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Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden · 1929-05-30 · 2 (30.5.1929) · p. Seite 8

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Journal
Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden
Volume
7 (1929)
Issue
2 (30.5.1929)
Date
1929-05-30
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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- 8 — hierfür besteht, während diese Sicherheit bei der anderen Anstalt immer gegeben ist. Mein« Damen und Herren! Die jüdisch« Beteiligung an der pädagogischen Akademie ist immer noch so, daß lediglich «in« konservativ« Lehrkraft und «in« konservativ« Hilfskraft vorhanden sind. Wir sind mit dem, was geschaffen ist, an sich durchaus einverstanden, hoffen aber, daß bald im Rahmen einer andere» Akademie auch für uns Liberale, die bisher objektiv benachteiligt sind, Raum geschaffen wird. (Glocke des Präsidenten; Präsident Stern: Ihr« Redezeit ist abgelaufen k) Zum Punft Rabbinerbildung müssen wir noch sagen, daß bei ihr gleichfalls unser« liberal« Anschauung nicht ins Hintertreffen kommen darf. Wir erwarten — vielleicht nicht gerade von der Anstalt, di« di« Interessen der Orthodoxie vertritt — aber doch sonst: Achtung vor liberalen Gedanken und religiös-liberaler Weltanschauung, Einführung in den Kreis des jüdisch-liberalen Denkens, sowie des religiös-liberalen Schrifttums und der in ihm vertretenen Grundsätze. Wir haben den Eindruck, daß bisher nicht immer dieser selbstverständlichen Forderung Rechnung getragen wird. Wir können als Landesverband selbstverständlich nicht auf di« Lehrpläne der Seminar« «inwirken. Aber wenn zwei von den insgesamt drei Anstalten in einem Geist« geführt werden, der unseren Anschauungen nicht entspricht, kann es kommen, daß organisatorische Aenderungen getroffen und deren Unterstützung durch den Landesverband gefordert werden müssen, di« auch unserem liberalen Judentum bei der Ausbildung der Rabbiner den gebührenden Einfluß verschaffen. Auskunft hätten wir gern darüber gehabt, was di« Ieschiwah in Frankfurt a. Mim einzelnen leistet und «rreichen will. Meine Damen und Herren! Wenn ich vorhin von Beschwerden und Uebergriffen gesprochen habe, so habe ich Ihnen eben schon einige Beschwerden, di« wir haben, vorgetragen. Aber auch objektiv« Uebergriff« gegenüber unserer Richtung sind vorgekommen. So hat z. B. der konservativ« Kultusausschuß einen Fragebogen betr. Eheschließungen an di« Gemeinden verschickt, in dem es heißt: „Um diesem di« Einheit des Judentums auf die Dauer stark gefährdenden Uebelstand« zum Teil abzuhelfen, schlägt der konservativ« Kultusausschuß des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden den Derbandsgemeinden vor, vor jeder religiösen jüdischen Trauung den beiliegenden Fragebogen von dem die Trauung Anmeldenden ausfüllen zu lassen. Er soll für Lehrer und Rabbiner als Material dienen, welches ihnen «in Urteil über di« Zulässigkeit «iner Trauung ermöglicht. Sein« allgemein« Einführung wird sicher dazu beitragen, Persehen und Fehler auf diesem Gebiet« zu vermeiden und so den Gedanken der Einheit des Judentums stärken und kräftigen." Der Fragebogen ist natürlich in konservativem Sinn« gehalten. Seine allgemein« Einführung würde sicherlich dazu beitragen, die Interessen unserer Richtung beträchtlich zu stören. Ls geht nicht an, daß ein Kultusausschuß den Gemeinden di« allgemein« Einführung eines auf die Anschauungen seiner Richtung eingestelften Fragebogens empfiehlt. Mit Recht hat deshalb der liberale Kultusausschuß Widerspruch erhoben. Ich hör«, daß gemeinsam« Besprechungen deswegen stattfinden sollen, von denen ich hoff«, daß sie in unserem Sinn« zu «iner Restitutio in integrum führen werden. Ich hätte mich, wenn mein« Zeit nicht abgelaufen wäre, auch noch gern beschäftigt mit der Unterstützung eines Buches von Dr. Dünner: „Der jüdisch« Scheidungsakt", das sicherlich nur von einem kleinen Kreis« akzeptiert wird. Wir glauben, groß« Bedenken gegen dies« Unterstützung nicht verhehlen zu können. Dann muß ich «inen Befchwerdefall vortragen in der Frag« der Bezirksrabbinat«. Es sollen Beztrksrabbinat« gegründet werden in Ober- und Niederschlesien, in Westfalen und der Rheinprovinz. Das ist unser aller Wunsch. Wir sind mtt der Schaffung von Bezirksrabbinaten, von denen wir ein« Belebung des religiösen Lebens erwarten, sehr «inverftanden. Aber bei der Gründung sollen di« Interessen der verschiedenen Beteiligten gerecht berückfichttgt werden. Das ist unseres Erachtens nicht geschehen am Niederrhein. Dort ist, wir uns berichtet wird, bei «iner Konferenz der Interessenten gewissermaßen mit «iner Stimm«, und zwar der des Herrn Ratsdelegierten beschlossen worden, das Rabbinat nach Dinslaken zu legen, während all« anderen Anwesenden ander« Wünsch« batten. Ein besonders bedenkliches Vorkommnis aber hat sich in Westfalen ereignet. Dort soll das liberale Stadtrabbinat Münster auSgebaut und «in konservatives in Borken geschaffen werden. Mit beiden» sind wir durchaus einverstanden. Nicht aber damit, daß dabei durch den Delegierten des Landesverbandes, Herrn Loeb, worüber mir Urkunden vorliegen, das Bestreben gezeigt worden ist, liberal« Gemeinden, die ausgesprochen zu dem liberalen Rabbinat Münster wollten, dem konservativen Rabbinat zuzuführen. Das ist «in Beginnen, dem wir entschieden widersprechen müsse«. (Zustimmung.) 1 Auf bi« Wohlfahrtsfragen kann ich nur noch kurz «ingehen. Im Schulvorstand der Berliner Gemeind« Hab« ich gehLrt, daß der Herr, der Listenführer der Mittelpartei bei der Wahl zu diesem Haus« war, den Standpunkt vertrat, di« Wohlfahrtspflege der Gemeinden — also wohl auch des Landesverbandes — sei „unjüdisch", man müsse di« Wohlfahrtspflege den Privaten überlassen. Es wäre mir interessant, wenn Herr Dr. Weiß« diesen Standpunkt auch hier vertreten würde. Wir wünschen auf das Entschiedenst« die Unterstützung der Aufgaben der Wohlfahrtspflege, denen sich zu unserer Freud« bei feiner Tätigkeit der Wohlfährtsausschuß unterzogen hat. Nur wir müssen es mißbilligen, wenn der Wohlfahrtsausschuß mit Aufgaben befaßt wird, di« mtt der Zuständigkeit de« Landesverbandes nicht» zu tun haben. Er hat zweimal ein« Unterstützung des hechaluz beschloffen — auch mtt den Stimmen unserer Freund«, di«, wie ich glaub«, objektiv falsch unterrichtet waren —, und jeht liegt wieder «in neuer Antrag de« Hechaluz vor. In der Jüdischen Rundschau von vorgestern fft «in gemeinsamer Aufruf der Zionistischen Bereinigung für Deutschland und des Hechaluz enthalten, in dem es heißt: „Die Z.D.f.D. hat beschlossen, gemeinsam mit dem hechaluz am Sonntag, dem 10. Februar, «inen Jom hassefer zu veranstalten. An diesem Tag« soll von den jugendlichen Zionisten in allen Orten Deutschlands «in« Buchfammelaktion durchgeführt werden, die der Wanderbibliothek des deutschen hechaluz zugute kommen soll. Der Hechaluz wird in der kommenden Arbeit-Periode noch stärker als bisher auf di« kulturell« tzachscharah seiner Mitglieder Wert legen müssen. Ls hat sich immer mchr und mehr herausgestellt, daß es nicht genügt, di« jungen Menschen beruflich für die Uebersiedlung nach Palästina vorzubereiten, sondern daß «ine geistig« und gesinnungsmäßig« Dorbereitung auf ihre Arbeit in Palästina «ine unerläßlich« Vorbedingung ist." (Sehr gut! bei der DolkSpartei.) W i r glauben, daß di« Unterstützung solcher Aufgaben, wie immer man über sie denken mag, nicht Sach« unsere- Landesverbandes ist. (Der Präsident gibt wiederholt mtt der Glocke das Zeichen, daß die Redezeit beendet ist.) Wir sind für Unterstützung auch der Aufgaben der SiedlungSpolttik des RIF. und glauben, daß di« Verbands-Sammelanleche hierzu die handhab« geben wird. Wir glauben nicht, daß es zu den Aufgaben des Landesverbandes gehört, festzustellen, was der Herr Sachverständige beim Ministerium tun wird. Ich darf ihm aber, da er unter unweilt, den «inen Wunsch mitgeben, daß er dafür tättg sein möge, daß nicht weiter vom Ministerium ganz unberechtigt« Schwierigketten gemacht werden, wenn jüdisch« Gemeinden daS Frauenwahlrecht einführen wollen. Ich weiß von einem Mitglied dieses Hauses, daß derartige Schwierigkeiten zurzeit sogar Gemeinden gemacht werden, in denen über die Einführung des Frauenwahlrechts voll« Ein» müttgkeit besteht. (Sehr richttg!) Meine Damen und Herren! Ich bin am Schluss« meiner Ausführungen. Wie wir Juden zuerst im Geist« die Idee des Friedens erfaßt haben, wie es zuerst in unserem Schrifttum heißt, daß Schwerter in Pflugscharen umgeschmiedet werden sollen, so wollen wir auch im Inneren den Geist „herzlicher Verträglichkeit" bewahren — um in diesen Tagen mit einem Worte auch Lessing anzuführen. Aber wir wollen kein« mittler« Linie, kein« Knochenerweichung, keinen Mischmasch. Vielmehr wollen wir für di« jüdisch« Gemeinschaft wie überhaupt, so im Landesverband wirken können unter stetem Bekennen und Behaupten unserer liberalen Anschauungen, unter steter Förderung derjenigen jüdischen Anschauung, di« wir als di« zukunftsträchtig« ansehen: unsereliberalen Iudentums. (Lebh. Beifall.) Präsident Stern: Der Herr Kolleg« hat seine Redezett um drei Minuten, also um zehn Prozent, überschritten. Ich werde dementsprechend auch bei den folgenden Rednern zugeben müssen. Das Wort hat nun Herr Abg. Kurt Blumenfeld: Mein« Damen und Herren! Der Herr Vorredner schlug in seiner Red« Erspannismaßnahmen von. Ich würde Ihnen «inen Gpar-Dorschlag mach«», der durchgreifend und von weittragender Bedeutung ist, nämlich di« Abschaffung des Rats. Der Herr Vorredner schlug vor, die Zahl der Mitgli^er dieser Versammlung zu verkleinern; d.h. di« Demokratt« noch mehr «in», zuschränken, als sie bei »ns schon «ingeschrLnkt fft. Jeder wird ab« zugeben, daß «in ganz kleines Kollegium von fünf bis sieben Männern aus dem Kreise der Berbandsversammlung ehrenamtlich wirkend, durchaus in der Lag« fft, unserer Verwaltung vorzustchen

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