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Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden · 1929-05-30 · 2 (30.5.1929) · p. Seite 19

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Journal
Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden
Volume
7 (1929)
Issue
2 (30.5.1929)
Date
1929-05-30
Page
Seite 19 (sequence 19)
Language
German
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- IS — tag Sie darüber nicht genügend aufgeklärt sind, und teilweise fatsch« und unrichtig« Vorstellungen bei Ihnen herrschen; so daß ich »ich wirklich im wesentlichen daraus beschräukea kann, von einem ungenügend unterrichteten Landesverband an «inen besser zu unterrichtenden zu appellieren. ES tut mir nur leid, daß besonder« der Vertreter der Liberalen Fraktion, der vorhin den Beschluß d«S HauShaltSauSschusie«, Köln vollständig unter den Lisch fallen zu lassen, billigt«, nicht anwesend ist, um di« Argument« zu hören, di« ich vorzubringen Hab«, und von denen ich 8taufe, daß sie auch auf ihn nicht ganz ohne Eindruck fein würden. Wein« verehrten Damen und Herren! Ich will beginnen mit der Kultusbeamtenschule. Ohne auf ihr« Berechtigung oder Nichtberechtigung, ohne aus di« Besorgnisse der Vertreter deS jüdischen LehrerstandeS, di« wir in unserer Mitte zu scheu di« Ehr« Hafen, einzugehen, will ich nur folgende« sagen: ES ist Köln nicht «ingefallen, «in« KultuSbeamtenschule gründen zu wollen. ES ist an Köln dieser Antrag vom Rat de« Landesverbandes ergangen (Hört! Hört!), und «S hat Köln mit schweren inneren opfern sich dazu bereit erklärt. Und eben, vor noch nicht einer halben Stund«, Hab« ich dem Dezernenten d«S Rate» in dieser Angelegenheit, Herrn Prof. Lürk. den Brief de« Kuratorium» deS Seminar« übergeben, in dem steht: Wir erklären unS bereit zur KultuSbeamtenschule, wenn unS die Wittel dazu fewilligt werden. Ich mache ferner darauf aufmerksam, daß unter den Mitteln, über welch« wir hier sprechen, unter den 129000 bzw. 107000 RM. de- Haushaltsplan«, kein einziger Pfennig für di« KultuSbeamtenschule auSgeworfen ist, daß «S sich lediglich darum handett, daß Köln, nachdem «S «in im Abbau befindliche« Seminar auf der «inen Seit« hat und «in« im Aufbau befindlich« DorfereitungSanstatt für Lehrer auf der anderen Seit«, sich berett erklärt, diese KultuSbeamtenschule zu übernehmen. (Zuruf: Wieso für Lehrer?) Köln erhält «in« Vorbereitungsanstalt für akademisch gebildet« Lehrer im Oberbau der Iawn«. (Aha-Rufe.) Sie soll doch di« Vorbereitung für fen künftigen akademischen ReligionSlehrer vermitteln. Und da komm« ich zum zweiten Punkt, Verhältnis de« Seminars zum Oberbau der Iawn«. Di« Iawn« bestand bis jetzt aus sechs Klassen bis zur Untersekunda. Der Aufbau soll bestimmt sein, jungen Leuten, die jüdisch« DolkSschullehrer werden wollen, di« Gelegenheit zu geben, di« Abiturientenprüfung zu machen und zu gleicher Zett diejenige jüdisch« Vorbildung zu genießen, die notwendig ist» um «inen jungen Mann von der Schulbank weg mft dem Abiturium in eine bis dahin hoffentlich bestehend« jüdisch« Lehrerakademie zu schicken. Nachdem das frühestens in drei Jahren sein kann, denn jetzt zum 1. April soll di« Obersekunda gegründet werfen, nachdem also frühestens 1032 der Oberbau beendet ist und jung« Leute nach den neuen Anforderungen für den jüdischen Lehrer diese Schul« verlasfen können, ist der Zustand des Seminar« «in in der Schwebe befindlicher. Das Seminar ist einstweilen gestattet bis 1030. LS findet in diesem Jahr« «in« Abgangsprüfung statt und jedenfalls noch «in« im nächsten Jahr. Was dann geschieht, hängt nicht an unS allein, sondern an den Maßnahmen der Regierung; der Regierung, die daS Kölner Seminar nicht nur duldet, sondern aus der Lrkenntnis heraus, daß «S ja einstweilen gar keinen Ersatz dafür gibt, kein« Anstatt, in der jüdisch« Lehrer, di« wir in fen nächsten Jahren brauchen, herangchildet werden können — die also' dieses Kölner Seminar als einziges weiter erhallen wiffen will, bis «in« andere Lösung gefnnden ist. Don diesem Kölner Seminar ist gesagt worden, daß es «ist« separatistisch« Anstatt fft. (Unruhe und Zurufe.) Dieser Auffassung trete ich «ntgegen. Ls wurde gegründet von dem Rabbiner sWolf Feilchenfeld, einem Mann der Gesamtgemeind«, «S wurde wettergeführt von dem Rabbiner Plato, der erst recht zur Gesamtgemeind« gehört«. Daß «S unter seinem Nachfolger «inen separatistischen Anstrüh genommen hat, nur in der Person seine- LetterS, liegt in der Entwicklung der Kölner Derhältniff«, di« zur Bildung einer AuStrittSgemeind« 1008 führten. DaS Seminar als solches ist kein« separattstifch« Anstatt. (Unruhe und Zwischenrufe.) DaS Kuratorium hat zum größten Teil und in allen Zeiten bestanden auS Männern der Gesamtgemeind«. Und in de» letzten Jahren wurde der Anstalt auch der letzt« separattstifch« Anstrich genommen. DaS gleiche gilt erst recht von der Iawn«. Wir habe» in der Iawn« «ine Schule, di« zunächst auch von einem AuStrtttS-Rabbiner gegründet wurde, die aber zu 80 Prozent von Kindern der jüdischen Sroßgemeind« Köln besucht wird, deren Kuratorium auch konservativ« und liberale Wänuer angehören, unter den letzteren der erst« Vorsitzende der Kölner Gemeind«, Blumenau, von dem man nicht Ahaupten kann, daß ihm auch nur «in separattsttscher Hauch anhaftet. Ein. weiterer Beweis gegen den Borwurf d«S Separatismus ist daS Folgend«: Außer 10 Lehrern, die aus de« Kölner Seminar hervorgegangen und Lehrer der beiden Shnagogengemeinden in Köln sind, befinden sich an öffenttichen Schule» wirkend« Lehrer a»S de« Kölner Seminar in: Altona (2), Beckum, Berlin (6), Bibra, Bonn, Borken, Breslau, Burghaun, Castrop, Delmenhorst, Emden, Frankfurt (2), Fürth, Fulda, Deseck«, Hamburg (5), Leipzig (2), Lyk, Linnich, Neümagen, Rhein«, Saarwellingen, Siegburg, Sontra, Tann, Trier, Wilhelmshaven, Würzburg. Also: In Gemeinden jeder Richtung befinden sich Schüler des Kölner Lehrerseminars. Bon einer Anstatt, die ihr« Schüler befähigt, in Gemeinden jeder Richtung zu amtieren und Lehrer zu sein, werden Sie nicht behaupten können, daß st« einen separattstifch«» Eharakter hat. Sie unterstützen da» Berliner Rabbinerseminar. Es erzieht sein« Zögling« für ganz bestimmt« Gemeinden. Beim Kölner Lchrerfeminar ist daS in der Praxis nicht der Fall, obwohl «S natürlich seinen Standpunkt,' «in konservative- Lehrerseminar zu sein, deswegen nicht verändert. Ich komm« nun drittenzum Verhältnis von Würzburg und Köln. ES ist die Meinung vertreten worden: Wir brauchen nur «in« konservativ« Anstatt, und darum unterstützen wir Würzburg und lasten Köln fallen. Mein« Damen und Herren! Würzburg kann Köln nicht ersehen und Köln kann Würzburg nicht ersetzen. Der Direktor feS Lehrerseminars in Würzburg, Stoll, dem doch an der Vorrangstellung seiner Anstatt und an deren möglichst großen Unterstützung durch fen Landesverband das meiste gelegen sein muß, sagt in der letzten Nummer d«S „Israelit" wörtlich folgend«-: „ES hat sich nun aber auch schon gezeigt, daß di« beiden festehenden preußischen Anstatten in Berlin und Köln nicht in der Lag« sind, fen Bedarf an Lehrern in Preußen allein zu decken." Als»: di« beiden Anstatt«» Berlin und Köln können den preußischen Lehrerbedarf nicht decken. Dafei kommt Berlin noch gar nicht in Betracht; «S wird noch Jahr« dauern', ehe die Entwicklung abgeschlossen ist. Stoll sagt weiter: „In Zeitungsäußerungen auS der jüngsten Zett fft der Gedanke aufgetaucht, di« bisher an zwei Stellen erfolgende orthodox« LehrerauÄildung an einer Stell« zu zentralisteren. Beide Anstalten Hafen aber durch chr« Schülerzahl chr« Existenzberechtigung erwiesen." Dazu bemerk« ich, daß in diesem Jahr« in der ersten Seminarklass« in Köln an 28 Schüler und Schülerinnen, von denen «in« groß« Anzahl, besonders die weiblichen, da- Abiturientenexamen Hafen, chr« Abschlußprüfung machen, und daß von der Unterklasse gegen 20 in di« Oberklass« kommen. Wenn Würzburg di« Zahl 100 angibt, so rechnet «S feine Präparandi« in Höchberg hinzu. Wenn Köln als sein« Präparandi« etwa di« Iawne-Schul« hinzunimmt, kommt minbestens di« gleich« Anzahl heraus. Aber nicht nur in bezug auf diesen Punkt können di« fechen Anstalten nicht miteinander vereinigt werden; st« müssen nebeneinander bestehen bleiben auch hinsichtlich der Berechtigung, bi« sie erteilen. Bayern kann nur «in« bayerisch« Berechtigung erteilen. Wir haben vor noch nicht sechs Wochen aus dem Bezirk Fulda gehört, daß dort di« Anstellung einemit bayerischem Diplom versehenen Volksschullehrers einer unbedingten Gegnerschaft begegnet. Wenn Sie noch so viel andere Beispiel« aus Berlin und Frankfurt anführen, müssen Sie damit rechnen, daß di« preußisch« Regierung in der Lag« ist, in jedem Augenblick zu sagen: Wir erkennen bayerisch« Lehrer-Diplom« nicht an, ebenso wie st« in der Lag« fft, fei bayerischen Studienassessoren, zu sagen: Wir erkennen bayerisch« Fakultates nicht an, so wie wir «S z. B. in einem Fall an der Iawne-Schul« drastisch erleben, wo der Betreffend« in München sein« FakuttateS erworben hat, und dem di« Anerkennung vom Provinzial-Schullollegium in Koblenz durchaus versagt bleibt. Schon deshalb müssen wir für Preußen Anstalten haben, und, nach den Grundsätzen der Parität, auch «in« solche der konsöwativen Richtung, in der jüdisch« DollSschullehrer herangebildet werden können. Ich komme zum Schluß und will Ihnen nun «in kleines DUd dessen entrollen, was bisher Bayern und Preußen für ihre Anstallen getan Hafen. ES hat bis jetzt das Würzburger Lehyerx seminar «inschl. der Präparandi« in Höchberg bezogen: 40100 RMvom bayerischen Landesverband. Dazu sind gekommen vom preußischen Landesverband 14000 RM., 7000 RM. nach Würzburg und 7000 RM. nach Höchberg, und von anderen Landesverbänden, dem badische», dem württemfergischen und wohl auch dem hessischen 17100 RM., so daß bis jetzt di« LehrerbildungSanstatt in Würzburg mtt ihrer PorferettungSanstatt insgesamt 61200 RMvon Landesverbänden bezogen hat. Und diese Summ« soll nunmehr, nachdem größere Anforderungen und insbesondere di« Notwendigkett d«S Auf- und Umbaueauch am di« bayerisch« Anstalt herantritt, entsprechend erhöht werden. Und waS hat Köln bekommen? Köln hat — wir haben Blut darüber geschwitzt — im vorige» Jahre 15000 RM. vom Preußischen Landesverband erhallen; vom bayerischen, badischen und württemfergischen Landesverband je 500 (fünfhundert!), zusammen 18500 RM Alleübrig« hat Köln sich zusammen»

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