Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden
- Journal
- Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden
- Volume
- 7 (1929)
- Issue
- 2 (30.5.1929)
- Date
- 1929-05-30
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
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- lö ber W«lt beschäftigen werde», sie erkennen werden: E» gibt, unabhängig von der inneren Einstellung und der Gesinnung der Juden, «in« objektiv« Iudenfrag«, di« der Lösung harrt, und zwar eine, bei der Sie dt« Tatsachen, di« Sie finden, verschieden werten können, wo aber Tatsache» vorliegen, di« man finde» muß. LS ist unvorstellbar, daß jüdisch« Kollegien dauernd Zusammenkommen, ohne den Versuch zu machen, diese- Wissen um di« Tatsachen sicherzustellen. Man kann dabei allerdings nicht an den Landesgrenzen Halt machen. Bor der Iudenfrag« werden alle Staatsgrenzen zufällig. So wenig Sie bei einer Epidemie etwas tun können, wenn Sie den einzelnen Kranken behandeln, ohne allgemeine hygienisch« Maßnahmen zu treffen, können Sie irgendwo in Deutschland jüdische Angelegenheiten behandeln, wenn Sie nicht wissen, wie sich diese Fragen in der Well vollziehen. Der Judenhaß überschreitet ebenso di« Grenzen wie di« Iudenfrag«. Der Herr Vorredner hat durch sein« Ausführungen unterstrichen, daß di« Juden der verschiedensten Dichtungen zu Wellkonferenz«» zusammenkomm«»; Sie wissen all«, daß «S jüdische Angelegenhellen gibt, di« überhaupt nur sinnvoll werde« können, wenn di« Juden den Gedanken von Klal IiSroel, der Einhett d«S jüdischen Dolles empfinden. (Unruhe.) Ich glaub«, wir können noch mchr empfinden als di« Einheit des jüdischen Volles, und ich würde es riskieren, zu sagen, daß di« Juden nicht nur «in «inhettliches Doll sind, sondern daß sie sogar «ine Schicksalsgemeinschast find, was, wenn man das Wort richtig deutet — es wird manchmal im Gegensatz zum DollSbegriff gebraucht — noch viel mchr ist, indem «S nämlich heißt, daß wir ohne Rücksicht auf Gesinnungen und Gedanken schicksalhaft zusammengeschmiedet sind, wir mit den verschiedensten Gesinnungen in Wahchett vor dem Well geschehen geeint sind, wie immer wir auch versuchen, unter unS Unterschied« zu konstruieren, di« für unser« Stellung in der Well angeblich entscheidend sind. Hier komm« ich zu den Bezichungen zwischen den jüdischen Kruppen, di« für unser« Beratungen - wichtig sind. Wer um di« schicksalsmäßige Vollseinhell der Juden weih, kann nur wünschen, daß unter den verschiedenen Gruppen di« Zusammenarbeit in Freiheit und Freudigkell geführt und so der Kampf um den Sinn d«S Judentums ausgekämpst wird. Wenn man erkennt, daß wir gemeinsamen Geschicken unterliegen und gleichzettig gezwungen sind, «inen Kampf um di« Auffassung von der Gestaltung unserer Zukunft zu führen, dann hat man nicht nötig, den Kampf durch persönliche Verunglimpfungen von Gegnern zu führen. (Sehr gut!) Und es ist wichtig für unS all«, daß unser« Auseinandersetzungen, di« wir mit aller Schärf« führen, keinesfalls so gestaltet werden, daß Personen statt Anschauungen zur Zielscheibe der Angriff« werden. (Sehr gut!) Wenn z. B. «in Zionist zu einem repräsentativen Amt gewähll wird, etwa zum Dorsteher der jüdischen Gemeind«, dann liegt es wirklich im Gesamtinteress« der Iudenhell, im Interesse aller jüdischen Gruppen, di« Persönlichkett dieses Mannes, dem das höchst« Amt anvertraut ist, zu respektteren, der zufällig (Zuruf: Nicht zufällig!), doch im politischen Sinn« zufällig, Zionist ist, «S kann doch auch der Vertreter einer anderen Grupp« dieses Amt bekleiden. Wenn es sich um persönlich« Angriff« handell, so würde ich auch meine Kollegen preisgeben, wenn sie sich auf dieses Gebiet begeben^ Es wäre wichtig, wenn di« Kämpf« sich wirklich aus daS Gebiet beschränkten, auf dem sie allein ausgefochten werden können. DaS setzt aber auch voraus, daß Anschauungen wirklich in Reinhell «ad Entschiedenheit vertreten werden, und daß man nicht in unseren Körperschaften den Versuch macht, die Vertreter der verschiedenen Anschauungen in der Vertretung chrer Parteianschauungen «in» zuschränken, st« im Grundsätzlichen zu beschränke« und sie so geradezu auf das Gebiet der nur persönlichen Diskussion zu drängen, auf Sem anscheinend alles erlaubt ist. Niemand kann vom anderen verlangen, daß er jede Auffassung für jüdisch gleichwertig hätt. Er hätt ihn für «enfchlich gleichberechtigt. Aber «S kann nie «in« Vereinbarung beschlossen werden in jüdischen Gesinnungsfragen, am wenigsten durch di« Führer der einzelnen Gruppen. Wir reden viel von der Krise der Demokratie. In der allgemetnen Well trifft das vielleicht zu. Dort gibt es «in allgemeines Leben, daS sich vielleicht verschieben« Formen gefallen lassen kann. In der jüdischen Well kann es keine andere Form d«S Lebens geben als di« demokrattfch«, well jeder Weggehen kann. DaS Schlimmste wäre es, wenn all« Gemeinden dazu bettragen würden, nicht «in« neue jüdisch« Gemeindepolttll, sondern nur «in« neue Politik der Parteiführer zu schaffe», die unter sich irgend Abmachungen treffen, ohne daran zu denken, daß sie ausschließlich als Exponenten der Menschen zu wirken haben» di« wirklich und ernsthast hinter chnen stehen. Sonst entsteht di« von mir bekämpfte schlimmste Verlogenheit der Polttll, bei der t» Grund« gläubig« Anhänger der Idee nur die draußenstehenden Massen sind. Solche Gefahren gibt es immer dann, wenn man di« Grundsatz« der Demokratie verletzt. Deshalb müßt« «S ein Interesse aller Grupp« sein, sowohl bei der kommenden Debatte über den Reichsverband, wie auch sonst, daß Maximum der Einflußnahme d«S tatsächlichen Wähler« auf die Gestaltung der jüdischen Zwecke sicherzustellen. Ich glaube, daß gerade bei unS «ine solch« Notwendigkett gegeben ist. Nun, mein« Damen und Herren, «S ist wirklich, wie mir scheint, heute gerade für den Landesverband, der jetzt Einzelpositionen beschließt, wichtig, sich zu ftagen: Worin liegt di« Sachlichkett seiner Arbett. Unser« Gruppe braucht nicht zu beweisen, wie sehr st« interessiert ist an der sachlichen Arbett des Verbandes. Ich weiß, Sie meinen damtt di« täglich« Pflichterfüllung. Das ist «in« Selbst» Verständlichkeit. Aber man muß auch wissen, waS bedeutet der Landesverband als Ganzes. Wir können kein Gremium sein von überalterten Leuten, hinter denen niemand steht, unser« Sach« kann nur Sinn häben, wenn weit« Kreise, di« kein Interesse haben am Parteibetrieb oder an posierenden Führern, die aber wollen, daß eS «in Forum gibt für die Erörterung jüdischer Fragen, fühlen: Hier ist ein KreiS legttimer Vertreter, zunächst leider nur der preußischen Juden, der di« Möglichkeit gibt, di« tzaupffragen der Iudenhell fruchtbar zu behandeln. Nun glauben wtt Zionisten allerdings, daß «S heute keinen anderen Weg gibt für di« jüdisch« Well, alS, angesichts der allgemein erkannten furchtbaren Zustände in der jüdischen Entartung, di« «in« Erneuerungsaktion durchzuführen. Und wenn Sie heute an alle schwebenden Fragen Herangehen und fragen, wa« bedeutet di« Verwirklichung des Aufbaus Palästinas für die jüdisch« Wett, so müßten Sie erkennen, daß es sich hier um «in Werk handelt, daS uns aus schwerster Gefahr errettet. Juden wollen in Palästina unter schwierigsten Bedingungen «in neues Leben.führen und um d«S Judentums willen einer ungewiffen Zukunft «ntgegengehen. Ein« Schar jüdischer Menschen, di« den Mut haben, Träger «in«S neuen Lebens zu werden, di« nicht der Entartung verfallen wollen. Wenn Sie mit unS di« Existenz der objektiven Iudenftag« feststellen, würden Sie bald real erkennen, daß dort unter Zustimmung weiter jüdischer Kreise ein neues Leben geschaffen wird. Dort geschieht etwas Großes für di« ganze Iud«lhett — wtt sagen: für da» ganz« jüdische Voll. DaS, was dort gefchieht, wird erst in seinem Gelingen unserem Landesverband« Sinn geben. Sinn hat unser Tun erst, wenn wir «in« Substanz haben, wenn nicht nur Gesinnungen gegeneinander stehen, sondern aus neuem Leben, der Einheit von Religiösem und Geistigem, von Wirtschaft und Recht, uns allen «in neuer gemeinsamer geistiger Besitz zuwächst. Und wenn mancher von Ihnen meint, di« Palästinafach« sei auf dem toten Punkt angelangt, so kann ich Ihnen sagen: Es ist sogar in Deutschland vieles anders geworden,- «S mehren sich die Zeichen, daß auch hier Menschen erkennen, was dort vorgeht. Wenn in unserem Etat Siedlungsfragen stehen, so müssen Stt erkennen, daß alles, waS man hier tun kann, klein« Palliativ-Mittel sind und in keinem Fall« Mittel, um de» Zusammenschluß der preußischen Juden zu höchste» Leistungen anzuspornen. Unser aller Wunsch ist die wahr« Sachlichkett der Zusammenarbett, dadurch garantiert, daß jeder die Möglichkett der sachlichen Vertretung seiner Anschauungen hat, und daß Stt in dttsem Ringen der jüdischen Kräfte schon httr «in« Vorahnung von der Möglichkett eines neuen jüdischen Lebens bekommen, das erforderlich ist, wenn man «in« Schicksalsgemein schast ist; denn was bedeutet Schicksalsgemein schast? Will man Spielball des Schicksalsein, oder alS SchickfalSgemeinschast sein Schicksal gestatten! (Lebhafter Beifall.) Abg. R^A. tz o r o v i tz: Mein« sehr geehrten Damen und Herren! Auch ich will mich zunächst mtt dem TättgkeitSbericht d«S Rates befassen und anhand der Einzelfragen bei gegebener Ge» legenhett auf größer« Zusammenhänge und Gesichtspunkt« zurückkommen. Da muß ich zunächst bei allem Dank an den Rat für dtt sachkundige und eifrig« Arbett, di« wieder httr geleistet wurde, rügen, daß die Vorbereitung dieser Tagung, wtt bi^er stets, völlig ungenügend war. DaS äußert sich auch in verschiedenen Arschristen von Abgeordneten. Einer unserer Freund« au» dem Land« tetll« uns mit, daß er als Kaufmann, an einem etwas «ntttgenen Platz wirkend, angesichts der Tatsache, daß er zum erstenmal im Dezember und zum zwettenmal im Januar da» DerwaltungSblatt bekommen hat und mangels eines Protokolls heut« noch nicht einmal weiß, welch« Beschlüsse bei der letzten Tagung gefaßt Word«» find, und daß der gedruckt« Tätigkeitsb«tcht des Rate» davon spricht, der Rat Hab« einer Verfassungsänderung zug« stimmt oder sie abgelehnt, während «S chm unbekannt ist und nicht gesagt wird, welch« Veg^ fasfungSänderuagen hier überhaupt vorliegen, er das Zasamme»- tteten des Verband»tages für verfrüht und unnütz hätt. Können wtt auch dieser wettgehenden Klage nicht tu allem recht g^e», so müssen wtt «S doch ht der Tat für bedauerlich Halle»,-wtt «augel-