Mannheim
Compact Memory

Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden · 1929-05-30 · 2 (30.5.1929) · p. Seite 11

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden
Volume
7 (1929)
Issue
2 (30.5.1929)
Date
1929-05-30
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3980048-10021618-10021587--418-3980426
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

hast di« Tagung vorbereitet^ toorbtn ist, toi« unzureichend unser« Information erfolgt. Wenn hier mehrfach, und zwar von de« Vertretern der beiden größten Fraktionen, gesagt worden ist, daß di« Maschinerie de» Ratejo groß sei, so müssen wir dem um so mehr zuftimmen, al» wir sehen, daß die» allerklein st« Gremium de» Vater, nämlich der Engere Rat, nur «in einziger Mal zusammengetreten ist. Wir ist dar für ein« DerwattungSarbett, wenn di« Kern trupp« der arbeitenden Persönlichkeiten nur einmal Zusammentritt? Auf gleichem Gebiet« liegen di« Beschwerden, die über dar selten« Erscheinen der DerwaltungsblatteS kommen. (Zuruf: Dar erscheint nur Immer zum DerbandStage!) DaS könnt« schon richtig sein, und ich bitte endlich darauf hinzuwirken — aber vielleicht hat der Rat infolge der noch nicht erschienenen stenographischen Berichter noch gar nicht Kenntnis von dem, waS letzter Mal gewünfcht wurde (tzett«k«ü) —, baß diese Wünsch« auch befriedigt werden. Wenn ich nun auf einzelner im Tätigkeitsbericht noch «ingehen soll, muß ich entsprechend der Entschließung, di« wir vor» gelegt haben, «S bedauern, daß dt« Verhandlungen mit dem tzalberstädter Bund offenbar doch so wenig geschickt geführt wurden, daß fle zu «inem Scheitern kamen. Der Entwurf ist im Juli «ingereicht worden, weil man sich sagt«, noch länger dürfe die Sach« nicht verzögert werden. Nun weiß im Februar noch niemand authentisch, war die Regierung dazu gemeint hat. Wäre «r nicht doch klüger gewesen, zunächst nochmals mit dem tzalberstädter Bund« zusammen zu verstechen, einen gemeinsamen Entwurf vorzulegen? Er ist hier von «nr «in Wunsch vorzubringen, den wir bei jeder Tagung vorzubringen hatten, und zwar, daß als Sachverständiger für jüdische Angelegenheiten im Ministerium neben dem hocAerehrten Herrn, der hierzu gewählt worden ist, auch «in Mann unserer Richtung berufen wird. Wir hatten dar auch deshalb für nötig, weil dem Kundigen nur zu bekannt ist, daß der Vertreter d«S Halberstädter Bundedort allgemein als der Vertreter für konservativ« Intereffen gitt, der Vertreter d«S Landesverbandes dagegen mehr als der der liberalen, «in Ergebnir, dar nicht nur wir aus unserer Fraktion bedauern sollten. Auch sonst können wir nicht ohne mancher Bedenken an dem vorübergehen, was wir aus dem Tätigkeitsbericht de- Rates ersehen haben. Wir «rkennen vielean, waS geschehen ist, bedauern aber, daß z.B. die Tätigkeit de- RechtS» auSsthufleS offenbar an irgendeinem Hemmnis leidet, da» chm überhaupt kein« ordnungsmäßig« Tätigkeit sichert. Andererseits müssen wir gestehen, daß manchealS PluS der Arbeit de» Landesverband«- gewertet werden muß. AlS solchescheu wir Z.B. di« Schächterschul« an. Sie hat ja auch schon den Erfolg gehabt, daß nun der tzalberstädter Bund gleichfalls «in« solche Errichtung schaffen will, ein Zeichen immerhin dafür, daß unser Verband di« Vertretung der «nnaheliegendsten Intereffen kräftig und führend in die Hand genommen hat. Nun war di« Red« von konservativen Uebergriffen. Der schwer« Uebergriff, der schlichlich gemeldet werden konnte, und von dem ich bisher keine Kenntnis hatte, hat darin bestanden, daß der konservativ« Kulturausschuß «inen Fragebogen herumsandt«, der sich mit Vorstagen für die religiös« Trauung befaßt«. Ich könnt« da mtt einer Gegenklag« antworten. ES ist mir vor eineinhalb Jahren «in« Klag« aus dem Land« von einer Gemeind« zugegangen, di« streng konservativ fft, daß der Landerverband chr «in liberale- EinheitsgebetSbuch zur Aeußerung übersandt hatte (Zuruf: Zur Aeußerungi), vielleicht sogar zur Benutzung (Widerspruch). DaS war «in richtiger Uebergriff und eine schwer« Verfehlung gegen die Parität deS Verband«» in religiösen Fragen. (Sehr richtig!). ES hätte zuerst angefragt werde« müssen, ob dt« Gemeind« «in solche» Gebetsbuch vgrgelegt haben will. Wenn Sie dies« liberalen Uebergriff«, um mich mal der Ausdrucksweise mein«» Kollegen Breslauer zu bedienen, so recht in Ihr doch von dem Sinn für GewissenSsteihett schwellendes Herz aufgenommen habe«, werden Sie di« recht« Beurteilung für den angeblichen Übergriff de» konservativen KutturauSschusses finden. Der konservativ« Ausschuß hatte »ur di« Gemeinden gestagt, waS sie zu den Fragebogen sagen, der chnen übersandt wurde. Di« Freiheit ihrer Stellungnahme war vollkommen gewahrt. Welchen Fragebogen hätte denn der konservativ« Kulturans schuß den Liberalen übersenden sollen, bei Wahrung der Parität? (Zuruf: Er wollt« die allgemein« Einführungl) Uni ist gesagt worden, daß dabet gestanden habe, «S würde sich vielleicht empfehlen, da» später allgemein «inzuführen. Go liegt hier vollkommen« Freiheit vor, bei der jede Gemeind« sich äußer» kann, wie kl» will. Daran» «inen konservativen Uebergriff Herzuletten, heißt schon, nach Beschwerden suchen. Wenn nun Aufklärung über di« Ieschiwah in Frankfurt verlangt wurde, so wunder« ich mich, daß angesichts der jüdische« Oeffentlichkett, der Presse und einer allgemeinen Kenntnis der Tradition, die man doch eigentlich voraussehen müßt«, di« Frag« nach der Tätigkeit einer Ieschiwah überhaupt gestellt wurde. Äst« Ieschiwah hat den Zweck und di« Verpflichtung, ihre Hörer mtt den talmudischen Quellen bekannt zu machen; st« ist als erst« und ausgezeichnet« Einführungsquell« in di« talmudischen Dezisoren an» Zusehen. Ich glaub«, daß in ihrer Unterstützung «in Ehrentitel für de« ganzen Landesverband liegt, denn, mein« Herren, und ähnlich haben «S ja auch ander« auSgedrückt: Wollen wir doch immer beachten, daß unser« Kraft schließlich im wesentlichen in unserer eigenen Kultur, in unseren eigenen Traditionen ruht, und daß die Ausbildung unsere- Geistes in unserer Weis« daher zu wahren fft. Das führt ja auch nicht wenig dazu, di« sett Jahrtausenden gegebenen Quellen unserer Kultur zum lebendigen Quell auch de» jetzigen L^benS zu erheben. (Rust: Wieviel Hörer!?) Auf drei Kurst in der Ieschiwah kommen etwa SO bi» 70 Hörer, und dabei sind heut« «in« ganz« Reih« von jungen Leuten, die da» Abiturium gemacht haben und einig« Semester entweder gleichzettig auf der Universität hören oder schon, vorher gehört haben. Der Landesverband sollt« auch an anderen Stellen ähnlich« talmudisch« Hochschulen zu schaffen und zu unterstützen suchen. Di« Behandlung dieser Frag«, di« nur durch di« Zwischenruf« etwa» verlängert wurde, führt mich über zu der der BezirkSrabbinat«. E» ist un» zwar heut« gestgt worden, einige ständen unmittelbar vor der Gründung. Aber die BezirkSrabbtnatS- und Lehrerstellen sind neben der Förderung der leistungsschwachen Gemeinden ja der eigentliche Ursprung der Gründung de» Landesverbandes, und «S ist ein Armutszeugnis für unS, wenn heut«, nach fünfiährigem Bestehen de» Landesverband«», noch kein« BezirkSrabbinat« eingerichtet wurden, sondern wieder gesagt wird,-wie es eben hinter mir zum Ausdruck kam: Sie stehen im Begriff«, zu werden! (Gehr gut!) Bei etwas entschiedenerem Willen hätte längst etwagetan stin können. Damit komm« ich zur Frag« der Lehrerbildung. Auch wir alS konservativ« Fraktion stehen durchaus auf dem Standpunkt, baß di« Ausbildung der jüdischen Lehrer keinen Deut hinter der der übrigen Lehrer zurückstehen muß. Aber dst augenbficklich« Not der Gemeinden ist un» noch viel wichtiger al» di« Rotwendigkett und der Wunsch nach endqüttiger und gleichmäßiger Ausgestaltung der Ausbildung der jüdischen Lehrerschaft. E» ist so. und da» läßt sich von Leuten, di« di« Praxisehen, wie sie ist, nicht hinwegleugnen, daß «S stet» Lehrer erster und zwetter Güte geben wird. Jeder von un» weiß, daß die gemeinsame und gleichmäßig« Ausbildung der Lehrer durchaus nicht «in unbedingtes Korrelat der gleichmäßigen Eignung für den Beruf ist. (Anruh« und Zurufe.) Wir haben pirzeit auch nicht in der Art der Vorbildung nur «inen Unterschied, sondern zahlreiche. Und heut« begnügen sich dst Gemeinden btttauerlicherweis« in zahtteichen Fällen mit Kultusbeamten, die in der Tat al» solch« durchaus ungeeignet sind. Wenn Sie nun in Zukunft nur noch Abiturienten zum Religionsunterricht zulaffen wolle« und auch di« Ausübung des gemischten Kantoren- und Schächterberuf» nur mtt einer höheren schulmäßiqen Ausbildung, würden Sie di« kleinen Gemeinden dem Ehaos überliefern. Das geht nichf an. Wenn auch schließlich und endlich die Einheitlichkeit uns allen in der Ausbildung willkommen ist und gesucht werden muß. kann doch die verschiedenarttq« Ausbildung al» Zwischenzustand nicht vermieden werden, hier möchte ich gleich noch sagen: Die Abneigung gegen di« gleichzettig« Ausübung de» SchächtamteS in zahlreichen Lehrerkreisen bedauere ich auf daS ttefft« (Sehr richttg!); st« übersieht vollkommen die heüigkett dieser Berufes (Zustimmung), und daß wir all« da« Schächtamt al» heilige- Amt anfchat müssen. (Zuruf: Warum schächten denn di« Rabbiner nichtk?) Das ist doch «in« Frag«, di« durchaus aus der Partekbrill« und der BerufSbrille sicht. Ich kenn« Rabbiner, di« «S durchaus nicht abgekchnt haben, zu schächten im «inen oder anderen Fall«. Wenn wir an di« östlichen Zustände denken, wiffen wtt, daß im Osten schr viel« der größten talmudischen Auwritäten da» Schächtamt willig und gern übernehmen. Die Verbindung von Lchramt und Gchächtamt, dl« sich bei un» häufig findet, braucht sicher nicht auf dst Dauer unbedingt beibchatten zu werden. Jedenfalls aber hängen wir diese« heiligen Veruf «inen kleinen Makel an, wenn Lchrerkreist immer von der Unvereinbarkett der Aemter reden. Den Lchrern, di« auf «ine« rellgiös«» Standpunkt stehen, aber glauben, daß da» Schächtamt für s i« nicht notwendig unwünschenswert fft. sage ich: Da» ist zwar unrecht, aber Ihr übt et ja doch nicht au». Aber diejenige«, die es für ein helltge» Amt an sehen, dürfen keinesfalls grundsätzlich dst Verbindung mtt dem Lehramt ablehnen. Vergessen wir nicht, daß auch die Ausübung de» Schächten» nach unseren alten Gesetzen mtt «inem heiligen Spruch verbunden ist, und daß auch diese heilig« Handlung unter dem unS bestimmenden Wort« steht, daß das Judentum ein Leben will, da» 1» jede» einzige» Augenblick dst

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.