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Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden · 1929-05-30 · 2 (30.5.1929) · p. Seite 12

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Journal
Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden
Volume
7 (1929)
Issue
2 (30.5.1929)
Date
1929-05-30
Page
Seite 12 (sequence 12)
Language
German
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— 12 — Gottesnäh« und Heiligkeit dem Einzelnen nahebringt. Wenn Sie so di« Verbindung der Aemter überdenken, wird Ihnen doch ein« ander« Beurteilung möglich sein. Mit den anderen Lehrern können wir di« unsrigen nicht vergleichen. Bei uns sind eben ander« Notwendigkeiten vorhanden, und wir müssen ihnen im Interesse der Gemeinden, di« wir erhalten wollen, Rechnung tragen. (Zwischenrufe.) Ich will mich nicht von de« Zurufen d«S Herrn Schriftführers verleiten lassen, mein« Zeit mit halachischen Ausführungen zu füllen, zu denen ich ja auch nicht zuständig bin, stell« aber Herrn Kollegen Fleischer eine Erörterung darüber vor einem anderen Forum anheim. Auf die Beschlüsse des Haushalts-Ausschusses, der mit liberalzionistischer Majorität beschlossen hat, der Lehrerbildungsanstalt Köln gegen di« Stimmen der Konservativen, der Mittelpartei und des Poale-Zion-Dersteter» di« Unterstützung zu streichen, wird unser Kolleg« Rabbiner Dr. Rofenthal nachher noch «ingchend zurückkommen. Ich hoff« dringend, daß Sie diesen Beschluß beseitigen, Denn wenn es dahin käme, daß di« einzig« in Preußen noch bestehend« konservative Lehrerbildungsanstalt von Ihnen nicht mehr unterstützt würde, dann könnten Folgen eintreten, di« dem Bestand« dieses Derbandes nicht zuträglich wären. Jedenfalls ist di« Frag« der Subvention von Köln «ine solch«, mit der unser« Konservativ« Fraktion sich aufs engst« verbindet. Und wir werden nicht unter dem Gesichtspunkt« der Parität di« Subvention ablehnen lassen. Eine solch« Parität gibt es für uns überhaupt nicht. Und es wäre lächerlich, zu sagen: Wenn es bisher 200 konservative Gemeinden gibt, müßten 200 liberal« dagegen gesetzt werden. Auf diesen Standpunkt kommen Sie aber, wenn Sie sagen: Wir bewilligen nur so und soviel für liberal« und konservativ« Anstasten. Das ist «in« unsinnige Parität, di« zu der Anschauung führt, der Verband sei dazu da, di« Berbandsgemeinden nach bestimmten religiösen Gesichtspunkten zu erziehen und nach der hier herrschenden Mehrheit, di« ja wechseln kann, zu ändern. Wenn das Ihr« Meinung ist, werden Sie allerdings bei uns und, wie ich glaub«, bei fast allen Gemeinden auf Granit beißen. Wichtigen Aufgaben haben wir uns bisher noch nicht zugewandt, Fragen des religiös-sittlichen Lebens, insbesondere z. B. einer, di« kürzlich in einem ganz neutralen Blatte angeregt wurde, nämlich der Errichtung von Jugend- und Landerziehungsheimen, in denen di« jüdische Eigenart viel besser gefördert werden kann als im nivellierenden Umkreis der Großstädte. Wir haben weiter zu fordern, daß die rituellen Anstasten und Einrichtungen stärker berücksichtigt werden. In dieser Beziehung möchte ich bitten, daß wir den Hamburger Verein besonders bevorzugen, und daß wir die mensa« academica« zur Betteuung dem Hamburger Verein übergeben. Auf dem gleichen Gebiet liegt, was wir das letztemal schon forderten, nämlich di« wirtschaftlich« Erleichterung der Sabbathheiligung. Auch hier sollt« der Rat über die Möglichkeit der Verwirklichung nachsinnen. Auch auf anderen Gebieten, insbesondere auf sozialem Gebiet«, ist manches getan, aber vieles vernachlässigt worden. Wo bleiben di« letzthin von uns geforderten, immer dringlicher werdenden Bezirksdarlehnskassen? Der verehrte Kollege Holländer hat an anderer Stelle auügeführl, wie man den Boykott beheben könne. Ästrch der Verband sollt« sich mit dieser wichtigen Frage beschäftigen. — Wir haben vor kurzem in Frankfurt «in« Stelle gegründet, die ich der allgemeinen Beachtung empfehle. Es ist die „E. A", Ehe-Anbahnungsftelle, di« W«ll>ung«n von Männern und Frauen «ntgegennimmt; sie soll an Stell« der west verbreiteten Unsstte treten, durch Inserat« oder ein Schadchen di« Eheverbindung zu suchen. Mit der E. A.. ist etwas getan, was vom Gesichtspunkt der Ehenot, insbesondere der jüdischen Frauen in Deutschland, nach meiner Auffassung außerordentlich dankenswert und beachtenswert ist. Auf ähnlichem Gebiet liegen bevöllerungspolittsch« Maßnahmen. Es liegt Ihnen da auch die Zuschrift des verdienstvollen Herrn Lion vor, di« zu prüfen ist. Bei den Arbeiten des Wohlfahrts-Ausschusses habe ich manchmal die Empfindung, als ob hier doch diejenigen bevorzugt würden, die am beste« schreien können. ES muß allmählich dahin kommen, daß der WohlfahrtS-Ausschuß zusammen «st der Zentralwohlfahrt-stell« so gut di« Notwendigkeit übersehen kann, daß er die Würdigen hervorzieht und die weniger Würdigen zurückweist. Mein« Damen und Herren! Hier wird von Demokratie immer viel gesprochen, und von dem Vertreter einer der Parteien wurde gesagt, di« Demokratie ist gerade für «ine jüdisch« Gemeinschaft di« notwendig« Grundlage. Das unterschreib« ich. Ich wunder« mich nur darüber, daß, wenn man dermaßen den Willen des Volkes, entsprechend der Verfassung, achten will, man sich dazu hergibt, di« Mandatsdauer immer wieder zu »erlängeru. Wir sitzen hier an sich überhaupt contra legem. (Sehr richttgl) Unser« WandatSdauer ist längst abgelaufen. Als ich das letzt« Jahr das feftstelste, wurde gesagt, eventuell werden wir im Herbst nochmals ein« Tagung haben. Welches Wunder geschah aber über Nacht! Nicht nur das Jahr 1929, sondern auch noch 1930 sollen wir zugeben und sollen weiter aus Grund der alten Wahlen hier sitzen. Da empfehle ich besonders den Herren der BolkSpartei, sich zu überlegen, wie es komme« konnte, daß ihr« Freunde im Rat sich damit einverstanden erklärten: Wir wollen die Mandatsdauer bis Ende 1930 verlängern. Mein« Damen und Herren! Wir wollen doch besser alle etwas in uns gehen in dieser Beziehung, und wenn wir von Demokratie fingen und sagen, di« Bedeutung dieses Wortes, ja der Idee, nicht übertreiben; aber wenn man davon spricht, dann soll man sie auch wahr machen in den Entschließungen, die man faßt. (Sehr richttgl) Wir wenden uns gegen diese verfassungswidrigen Anträge mit aller Entschiedenheit; sie sprechen den stet« betonten Grundsätzen Hohn. Ich will nun auf etwas anderes kommen und mich zum Reichsverband äußern. Di« Vorlage ist auch für uns mit zahlreichen Schönheitsfehlern behaftet. Ich persönlich bin freilich der Ansicht, wir haben jetzt jedes Jahr die Entschließung hinausgeschoben, weil wir immer dachten, das nächste Mal würde es besser werden. Aber es wurde nicht besser. Wenn wir den Reichsverbaud zustande bringen wollen, wird jeder etwas dreingeben müssen. Wenn nicht ganz schwer« Bedenken uns noch klar gemacht werden sollten, sollten wir den Reichsverband einmal in den Sattel setzen. Ich gebe damit vorläufig nur mein« eigen« Meinung wieder. Aber man wird vielleicht dahin kommen, sie etwas energischer in den Vordergrund zu stellen. (Glocke des Präsidenten und Hinweis darauf, daß die Redezeit bald abgelaufen ist.) Meine Damen und Herren! Ich will nur noch ganz kurz den Antrag, den wir wegen der Schiedsgerichte eingebracht haben, begründen. Ls ist «in bedauerliches Zeichen, wenn sich Gemeinden untereinander oder Gemeinden mit ihren Beamten herumschlagen. Nicht nur in Großgemeinden kommt das vor, sondern auch in manchen kleinen. Deshalb haben wir die Einrichtung von Schiedsstellen vorgeschlagen, di« diese Streitigkeiten intern beheben sollen. Meine Damen und Herren! Ein Dichter, der in jüdischen Dingen viel denkt und schreibt, hat vor einigen Tagen in einer öffentlichen Versammlung gesagt: Das Judentum bringt zum Ausdruck die sittlich« Idee der täglichen Erforschung. Es handest sich um den von vielen von Ihnen sicherlich außerordenttich verehrten Dichter Arnold Zweig. Wenn hier davon gesprochen wurde, daß jede Eigenart im Judentum chr Recht hat, glauben wst doch, daß das historisch« Judentum allein wirklich den Versuch macht, diese Idee der täglichen Reuerforschung, der Aeberprüfung jedes Lebenszeitpunkts, zur Wahrheit zu machen. Wenn heut« «in Weiser wie Palliör«, aus fernen Landen herkommt und einmal im liberalen, einmal im zionistischen Kreis« etwa ausruft: „Warum kehrt Ihr Juden nicht zur Thora zurück, die auch unserer Zeit wirklich etwas sagen kann", wenn er das Wiedererstehen einer jüdischen Gemeinschaft in Erez Israel als den möglichen Ausgangspunkt einer ungeheuren Umwälzung unserer heutigen Begriffe kennzeichnet, so ist vielleicht zu hoffen, daß dies« Stimm« von außen her überzeugender wirkt als di« Sttmme derer, di« unter Ihnen wirken, als die noch nicht verhallt« Stimm« der Helligen Worte des Zehngebots, das wst gestern gehört haben. Deshalb glaub« ich, wenn es noch so berechttgt ist. die Ligenarl des einzelnen auszulösen, dürsten wir doch nie vergessen, daß bas, was uns Kraft und Stärke gibt, das ist, waS uns überliefert ist von unseren Bätern, und WaS ungeteilt, ungelöst und unerkannt im einzelnen in unserem Wesen ruht, was nicht nur di« Gesamtpersönlichkett des einzelnen, sondern auch di« des Judentums ausmacht. Möge der Lag kommen, wo auch di« preußisch« Judenheit, oder sagen wir ruhig schon di« deutsch« Iudenheit, von diesem Geist «in gehöriges Tellen sich verspürt. (Lttchaster Beifall.) Ratsmttglied Prof. Äürk: Mein« Damen und Herren: Zu meinem aufrichtigen Bedauern muß ich auf «ine Aeußerung persönlicher Art zurückkommin, di« Herr Blumenfeld hier getan hat. Er hat behauptet, ich hätte gesagt: Wozu brauchen wst «in« Anstatt für Fürsorgezögling«, aus den Iungens würde doch nicht». Ich hech« schon durch einen Zwischenruf erklärt, daß ich dies« Aeußerung nicht getan habe und Herrn Blumenfeld gefragt, wer ihm da» mitgeteitt habe. Als sein« Quell« benannte Herr Blumenfeld Frau Wronsky. Wir haben «in« ganz« Rech« von Sitzungen über di« Gefährdeten - Fürsorge gehabt. Ich muß daher Frau WronSky bitten, mir zu sagen, wo ich «ine solch« Aeußerung getan haben soll. Ich kan» es nicht durchgehen lassen, daß dem Vorsitzenden des W^ffahrtta»«- schusses «in« solch« Aeußerung in den Mund gelegt wird. HerrK Blumenfeld dank« ich dafür, daß er so war« sich für «in« Erhöhung der Mittel für Wohlfahrtszweck« «ingesetzt hat. Wenn Herr RechtSanwatt tzorovitz an der Tättgkeit des Wohlfahrtsausschusses Kritik übt« und meint«, es würde nicht immer der Würdig« unter-

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