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Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden · 1929-02-15 · 1 (15.2.1929) · p. Seite 33

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Journal
Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden
Volume
7 (1929)
Issue
1 (15.2.1929)
Date
1929-02-15
Page
Seite 33 (sequence 33)
Language
German
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— 88 — warten, und infolgedessen ruhig der Entwicklung vom Seminar zur pädagogischen Akademie Zusehen kann, ist dag bet «ng Juden ganz ander-. Wir haben kein« Reserven; unser« kleinen Gemeinden verkümmern und v«rd«rbenL>e-halb möchte ich Sie bitten, di« Titel, di« hier für di« Erhaltung dejüdischen LehrerstandeS eingesetzt sind, zu belassen und von den 20000 RM. dasjenige, waS eben nicht gebraucht wird in diesem Jahr«, dem jüdischen Lehrerseminar in Köln zugute kommen zu lassen. Ich kann nichtanderetun, als Ihnen hier meine Ueberzeugung vorzutragen und Ihnen zu sagen, daß ich des Glaubenbin, daß dem Judentum kein größerer Dienst geschehen kann, alS der: Wenn Sie dafür sorgen, daß an der Stätte, an der bis jetzt Lehrer ausgebildet worden sind, auch weiterhin Lehrer auSgebildet werden können; und daß die Personen, di« mV Idealismus und Hingabe an da- Judentum ihrer Lehraufgab« am Seminar sich widmen, erhalten werden können und nicht selber bedürftig werden. Ich will Ihnen nur sagen, daß audem vergangenen Jahr« noch 5000 AM. Gehälter unbezahlt sind (Zuruf: und 38000 AM. Der» bandsbeiträget — Heiterkeit). Di« Herren haben bis jetzt gewartet und gehofft auf besser« Zeiten; sie find ihrem Beruf treu geblieben; so wollen wir doch auch dieser Kölner Lehranstalt in jeder möglichen Weis« helfen. Ich habe noch zwei Minuten Redezeit, die auch Köln gelten sollen. Köln ist die hohe Ehr« zuteil geworden, daß es gestern und auch heute hier genannt worden ist. (Zuruf: Mit Recht!) Run habe ich die Beobachtung gemacht, daß unsere Kölner Vertreter durch Abwesenheit glänzen (Heiterkeit). ES ist aber auch gesagt worden, wir, die die Kanzel inne haben, sollten di« Kanzel besteigen und die Herzen unserer säumigen Gemeinden aufrühren. Wir wollen «S versuchen. Ob wir viel Erfolg haben werden, daS weiß ich nicht. Aber lassen Sie mich auch hier als Rabbiner schließen und mit einem Wort aus der jüdischen Literatur. Als Alexander der Groß« in Aegypten war, kamen die Aegypter zu chm und verlangten, er solle chnen doch helfen, daß die Juden endlich chr« Schulden bezahlten (Heiterkeit). Sie hätten doch beim Auszug Gold- und Sllbergefäße in unendlichen Mengen entliehen und biheute nicht zurückgegeben. Da sagt« Alexander der Groß«: Es soll geschehen. Aber «in weiser Rabbi stand auf, der gut rechnen konnte — das hat «S nämlich früher gegeben (Heiterkeit) — und meint«: Ja, wir ge- » stehen wohl «in, daß wir den Aeghptern viel schuldig sind, aber wir haben «in« Gegenrechnung zu stellen: Dezahll uns zunächst einmal Tagelohn für sechsmachunderttausend Leut«, die 430 Jahr« lang bei euch gearbeitet haben (Heiterkeit), dann wollen wir auch unsere Schulden begleichen. (Zuruf: Sollen wir so lang« auf Köln warten? — Stürmisch« Heiterkeit.) Erstatten Sie uns zurück, waS wir mtt der Pressa im Dienst« des deutschen Judentums auf unS genommen haben, dann wolllen wir Ihnen die 38000 RM. gleich bezahlen. Also — vergebt Euren Schuldiger»! (Heiterkett.) Berger: Meine Damen und Herren! Gestatten Sie, daß ich hier noch «inen Punkt berühr«, der Sie ganz bestimmt alle interessieren wird. Wir sprechen jetzt über di« Unterstützung für daS Arbeitsnachweiswesen. Da haben wir soeben «in« Mitteilung bekommen, daß in bestimmten Bezirken, und zwar im Westen Preußens, di« Regierungspräsidenten folgende- Verfahren angewandt haben. Sie haben denjenigen Arbeitern und Angestellten, die sabbattreu leben, Stellen Nachweisen lassen, an denen am Sabbat gearbeitet wird. Als diese Menschen, ihrer Ueberzeugung gemäß, dies« Stellen nicht akzeptierten, hat man st« daraufhin als nicht mehr arbeitswillig bezeichnet und st« demgemäß von der Arbeitslosenunterstützung ausgesperrt (Hört, Hört!). Der jüdisch« Arbeitsnachweis in Berlin hat diese Angelegenheit soeben erfahren und sofort die notwendigen Schritte beim Ministerium unternommen. Ich weiß, daß wir Ihrer aller Zustimmung sicher sind, wenn wir in diesem Kampf« mtt aller Entschiedenheit Vorgehen und wenn wir verlangen, daß diesem unerhörten Gewissenszwang jüdischen Arbettern und Angestelllen gegenüber schleunigst ein End« gemacht wird. (Lebhafter Beifall.) Damtt komm« ich zu dem hier umstrtttenen Punkt 1, TU. 8, dem besonderen Antrag der orthodoxen Freund«, bei dem sich mein Freund Wiener insofern geirrt hat» als er glaubt, ich Hab« mich geirrt. Ich habe mich nicht geirrt und muß hier auf «in« Er- . klärung der orthodoxen Fraktion in der Sitzung von Frettag verweise», in der ausdrücklich gesagt wurde, baß diese 6000 RM. be» stimmt sein sollen für den ArbeÜSnachweis, der nur zur Vermittlung sabbattreuer Stellen dienen sollte. Ich bezieh« mich auf das Zeugnis deverehrten Vorsitzenden der damaligen Tagung. Ich bitte das Hau«, sich einmütig gegen diesen Antrag zu wehren, denn er würde bedeuten, daß die mühsam errungene Zentralisation im Arbettsnachweiswesen vernichtet wird. DaS Arbeitsnachweiswesen braucht dies« Ientralisatton. Es ist selbstverständlich, daß «S nur daun gut arbeiten kann, wenn «in« zentral« Stell« besteht, bei der all« offenen Stellen und all« Gesuche um Beschäftigung gemeldet werden. Wir haben uns gefreut, daß nach mühsame», jahrelangen Verhandlungen der verschiedenen Organisationen wir endlich zu dieser Vereinigung gelangt sind. Ich bin berett. Ihnen di« Ziffern vorzutragen, äuS denen hervorgeht, daß wir uns in diesem GefamtarbeitSaachweiS außerordentlich stark bemühen, in allererster-Linie diejenigen unterzubringen, die sabbattreue Stellen haben wollen (Sehr richttgl). ES gelingt unS das in einem erstaunlich hohen Maße, Und zwar auS dem einfachen Grund«, weil wir uns hierbei dl« größt« Müh« geben. Aus einer Statistik geht hervor, daß wir zur Erlangung einer einzigen sabbattreuen Stell« genau sechsmal so viel Briefe und Gesuch« schreiben müssen, wie für eine andere Stell«. Trotzdem haben wir im vergangenen Jahr« ungefähr «in Viertel aller Stellen suchenden in sabbattreuen Betrieben untergebracht. (Hört, Hört!). Wenn Sie jetzt einen besonderen Arbeitsnachweis schäften, dann bedeutet das nicht nur die Vernichtung der michsam geschaffenen Zenttalisation, sondern es bedeutet gleichzettig, daß dieser Arbeitsnachweis «inen gewissen Beigeschmack bekommt, den er — seien wir ganz ehrlich — nicht haben soll und haben darf, weil er wirklich für <zlle Juden da sein soll. ES handett sich hier nicht um weltanschaulich«, sondern um ganz praktische Dinge. In der Leitung d«S Arbeitsnachweises sind alle jüdischen Richtungen vertteten und arbeiten ausgezeichnet zusammen Und haben auch wirklich etwas «rreicht. Ich bitte Sie, dieses Prinzip der Zentralisation unter allen Umständen aufrecht zu erhalten. Der Präsident: Es sind eine ganze Rech« Abänderung-- anträge zum Etat gestellt worden, die ich zum großen Teil noch nicht hier Hab«. Bor allem liegen mir noch nicht vor di« Abänderungsanträge des Haushaltungsausschusses. Ich kann nur die Anträge zur Abstimmung bringen, di« mir schriftlich vorliegen. D«S weiteren möchte ich Sie bitten, sich in der Speziald«batte, di« nach den Ausführungen des Vertreters deS Rates stattfindet, äußerste Mäßigung aufzuerlegen, weil ich unbedingt um 14 Uhr schließen möchte, und der Etat bis dahin durchberaten sein muß. Dtt Abstimmung folgt erst nachher. KareSki (Vertreter des RatS): Mein« sehr geehrten Damen und Herren! Ich habe gebeten, in diesem Stadium der Verhandlungen sprechen zu dürfen, weil ich glaub«, daß ich mich an der Verhandlung über die einzelnen Anttäg« kaum werde beteiligen können. Ich habe ja nun «inen Ueberblick über das, was an Aenderungen verlangt wird, aber die Dinge liegen ja so, daß der Rat dazu im einzelnen noch wird Stellung nehmen müssen, weshalb ich im Augenblick Endgültiges hier nicht sagen kann. Aber es wird mir, wie gesagt, nicht möglich sein, in der Spezialdkbatte für den Rat das Wort zu nehmen. Deshalb scheint es mir richtiger zu sein, beim Abschluß dieser «twaS grundsätzlicheren Aussprach« das Wort zu nehmen und die Richtlinien darzulegen, nach denen der Rat geglaubt hat, den Etat aufttellen zu sollen. ES ist hier in etwas wenig freundlicher Weise von dem Etat gesprochen worden. Liner der Herren Redner hat ihn als «in Blatt Parier bezeichnet. Er hat diese etwas scharfe Kritik damtt begründet» daß ein Etat balancieren soll und unter Balancieren verstünde er nicht «ine zahlenmäßig« Balance, die läge vor, sonder» den wirklichen Eingang der in Aussicht genommenen Einnahmen. Auf der anderen Sette ist auf «inen scheinbaren Widerspruch hingewiesen worden, der zwischen der Knappheit der Dotterung verschiedener Posten und einer Ermäßigung der Umlage, so wie sie Ihnen vorliegt, besteht. Meine Damen und Herren! Das ist wirklich nur ein scheinbarer Widerspruch, und die Polittt, die bei der diesmaligen Etats» aufttellung befolgt werden mußt«, mußt« naturgemäß von den früheren Gepflogenheiten in erheblichem Umfange abw«ich«l, well wir unS diesmal gewissermaßen in einer Zwangslage befunden haben. Die Entwicklung des Verkehrs zwischen dem Verband« und den Derbandsgemeinden hat unS gezeigt, und zwar in den letzten Monaten mtt immer steigender Deutlichkeit, daß daS Verständnis dafür, daß um der Aufgaben des Verbandes willen auch Opfer gebracht werden müssen, nicht in dem erforderlichen Umfange bei den Derbandsgemeinden vorhanden ist. Wir haben «in« ganz« Reih« von AuStrittSdrohungen bekommen; wir haben auch einig« recht schmerzlich« Austrittserklärungen zu verzeichnen. Aber was sich «igentlich durch die ganz« Korrespondenz der Finanzabteilung immer wieder durchzieht, das ist das Bestreben, dem Verband nicht das zu bezahlen, waS satzung-gemäß von ihm beansprucht werden kann, und gewiftermaßen mtt ihm «ine Art KuhhandeÜgeschäft zu machen. Ich muß in diesem Zusammenhang mtt Bedauern feststellen, daß nicht bloß einig« Sroßgemetnden mit ihren Zahlungen in so außerordentlichem Maß« im Rückstand find, sondern daß.es eigentlich kaum ein« Großgemetnd« gibt» di« nicht versucht, mtt dem Landesverband unter irgendwelchem Vorwand über den Beitrag zu handeln. Selbst diejenigen, di« hier im Brustton der Ueberzeugung darauf

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