Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden
- Journal
- Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden
- Volume
- 7 (1929)
- Issue
- 2 (30.5.1929)
- Date
- 1929-05-30
- Page
- Seite 20 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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— 20 - * gebettelt, von Haus zu Haus gehend und von Gemeinde zu Ge» meinde, bei jeder Log« und jedem Verein sein« Not Nagend und» die Hände ausstreckend; so hat Köln sich bis jetzt gehalten, haben Sie dies« Summen gekannt? haben Sie gewußt, was «in bayerischer Landesverband für seine einzig« Anstalt tut und wie armselig es ist, was biS jetzt für Köln gegeben wurde? Und auch das wollen Sie kürzen und wollen dies« Anstalt brotlos und di« Lehrer «xistenzlos machen; und alles, was wir für di« Iawne getan haben seit einem Jahr, uns stützend auf Treu und Glauben dessen, was man uns sagte und im Rat« des Preußischen Landesverbandes beschlossen wurde, was wir taten beim Ministerium und Provinzial- Schulkollegium, was wir getan haben, indem wir von der Breslauer jüdischen Schul« uns einen Direktor geholl haben, — das alles soll für nichts gewesen sein? So sollen wir einer Fiktion zum Opfer fallen, einer mangelnden Kenntnis der Tatsachen in Ihrer Mitte? Meine Damen und Herren! Ich glaub« das nicht. Wir gönnen Würzburg alles, 100000 RM., wenn Sie in der Lage sind, es Würzburg zu geben. Aber deswegen dürfen Sie doch nicht Köln verarmen lassen... Das käme mir etwa vor wie ein« Frau, die «inen zweiten guten Schidduch machen will und ihr« Kinder aus erster Ehe enterbt, um ihrem zweiten Mann ein« möglichst groß« Mitgift einzubringen. (Heiterkeit.) Sie werden wissen, was unsere Aufgabe als Preußischer Landesverband an erster Stelle ist. Ich appelliere an Ihren Gerechtigkeitssinn und Ihr Gewissen. Sie werden darum den umstrittenen Titel des Haushaltsplans wiederherstellen und der Beratung wohlwollender Vertreter überlassen, gerecht zu werden nach der «inen Sefte und gerecht zu werden nach der anderen Seite. Sie werden kein Unrecht tun und keine Verbitterung Hervorrufen. Sie haben vorhin aus dem Mund« des Vorsitzenden unseren Fraktion gehört, daß es sich hier für uns um «in« heilige und große Sach« handelt; daß wir als konservativ« Fraktton mit dieser Angelegenheit verbunden find; daß chre freundschaftlich« Erledigung für uns — nun, wie sag« ich es am besten? — für uns ein« Hoffnung ist, weiter mtt derselben Freude mit Ihnen zu arbeiten, wie wir bis jetzt gearbeitet haben. Sie werden, mein« Damen und Herren, Sie, das Kollegium der Richter der preußifchen Iudenheit, an sich nicht verleugnen, was wir gestern gelesen haben bei der Einsetzung des ersten Richterkollegiums in Israel, Sie werden sein r>EN ’KX *”n TUt nicht nur Männer der Kraft, sondern auch Männer (und Frauen!) der Wahrheit. (Lebh. Beifall.) Abg. Iustizrat vr. Francken: Mein« Damen und Herren! Sie haben vom Referenten des Haushaltsausschusses gehört, daß der Rat den Titel „Ausbildung von Lehrern, Kantoren und Schächtern" nicht spezifiziert, sondern «in« Gesamtsumme von 129000 RM. eingesetzt hat, weil zur fraglichen Zeit noch keine Beschlüsse gefaßt waren, welch« Anstallen eigentlich unterstützt werden solllen. Es war infolgedessen für den Ausschuß notwendig, wenn er die Grundlage zu einer etatsmäßigen Beratung schaffen wollte, seinerseits zu spezifizieren. Sie haben gehört, wie das erfolgt ist. Die Liberale Fraktion, meine Damen und Herren, hat sich in überwiegender Mehrheft auf den Boden der Beschlüsse des Haushalts» ausschusses gestelft. Welch« Gründe dafür maßgebend waren, will ich Ihnen in Kürze vortragen: Zunächst komm« ich zu der Frag«, ob «in« Schule zur Ausbildung von sogen. Kultusbeamten, d. h. Lehrern und gleichzeitig Schächtern gegründet werden soll. Die Fraktion hat einmütig erklärt, daß «ine derartig« Schul« unter keinen Umständen errichtet werden soll. Der bezügliche Beschluß des Rates ist mit 13 gegen 12 Stimmen, also nur mit einer Stimme Mehrheit, gefaßt worden. Wir verkennen durchaus nicht, daß das Amt des Schächters «in religionsgesetzlich gebotenes, oder, wie Herr Kollegs tzorovitz es sagt«, «in heiliges Amt ist. Wir verstehen aber auf der anderen Seit« durchaus den Standpunkt der Lehrer, zumal der akademisch gebildeten Lehrer, wenn sie sagen, wenn di« deutschen Rabbiner es ablehnen, das Schächtamt selbst auszuführen, so kann man es auch uns als Lehrern nicht zumuten. Es ist selbstverständlich nicht zu verkennen, daß den' kleinen Gemeinden durchaus geholfen werden muß. Andererseits ist auch durchaus richtig, daß die Stellung des Lehrers durch Ausübung des Schächtamts nicht unbedingt leiden muß. Das hängt durchaus von der Persönlichkeit ab. Ich kenn« viele Lehrer, die das Schächtamt ausführen und trotzdem großes Ansehen genießen. Aber es ist auch nicht zu verkennen, daß namentlich dort, wo die Lehrer Unterrichts an den höheren Schulen erteilen, sie sich sagen, ihr« Stellung müsse darunter leiden, wenn sie gleichzeitig neben der Ausbildung der Schuljugend ihr« Tättgkeit im Schlachchaus der betreffenden Gemeind« ausüben müßten. Für diejenigen, die kein Verständnis für di« Gesetz« unserer Religion haben, kann di« Stellung nicht so gehallen werden. Wir denken uns di« Versorgung der lleinen Gemeinden so, daß Bezirkslehrer angestelft werden sollen und auch BezirkSschächter. Nun wird «ingewendet werden, bei den Bezirkslehrern und Schächtern sei das möglich; aber als Kantoren könnten die Leut« doch nur an einem Ort das Dochetermüt versehen, insbesondere an den Feiertagen. Da muß noch «in AuSweg gesucht werden, bezüglich dessen der Landesverband ja auch schon einleitende Schrftte getan hat, daß nämlich in den kleinen Gemein» 'den Laien gefunden werden, di« es lernen, di« einzelnen Tfillaus vorzutragen, um auf diese Weise den Gottesdienst, wenn der Lehrer nicht da ist, auftecht zu erhalten. Ich glaub«, in derselbe« Weise werden in kleinen Gemeinden sich Leute auch für das Amt des Schächters finden, so daß die Versorgung durchgeführt werden kann. Jedenfalls müssen wir es ablehnen, Lehrer zweiter Güte zu schaffen. Der jüdisch« Religionslehrer soll dieselbe Vorbildung haben wie sein christlicher Kollege. Was die weiter« Frage über die Stellung der verschiedenen Seminar« anlangt, so hat sich di« Fraktion grundsätzlich auf den Standpunkt gestelll, daß unter allen Umständen der konservativen Richtung dasselbe zugebilligt werden muß wie der liberalen. Es ist darüber gesprochen worden, daß di« Berliner Vorbeoeitungsanstalt keine ausgesprochen liberal« sei. Für den gegenwärtigen Augenblick ist das wegen der Gabelung des Religionsunterrichterichtig. Aber es war der dringend« Wunsch der Konservativen, daß neben der Berliner «ine konservativ« Parallel-Anstalt geschaffen werden solle, bei der auch der Unterricht in den Profan-Fächern von konservativen Gesichtspunkten aus erteilt werden soll. Das ist durchaus zu verstehen. Nun standen wir vor der Frag«, welche Anstalt wir berücksichtigen sollten. Da haben wir uns gesagt, daß es auf di« Dauer für den Verband untragbar sein muß, zwei konservative Anstalten zu unterhaften, einerseits die Iawne in Köln und andererseits die Würzburger Anstalt. (Zuruf: Was geht uns denn Würzburg an?) Die Iawne in Köln ist an und für sich keine ausgesprochene Borbereftungsanstall für Lehrer. Es ist gewiß, sie nimmt, wie es in den Protokollen der letzten Sitzung zum Ausdruck kommt, auch Schüler auf, die zum Lehrerberuf ausgebildet werden sollen. Genau so gut können aber auch Aerzte und Rechtsanwälte dort ausgebildet werden. (Zuruf: Ist das in Berlin nicht möglich?) Die Iawne hat bisher sechs Klassen. Daneben besteht ja noch das Kölner Seminar, das erst mit dem Jahre 1930, evtl, sogar erst 1932 seine Existenzberechtigung verlieren soll. Wir haben uns gesagt, daß «in« Anstall für konservativ« Lehrer in Würzburg besteh«. Der bayerisch« Staat hat beschlossen, daß all« Lehrerseminare alten Stils, die dort bestehen, in sogen. Vollanstalten, also in Aufbauschulen umgewandelt werden sollen, demgemäß auch Würzburg, heut« stehen wir vor der Tatsache, daß der Reichsverband geschaffen werden soll. Wir streben immer möglichst dahist. nicht von einer preußischen, bayerischen, kurhessischen usw„ sondern möglichst von einer deutschen Iudenheit zu sprechen. Deshalb sagten wir uns, es würde für den Bezirk des zu gründenden Reichsverbandes vollständig genügen, daß eine liberale LehrerbildungSanstall in Berlin und ein« konservative in Würzburg besteht. Deshalb sprachen wir uns für Würzburg aus. Wenn das richtig wäre, was inein verehrter Herr Vorredner über Kurhessen sagt«, würde «S dahin kommen müssen, daß schließlich jeder Staat . . . (Zuruf: Das bezieht sich nur auf Bayern, von dessen Freundschaft zu Preußen man ja in den letzten Tagen gelesen hat!) Ls wurde aber erklärt, daß Kurhessen kein« bayerischen Lehrer anstellen wolle. Wenn das zutteffen sollt«, müßte ja jeder Landesverband «in« Lehrerbildungsanstalt «inrichten. Das geht nicht. In der Rechtspflege pflegt man heute so außerordentlich viel mit einem schlechten Wort von einer guten Sache zu reden, nämlich von der sogen. Berreichlichung der Justiz. Ich glaub«, mein« Damen und Herren, es würde für uns deutsche Juden förderlich sein, weun unser UnterrichtSwesen auch verreichlicht werden würde. (Beifall.) Arnold Wiener: Mein« Damen und Herren! Mein« Freund« von der Jüdischen Dolkspartei haben beschlossen, in der Frag« der Seminar« sich für die konservativ« Anstalt in Köln zu erklären. Meine Parteifteunde in der Haushallskommission haben zwar «in« andere Haltung eingenommen. Das war aber ein Irrtum, der aus mangelnder Information hervorgegangen war. (Hört! Hört!) Di« Haushaltskommission war von uns aus mtt außerordentlichen Kräften besetzt; di« ordentlichen Mitglieder waren nicht da. Deshalb waren Persönlichkeiten erschienen, di« nicht die genügend« Fühlung mtt diesen Dingen hatten. Die Stellungnahme des haushattsausschusseS war nicht aufrechtzuerhalten. Wir haben uns entschlossen, unS für Köln «inzusetzen weder aus Gründen eines preußischen noch eines jüdischen Separatismus. Wir haben gemeint, wenn Sie der gesetzestreuen Richtung in der preußischen Iudenheit «in Seminar zugestehen, müssen wtt auch so loyal sein, das Seminar zu bewilligen, auf da« di« gesetzestren« Iudenheit in Preußen sich geschlossen eingestellt hat. Warum wollen Sie den Kreisen, di« in schwerer Zeit bas Kölner Seminar gehalten haben, di« Möglichkeit nehmen, sich «inzufügen in de»