewiß. Wir haben leider jedoch bisher noch nicht di« Möglichkeit gefunden, auch nur «in« einzig« Bezirkslehrerstell« zu besehen, wenn wir nicht mst der dreifachen Beschäftigung der straft rechnen konnten. Mst liebenswürdiger Gest« ist unS gesagt wordep: Bilden Sie doch nicht nur Lehrerbezirk«, sonder» auch Schächterbezirk«. Nun, meine Damen und Herren, ich glaub«, nicht besonders eitel und auf die Inanspruchnahme von Urheberrechten erpicht zu sein. Aber ich darf — well dies« Ding« im VerwaltungSblatt gedruckt sind — vielleicht darauf Hinweisen, daß ich schon vor zwei Jahren neben dem Bezstkslehrer den Bezirks schächter verlangt Hab«. Die Idee ist also nicht neu. Di« Durchführung ist aber in irgendwelchem bettächtlichen Umfang« nicht möglich, weil wir mit Schächten allein bisher noch keinen Funktionär unterbrtngen konnten. Wir mit Ihnen wünschten, wie unser großer Lehrer Mose gesagt hat, daß Sie all« Propheten wären, daß es in der kleinsten Kehtlloh keinen Schächter gebe, der nicht akademisch approbiert wäre, geschweige denn einen Lehrer. Wenn Sie das Ideal durchsetzen, — wir gehen restlos mit Ihnen. Aber für ein« IllusionSpolttik können wir die Verantwortung nicht übernehmen. Wir würden «in Verbrechen begehen an der Zukunft der Gemeinden, wenn wir unS auf diese Prestigeftage weiter «inlaffen wollten und sagten: Wir dulden die Lehrer zwester Klasse nicht, selbst wenn wir di« Gemeinden dann ohne Lehrer lassen müßten und für di« Lehrer, di« wir auSbilden, kein« Beschäftigung fänden. Das sind so ernst« Ding«, daß in fast zwei Jahr« langen Beratungen sich die Ueberzeugung durchsetzt«, di« der Rat, loSgelöst von jeder parteipolitischen Richtung, in seiner Vorlage niederlegt«. Die Zahlen sind so ernst und eindeutig, daß ich mir nicht vorstellen kann, daß jemand dies« Notwendigkeit verkennt. Auf di« Bemerkung von den „Lehrern zweiter Güte" erwidere ich Ihnen das Folgend«: Ich Hab« festgestellt, wieviel vollwertig« seminaristisch« und wieviel ander« Lehrer bei unseren Gemeinden im Amt sind. Wenn in 295 Gemeinden sich 75 Lehrer befinden, die seminaristische Vorbildung nicht haben, so muß Ihnen das doch zu denken geben, Herr Dr. Gutmann. Di« Frage ist doch nicht etwa di«: Sollen wir den Gemeinden di« besseren Lehrer, die wir ihnen geben könnten, vorenthalten oder nicht? Vielmehr liegen di« Dinge so: Zwingend« Tatsachen bringen es mst sich, daß di« Gemeinden auf den Schächter nicht verzichten wollen. Sir werden auch auf den Kantor nicht verzichten. Denn beide brauchen st« für ihr religiöses Leben. Wenn sie den Mann für dies« beiden Funktionen einmal haben — und für «inen Schächter bedarf es einer ganz bestimmten Qualifikation — so bringt die Wucht der Tatsachen es mst sich, daß dieser Mann auch unterrichten wird, in Zukunft, wie bisher. Ob «S uns paßt oder nicht. Jetzt ftage ich: Was ist bester, daß der Mann auch, ohne daß er was vom Unterricht versteht, unterrichtet, oder daß wir in klarer Erkenntnis besten, waS wird, den Mann drei Jahr« auch unterrichtlich ausbilden. Sie brauchen ihn ja nicht als Lehrer zu bezeichnen. Aber der Mann, der doch in di« Gemeinde kommt und zwangsläufig auch Unterrichts-Tätigkeit ausüben wird, muß das so gut tun als es irgendwie geht. DaS ist di« Wirklichkeit. Darum die dringend« Büt«: Lasten Sie es bei dieser Vorlage. Und wenn wir dazu gekommen sind» Ihnen Würzburg zu streichen, so auch dies aus keinem Grund«, der in der Sach« unS trennt. Unser Gesichtspunkt war: Der Landesverband kann sich den Luxus nicht leisten, «in« liberal« und zwei konservativ« Anstalten zu hallen. Di« Frag« war nur, welch« konservativ« Anstatt er unterstützen soll«, ob die preußisch« oder die bayerisch«. Sie sagen: Wir wollen doch nicht Kleinstaaterei treiben und zwischen Preußen und Bayern «inen Unterschied machen. DaS würde ich in anderem Zusammenhang auch sagen, etwa beim Reichsverband. Aber hier übersehen Sie zwei Tatsachen, die wir — sie mögen uns gefallen oder nicht — respektteren müssen. Di« «in« ist «in staatsrechtliche» Moment, die zweit« «in finanzielles. DaS staatsrechtlich« ist das, daß leider vorläufig di« Lehrerausbildung noch «in« LandeSsach« ist, und da die Länder nicht uniform Vorgehen, nutzt «S nichts, di« Fahne d«S alldeutschen Gedankens hoch zu Hallen. ES muß preußisch« Lehrerblldungsanstatten geben, well di« Gesetzgebung preußisch ist. und «S ist absolut richttg» daß man damll r«hnen muß, daß unS jeden Tag Preußen erklären kann: Wir erkennen dt« bayerisch« Ausbildung nicht an. Well wir für preußisch« Lehrer zu sorgen haben, müssen wir inn«chald der preußischen Schulgesetzgebung mst preußischen Anstalten diese Frag« lösen. DaS finanziell« Moment ist das Folgend«: Wir sind der Ansicht, daß di« Lchrerausbildemg nach der Reichsverfaffung «in« Staatsaufgab« ist. Und daS preußisch« Ministerium hat sich diesem Standpunkt nicht entziehen können. Weil wir mst der Errichtung bzw. Unterhaltung der LchrerbiGuug^ anstallen staatlich« Funktionen übernehmen, verlangen wir, daß der Staat un» auch entlastet. Wir haben aber kein« Aussicht, Staatsbeihllfrn von Preußen für «in« bayerische Anstatt zu bekommen. (Sehr richtig!) Alles zusammengenommen kan» ich nur uoch ein-