Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden
- Journal
- Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden
- Volume
- 7 (1929)
- Issue
- 1 (15.2.1929)
- Date
- 1929-02-15
- Page
- Seite 32 (sequence 32)
- Language
- German
- Belongs to
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— 82 — wir haben freudig zugestimmt, als der HauptauSschuß den Sozialetat auf 150000 RM. erhöht hat.. Bezüglich der Verwaltungsausgaben haben wir in der Tat vom ersten Tage an Bedenken gehabt gegen die Vergütung für den Präsidenten de- Rats. LS wurde unS damals gesagt, daß die gleichzeitige Betrauung des Präsidenten des Landesverbandes mit dem Präsidium der großen jüdischen Gemeinde Berlin «ine so stark« Inanspruchnahme schaffe, daß dies« 8000 RM. bewilligt werden müßten. Im Laufe der Zest hat diese Personalunion aufgehört. Wir haben weder von dem Herrn Präsidenten noch von der Liberalen Fraktion die Anregung erhalten, jetzt die Höhe der Vergütung zu ändern, und wir warten noch auf «inen entsprechenden Hinweis von dieser Seite. Mein« Damen und Herren! Für die Unterstützung der jüdischen Berufsausübenden, seien es selbständige Gewerbetreibende, seien es Angestellte, soweit st« in ihrem Beruf« sich der Sabbatheiligung befleißigen, war ein Betrag von 6000 RM. in Aussicht genommen. Durch «inen Irrtum im Haushaltsausschuß ist dies« Subvention weggefallen. Herr Berger hat uns dort gesagt, daß durch «in besonderes Büro für sabbattreue Angestellte das allgemeine System der jüdischen Arbeitsvermittlung durchbrochen werde, und daß di« letztere sabbatfreie Stellen mit demselben Eifer, mit derselben Sorgfalt und mit noch mehr Erfolg vermittle, wie alle anderen Stellen, aber man hat vergessen, daß der Landesverband auch die Aufgabe hat, die selbständigen Gewerbetreibenden des Mittelstandes, die den Sabbat wahren wollen, im Fall« eines Bedürfnisses finanziell zu unterstützen, und dafür ist bisher Vorsorge nicht getroffen worden. Ich würde Ihnen daher Vorschlägen, den Posten von 6000 RM. wieder herzustellen. (Teilweise Zustimmung.) Ebenso würde ich Vorschlägen, die Position „Beihilfen für besondere rituelle Zwecke" von 6000 RM. auf 10000 RM. zu erhöhen. Das ist doch die eigentlich« Aufgabe des Landesverbandes. Wir müssen die minderbemittelten Kreise, und namentlich die Barmizwah-Knaben mit Talesim und Tefillin usw. versorgen; wir müssen die rituelle Eheschließung und Ehescheidung kostenfrei gestalten, wenigstens für die minderbemittelle Bevölkerung, und was dieser Ding« mehr sind. Und nun, meine Damen und Herren, mein Hauptbedenken richtet sich dagegen, die Landesverbandsumlag« von auf Vio°/°. ZU ermäßigen. Wir haben im Haushaltsausschuß gesehen, daß wir an allen Ecken und Enden Bedürfnisse haben, die wir nicht befriedigen können, und da sollen wir die Landesverbandsumlag« noch um Yio°/° herab setzen? Der Verband Bayern erhebt eine Umlage von 3°.o, Württemberg von und für bas preußisch« Judentum solste es eine Lebensfrage sein, daß wir von */i*°/o auf %o°/o herabgehen? Ist di« Zersetzung im preußifchen Judentum schon so weit vorgeschritten, daß die Ermäßigung um 15 Pf. auf den Kopf des preußischen Juden «ine Hauptfrage ist? Meine Damen und Herren! Es wurde uns gesagt, daß groß« Gemeinden mit den Beiträgen erheblich im Rückstand« sind. Was haben Sie dagegen getan? Gewiß, wir können nicht die Gemeinden in Köln usw. unter unsere Botmäßigkeit bringen, aber in dem Falle des Versagens von leistungsfähigen Gemeinden müssen sich die Beauftragten des Landesverbandes auf die Eisenbahn setzen, sie müssen außerordentliche Sitzungen der Derwattungskörperschaften einer solchen Gemeind« herbeiführen und müssen es dahin bringen, daß das preußisch« Judentum seine verdammte Pflicht und Schuldigkett tut. Ich glaube, meine Damen und Herren, 1Y,°/« Umlage werden leichter zu erreichen sein, als */ioB'<». wenn der Landesverband allen seinen Aufgaben auf sozialem, auf kulturellem und auf religiösem Gebiet in einer großartigen Weise genügt. Dann wird er damit «ine Werbekraft entwickeln, die allein zum Erfolg« führt. Und darum sag« ich: Wälzen Sie auf den Landesverband alle großen Aufgaben der jüdischen Gegenwart; lassen Sie das Verdienst des Landesverbandes groß werden vor Gott und der jüdischen Geschichte und häufen Sie auf ihn all« Belange und Bedürfnisse des deutschen Judentums. Er wird seiner Stellung gerecht werden. (Beifall.) Dr. R o se n kh a l, Köln (kons.): Meine Damen und Herren! In bezug auf di« Punkt« Sabbatheiligung und Bechilfen für besonder« rituelle Zweck« kann ich mich zunächst der Vereinfachung halber auf den Boden des verehrten Herr» Vorredners stellen und im Namen meiner Fraktion mitteilen, daß auch wir für die Einsetzung bzw. Erhöhung dieser beiden Positionen sind, also dafür, daß für di« Bechllfen statt 6000 RM. 10000 RM, und für die Sabbathelligung 6000 RM. neu eingesetzt werden. Zu dem Punkt Sabbathelligung gestatten Sie mir «kU Wort. Unter den Eindrücken des gestrigen Tages ist für mich, und sicherlich nicht für mich allein, mll der erhebendst« der gewesen, als auS den Reihen det Dolkspartet heraus «in Mstglied gebrochen hat, daS nicht beamtet ist im Dienst« des Judentums und nicht auf di« Kanzel d«S Judentums steigt, wie unsereins, das gesprochen hat in Schlichchell und in Wärme und in Eindringlichkeit, di« wir nicht vergesse« werden, vom Sabbat. Ich glaube, daß dieser Eindruck allein genügend ist, Sie, meine verehrten Damen und Herren, zu bestimmen, einer Forderung oder einem Vorschlag, den die Konservativ« Fraktion Ihnen vorzulegen sich erlaubt hat, beizustimmen und nicht auf Gründe hin, für die jede Unterlage fehst — die Arbeitsvermittlung hat mit der durch die Sabbathelligung geschaffenen Not nichts zu tun! —, diesen Antrag abzulehnen; sondern vielmehr für die Sabbatheiligung und die wirtschaftliche Erleichterung derjenigen, di« den Sabbat heiligen wollen, und die ihn nicht lassen trotz schwerster materieller Bedrängnis, ein Reservoir zu schaffen, aus dem heraus ihnen Beihilfen gewährt werden. Der Herr Porredner hat bereits darauf hingewiesen, daß diese Beihilfen in der Hauptsache den kleinen Gewerbetreibenden, die den Sabbat halten, zuteil werden soll. Sie sollen aber auch den Vereinigungen zutell werden, welch« sich Schemiras Schabbos, die Hut des Schabbos, erneut, wie in früheren Jahren, vor dem Krieg«, zur Pflicht gemacht haben. — Zu den Bezirksrabbinaten, mein« Damen und Herren, habe ich den Anttag zu stellen, daß die Position von 20000RM. dennoch erhöht wird, und all« die Gründe, die der Vertreter der Liberalen Fraktion angeführt hat, können das nicht erschüttern. Im Gegenteil, wenn noch nichts geschehen ist auf diesem Gebiet, dann muß erst recht endlich etwas geschehen. Mit 20 000 RM. läßt sich nicht viel machen, und auch nur vier Bezirksrabbinate lassen sich damit kaum für «in halbes Jahr erhalten. Ich schlage daher namens der Konservativen Fraktion vor, den Betrag von 20000 RMauf 40 000RM. zu erhöhen. Und nun komme ich zu einem besonderen Punkt, der mich als Kölner bettifst. Es gibt da noch eine andere Sache, mit der ich zu schließen gedenke; aber diesen Punkt möchte ich an erster Stell« als Kölner berühren. Meine Damen und Herren! Der Haushaltsausschuß hat sich entschlossen, die für die Iawne-Anstalt eingesetzten 20 000 RM. zu streichen und dafür dem Kölner Seminar «ine Subvention nicht von 12000 RM„ sondern von 15000 RM. zu geben. Ich habe Ihnen mitzuteilen, daß die Konservative Fraktion folgenden Beschluß gefaßt hat — als ersten chrer Anttäge: „Sollte di« für die Iawne eingesetzte Summ« ganz oder teilweise im Jahre 1928 nicht zur Auszahlung kommen, so erhöht sich die Unterstützung für das Kölner Seminar dementsprechend." Wir bestehen auf diesen Antrag, und das, was wir bis jetzt gehört haben, veranlaßt uns nicht, davon abzugehen. Ich habe Ihnen dazu noch folgendes mitzuteilen. Die 12000 RM-, die für das Kölner Seminar bewilligt worden sind, sind unzureichend. Sie sind unzureichend, um «ine Anstalt einstweilen noch am Leben zu erhalten, die am Leben erhalten werden muß. Wie notwendig das ist, meine Damen und Herren, das gestatten Sie mir Ihnen zu illusttieren aus der qstpreußischen Angelegenheit, von der heute und gestern schon die Rede gewesen ist. Die Verfasser der Denkschrift, die wir bekommen haben und die auch an das Kölner Seminar gegangen ist, haben dorthin folgend« Worte angefügt: „Wir haben uns erlaubt, Ihnen die Denkschrift des Herrn Direktor Peritz über die religiös« Not unserer ostpreußischen Gemeinden zu übersenden. Wir hoffen, daß die durch die politischen Verhältnisse bewirkte Notlage unserer Gemeinden auch Ihr Mitgefühl erweckt haben wird; und so erlauben wir uns die ganz besondere Bitte an Sie zu richten, uns gütigst von Ihren gegenwärttg abgehenden Seminaristen noch einige für ostpreußisch« Gemeinden anzuweisen. Sie tun damit nicht nur unserer Provinz, sondern dem Judentum im ganzen einen anerkennenswerten Dienst." So verlangt man in Ostpreußen, daß die einzige in Preußen noch existierend« Anstalt zur Heranbildung jüdischer Lehrer Hilst. Deshalb, mein« Damen und Herren, müssen Sie diese Anstatt lebensfähig erhalten, und das ist unmöglich mtt den 12000 RM„ di« @t« in Bereitschaft gestellt haben. Die mir zur Verfügung stehende Zeit reicht nicht aus, um Ihnen die Derhältnisse der Iawne darzutun, aber es ist ja gar nicht gesagt, daß nicht schon in vier, in fünf oder sechs Wochen di« Oberstufe der Iawne noch eingerichtet wird. Um zum Seminar zurückzukehren: Unter den Dingen, die gestern in der Generaldebatte für die Erhaltung des Judentums als notwendig hingestellt worden sind, ist nicht oder zu wenig betont worden, daß, wenn wir unser« kleinen Gemeinden nicht mtt Lehrern versorgen, das Judentum zugrunde geht. Ich beurteil« nicht di« gegenwärtig« Derfasfung der Seminar«. Ich weiß, daß das jüdisch« Lehrerseminar in einer Entwicklung sich befindet, und daß es anderen Anstallen den Platz räumen wird. Gegenwärtig aber existiert noch ein Seminar, daS Kölner; und während di« Allgemeinheit in Preußen noch 30000 in Seminaren auLgebildet« Junglehrer hat, di« auf Anstellung