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Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden · 1929-05-30 · 2 (30.5.1929) · p. Seite 21

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Journal
Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden
Volume
7 (1929)
Issue
2 (30.5.1929)
Date
1929-05-30
Page
Seite 21 (sequence 21)
Language
German
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Rahmen d«S LandeSverbandeS. Man sollt« in diesen Dingen Rechnung trvgen den Ansichten der entsprechenden . Richtung im Judentum, und wenn di« gesetzeStreu« Iudenheit sagt, Köln, so soll «* Köln sein. Nicht Preußen oder Bayern war di« Frag«. Aber «S ist nicht zu übersehen, daß wir aus der preußischen Staatskasse 600000 RMim Jahr« erhalten, darunter sind 400000 RM. für Lehrer. ES wäre unnatürlich, wenn wir dabei die preußisch« Anstatt zurückfetzen und ein« bayerisch« nehmen. Grundsätzlich aber ist für unS nur maßgebend, daß die gesetzestreue Iudenheit in Preußen di« Kölner Anstatt verlangt. Bezüglich der Kultusbeamtenschule sind mein« Freund« von der jüdischen Dolkspartei geteilter Meinung. Mein Freund Blumenfeld hat sich für die gleichmäßig« Lehrerausbildung ausgesprochen. Doch, mein« Damen und Herren, hat «in großer Teil meiner Freunde sich noch nicht entschließen können, diesen Sprung zu machen und will gewisse UebergangSbestimmungen Watten lassen. In diesem Punkte schließ« ich mich, der ich der dissentierensden Richtung angehöre, den Ausführungen von R.-A. tzorovitz an. Wir wissen nicht, wie sich di« Dinge in der preußischen Iudenheit mit der Ausbildung der Lehrerschaft gestatten wettren. Der Staat Preußen kann daS Experiment machen; er hat 16000 Junglehrer, die noch für viele Jahre ausreichen. Die preußisch« Iudenheit hat diese Rekruten nicht. Vielleicht werden die akademisch gebildeten Lehrer stch nicht in der «rforderlichen Zahl finden lassen. Dann muß dafür Sorg« getragen werden, daß KultuSbeamt« vorhanden sind, di« ausreichend harmonisch vorgebildet sind. Ich erkenne ohne weiterean, daß «in jüdischer Lehrer, stehend auf der Bildung seiner Zeit, mehr leisten kann für die Verbreitung d«S jüdischen Gedankens im Volke und für die Autorität der jüdischen Gemeinden. Alles daist wahr, und alles wollen wir erreichen. Aber wir wollen «in« UebergangSzeit haben, bis wir die fest« Ueberzeugung gewinnen, daß die religiösen Bedürfnisse der preußischen Iudenheit erfüllt werden können von Seiten der Lehrer, die, mit akademischer Bildung versehen, aus den Akademien und Seminaren kommen. Sehr interessiert unS auch die Frage der Heranbildung der Hilfskantoren. Wenn wir im Laufe der Zeit in den kleinen Gemeinden «ine groß« Zahl von HUfskantoren heranbilden werden, werden wir leichter die kleinen Gemeinden in anderen Beziehungen den benachbarten Gemeinde« angliedern können. Der Posten für di« Ausbildung von HllfSkantoren befindet stch schon seit einer R«ih« von Jahren in unserem Etat. Und wir haben in dem Kommentar nur di« lakonische Bemerkung: „Sie hat nicht stattgefunden." Warum? Es ist heut« Sinn dafür in der jüdischen Jugend in Deutschland, im Kultus ausgebildet zu wird«», im Bortrag der liturgischen Gebet«. Da soll der Rat aufgefordert sein, daß er diesen Posten nicht weiter als toten von einem Etat in den anderen schleppt, sondern wir erwarten, daß in diesem Jahr« energisch mit der Ausbildung von Ailfskantoren begonnen wird. (Beifall.) Abg. Kahn-Jaffa: Mein« Damen und Herren! Der Antrag, eine KultuSbeamtenfchul« zu schäften, geht von Berlin auS. ES ist bereits gesagt worden: Er ist nicht etwa von Köln zuerst gestellt worden. Ich möchte sagen, daß «S an sich vom allgemein jüdischen Standpuntt auS tief traurig ist, daß «in« jüdisch« Schul«, ein« Hochschule, die um ihr« Existenz seit Jahrzehnten materiell zu ringen hat, gezwungen kst, auch ideell um chr« Existenz in einem jüdischen Parlament noch zu kämpfen. DaS Kölner Seminar soll das Opferlamm für di« Geburt des Reichsverbandes sein. Das ist für unS so untragbar, daß es ganz ausgeschlossen ist, daß mit unS «in Reichsverband zu machen ist auf Kosten einer atten gehelligten Institution, di« wir im Rheinland — ich bin «in Rheinländer — schon von unseren Vätern und Großvätern als Markstein jüdischen Lebens und jüdischer Kultur übernahmen. Wir werden unser« konservativ« Schule ausbauen, und wir werden sie anzupassen haben den modernen Auflassungen, di« uns heut« vom Staat zum großen Tell vorgeschrieben werden. Wenn daS aber der Sinn des Landesverbandes sein soll, daß wir bei einer so grundsätzlichen Frag« um unser Leben kämpfen müssen, sehe ich für die Zukunft dieses Verbandes, lassen Sie mich das often aussprechen, außerordentlich pessimfttisch. Wir haben volles Verständnis für di« Forderungen der Lehre» schaft. Aber, meine Damen und Herren, di« Elternschaft ist auch noch da. Und wenn in unseren Parlamenten überall di« Elternschaft etwas mehr als bisher mitzusprechen hätte, glaub« ich. würde di« ganz« Atmosphäre doch etwaanders auch in liberal«» Kreisen auSsehen. Denn wir haben für unser« Kinder zunächst auch zK sorgen, genau so wie di« Lehrer für ihren Sta»»d. Da lassen wir unS keine Vorschriften machen, wie wir di« Erziehimg der Lehrer und demgemäß di« unserer Kinder verlangen müssen. Wir haben bei dieser Angelegenhett einmal klar gesehen, wie, gerade uns Konservativen mitgespielt wird. Und wenn eben von jüdischer Lehrersett« gerufen wurde: „Dann gehen Sie nach Halberstadt, wenn es Ihnen nicht paßt!", möchte ich Ihnen sagen, daß die Konsequenz Ihres Beschlusses dahin führen könnt«, daß von Ihnen auS der Anlaß dazu kommt, den Konservativen di« Fühlung nach Halberstadt nahezubringen. Es gibt doch auch in Ihren Kreisen Tausend«, di« konservativer find als sie tun. Der Liberalismus von heul« hat «inen starken Einschlag in daS Positiv« bekommen. Die jüdischen Eltern, wenn st« heute in jüdischen Parlamenten mehr Einfluß hätten, als es leider der Fall ist, würden auch in dieser Frag« Schulter an Schütter mit uns stehen. Worum geht denn der Strett? Köln will genau so auSbilden wie Berlin. Köln hat stch zunächst gesträubt, die Kultusbeamtenschul« zu haben. Dann hat man alles möglich« a»»sg«streut über Separatismus. Das ist unjüdischer Geists Man soll auch di« ander« Sette hören. Wir werden Köln auf keinen Fall preisgeben, und unser« Erregung beweist» wie man gegen uns vorgeht. Wir sind als Juden nie so wett von unserem Zusammengehörigkeitsgefühl abgegangen, zu sagen, well auch ausgetreten« Separatisten an der Anstatt mitgearbeitet haben, müssen wir das Kind mit dem Bad« ausschütten. ES ist wichttg, zu sagen, daß wir auch für den Schächter, auch mit Rücksicht auf die anttsemttischen Angriff«, die allerbeste technisch« Ausbildung verlangen. Ich protestier« namenS meiner Freund« auch gegen di« sogen. Parttät, die man schlagwortartig anwendel. Sie können in kirchlich-religiösen Dingen niemals die historische Tradition mit dem Blaustift vom grünen Tisch aus wegradieren. (Heiterkett.) Köln hat sein« historisch« Mission und wird sie weiterdehatten, und wir sind nicht gewillt, mit uns hier paktieren zu lasten und betrachten «S als wichttgste Aufgabe, daß, wenn in Jahrzehnten ohne Landesverband daS Kölner Institut erhallen werden konnte, es heute nicht auf dem Altar des LandeSverbandeS geopfert werden kann. Präsident Stern teilt »nit, daß inzwischen «in konservativer Antrag «ingegangen sei, der Mittel .für di« Ausbildung von Schächtern verlangt. Abg. St»»d.-Dir. Dr. Gutmann: Ich spreche nicht als Lehrer u»»d vertret« nicht Standesinteressen, sondern als Vertreter der Gemeinden und muß auch als solcher sagen, daß es im Interesse der Geineinden liegt, Kultusbeamtenschulen, wie sie in Köln geplant sind, nicht «inzurichten. Ueberall geht man daran, di« Lehrerbillmng zu erhöhen; in Köln aber will man sie herabsetzen. (Zuruf: Aus Berliner Deranlasfungk) Obersekundaner sollen in drei Jahren z» Kultusbeamten, zu Kantoren, Religionslehrern und Schächtern ausgebildet werden. DaS ist ganz unmöglich. Man sagt, es handle sich nur um di« Ausbildung von Religionslehrern für kleine Gemeinden. Mein« Damen und Herren! Verlangen di« Kinder in den Nein«» Gemeinden nicht denselben volttoertigen Unterricht wie di« in den großen Gemeinden? (Sehr richfig!) In der kleinen Gemeind« ist überdies der Kantor und Religionslehrer der einzig« Träger des religiösen Lebens. Ein so ausgebildeter Religionslehrer kann di« ihm gestellte Aufgabe nicht «rfÄlen. Im Interefte der Kinder gerade dieser kleinen Gemeinden müssen wir wünschen, daß nicht halbgebildet« Menschen in sie geschickt werden. Und es kommt »»och eins hinzu: Heut« ist der Lchrer nicht nur ein Dolksschullehrer, sondern «in Dolkslehrer. Auch der herantvachsenden Jugend soll der Lehrer Führer sein. Und auch dazu ist ein so gebildeter Lehrer nicht fähig. Und er genügt auch nicht den Erwachsenen in der Gemeind«. Gerade im Westen muß der Lehrer in vielen Fällen auch Pertreter des Rabbinersein und daher auch den Lrtoachsenen etwabieten. Das soll alles dieser halbgebildet« Mensch können? Und denken Sie an dies« jungen Menschen selbst, die ja ihr ganze- Leben als schlecht besoldet« Lehrer in kleinen Gemeinden verbringen können. Aber es kommt noch hinzu, daß nach den, Bestimmungen des Gesetzes von 1847 der Religionsunterricht nur von Männern erteilt werden darf, di« das Volksschullehrer-Examen gemacht haben und heute mindestens den Volksschullehrern an Bildung gleichstehen müssen. Freilich wird vielleicht auch hier wieder das gehässig« Vorrecht der Juden gelten, daß bei ihnen der Staat auf di« Durch, führung seiner Gesetze nicht achtet. Aber wenn di« Regierung auf chr« Verordnungen Gewicht legt, wird sie nicht gestatten köniren, daß so ausgebildet« Männer aÖ Lehrer tätig sind. Deshalb sollten wir davon absehen, Lehrer zweiter Güte auszubilden. (Beifall.) Ratsmttglied vr. Freund: Meine Damen und Herren! Di« Frag«, di« augenblicklich hier zur Debatte steht, ist in der Tat ein« der allerernstesten d«S preußischen und deutschen Judentum- und damtt unser«« Verband«-. Und der Ernst, mtt der sie behandelt wird, die Leidenschaft, di« inan ihr «ntgegenbringt, ist durchaus berechtigt. Ich will Ihnen vortrage», auS welchen Gründen der Rat zu seiner Vorlage gekommen ist «ad auf feinem Standpuntt verbleibt u»»d dabei vorweg bemerken, daß hier nicht «in einziges Argument vorgebracht worden ist, das im Lauf« der nunmehr bereits

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