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Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden · 1929-05-30 · 2 (30.5.1929) · p. Seite 9

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Journal
Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden
Volume
7 (1929)
Issue
2 (30.5.1929)
Date
1929-05-30
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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(Sehr richtig!), so daß Si« «in« so großen Rat nnt«r k«in«n Umständen brauchen. Wir haben Ihn« «ntsprechend« Vorschläge unterbreitet. Line parteipolitisch« Auffassung liegt dabei nicht vor. ES wäre wirklich ein« außerordentlich groß« Ersparnis damit zu erziel«. Dies« Versammlung tritt sehr seit« zusammen, und was Sie bei chrer Umgestaltung an Kosten erspar« können, ist sehr wentg. Ich würde Ihnen dringend empfehlen, meinen Vorschlag sich zu überlegen. Linen Antrag Hab« wir bisher noch nicht gestellt. Aber ich könnt« mir denk«, daß all« Partei« sich mU dem Einkammersystem begnügen. - Wein« Damen und Herren l Wir haben dem Rat «in« Interpellation vorgelegt, in der wir um Auskunft über das neue Iudengesetz ersuchen. Der Entwurf dazu liegt schon ein Jahr bei der Regierung. Was geschieht mit ihm? Ist «IwaS gescheh«, um ihn zu verabschieden oder «in« Entscheidung vorzuberetten? Der Schwebezustand kann niemandem erwünscht sein. LS ist «in Zustand der völligen Unsicherheit in d« Gemeinden «ingetreten. Insbesondere ist kein« Statuten-Aenderung möglich. Wo die Gemeinden solch« Aeuderungen durchführen wolle», kommen sie nicht weiter, denn chrr Entwürfe bleiben bei den OberprLsidenten lieg«. (Sehr richtig.) Der Schwebezustand hat auch noch gewisse politisch« Konsequenzen. In dem Iudengesetz soll der Austritt erschwert werden. Wir erleben es heute immer wieder, daß reich« Gemeindemitglieder nicht nur aus politischen Gründen, sondern auch aus reinen Geldinteressen mit dem Austritt aus der Gemeind« drohen, wenn diese oder jene Maßnahme nicht durchgeführt wird. Si« benutz« d« Schwebezustand, um AustrittSdrohungen wirksam anzubringen, und, Sie kennen ja di« Zustände in manch« kleinen Gemeind« mit chrer Abhängigkeit von den große» St«erzahl«rn, erreichen, daß unter solchem Druck unsachlich« Entscheidung« zustande kommen. LS ist Pflicht des Rates, alles zu tun, um dafür zu sorgen, daß endlich einmal Klarheit für die Gemeinden geschaffen wird. (Beifall.) Was den Etat anlangt, so ist di« Wohlfahrtsposition auf 150000 RM. erhöht worden. Wir Hallen auch damit dies« Position noch für erheblich zu niedrig. Ls gibt in der Wohlfahrtspflege ganz« Aufgabengebiet«, die wir alle noch nicht richtig übersehen. Ich begrüß« di« Gründung einer Arbeiterkoloni« als ersten Versuch eiuer Produktivierung der Durchwandererfrag«. Alles, was bisher gescheh« ist, ist aber nur «in kleiner Anfang. Ich glaub«, daß es Gebiet« gibt, bei deuen wir durch unser« Beschlüsse Remedur schaffen müßten. Gi« haben 15000 RM. verlangt für di« Fürsorgeerziehung und für de» Reubau des D.I. G. B. Wie die Verhältnisse h«1« lieg«, würde ich Sie bitt«, dies« Position zurückzustellen. (Sehr richtig!) Ls ist festgestellt, daß in dieser Anstalt di« schlechtest« Fürsorge getrieben wird, die «S gibt; und wir können unter keinen Umständen minderwertig« Institut« unterhallen. AIS di« Stadt erklärt«, daß sie ihre Kinder nicht mehr iu dieses Institut gibt, hat, wie ich zu meine« Befremden hörte, Herr Prof. Türk erklärt, es seien doch nur verwahrloste Kinder, auf dt« wir sowieso keinen Wert legen. (Zuruf vou Pros. Türk: Ich habe etwas derartiges nie gesagt! Wer hat daS denn behauptet!?) Das hat mir mein« Kollegin, Frau WronSkh, gesagt, und »einer Ansicht nach sind wir solidarisch verpflichtet, für di« ganz« Iudeuheit Fürsorgearbeit zu leisten. (Sehr richtig!) In diesem Zusammenhang« wurde hier auch di« Frag« des Hechaluz und der Subvention fük d« tzechaluz erörtert. Der Herr Vorredner hat behauptet, daß er sich ausschließlich an d« Etat halt« wolle. Er hat es zu meiner Freud« uicht getan. Sein« Red« war »all vou grundsätzlichen Anmerkungen. So will ich grundsätzlich erklären, daß niemand «in Recht hat, über di« Bedeutung einzelner Maßnahme» zu urteile»» soweit sie den Gesinnungen und Tendenz«» der einzelnen Parteien hier entsprechen. Wir haben uach Maßgabe der Mittel ohne Prüfung der Gesinnung der Einzelnen di« Mittel bereitzustellen. Aber hier handelt es sich sogar um ein gesamt-jüdisches Werk. Und wenn der Herr Vorrebner sodann dt« Umfchaffuug von Schwertern in Pflugscharen verlaugt«, so weiß ich, daß er für Ausgaben, di« hier erfolgen, wo die Juden sich mll dieser Verwandlung nur redensartlich beschäftigen, «her zu haben ist al» für salch«, di« i» Palästina tatsächlich Schwerter in Pflugscharen umwandel». Diese Posttio» ist ganz gewiß «ine, di« von jedem einzelnen hier durchaus befürwortet werden sollt«. Sonst müßten Sie es ja für erlaubt halten, daß andere auf» treten und «iufach sagen: Diese oder jene Gesinnung paßt mir nicht, und wenn wir zufällig di« Majorftät haben, schalten wir die Anderen aus. Eine Vergewaltigung von Anschauungen innerhalb des Berbemdes ist undenkbar. Ruu könnt« «ingewandt werde», «S handele flch um «in« «politische" Angelegenhett. Daz» verweise ich auf den kürzlich gehallen«» Bortrag von Prof. Llbogen, der darlegte, welch« religiös« Bedeutung de» Palästina-Werk zukommt. Wau könnt« als» sagen» daß wir im Verband einige reltziöse Richtungen haben, di« Potttik mache» und ei»e pelttisch« Bewegung, di« allein die Bedingungen für religiöse Lntwicklnng schafft. Ich mochte Sie warnen, Ihr« völlig antiquiert« Bewertung der Richtungen im deutsche» Indent»« aufrecht zu halten. Di« Tellung der Iudenheit vollzieht sich heut« nach anderen Gesichtspunkten als nach liberale» und konservative». In diesem Zusammenhang «in Wort zur Frag« der Ausbildung der Lehrer. Ich würde Sie bitte», den sehr beachtlichen Vorschlag des Herrn Steinhardt anzunehmen. Ich stimm« auch dem zu, was der verehrt« Herr Barredner sagt«. Wir brauchen jüdisch«, wissenschaftlich gut ausgchildete Lehrer. Wir können kein« Lehrer erster, zweiter und dritter Klasse schaffen und damll «in Lehrerproletariat. Wir brauchen wirklich uicht allzu viel Lehrer und sollten es. so tinrichte«, daß es für «inen Juden «ine» Anreiz bildet, jüdischer Lehrer zu werden. Er müßt« damit «intreten in einen Kulturkreis von Menschen, dem Sie es auch möglich machen, menschlich zu leben, und an den Si« darum auch Ansprüche stellen könnten. Von jemandem, de» Sie verhungern lassen, können Si« auch nicht« verlangen. Ich geh« auf dies« Sach« jetzt nicht weller «in. Es wird vielleicht Gelegenheit dazu fein, in den Kommissionen und an anderer Stell« diese Frag« zu besprechen. Mein« Damen und Herren! Es wird immer mll einer gewissen Wirkung in der Einleitung einer Red« gesagt — und der verehrt« Herr Vorredner hat es getan —: Wir wollen hier nur sachlich arbeiten und die Andere» nutzen di« Tribüne zu unsachlichen Ausführungen aus, was «inen schlechten Eindruck im Land« macht. Ich würde es für richtig halle», jeder Grupp« zu überlassen, in welcher Form sie hier auftrllt. (Sehr richtig!) ES ist mißlich, sich durch «in« gewiss« Sachlichkeit schützen zu wollen, wenn man sofort nachher den Beweis dafür erbringt, daß »au alles nur auf der Grundlage einer bestimmten jüdischen Auffassung unternimmt. Täuschen Sie sich nicht darüber: Jede.jüdisch« Körperschaft, die im Licht der Oeffentlichkeit steht, ringt um chr« inner« Existenz und steht immer vor der Wahl, ob fi« «in« leer« Maschine sein wlll, die niemanden interessiert, oder ob si« wirklich sinnvoll sein will innerhalb des jüdische» Lebens. All« Redner hier haben von den Gefahren, für das Bestehen d«S Judentums gebrochen. Sie haben die Mischehe, die Rot der Gemeinden, di« Judenverfolgungen, den Antisemitismus «sw. alles durchaus richtig geschildert. Unser« Vollversammlung hat da ein« groß« Ausgabe zu erfüllen, und ich folg« dem Weg«, den mir der Herr Vorredner wies. Wir leben in einer Zeit, in der wirklich di« jüdisch« Wett bedroht ist. Wenn wir Sinn haben wollen, müssen wir das tun, was der Verelendung jüdischen Lebens steuert; das ist sachlich« Arbeit. „Wer seiner Art untreu wird, verfällt der Entartung!" Herr' Rabbiner Dr. Seligmann hat diesen Satz in seiner Eröffnungsrede gebraucht. Der Gedanke, daß unser ganze« Tun hier dafür zu sorgen hat, daß Juden nicht chrer Art untreu werden, muß Richtschnur unserer Entschließungen sein. Heut« erleben wir viele Verfallserscheinungen innerhalb der Iudenheit, gegen di« niemand von unck, niemand von Ihnen, ein Mtttel weiß. Wir glauben «in Mittel zu kennen. Si« wissen, was ich mein«. Raben diesen Versalls- «rscheiuungen erleben wir eine ständig wachsend« antisemitische Welle und wissen, daß man feit Jahrzehnten sich bemüht, dem Indenhaß den GarauS zu mache». Ich behaupt«, daß all« diese Bemühungen im wesentliche» er folgt»« geblieben sind, nicht etwa deshach, weil man zuviel von seiner Zeit auf di« Bekämpfung des Zionismus verwendet hätte; sondern fi« wären auch erfolglos geblieben, wenn «an die ganze Zell auf die Bekämpfung des Antisemitismus verwendet hätte, veil »an erkennen muß, daß «S «in« objektiv« Iudenftag« gibt »nd nicht nur «in«, die abhängt von der subjektiven Stellung des einzelnen Juden; sondern «in« Iudenfrag«, die an sich da ist. Mein« Damen und Herren! Sie werdmi von der Einrichtung des Joint Foreign Eomittee in England gehört haben. Dort habe» di« Juden aller Richtungen es für richtig gehallen, «iu Komitee «inzurichten, das sich mit allgemein jüdische» Angelegonhetten zu beschäftigen hat, wie sie sich «uf der ganzen Well ergeben, und zwar in eiuer Organisation ähnlich der unsrige». Wir würden es begrüßen, wenn alle Gruppe» sich üborlegen würden, ob es nicht auch für uns «in« Aufgabe ist, nachdem wir «rka»»1 haben, daß wir mit alle» Methoden der bisherigen Art nicht wetterkommen, hier eia« Instanz mll zu schaffe», die sich wirklich perantworllich fühtt für di« Angelegenhett«» der Jude» der ganzen Well. Di« Voraussetzung muß allerdings dafür geschaffen werden. Ich weiß nicht, ob «in« solch« Losamtinstanz heute schon wirksam werden könnt«. Di« Voraussetzung kann erst geschaffen werden, wenn mau de» Versuch macht, zu erkenne», daß wir Jude» in einer objektiven Iudenftag« alle Zusammenhänge». Man müßte «tu Institut für jüdische Gogenwartsforschung schaffen. Wir Zionisten glaube», daß, wo Inden sich mit de» objektive« Verhältnissen der Inde« in

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