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Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden · 1929-05-30 · 2 (30.5.1929) · p. Seite 18

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Journal
Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden
Volume
7 (1929)
Issue
2 (30.5.1929)
Date
1929-05-30
Page
Seite 18 (sequence 18)
Language
German
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— 18 — manchmal auch zum Rum d«S Arztes. Aber die technisch« Ausführung der Versicherung ist doch nicht immer einfach. In Frag« kommen Mittelstandskassen und Ersatzkosten. Wie will man den Betreffenden zwingen, sich zu versichern, wenn er nicht selbst vernünftig genug ist, daS zu tun? Man müßt« «S im Dienstvertnag fordern. Aber auch das ist nicht immer einfach durchzuführen. Z. B. der Betreffend« will sich versichern, aber di« Lrsatzp flicht der Kasse erstreckt sich nur auf Krankheiten, di« nicht vorher schon bestanden haben. Auch hat jede solch« Kasse nach chren Dersicherungsbedingungen das Recht, wenn sie zu stark in Anspruch genommen wird, zu kündigen. Ich will jetzt nicht weiter auf diese Fragen «ingehen, möchte aber diejenigen bitten, welch« sich etwa von Amts wegen mit dieser Materie zu befassin haben werden, in den Gemeinden bei den Vorbereitungen sachverständig« Aerzte zu Rat« zu ziehen. Präsident Stern: Ich möchte nachträglich noch Vorschlägen, für die einzelnen Spezialwünsch« zum Etat mit Ausnahme des ominösen Titels 5, «ine Redezeit von 5 Minuten höchstens «inzuführen. Für Titel 5 will ich «in« Beschränkung der Redezeit nicht einführen. Widerspruch erhebt sich nicht. Zu diesem Punkt« hat noch das Wort Herr Abg. Berger: Ich wollte die Anwesinden bitten, zu diesim Punkt« einmal ihr« Aufmerksamkeit zu lenken auf di« Bezahlung der Lehrer siitens des Landesverbandes, insbesondere auf die Art, wie der Rat di« Lehrer besoldet, di« nicht voll beschäftigt sind. Man stellt nämlich dann theoretisch sicherlich mit Recht fest, daß der Lehrer nur «ine ganz klein« Gemeind« zu versorgen hat (Zuruf: und verhungert!) und kürzt chm, weil er ja ftei« Zeit hat, siin Einkommen. In der Praxis führt das zu ganz unmöglichen Zuständen, denn Sie können von dem Lehrer nicht verlangen, daß er noch «inen Sonderberuf ergreift, was er ja gar nicht kann. Wenn man überhaupt diesen sehr gefährlichen Weg gehen will, darf man unter keinen Umständen schematisch verfahren. Ich hall« auch di« Praxis des Rates, prinzipiell unter dem Gehalt zu bleiben, was dem Lehrer an sich zusteht, überhaupt für falsch. Wir heben damit nicht di« Freudigkeit junger jüdischer Menschen, diesin Beruf zu ergreifen. Alle Deklamationen sind vollkommen wertlos, wenn wir uns nicht ernsthaft bemühen, unser« Lehrer anständig zu besolden. Präsident Stern: Damit ist Titel 1, 4 erledigt. Ich rufe auf Titel 1, 5 und 6. Hierzu hat daS Wort Herr Abg. Dr. Ehrlich: (Zurufe: Das ist doch erledigt!) Nach den Erfahrungen, di« wir im vergangenen Jahr« zu machen hatten, ist der Etatsposten „Ostpreußenhilfe" leider noch nicht mft Sicherheit als erledigt anzusehen. Wenngleich sämtlich« Parteien einmütig sich hierfür «ingesitzt haben, haben wir doch zu unserem Bedauern feststelsin müssen, daß schließlich der hohe Rat nachträglich «in« Reduktion vorgenommen hat. Wir bitten dringend, es diesmal zu unterlassen. Ich brauch« di« fünf Minuten Redezeit nicht, um unser« Bitte zu begründen. Denn insofern hat bereits in der Generaldebatte der Redner der Bolkspartei mir «in Wort aus dem Herzen gesprochen. Er sagt«, wir sollten über di« Grenzen schauen. Sehen Sie sich, bitte, vor der Tür dieses Saales die Karten von .Ostpreußen «inst und jetzt" an. Da finden Sie ein« Grenz«, zu der Sie nur weit über den Korridor hinaus blicken können. Ostpreußen stellt leider heut« noch «inen exzeptionellen Fall dar. Wir Ostpreußen wären glücklich, wenn wir ihn bald nicht mehr zu bilden brauchten. Präsident Stern: Zu Titel 2, „Beamte", sind keine Wortmeldungen mehr «ingegangen; zu Titel 3, Bezirksrabbinat«, hat das Wort Ratsmitglied Or. Freund: Mein« Damen und Herren! Die Frage der Bezirksrabbinat« ist vorhin bereits behandelt worden, und zwar in einer für den Rat nicht besonders fteundlichen Weis«. Der Rat habe ' seiner Pflicht gefehlt, er habe saumsilig gehandell. Di« Art, wie di« Frage behandelt worden sii, sei kein« Ruhmestat für den Landesverband. Mein« Damen und Herren! Heber die Notwendigkeit und Dringlichkeit der Einrichtung von Bezirksrabbinat«! besteht im Rat absolute Meinungsübereinstimmung. Ich darf darauf hinweisin, daß bereits auf der ersten Perbandstagung «in« ausführlich« Vorlage für di« Versorgung des ganzen Landes mft Bezirksrabbinaten von mir vorgelegt worden ist, und wir sind unverzüglich an di« Durchführung herangeschritten. Di« Schwierigkeiten waren aber doppever Art. Einmal fanden wir Widerstand bei den Gemeinden, di« den Bezirken angeschlossin werden sollten, und insbesondere ergaben sich Widerständevon fetten der Lehrer; sie befürchtete» von der Aufsicht über den Religionsunterricht «in« Einengung ihrer Bewegungsfreiheit, sie fürchteten auch für di« Kafuallen, di« sie bisher beziehen. Di« Gemeinden fürchteten gleichfalls, in ihrer Freiheit beschränkt zu werden. Alles das führte dazu, daß wir selbst dort nicht weiterkamen, wo wtt persönlich mtt den Gemeinden verhandell hab«n. DaS war besonders in Dinslaken der Fall. Di« zwett« Schwierigkeit lag in der Finanzierungsfrag«. Wir hatten uns di« Dinge nicht so gedacht, daß der Landesverband die gesamten Kosten tragen sollt«, sondern so, daß bei der Wichttgkett der Sach« für di« Gemeinden auch jede Gemeind« nach ihrer Leistungsfähigkett dazu beitragen sollte. Wir haben auch geglaubt, di« Staatsbeihilfen dafür flüssig machen zu können. Aber all« Versuche nach diesen beiden Richtungen hin sind bisher ergebnislos geblieben. Weil di« Angelegenhett aber keinen wetteren Aufschub verträgt, haben wir unS gesagt; Wir wollen di« Einrichtung schaffen, so wie es im Augenblick möglich ist. Wir wollen es der Entwicklung überlassen, welch« von den einstweilen noch draußen stehenden Gemeinden im Lauf« der Zeit zu unS kommen werden, und wir wolsin zunächst einmal auch das ganz« Risiko der Finanzierung auf den Landesverband übernehmen, d. h. auch dort Bezirksrabbinat« einrichten, wo die Gemeinden silbst zu Beiträgen bisher nicht bereit sind. Auf diesir Grundlage sind wir dazu gekommen, im Laufe dieses Jahres nicht weniger als 13 Bezirksrabbinat« «inzurichten bzw. sowett zu fördern, daß sie unmittelbar vor der Einrichtung stehen. Erst heut« wieder haben wir mit Niederschlesien verhandelt und sind dabei sowett gekommen, daß wir unter den Vertrag, den wir bereits konzediert haben, nur noch di« Unterschriften zu sitzen haben, um das Bezirksrabbinat in Oels etnzurichten. Für Westfalen gill dassilb«. In Dinslaken würde es ebensi liegen, wenn nicht von einem Mttglied dieses Hauses neuerdingS die Forderung gekommen wäre, daß nicht Dinslaken, sondern das benachbarte Hamborn Sitz des Rabbinats werden soll«. Dem Rat ist vorgeworfen worden, daß er gewaltsam Dinslaken zum Sitz des Dezirksrabbinats machen wolle. Diesi Sachdarstellung ist falsch. Wir haben siinerzeit Dinslaken dafür ins Auge gefaßt, ohne daß «in anderer Wunsch uns «ntgegengetreten wäre. Erst jetzt unmittelbar vor der Perfektierung kommt der Wunsch, unter Hinweis auf ein« LingemeindungSfrage Hamborn als RabbdiatSsttz zu wähsin. Wtt müssen aber zu irgendeiner Entscheidung kommen, und wtt wissen, daß st« nicht all« befriedigen wird; wenn wtt nach Hamborn gehen, protestiert Dinslaken, und gehen wir nach Dinslaken, dann paßt es Hamborn nicht. Ich darf Ihnen nunmehr vortragen, welche Bezttksrabbinat« z. Zt. überhaupt in Frag« kommen. Es handell sich dabei um zwei Arten, einmal um bereits vorhanden« Ortsrabbinat«, die zu einem Bezttksrabbinat ausgestaltet werden, wie es z. B. in Münster und Schneidemühl geschehen ist bzw. soll, und dann um di« Schaffung von gänzlich neuen Bezirksrabbinaten. Wir haben so bisher zwei Bezirksrabbinat« geschaffen, «ins in Schneidemühl durch Ausgestaltung des Ortsrabbinats und «ins in Schl«sw<g» Holstein durch Neueinrichtung in Friedrichstadt. In vierzehn Tagen haben wir dies letztere geschaffen, weil «8 möglich war, und man wttd hier nicht von saumseliger Erledigung sprechen können. Das Rabbinat in Oels haben wtt soweit gefördert, daß in acht, spätestens vierzehn Tagen nach der nächsten Dezernentenbesprechung di« Unterschrift unter den Vertrag vom Landesverband gesetzt ist. Ferner haben wir noch Rabbinat« zugesagt für Oberschlesien in Groß- Strehlih, für Westfasin in Borken und Münster und für di« Rheinprovinz in Dinslaken. Außerdem find von uns vorgesehen Bezirksrabbinat« in Schwedt a. d. Oder, Kolberg und evtl. Pasewall, Gelsenkirchen, Oberhausen und Krefeld. Das sind 13 Bezirksrabbinat«, von denen Sie annehmen können, daß sie in kurzer Zeit perfektiert werden. Derarttg grundlegend« Neuerungen können eben nicht aus der Pistol« geschossen werden, und Sie werden, wenn Sie das beachten, Ihr« Vorwürfe zurücknehmen. Ich darf Sie auch in bezug auf die Frag« beruhigen, wie wtt di« Stellen besitzen wollen. Wir haben für di« bereits geplanten Rabbinat« und noch einig« ander«, die wtt «inrichten wollen, bereüs di« Kandidaten, einig« haben wtt nach Berlin zu Probepredigten gebeten, um uns auS eigenem «in Urtell über ihr« Fähigketten btßxn zu können. Ich glaube, daß wtt damtt unser Möglichstes getan haben, und Sie brauchen, um di« Angelegenhett zu fördern, nichts weiter zu tun, als die beantragt« Summe von 50 000 RM. voll zu bewilligen. Wtt werden uns bemühen, auch Staatsbeihilfen für diesin Zweck zu bekommen. In welcher Höhe dies möglich siin wttd, muß noch offen bleiben. (Beifall.) Präsident Stern: Damit schließt die Besprechung zu Titel 3. Ich ruf« Wetter auf Titel 4, 5 und empfehle, auch di« nicht im Saasi Anwesenden darauf aufmerksam zu machen, daß jetzt der Punkt 5, „Ausbildung von Lehrern, Kantoren und Schächtern", herankommt. DaS Wort hat Abg. vr. Rosenthal-Köln: Mein« Damen und HerrgWl Ich glaub«, daß ich meiner Aufgabe zu diesim Punkte, der daS besonder« Interessi des Landesverbands bei seiner diesjährige« Tagung^ gefunden hat, am beste» dadurch nachkomm«, daß ich Sie aufkläre über «in« Reih« von Dinge», von denen ich an nehme,

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