Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden
- Journal
- Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden
- Volume
- 7 (1929)
- Issue
- 2 (30.5.1929)
- Date
- 1929-05-30
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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toU-totr all« wissen, an schwierig«« und gefährlicher Stell« vermocht, und der ihnen durch den 'Zauber seiner Persönlichkeit und di« Würde seiner Auftretens in jeder Weis« gerecht geworden ist. Aber wir vermissen ganz besonders schmerzlich auch di« Persönlichkeit unseres hochverehrten Rabbiners Dr. Loewenihal, der, obwohl auf einem bestimmten Religionsstandpunkt feststehend, doch durch sein« ausgeglichen« Persönlichkeit und reine Menschlichkeit die Achtung und Lieb« aller Juden Berlins sich erworben hat. Das Andenken unserer Freund« wird nach dem bekannten uralten Wort« d«S Judentums bei unS geehrt bleiben: n5T3^ P’Tl 13?. Ich dank« Ihnen, mein« Damen und Herren, daß Sie sich zu Ehren unserer Heimgegangenen von den Plätzen erhoben haben. Ich begrüß« nunmehr als neue Mitglieder den für Herrn Dr. Braunschweiger «ingetretenen Kollegen Lentschüh, Htndenburg, und für Herrn Dr. Lohn Herrn Rechtsanwalt Dr. Max Lohn, Bonn. Ferner ist an Stelle der Frau Tietz, Köln, Frau Veronika Brünell, Köln, in di« Versammlung «ingetreten. An Stell« von Iustizrat Holz, Königsberg, ist sein Nachfolger im Gemeinde-Vorstand «ingetreten. Einen Nachfolger für Loewenthal werden wir zu wählen haben. Meine Damen und Herren! Damit könnten wir an sich in di« Beratungen «intreten. Ich habe nur noch einige geschäftlich« Bemerkungen zu machen. An die Spitz« meiner Ausführungen möchte ich die dringend« Bitte stellen, die ich berettS voriges Mal an Sie richtete, nämlich di« Gastfreundschaft, die uns in diesem Hause gewährt wird, dadurch zu würdigen, daß Sie dem Wunsche des Präsidenten des Landtags Rechnung tragen und, soweit «S überhaupt notwendig ist, Privatgespräch« zu führen, sie so zu führen, daß der ArbettSbetrieb in diesem Haus« nicht gestört wird. Das gitt besonders für morgen, da heute ja Arbettsruhe herrscht. Di« Wandelhalle ist uns für Privatgespräch« zur Verfügung gestellt. Dagegen sind di« Korridore, der beliebt« Aufenthalt unserer Mitglieder, dafür gesperrt. Ich, alS Präsident Ihrer Versammlung, spreche allerdings di« Erwartung auS, daß Sie, abgesehen von den offiziellen Pausen, von der Ermächtigung, in der Wandelhalle zu wandeln, nur in spärlichem AuSmaß Gebrauch machen werden. Allerdings ist mir das immer noch lieber, als daß Sie durch lebhafte Privatgespräche in diesem Saal« hier di« Aufmerksamkeit vom Redner ablenken. Ich hoffe also, daß Sie aufmerksam und ohne Inanspruchnahme dieses Instruments (mit einem Hinweis auf die Glocke) meinen Anordnungen folgen werden. Dann, mein« verehrten Damen und Herren, habe ich noch mitzuteilen, daß der Aeltesten-Ausschuß sich dahin schlüffig gemacht hat, daß wir unsere Beratungen so einrichten wollen, daß sie tunlichst morgen zu einer solchen Stunde geschlossen werden, daß unsere auswärttgen Kollegen mit den Nachtzügen nach haus« reisen können. Deshalb wird es notwendig sein, daß diejenigen Damen und Herren, di« sich heute Abend einen Theaterbesuch leisten wollten, diesen Wunsch zurückstellen, da wir möglichst bis gegen 20.30 Uhr tagen wollen, um wenigstens wesentlich« Teile b<3 Etats unter Dach und Fach zu bringen. Jedenfalls ist der Wunsch, daß morgen abend rechtzeitig die Derbandstagsmitglieder in chren Beruf zurückkehren können, dringender als gesellschaftlich« Verpflichtungen. Dann, meine Damen und Herren, bevor wir nunmehr in di« Tagesordnung «intreten, hat der Wunsch nach Unsterblichkeit noch eine gewiss« Befriedigung zu finden, indem der Photograph den Wunsch hat, diese erlaucht« Versammlung auf di« Platt« zu bannen, damit di« staunende MU- und NacAvelt von unserer Sitzung Kenntnis erhäll. (Heiterkeit.) Ich bitte Sie, der Ihnen innewohnenden Freundlichkeit auch äußerlichen Ausdruck zu verkeihen, nach attgewohnter Kämpferart vor Beginn des Kampfes sich freundlich gegenüberzustehen. Nachdem der Photograph dann zwei Aufnahmen gemacht hat, wird für Herrn Franck Herr Dr. Max Rosenberg neben Heirrn Fleischer zum Schriftführer bestellt- Der Präsident ersucht auch di« übrigen Mitglieder des Präsidiums, Dr. Köllen scher und Dr. Kahn- Jaffa auf dem Präsidium Platz zu nehmen. Dann führt er aus: Mein« Damen und Herren! E» sind hier eingegangen als Druckfachen die Beschlüsse des HauptauSschusfeS, «in Antrag wegen des Punktes der Wahl und «in Antrag der Konservativen Fraktion dezüglich der SchiedSftellen. Dieser Antrag ist an sich nach der Verfassung und Geschäftsordnung verspätet eingereicht worden. Ich nehme aber an, daß wir die erforderlich« Dringlichkeit nachher beschließen werden. Runmehr bitte ich den Präsidenten des Rates, zu Punkt 2 der Tagesordnung daS Wort zu nehmen. Tätigkeitsbericht des Rates. Präsident des Rate«, Wolfs: Wein« sehr verehrten Damen und Herren! Indem ich Sie namens de« Rates bei der heuttgen Tagung herzlichst begrüße und willkommen Hetze, möchte ich zugleich meiner Freud« darüber Ausdruck geben, daß die Tagung in diesem Jahr« erheblich früher stattfinden kann als bisher. Der Rat hat geglaubt, di« Tagung d«S DerbandStageS möglichst frühzeitig «inberufen zu sollen, weil di« wichtig« Vorlage des ReichsverbandeS auf der Tagesordnung steht und für den Fall, daß sie di« Annahme des Hohen Hauses finden sollt«, es wünschenswert fein würde, möglichst ball den Reichsverband ins Leben treten zu lassen. Als fernerer Grund kam in Betracht, daß über di« Dauer der ersten Wahlperiode noch immer Ungewißheit herrscht, und daß deshalb durch Fassung eines BerbandSbeschlusses endlich Sicherheit geschaffen werden muß. Zu diesem Zweck« ist Ihnen «ine Aenderung der Derfaffung zur Beschlußnahm« unterbreitet worden. Besonders «rfteulich ist «S, daß dank der frühzeittgen Fertigstellung unseres Etats «in« Verschiebung der Tagung nicht erforderlich war, so daß wir beretts Anfang Februar Zusammenkommen und auf dem Weg« über den HaushaUS-Ausfchmß di« Arbeiten des Landesverbandes für das nächst« EtatSjahr rechtzeitig vorbereiten können. Mein« Damen und Herren! Was im vergangenen Jahr« geleistet worden ist, darüber ist «in schriftlicher Tätigkeitsbericht erstattet worden, der, wie ich hoff«, sich in Ihrer aller Hände befindet. Ich glaubte, chn besonders ausführlich gestatten zu sollen, im wesentlichen deswegen, weil ich mir davon «in« Abkürzung der mündlichen Verhandlungen verspreche. Mir sellst wird es jedenfalls möglich sein, den mündlichen Tätigkeitsbericht mit geringerer Ausführlichkeit, all es bisher üblich war, zu erstatten, und in chm neben kurzen, allgemeinen Ausführungen mich auf di« erforderlichen Ergänzungen zu dem gedruckten Geschäftsbericht zu beschränken. Der gedruckt« Bericht bleibt di« Grundlage. Was hier noch gesagt wird, mag zu der objektiven Grundlage vielleicht noch «in« subjektive Beleuchtung geben, und dadurch di« Möglichkeit vergrößern, die Arbeit, die wir geleistet haben, Ihnen auch innerlich näher zu bringen. Meine Damen und Herren! Daß dies« Arbeit im allgemeinen nottut, darüber brauch« ich mich hier, nächdem der Landesverband jahrelang besteht, nicht mehr zu verbreiten. Wir wissen all«, zu welchem Zweck« er gegründet worden ist. Aus der ganzen Struktur des Landesverbandes mußten sich bei der laufende» Arbett gewiss« Schwierigkeiten ergeben. Ich muß daher darauf gefaßt sein, daß Sie unserer Arbeit gewiss« Mängel vorwerfen werden, glaub« aber, sagen zu können, daß diese, ^um Teil wenigstens, in dem Wesen des Verbandes begründet sind. Anderseill darf ich vielleicht hoffen, daß Sie uns di« Anerkennung nicht versagen werden, auf manchen «Schieten auch Erfolge erreicht zu haben. Soweit das letzter« der Fall ist, möchte ich für mein« MUarbeiter im Rat in Anspruch nehmen, daß sie alle mit größter Rührigkeit, mit Eifer und Energie tätig gewesen sind und bestrebt waren, di« schwierigen Verhältnisse zu meistern und etwas zustande zu bringen, was dem preußischen Judentum zum Segen gereicht. Wenn ich von meinen Mitarbeitern im Rate sprech«, so mein« ich damit alle, di« mit zu dem Erfolge geholfen haben, insbesondere auch — und nicht an letzter Stell« — unser« Angestellten, deren Tüchtigkeit und Erfahrung unS di« Erreichung unserer Ziel« ganz wesentlich erleichtert haben. (Beifall.) Meine Damen und Herren! Was wir sollen, und worauf wir unser« Arbett «inzustellen haben, ergibt sich aus der Verfassung. Wir sollen di« Pfleg« aller Interessen der preußischen Synagogengemeinden im Auge halten. Damit ist «in sehr weiter Rahmen geschaffen. Alles, was zur Erhaltung und Förderung dieser Gemeinden dient, ist unser« Aufgabe, insbesondere, da wir «ine Religionsgesellschaft sind und das vor allem pflegen müssen, was eine ReligionSgesellschaft all ihre Aufgaben ansieht, die Pflege d«S Kultus und des Unterrichts. Diese aber ist nur möglich, wenn vor allem die Personen da sind, die all Führer der Gemeinden für den Gottesdienst und den Unterricht zu sorgen haben. Daraus ergibt sich unser« Verpflichtung, auch di« Anstalten zur Heranbildung von Rabbinern und Lehrern in weitestem Maß« zu unterstützen, und, wenn nötig, inS Leben zu rufen. So ideal diese Anforderungen sind» so können sie doch nur erfüllt werden, wenn die materiellen Mittel dazu vorhanden sind. Deshalb muß es unser« stet« Sorge sein, wie wir trotz de» Druckes der Zetten und der Schwierigketten der Verhältnisse di« Mittel ausbringen, dies« unser« Hauptanfgaben zu erfüllen, weiter aber auch der Aufgab« gerecht zu werden, die dem Verband ferner obliegt, nämlich der, all« sein« Glieder lebensfähig zu erhalten oder wieder lebensfähig zu machen. Ich denk« dabei besonder« an di« kleinen, schwäch« Gemeinden, di« unbedingt erhalten werden müffen, und rechne «t»f den warmherzigen Beistand der Eroßgemeinden, deren Pflicht es ist, unter Beisettesetzung «gofftifcher Gedanken dem Judentum dadurch zu helfen, daß sie «S den kleinen Gemeinden ermöglichen, wetter zu besichen und am Leben zu bleliben.